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Es waren seine schmerzenden Rippen, die Alex am nächsten Tag weckten. Anscheinend hatte er sich im Schlaf auf die falsche Seite gedreht und lag jetzt auf seinem Arm, der sich ihm äußerst unangenehm in die verletzte Seite presste.

Er brauchte einen Moment, um durch die Schmerzen zu atmen und erstmal seine Gedanken zu sortieren. Es dauerte nicht lange, bis ihm die Erinnerungen an den gestrigen Tag zurückkamen.

Um zu sehr über die Geschehnisse nachzugrübeln, war Alex einfach noch zu geschafft. Aber er erinnerte sich, dass er dem Autobahnpolizisten versprochen hatte, sich am nächsten Morgen zu melden.

Mit einem schmerzerfüllten Stöhnen setzte er sich auf. Mit der Rippenprellung würde er noch eine Weile seine Freude haben.

Dann fischte er sein Handy aus seiner Lederjacke, die er neben dem Bett fallengelassen hatte.

Das Telefon hatte den gestrigen Tag ungefähr genauso überstanden wie Alex selbst: Leicht angedellt, aber funktionstüchtig.

Dann schickte er eine kurze Nachricht zu Gerkhan. Wahrscheinlich hatte der aber eh schon längst vergessen, dass er Alex gebeten hatte, sich zu melden, wenn der wieder wach war.

Überraschenderweise kam sofort eine Antwort zurück und sie klang auch so, als hätte Gerkhan schon auf ein Lebenszeichen von Alex gewartet.

Für einen langen Moment sah Alex grübelnd auf das Handy, dann legte er es zur Seite ohne die SMS zu beantworten.

Das würde er später tun, wenn er richtig wach war und wusste, was er zu dem Autobahnpolizisten sagen sollte.

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Am Ende erübrigte sich das Beantworten der Textnachricht von alleine, als Gerkhan ihn am frühen Nachmittag anrief. Inzwischen hatte Alex geduscht, etwas gegessen und war wieder ins Bett gefallen.

Gerkhan's plötzlicher Anruf hatte ihn etwas überrumpelt. Er hatte nicht damit gerechnet, so schnell wieder von dem Autobahnpolizisten zu hören, wenn überhaupt.

Die zweite Überraschung war, dass Gerkhan nicht wegen dem Fall angerufen hatte, wie Alex erst gedacht hatte, sondern sich erkundigen wollte, wie es dem „verwundeten Krieger" doch ginge.

Alex verstand den älteren Mann einfach nicht.

Klar, sie hatten sich am Ende gar nicht so blöd angestellt und zusammen die Öko-Aktivisten gestoppt.

Aber das war es in Alex' Augen auch gewesen.

Er war nicht Gerkhan's Partner. Der Autobahnpolizist hatte schon eine Partnerin und jetzt, wo der Fall gelöst war, gab es für Gerkhan doch nichts mehr, was ihn mit einem abgehalfterten Ex-Polizisten noch verband.

Alle anderen waren doch auch einfach gegangen. Alex verstand einfach nicht, wieso Gerkhan noch da war.

Was wollte der von ihm?

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Das Telefongespräch hatte nicht lange gedauert. Alex war zu sehr von seinen Gedanken abgelenkt gewesen.

Gerkhan hatte gemerkt, dass mit dem jüngeren Mann nicht so richtig etwas anzufangen gewesen war und hatte das Gespräch nicht in die Länge gezogen.

Irgendwie würde Alex den Autobahnpolizisten vermissen.

Obwohl das überhaupt keinen Sinn machte.

Sie kannten sich noch nicht länger als ein paar Tage und die Hälfte davon hatte Alex mit Gerkhan über seine Mithilfe bei dem Fall kämpfen müssen.

Und zwei Mal hatte ihn der Autobahnpolizist sogar tätlich angegriffen.

Obwohl, da hatte Alex schon deutlich Schlimmeres gehabt, und er nahm es Gerkhan nicht wirklich übel.

Alex musste ja zugeben, dass er es in der Lichtung im Wald, als sie das zerstörte Camp der Öko-Aktivisten unter die Lupe genommen hatten, darauf angelegt hatte.

Und das zweite Mal war es Gerkhan's Mistrauen Alex gegenüber gewesen, das den älteren Mann dazu verleitet hatte, handgreiflich zu werden.

Auch das konnte ihm Alex nicht wirklich übel nehmen. Dafür war er selbst zu skeptisch und mistrauenvoll, und hätte wahrscheinlich genauso reagiert, wenn die Situation umgekehrt gewesen wäre.

Ihre Zusammenarbeit war also alles andere als glatt gelaufen. Deshalb konnte sich Alex auch einfach nicht erklären, wieso der Autobahnpolizist ihn jetzt so behandelte.

Erst rettete er Alex das Leben, dann wartete er auf ihn im Krankenhaus und fuhr ihn sogar nach Hause. Und jetzt rief er an nur um sich nach Alex' Gesundheitszustand zu erkundigen.

Eigentlich gab es nur eine Erklärung.

Gerkhan behandelte ihn wie einen Freund.

Und das war ein sehr gefährliches Konzept für Alex.

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