Viel Spaß mit dem neuen Kapitel, ich bin sehr auf eure Reaktionen gespannt.
Völlig überrascht wehrte ihn Ginny nicht ab. Sie ließ seine Zunge in ihren Mund ein und als er ihre Zunge anstupste, ließ sie sich auf das Spiel ein. Waldens Hände berührten ihre Wangen, strichen über ihren Hals und wuschelten schließlich in ihren Haaren. Er löste sich von ihr und sah sie an, als wolle er erkunden, ob er zu weit gegangen war.
Doch so sehr auch ihre innere Stimme zeterte, dass sie hier Walden Macnair vor sich hatte, den Todesser, Mörder, Henker, den Mann vor dem sich selbst einige der anderen Todesser fürchteten, sie genoss seine Zuneigung.
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Kapitel 10
„Na komm, wir gehen. Es ist ein schöner Tag, wir sollten uns ein Eis vornehmen."
Nun war es an Ginny breit zu grinsen. Sie nickte immer noch sprachlos und zusammen apparierten sie in die Winkelgasse. Gemeinsam schlenderten sie durch die Zaubererstrasse. Nach längerem Schaufenster bummeln gingen sie an der Gringottsbank vorbei und Ginny wurde hart an den Schultern gepackt und herumgerissen. Sie blickte direkt in das wutentbrannte Gesicht ihres Ehemannes. Draco zerrte sie an die Seite und blaffte los.
„Du Miststück! Was treibst du dich mit dem alleine hier herum?" Seine Stimme war leise, doch überschlug sie sich fast.
Walden wollte einschreiten, doch Ginny sah ihn an und schüttelte den Kopf. Er bleib auf Abstand, ließ das Paar aber nicht aus den Augen.
„Nenn' mich nicht noch einmal Miststück! Was willst du überhaupt? Soll ich brav zu Hause sitzen und Däumchen drehen wie deine Mum? Ich finde sticken nicht so prickelnd wie sie.
Ich bin doch nicht scheintot, verdammt!"
„Aber du musst nicht mit deinem Herzblatt hier in der Öffentlichkeit flanieren!", zischte er giftig.
„Wenn mein Mann sich nicht um mich kümmert…", kokettierte Ginny.
„Ich arbeite!"
„Du flüchtest! Du arbeitest sieben Tage die Woche. Wenn ich morgens aufwache, bist du weg und wenn du nach Hause kommst, gehen wir sofort ins Bett!"
„Ich dachte, es wäre dir lieber, wenn du mich nicht so lange ertragen musst! Wir sollten diese Unterhaltung zu Hause fortführen." Gehetzt blickte er sich um und wurde erst ruhiger, als er sicher war, dass sie keine Aufmerksamkeit auf sich gezogen hatte. „Also was machst du mit ihm hier?"
„Wir wollten nur etwas bummeln und ein Eis essen."
Überrascht und etwas verwirrt runzelte Draco seine Stirn. „Walden Macnair geht mit dir Eis essen?" Dann räusperte er sich.
„Denke bitte an die Familie. Bleibt in der Öffentlichkeit. Mach' uns keine Schande", kapitulierte Draco seufzend.
„Wir sind hier mitten in der Winkelgasse. Öffentlicher geht es kaum, oder?"
Draco seufzte erneut, warf Walden einen tödlichen Blick zu und ging wieder in das Gebäude neben der Zaubererbank. Ginny gesellte sich wieder zu Walden, der sie fragend ansah.
„Was wollte denn dein Mann?"
„Rede nicht so abfällig! Es ist für ihn auch nicht leicht."
Fassungslos starrte der Todesser sie an. „Du magst ihn! Was hat das Bübchen denn getan? Hat er endlich seine Pflichten erfüllt?"
„Manchmal kannst du richtig abscheulich sein!"
„Und deshalb magst du mich so!"
„Eingebildeter Widerling! - Was ist jetzt mit meinem Eis?"
Seine Hand griff nach ihrer und seine Finger kosten die Haut auf ihrem Handrücken. Dann ging er los und zog sie hinter sich her. Bei Florian Fortescues Eisdiele, die nun Balthasar Baskin gehörte, setzten sich die beiden an einen der hinteren Tische.
Die neugierigen und kritischen Blicke, die ihnen verlegen zugeworfen wurden, stoppte Walden mit einigen scharfen Antwortblicken. Dann trat eine junge blonde Hexe an ihren Tisch und fragte lächelnd: „Was kann ich für sie tun?"
Der Blick, den Walden ihr von heraus zuwarf, deutete Ginny, dass er eine Antwort auf Lager hatte, die der jungen Frau sicher nicht gefallen würde. Sie bestellte einen Lavabecher, als sie sah wie ihr Begleiter seinen Hals reckte, um der Bedienung in den zugegebenermaßen tiefen Ausschnitt zu schauen.
„Walden?", sprach sie ihn lauter an, als es notwendig gewesen wäre. Er zuckte auch prompt zusammen und grinste entschuldigend.
„Ich nehme den mit den Schokoexplosionen", sagte er schnell.
„War es notwendig ihr mit beiden Augen ins Dekolletee zu kriechen und dabei auch noch den Kopf zu drehen?"
„Ging nicht anders. Da ich mein eines Auge nicht mehr richtig bewegen kann, schauen die beide nicht immer in dieselbe Richtung."
„Das wusste ich gar nicht. Eine Verletzung vom großen Kampf?"
Er sah sie an und hob seine Augenbrauen. Sein schmaler Schnurrbart kräuselte sich synchron mit seiner Oberlippe. „Nein, der kleine Longbottom hat mir im Ministerium seinen Zauberstab ins Auge gerammt. Es heilte nicht richtig aus, in Askaban kümmert sich niemand um so etwas, solange du nicht daran stirbst und auch dann ist es eher nebensächlich. Ich kann sehen, doch die Beweglichkeit des Augapfels ist eingeschränkt. Kleine Mistratte!"
„Ihr wart auch nicht freundlicher, zumindest ist mir das nicht aufgefallen", knurrte Ginny.
Walden überging einfach ihre Aussage, was Ginny insgeheim ärgerte und zählte weiter auf. „Von der großen Schlacht habe ich mein steifes Knie. So ein junger schwarzhaariger Schnösel hat mir die Kniescheibe zertrümmert. Irgend so ein Halbblut, mir fällt der Name nicht ein …
Von den gebrochenen Rippen ganz zu schweigen, als mich dieser trottelige Riesenmischling an die Wand geworfen hat."
Die nette junge Hexe brachte das Eis und wünschte einen guten Appetit.
„Jetzt hör' aber auf, meinst du ich bekomme Mitleid mit dir und du kommst so an dein Ziel?", fragte Ginny, als die Bedienung gegangen war.
Der Todesser beugte sich zu ihr herüber. Freundlich lächelnd zischt er gefährlich: „Ich habe gesagt, ich nehme mir die Frauen nicht mit Gewalt, ich habe nicht gesagt ich lasse mich von ihnen zum Trottel machen!"
„Entschuldige", murmelte Ginny und sah auf ihren Eisbecher. Sie musste vorsichtiger sein. Wenn sie Walden als Schutz behalten wollte, durfte sie ihn nicht verärgern.
‚Du hörst dich an wie eine Hure. Du verkaufst dich an ihn und verlangst als Gegenzug Sicherheit', höhnte Gin in ihr.
Ärgerlich schüttelte Ginny den Kopf, als könne sie dadurch Gin zum Schweigen bringen. Es war ihr egal, wie ihr innere Stimme sie nannte. Sie brauchte alle Unterstützung, die sie bekommen konnte.
Walden bezahlte, nachdem sie aufgegessen hatten. Er nahm sie am Arm und schob sie zur Seite. „Ich habe noch etwas in der Knockturngasse zu tun." Als er sah wie Ginny zusammenzuckte, setzte er in beruhigendem Tonfall hinzu. „Keine Angst, dort bist du noch sicherer als hier. Keiner würde es wagen, meine Begleitung auch nur schief anzusehen."
Aufmunternd legte er den Arm um sie. Die beiden bogen in eine der kleinen Gassen ein, welche die beiden Strassen des magischen London miteinander verbanden. Ginny hörte ein Rascheln hinter ihnen und auch Walden versuchte herumzuwirbeln, doch da traf etwas Ginnys Hinterkopf und alles versank in einem unheimlichen Schwarz.
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Ihr Schädel brummte, als sie wieder zu sich kam. Sie lehnte gegen etwas Warmen. Erschrocken erkannte sie, dass sie ihre Hände nicht bewegen konnte. Sie blinzelte. Ein schäbiges düsteres Zimmer und vor ihr … Walden. Sie setzte sich auf, so gut es ging. Walden Macnair saß auf seinen Füßen. Seine Hände waren hinter seinem Rücken an seine Fußfessel gebunden. Sie saß auf seinem Schoß, Brust an Brust und ihre Hände waren hinter seinem Rücken zusammengebunden.
„Auch schon wach?", fragte er mit rauer, leiser Stimme.
„Was ist geschehen?", flüsterte sie.
„Ah, die kleine Schlampe ist wach!", höhnte eine seltsam verstellte Stimme. Ginny versuchte ihren Kopf zu drehen, doch ihre Haltung erlaubte ihr nicht, den Sprecher zu sehen. „Na, gefällt dir die Position? So kannst du ihm nahe sein bis zu eurem Tod."
Schritte hinter ihr ließ sie noch nervöser werden. Sie wand sich hin und her und versuchte einen Blick auf ihren Peiniger zu erhaschen.
„Hör auf so zu zappeln, Gin, bitte!", zischte Walden und keuchte etwas.
Ginny spürte einen Druck an ihrem Unterleib, der sich merklich verstärkte, je mehr sie sich bewegte. Sie sah Walden an und der hob erklärend seine Augenbrauen. Kurz hielt sie den Atem an, als ihr bewusst wurde, was dort gegen sie drückte. Um nicht rot zu werden, unterbrach sie den Blickkontakt zu dem Mann unter ihr und drehte erneut den Kopf etwas, um die Person endlich zu sehen. Doch das Einzige, was sie erkennen konnte, waren Beine und eine Tür, die sich öffnete. Weitere Beine kamen herein und eine Männerstimme ertönte.
„Es scheint niemand etwas mitbekommen zu haben, Emmi. Allerdings wäre es ratsam, wenn wir uns beeilen. Sobald die Malfoys merken, dass wir die Frau des Juniors haben, sollten wir weit weg von hier sein."
Die entstellte Stimme lachte rau. „Schade, dass wir ihre Gesichter nicht sehen können, wenn sie die beiden Leichen finden, Ben."
„Emmi, es ist… deine Idee ist … wir sollten, das nicht tun!"
„Bei Merlin, Ben, sei nicht so eine Memme. Du weißt, was dieses Monster getan hat!"
Die Beiden gingen ein Stück und endlich konnte Ginny sie sehen. Ein braunhaariger Zauberer mit Hamsterbacken und kleinen runden Augen zeigte deutlich seine Abneigung gegen das Vorhaben. Doch die Hexe neben ihm, Ginny erkannte voller Grauen Emmelda Green, war zu allem entschlossen. Sie hob ihren Zauberstab an ihre Kehle, als sie sprach.
„Wir wissen doch, dass er deine Schwester missbraucht und dann zerstückelt hat Ben."
„Aber die Kleine, Emmi, sie ist gerade erst erwachsen. Wir können …"
„Halt den Mund, Ben! Wenn sie sich mit diesem Pack zusammentut, muss sie mit den Konsequenzen leben! Sie ist eine Malfoy!"
Als könne sie der Realität dadurch entkommen, vergrub Ginny ihr Gesicht in Waldens Robe. Tränen traten aus ihren Augen. Das war alles so unsinnig. Sie sollte sich erleichtert fühlen. Sie hätte die Chance wieder in ihre Welt zurückzukehren. Doch sie saß hier und sollte sterben. Sterben durch die Hand früheren Mitstreiter!
Sie konnte den Hass der Hexe auf Walden verstehen, doch war die weiße Seite so viel moralischer, wenn sie handelte wie jetzt? Sie wollte nicht, dass sie Walden töteten, sie mochte ihn irgendwie und er war alles, was ihr geblieben war. Sie wusste, dass er gefährlich war, doch sie wünschte ihm nicht den Tod.
„Emmi, bitte!", sagte der pausbäckige Zauberer und Ginny sah zu ihm auf.
Doch die Hexe trat zu den Gefangenen und grinste, dann sprach sie mit Hilfe ihres Zauberstabes: „Walden Macnair, schön dich wieder zu sehen. Kennst du mich noch?"
Der Zauberer knurrte eine Zustimmung. Er schien ungerührt und völlig ruhig, doch Ginny konnte sein Herz rasen spüren und fühlte das Zittern in seinem Körper.
„Dann kennst du dies auch." Sie hielt ihm das Messer, mit dem er ihr die Zunge aus dem Mund geschnitten hatte, vor die Nase.
Ginny sah auf und sie konnte in seinen Augen Angst sehen. Todesangst. Sie wusste dass sie beide sterben würden. Zuerst Walden und dann sie. Ginny sah ihn an, lächelte beruhigend und presste dann ihre Lippen auf seine. Er zögerte kurz, dann erwiderte er ihre Zuneigung. Ihre Zungen trafen sich, umkreisten sich und dann zog Walden hastig Luft ein, röchelte, sein Körper versteifte sich und Ginny spürte Flüssigkeit in ihren Mund fließen. Eine metallische warme Flüssigkeit … Blut!
Sie öffnete die Augen und fing seinen Blick. Schmerz und die Gewissheit zu sterben standen darin. Ihre Münder trennten sich und Ginny drückte den Körper des Sterbenden fest an sich, sie rieb ihren Wange an seiner.
„Alles wird gut Walden. Alles wird gut", murmelte sie wie ein Mantra. Sie sah ihre Mutter streben, Harry, ihren Vater, …
Sie bemerkte nicht, dass eine weitere Person eintrat. Sie erwartete den Stich, fest an den nur noch flach atmenden Walden gebunden.
„Was tut ihr denn da? Ihr wolltet sie verhören! Verdammt Emmelda! Du hast ihn erstochen!" Ginny war sich sicher, diese Stimme kannte sie.
„Ja! Seine kleine Schlampe wird auch sterben!", krächzte die Hexe.
Schritte waren zu hören, dann spürte sie eine Hand an ihrer Schulter.
„Bei Merlin! Das ist Ginny! Seid ihr irre?" Ihre Hände wurden befreit. Kraftvoll doch sanft wurde sie nach oben gezogen. Sie sah wie Walden umkippte, ein gequälter Laut verließ seine Lippen.
„Warum? Warum? Alle tot! So viel Blut! Alle tot", murmelte sie mit hängendem Kopf.
„Ginny komm wieder zu dir!" Sie spürte rauen Stoff, der ihr über die Lippen wischte. Diese Stimme! Sie sah auf, freundliche braune Augen sahen sie an.
„Nev? Bist du es wirklich? Nev, du musst mir helfen! Bitte! Nev!"
„Es wird alles gut, du bist bei uns. Wir bringen dich in Sicherheit!"
Ihr Blick fiel auf den am Boden liegenden Todesser. „Hilf ihm Neville. Er darf nicht sterben, bitte!" Der Drang Walden zu beschützen wurde immer stärker. Er war doch ihr Schutz.
„Es ist zu spät Ginny, komm!" Neville zog Ginny hinter sich her.
Die junge Hexe sträubte sich, so gut sie konnte. Immer wieder versuchte sie sich aus dem Griff zu befreien und dem Verletzten wenigstens in den letzten Minuten beizustehen.
„Walden!" Ginnys ganzer Schmerz lag in ihrer Stimme.
„Ben, hilf mir!", knurrte Neville angestrengt.
Der Zauberer mit den dicken Backen kam herbei und zu zweit schafften sie Ginny bis zur Tür. Mit einem letzten: „Walden!" verlor Ginny den Blickkontakt und ließ sich mehr oder minder freiwillig mitschleppen. Sie spürte das gewohnte Gefühl durch ein Nadelöhr gezogen zu werden und stand dann auf Gras.
Um sich zu orientieren, schaute sie sich um. Obstbäume standen vereinzelt auf einer kurz gehaltenen Wiese. Ein Gemüsegarten war mit einer niedrigen Steinmauer umgeben und ein altes Landhaus stand auf einer kleinen Anhöhe direkt vor ihnen. Nicht ein schlossähnliches Anwesen wie das der Malfoys, nein, ein großes schlichtes Landhaus.
Die kleine Gruppe setzte sich in Bewegung. Ginny lief neben Neville, ohne auf einen ihrer Begleiter zu achten. Sie klopften an die Tür und eine große dickliche Frau mit dichtem schwarzem Haar in Jeans und Shirt öffnete die Tür.
„Da seid ihr ja, ich habe mir schon Sorgen gemacht. Kommt rein." Sie trat zur Seite. Als sie Ginny sah, hob sie fragend die Augenbrauen. „Ihr habt Besuch mitgebracht?"
„Eine Gefangene", krächzte Mrs Greens zungenlose Stimme.
„Besuch!", stellte Neville klar.
„Dann, äh, bringt den gefangenen Besuch erst einmal herein."
tbc
