Vielen Dank für die vielen, lieben Reviews. Danke an euch alle. Besonders natürlich an meine Betas Eosphoros und Fiver!
Viel Spaß mit dem neuen Kapitel!
„Da seid ihr ja, ich machte mir schon Sorgen. Kommt rein." Sie trat zur Seite. Als sie Ginny sah, hob sie fragend die Augenbrauen. „Ihr habt Besuch mitgebracht?"
„Eine Gefangene", krächzte Mrs. Greens zungenlose Stimme.
„Besuch!", stellte Neville klar.
„Dann äh, bringt den gefangenen Besuch erst einmal herein."
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Kapitel 11
Ginny wurde schweigend hineinbugsiert. Dann wollte Neville sie durch eine Tür schieben, doch Mrs. Green löste seine Hand von ihrer Schulter und schubste Ginny vor sich her. Sie wurde unsanft in einen Raum gebracht, der anscheinend ein Arbeitszimmer war. Ohne ein Wort der Erklärung ließ die Hexe sie stehen und ging. Die Tür schloss sich und wurde magisch verriegelt, wie Ginny an dem knisternden Geräusch erkannte.
Sie war erneut gefangen. Diesmal nicht im Kerker des dunklen Lord, sondern im Haus eines Mitgliedes der guten Seite. Eine ganze Weile stand Ginny da und wagte nicht sich zu bewegen. Dann taten ihr die Füße weh und sie setzte sich auf einen der Sessel. Ganz vorne auf die Kante. Vor Aufregung fing sie an zu zittern. Walden war tot, ihre einzige Hilfe, ihr Schutz … doch sie war wieder in ihrer Welt, brauchte sie dort noch Schutz? Ihre Gedanken kreisten so rasant, dass ihr schwindlig wurde.
‚Immer noch sicher, dass du mich nicht mehr brauchst? Oder bist du nicht mehr ganz so überheblich?', meldete sich Gin unverhofft.
‚Gin! Ich weiß einfach nicht, was ich tun soll. Es ist … alles so … so furchtbar.'
‚Dann soll ich wieder übernehmen?'
‚Nein!'
‚Du willst dich also noch länger in deinem Selbstmitleid suhlen?'
‚Nein! Ich will endlich wieder ich sein! Nicht mehr eine ängstliche Ginny aber auch keine amazonenhafte bösartige Gin!'
‚Hm, dann sollten wir uns über einiges klar werden.
Wo stehen wir? Auf der weißen oder auf der schwarzen Seite?', lenkte Gin überraschend ein.
‚Ich würde sagen ein helles Grau.'
‚Gute Antwort, was ist mit den Malfoys? Wie stehen wir zu ihnen?'
‚Wir sind Dracos Frau, wir mögen Narzissa und was wir von Lucius halten sollen, weiß ich noch nicht.'
‚Annehmbar, was ist mit Walden und dem Kind in unserem Bauch?'
Ginny überlegte kurz. Dann sagte sie laut: „Ich mochte Walden und das Kind …" Darüber hatte sie noch gar nicht richtig nachgedacht. Ein kleines Leben in ihrem Bauch. Ein Kind von einem Monster … doch sollte es deshalb sterben? Gar nicht erst zur Welt kommen dürfen? „Das Kind kann nichts dafür, wer sein Vater ist. Doch wenn es auch nur kleinste Anzeichen eines Charakterzuges seines Vaters zeigt, treibe ich es ihm aus.
Aber der dunkle Lord muss vernichtet werden. Damit die Zauberergesellschaft wieder zur Ruhe kommen kann."
‚Sei nicht so laut, sonst hört dich noch jemand!
Also „mochte" ist die Untertreibung des Jahres … du warst ganz schön scharf auf den alten Knaben!
Aber dem Rest stimme ich zu.'
‚Ich war nicht scharf auf Walden! Dumme Kuh!', grollte Ginny, Gin lachte. ‚Gibt es noch etwas, dass du möchtest, Gin?'
‚Ja, wir sind nie wieder so passiv oder unterwürfig! Wir kämpfen, dann bin ich schon zufrieden.'
Ja, sie würde kämpfen, sie war eine Gryffindor, eine Weasley! Ein ungewohntes Gefühl der Ruhe und der Kraft überkam sie.
Die Tür öffnete sich und der pausbäckige Zauberer trat ein.
„Würden Sie mir bitte folgen?"
Ginny erhob sich, nickte und folgte dem Mann. Sie gingen in ein großes helles Zimmer, eine Art Salon oder großes Wohnzimmer. Dort saßen eine Hand voll Frauen und Männer, einige in Roben andere in Muggelkleidung. Ginny erkannte Mitglieder des Ordens. Sie grüßte höflich aber bestimmt. Da saß neben Neville, Kingsley Shacklebolt und Dädalus Diggle.
„Darf ich vorstellen? Mr. Shacklebolt, Mrs. Green und Mr. Diggle kennst du ja. Das hier sind Benjamin Burns" - Neville zeigte auf den Pausbäckigen - „Kathy Statham" - eine zierliche Hexe in Ginnys Alter mit blonden Locken und großen blauen Augen, die sie grimmig ansah- „und nicht zu vergessen unsere Gastgeber die Familie Lawston. Nathan" - ein sehr großer, kräftiger Mann mit schütterem braungrauem Haar und Muggelkleidung sah ihr neutral entgegen - „Maggie" - die Hexe, die sie hereingebeten hatte, nickte- „ihre Tochter Victoria" - eine kräftige Brünette in einem leichten Sommerkleid schaute sie kurz an, dann zu Neville und lächelte verliebt. Ginny kannte sie, sie war eine Hufflepuff in einem Jahrgang unter ihr - „und ihre Söhne Robert" - eine jüngere Version des Hausherrn in Shorts und Sommerhemd sah sie aus großen braunen Augen an - „und Jeremy." Dieser Sohn schien der älteste zu sein, er trug eine Robe. Er war kleiner als Robert und schlank. Er hatte viel von seiner Mutter. Schwarze Haare, eine aristokratische Nase und hohe Wangenknochen.
„Darf ich euch nun vorstellen: Miss Ginevra Weasley …"
„Entschuldige Neville, doch das bin ich nicht mehr. Ich heiße jetzt Mrs. Ginevra Malfoy."
„Aber Ginny, du brauchst hier diese Scharade nicht aufrechtzuerhalten!", schockiert sah Neville sie an.
„Es ist aber so. Die Hochzeit wurde rechtskräftig und nach den alten Bräuchen geschlossen."
„Was dich nicht davon abhält herumzuhuren!" Mrs. Greens Stimme verursachte eine Gänsehaut auf Ginnys Rücken.
„Was ich wann und mit wem mache, geht Sie, Mrs. Green, absolut gar nichts an!", sagte Ginny scharf.
„Weißt du eigentlich, was du dir da ins Bett geholt hast? Weißt du, wie viele Menschen dieser Dreckskerl getötet hat? Wie viele Frauen er geschändet hat in den Kerkern von Du-weißt-schon-wem? Wie konntest du nur?", setzte die Hexe nach.
„JA, ICH WEISS, WAS ER GETAN HAT!", schnappte Ginny, die erneute Anschuldigung übergehend. „Entschuldigung, ich wollte nicht laut werden. Ja, ich weiß, wie viele er verhört und getötet hat. Ich… ich habe es gesehen!
Ich war dort in den Kerkern! Ich habe sie alle gesehen! Wie das Leben aus ihren Augen wich! Wie die Vergewaltigungsopfer geschrien und gebettelt haben! Ich habe gesehen wie Apollo McGonagall mit dem Cruciatus zu Tode gefoltert wurde. ICH WAR DA!"
Die Anwesenden starrten Ginny an. Die Augen vor Schreck geweitet und mit offenen Mündern.
„Ich war dort! Ich lag gefesselt zwischen all diesen Menschen. Stunden, Tage und Wochen vergingen. Bei jedem Todesser, der hereinkam, wuchs die Angst, die nächste zu sein! Ich habe gesehen, wie eines dieser Schweine meine Mutter getötet hat … nur … nur weil sie mich schützen wollte. Ich habe ihre Augen sterben sehen!
… und ich habe ihn dafür getötet!", sagte Ginny leise. Ihre Stimme war kälter als Eis.
Ein bedrückendes Schweigen breitete sich im Raum aus wie ein übler Duft. Bis es schließlich Mrs. Green war, die die Stille brach.
„Warum um Merlins Willen hat dir dieses Monster dann so viel bedeutet?" Ihre Stimme klang, trotz der Verzerrtheit, verwirrt und verstört.
„Er war da. Walden war einfach da. Ich weiß, dass er mich nur auf Befehl hin beschützt hat, doch ich war einfach dankbar", sagte Ginny leise und kraftlos. Sie wusste doch selbst, wie abstrus sich das anhörte.
„Mr. Burns, hieß ihre Schwester Anni?"
Die kleinen runden Augen des Mannes wurden sogleich feucht und er schluckte hart. Mit zusammengepressten Lippen nickte er.
„Mrs. Green hatte recht, ihre Schwester ist … tot. Sie hatte auch recht, dass sie durch Waldens Hand gestorben ist. Doch auch wenn es nur eine schwacher Trost ist. Es ging ganz schnell. Sie wurde unter dem Einfluss von Veritaserum verhört und starb durch den Todesfluch. Er hat sie nicht vergewaltigt oder gefoltert", sagte Ginny leise und sanft.
Burns Unterlippe bebte, als er sie ansah. „Danke! Das … es … es bedeutet mir viel."
„Weshalb haben sie dich freigelassen? Weshalb hat dich Malfoy geheiratet? Er ist doch ein glühender Verfechter Voldemorts." Neville hatte ausgesprochen, was sich wohl auch die anderen fragten.
Ginny stockte, sie würde nichts von dem Kind sagen. Was würde die weiße Seite wohl mit Voldemorts Sprössling anstellen? Die Gefahr war zu groß, vielleicht würde sie es später sagen, später wenn sie die Leute besser kennen würde.
„Er … also der dunkle Lord, war ganz begeistert darüber, dass ich diesen Todesser getötet habe oder eher wie ich es getan habe. Dann hat er mir mein Leben geschenkt und die Hochzeit angeordnet. Er wollte Draco damit demütigen und Lucius strafen oder umgekehrt.
Ich denke, aber das ist wirklich nur eine Vermutung, der dunkle Lord traut den Malfoys nicht wirklich. Und … ich … ich denke, er hat damit nicht unrecht."
Schweigend sahen die Ordensmitglieder zu der jungen Hexe. Lange und intensiv lagen die Blicke auf Ginny, solange bis sie nicht mehr wusste, ob sie die Situation als positiv oder negativ bewerte sollte.
„Was ist?", fragte sie schließlich vorsichtig, sich nicht sicher etwas Falsches gesagt zu haben.
„Du wärst ein idealer Spion", sagte Shacklebolt schließlich.
„Was?", fragte Ginny heftig.
„Wenn du zurückgehen würdest, könntest du für den Orden spionieren", erklärte der dunkelhäutige Auror seinen Plan.
„So könnten wir die ganze Brut hochnehmen." Robert Lawston war ganz Feuer und Flamme.
„Wie früher Snape … wer sagt uns, dass es nicht ganz genauso wie bei Snape läuft?", warf Mrs. Green ein.
Den Kommentar überhörte Ginny einfach, diese Idee überraschte sie. Sie überlegte, was dies für sie bedeuten würde. Es war gefährlich und sie würde zu den Malfoys zurück müssen.
Sie wollte Narzissa nicht verraten. Sie mochte ihre Schwiegermutter wirklich und auch Draco war, abgesehen davon, dass er ein ziemlich arroganter und feiger Schnösel war, eher harmlos. „Ich werde mithelfen gegen Lord Voldemort vorzugehen. Doch ich werde mich nicht dafür hergeben, alle die zu bekämpfen oder zu verurteilen, die sich mit der Situation arrangiert haben oder eine andere Meinung vertreten. Nicht solange man sich auf eine gemeinsam Ordnung einigen kann."
Es folgte erneutes Schweigen.
„Bei Merlin, die Kleine hört sich an wie Albus Dumbledore als Politiker", quiekte Mr. Diggle.
„Ja und Dumbledore ist tot!", sagte Ben Burns bitter.
„Ich weiß nicht, ob wir ihr trauen sollten", meldete sich Jeremy Lawston zu Wort. Der junge Mann erinnerte Ginny an jemanden den sie kannte. Doch an wen?
„Sie ist eine Weasley", empörte sich Mr. Diggle. „Sie war Harry Potters Freundin."
„Und auch er ist tot, ebenso tot wie meine Eltern, mein Bruder und so viele mehr." Die zierliche Blonde namens Kathy spie Ginny die Worte entgegen. „Jetzt ist sie eine Malfoy!"
Abneigung machte sich in Ginny breit. Sie mochte die Hexe nicht. „Du hättest das nicht gemacht, nehme ich an. Du hättest treu zu deiner Überzeugung gestanden." Sie versuchte so wenig Schärfe in ihre Worte zu legen als irgend möglich. Doch sie wusste, dass sie sehr anklagend klang. Wie konnte dieses Mädchen es wagen ihr vorzuwerfen, sie würde Harrys Andenken nicht in Ehren halten?
„Ja, das hätte ich!", gab Kathy trotzig zurück.
Ginnys Abneigung wandelte sich in Wut. „Wie willst du das beurteilen? Du kannst dir nicht annähernd vorstellen, wie es im Kerker des dunklen Lords war! Und wage es nie wieder mir mein Verhalten Harry gegenüber vorzuwerfen!" Sie war aufgesprungen und ihre Stimme war noch eisiger geworden.
Mr. Lawston war langsam aufgestanden und hob beschwichtigend die großen Hände. „Wir werden das bereden und selbst wenn wir dem Vorschlag zustimmen, werden Sie eine Weile hier bleiben, Mrs. Malfoy. Vicky, Kathy, bringt unseren Gast nach oben in das freie Zimmer. Fühlen Sie sich wie zuhause Mrs. Malfoy."
Die jungen Hexen gingen zur Tür und warteten auf Ginny. Kein einziges Wort redeten die beiden mit ihr, bis sie vor einer Tür im oberen Stock standen. Die blonde Kathy öffnete die Tür.
„Nicht so toll wie es die Prinzessin gewohnt ist, doch leider haben wir nichts Besseres."
„Ich finde es wundervoll, wirklich", sagte Ginny ehrlich und lächelte freundlich.
„Sie brauchen nicht freundlich tun, Mrs. Malfoy. Wir wissen sehr genau, dass wir es mit dem Hause Malfoy nicht aufnehmen können." Kathy drehte sich auf den Hacken um und ging. Victoria verdrehte ihre Augen und lächelte schief.
„Seien Sie ihr nicht böse. Sie ist momentan in der Wutphase ihrer Trauerarbeit. Der einzige zu dem sie wirklich nett ist, ist mein Bruder Robert, ihr Freund. Alle andere pflaumt sie regelmäßig an, abgesehen von Jeremy, der ihr Paroli bietet. Ruhen Sie sich ein wenig aus, ich zeige Ihnen später alles."
„Nennen Sie mich Ginny und sagen Sie bitte du."
„Gerne Ginny, ich bin Vicky."
„Bis später Vicky."
Am Fenster stehend schaute Ginny hinaus. Eine Spionin … dieser Gedanke ließ ihr Herz schneller schlagen. Sie würde sich nicht länger in ihr Schicksal fügen. Sie würde weiter Kämpfen. Harrys Zeit mochte vorüber sein, doch der Kampf nicht zu Ende! Voldemort hatte keine Horcruxe mehr. Er war so angreifbar wie noch nie und wie sie heute gesehen hatte, lebte der Widerstand. Sie würden einen Weg finden.
Sie sah an sich hinab und strich sich über ihren flachen Bauch, der noch nichts über ihren Zustand verriet.
„Sei nicht böse kleiner Mensch. Ich weiß, es ist heftig den Tod deines Vaters zu planen, doch glaube mir, es ist besser, wenn du ihn nicht kennen lernst. Er mag früher ein armes Kind gewesen sein, doch mit den Jahren der Jugend hat er seine Menschlichkeit verloren."
„Mit wem sprichst du?" Ginny wirbelte herum und funkelte den Eindringling wütend an.
„Noch nie etwas von anklopfen gehört, Mr. Lawston?"
Jeremy Lawston lächelte breit. „Ich wollte Sie nicht wecken, Mrs. Malfoy, für den Fall dass Sie eingeschlafen sein sollten."
„Wir können gerne bei der persönlichen Anrede bleiben. Ansonsten, ich heiße Ginny."
„Nun gut, mein Name ist Jeremy. Aber mit wem hast du geredet?", hakte er nach.
„Nur mit mir selbst", suchte Ginny eine Ausflucht.
Jeremys Lippen kräuselten sich, dann fuhr er sich mit dem Daumen über die Unterlippe und maß Ginny. „Ich möchte jetzt nicht behaupten, du wärst besonders groß, doch dass du dich ‚kleiner Mensch' nennst …"
„Ich wüsste nicht, was es dich angeht, wie ich mich nenne!", gab Ginny wütend zurück. Eine kleine Falte bildete sich zwischen ihren Augen.
„Und der Tod wessen Vater wird geplant?"
tbc
