Zwei ganze Stunden hatte es gedauert, bevor Alex nach einer langen Reihe von Untersuchungen, mehreren Röntgenbildern und dem Nähen seiner Kopfwunde endlich aus dem Behandlungszimmer entlassen wurde.
Das Resultat war fast genau das, was er schon vorausgesagt hatte, Rippenprellung und eine leichte Rauchvergiftung, keine inneren Verletzungen.
Eigentlich war es ja ein bisschen erschreckend, wie viel Erfahrung er schon mit allen möglichen Verletzungen hatte.
Zum Glück hatte er mit der Gehirnerschütterung falsch gelegen. Sonst hätten die ihn nicht so einfach gehen lassen. Daran wollte er gar nicht erst denken.
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Vorsichtig bewegte sich Alex durch den langen Korridor zurück zum Eingangsbereich des Krankenhauses. Zwar hatten sie seine Rippen gut getaped, aber trotzdem tat noch jede Bewegung weh.
Alex wollte jetzt einfach nur nach Hause. Sich ins Bett schmeißen und mindestens 10 Stunden schlafen. Er musste es jetzt nur noch bis zum Taxistand schaffen und dann bis nach Hause durchhalten.
Aber irgendwie schien der Korridor gerade unendlich lang. Für einen Moment musste Alex anhalten und an der Wand gelehnt eine kurze Pause mache, bevor er sich langsam weiterbewegte. Glücklicherweise war der Taxistand fast genau vor dem Eingang des Krankenhauses. Das würde er auch noch schaffen.
Als Alex endlich den Eingangsbereich erreicht hatte, blieb er überrascht stehen. Er hatte nicht erwartet, das Gerkhan nach der ganzen Zeit noch hier war. Doch da saß er, in einem der unbequemen Wartezimmerstühle, und las eine Autozeitschrift. Nicht die Erste, wie es schien, da sich neben ihm schon ein ganzer Stapel von Heften türmte.
Unweigerlich musste Alex ein wenig lächeln. Gerkhan hatte ihn noch nicht bemerkt, zu sehr war er in seine Zeitschrift vertieft. „Ist das die Pflichtlektüre der Autobahnpolizei?" fragte Alex mit einem leichten Grinsen.
Gerkhan sah überrascht auf. Seine Überraschung wandelte sich um zu einem erfreuten Lächeln, als er sah, dass es Alex war, der ihn angesprochen hatte. „Na klar! Wir müssen 10 dieser Hefte pro Monat lesen. Ich war schon etwas hinterher" antwortete er mit einem breiten Grinsen, und deutete auf den Zeitschriftenstapel neben sich.
Dann wurde er etwas ernster. „Na? Alles noch dran?" fragte er Alex und musterte ihn von oben bis unten.
Obwohl die Frage auch in einem leicht scherzhaften Ton gestellt wurde, sah Alex, dass Gerkhan sich wirklich Sorgen um ihn gemacht hatte.
So richtig wusste der Ex-Polizist nicht, wie er damit umgehen sollte.
Deshalb nickte er nur leicht und versuchte die Situation zu überspielen. „Nichts, was sich nicht mit ein bisschen Ruhe auskurieren lassen würde. Und davon kann ich ja jetzt genug haben." Antwortete er trocken, mit einem schiefen Grinsen auf dem Gesicht.
Gerkhan schüttelte darauf nur den Kopf. „Na dann kommen Sie mal, Sie Rentner" meinte er schmunzelnd. „Ich bringe Sie nach Hause." Mit diesen Worten legte er sein Heft zur Seite und stand auf.
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Langsam bewegten sie sich zum Parkplatz. So angeschlagen wie Alex auch war, seine Beobachtungsgabe funktionierte noch. Er hatte schnell gemerkt, dass der Autobahnpolizist nicht so recht wusste, ob er ihn stützen sollte oder nicht.
Am Ende hatte Gerkhan sich dagegen entschieden, aber er hielt sich dicht neben Alex. Nicht zu dicht, dass Alex sich bedrängt fühlen würde, aber dicht genug, so dass er ihn im Notfall vor einem Fall bewahren konnte.
Darüber war Alex wirklich dankbar. Die letzten paar Stunden waren ihm eindeutig zu viele Menschen zu nahe gekommen.
Aber es war auch gut zu wissen, dass jemand auf ihn aufpasste. Das es jemandem nicht egal war, wenn Alex jetzt hier auf dem Weg zusammenklappen würde.
Es überraschte ihn allerdings, dass Gerkhan so auf ihn eingestellt schien.
Entweder der Autobahnpolizist kannte Alex jetzt schon besser, als es ihm lieb war oder es war einfach nur Zufall. Alex hoffte, es war das Letztere, aber wenn er etwas gelernt hatte in den letzen Tagen, war es, dass Gerkhan ein verdammt guter Ermittler mit scharfen Instinkten war.
Sonderlich überraschen würde es Alex jedenfalls nicht. Ob er damit so glücklich war, das war eine andere Frage.
Es war besser, wenn andere Leute nicht zuviel über ihn wussten. Das lieferte ihnen nicht so eine große Angriffsfläche, wenn es zu Problemen kam.
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Mehrere Male hatten sie anhalten müssen, damit sich Alex wieder etwas erholen konnte. Musste dieser verdammte Parkplatz auch so weit weg vom Eingang des Krankenhauses sein?
Gerkhan hatte ihm angeboten, den Wagen näher heran zuholen, aber Alex hatte das Angebot abgelehnt. Schließlich war er ja kein Invalide und zum Parkplatz würde er es ja wohl noch schaffen.
Inzwischen bereute er diese Entscheidung allerdings.
Als sie endlich an Gerkhan's Dienstwagen angekommen waren, ließ sich Alex erschöpft auf den Beifahrersitz sinken.
Er gab dem Autobahnpolizisten noch seine Adresse und lehnte dann seinen Kopf nach hinten an die Rückenlehne des Sitzes und schloss die Augen. Von der Fahrt bekam er nichts mehr mit.
