Huh, es wird slashig ;D
Harry und… tja, wen wird der-junge-der-überlebte wohl auserwählen? Morwena weiß es, falls sie sich noch an ihren Wunsch erinnert ^^
Amalia weiß es ganz bestimmt, denn sie hat das ganze ja geschrieben, da vergisst man nicht so schnell ;)
Ein ganz besonderes Weihnachtsgeschenk
Hi Harry,
ich weiß, du hast ganz schön was abbekommen und sollst dich eigentlich schonen. Es wäre aber wirklich wichtig, dass wir uns sehen. Komm bitte morgen nach dem Mittagessen in den Grimmauldplatz. Es wird auch nicht lange dauern.
Ron
Während Molly Weasley Harrys rechte Schulter neu bandagierte, überflog der junge Mann noch mal diese wenigen Zeilen. Was Ron genau wollte, hatte er noch nicht rausfinden können. Weder er, noch Hermine waren bislang über den Kamin zu erreichen gewesen.
„Ich finde das unverantwortlich von Ron. Warum kann er nicht einfach hier her kommen, wenn es was zu besprechen gibt?", erklärte Rons Mutter streng.
Harry entlockte dieser kleine Ausbruch dagegen ein leichtes Schmunzeln. Mollys Fürsorge hatte selbst nach zehn Jahren noch kein bisschen nachgelassen. Obwohl Ginny schon lange tot war, behandelte sie Harry noch immer wie eines ihrer Kinder. Allerdings respektierte sie inzwischen Harrys Wünsche, doch dass war auch das Einzige, was sich geändert hatte.
„Ron wird schon seine Gründe haben, warum er mich gerade dort treffen will und so schlecht geht es mir nicht mehr und der Grimmauldplatz liegt ja nicht auch nicht am Ende der Welt", erklärte Harry und biss sich im nächsten Moment auf die Lippe, da Molly den Verband straff zog. Dann seufzte das wahre Oberhaupt der Familie Weasley leise. „Bist zu wenigstens zum Abendessen zurück?"
„Das kommt wohl darauf an, was Ron will. Du musst aber nicht hier warten. Geh ruhig nach Hause. Ich hole Alexandra einfach bei euch ab, wenn das mit Ron erledigt ist", antwortete Harry, während er sich etwas umständlich sein Hemd anzog, und dann mit einem Zauber schloss. Molly legte ihm noch vorsichtig die Schlinge um, damit er seine verletzte Schulter entlastete, anschließend verabschiedete Harry sich von ihr und seiner gerade mal drei Monate alten Pflegetochter Alexandra Terell.
Er war schon seit fast neun Jahren nicht mehr im Grimmauldplatz gewesen. Seine Erinnerungen an Sirius trug er im Herzen und auch sonst bot das Haus nichts, was er nicht auch in seinem eigenen hatte. Somit hatte für ihn nie eine Notwendigkeit bestanden, hierher zu kommen und wenn man es genau bedachte, gab es auch keinen triftigen Grund, warum ein Treffen mit Ron hier stattfinden musste. Selbst im Ministerium war es inzwischen sicher genug, um vertrauliche Dinge zu besprechen. Aber genau deswegen war Harry hergekommen. Er war einfach zu neugierig, was Ron gerade hier von ihm wollte.
Unter einem leisen Knarren schwang die alte Eichentür auf und Harry hielt mitten im Schritt inne. Eigentlich hatte er einen völlig verstaubten Flur erwartet, denn seit Kreachers Tod kümmerte sich niemand mehr um das Haus. Doch hier war offenbar gerade erst geputzt worden und die weihnachtliche Dekoration erweckte den Eindruck, als würde hier jemand wohnen.
„Ron?", rief Harry die Tür hinter sich schließend, doch er bekam keine Antwort. Ebenso flammten auch die Lampen nicht auf, wie es eigentlich hätte sein sollen, wenn der Hausbesitzer eintrat. Stattdessen begannen auf dem Boden kleine Tannenbäume zu glühen und sich dann wie ein Lichterspiel in Richtung Treppe zu bewegen. Harry kam das ziemlich merkwürdig vor. Dennoch beschloss er, den Lichtern zu folgen, die ihn direkt nach oben führten. An der obersten Stufe angekommen, musste Harry jedoch erst einmal Luft holen. Neben seiner Schulter hatte er sich auch am rechten Knie eine immer noch schmerzhafte Verletzung zugezogen. Er war im Moment auf einen Handstock angewiesen, um überhaupt längere Strecken laufen zu können und damit wurde das Treppensteigen zu einem richtigen Balanceakt. „Wehe dir, das ist nicht wirklich wichtig, Ron", murmelte Harry, als er sich von der Wand abstieß und weiter den Bäumen folgte, die ihn in den Salon führten.
„So Ron, da bin ich, was ist…", begann er, kaum dass er die Tür geöffnet hatte, doch im Zimmer war niemand. Dafür setzte sich hier auch die Weihnachtsdekoration in Form eines riesigen, bunt geschmückten Weihnachtsbaums fort und ein leises Weihnachtslied erfüllte den Raum. Konzentriert ließ Harry seinen Blick wandern, um irgendwas zu finden, das ihm nun weiter half. Ein kleiner Zettel, auf dem in großen roten Buchstaben sein Name stand, fiel ihm dabei ins Auge. „Soll das eine weihnachtliche Schnitzeljagd werden, oder was?", murmelte Harry und betrat ganz den Salon.
Ganz plötzlich erfüllte ein Knistern die Luft. Ein deutliches Zeichen dafür, dass irgendwelche Zauber gerade ihren Dienst taten. Harry konnte aber nur noch erstaunt zusehen, wie die Tür hinter ihm laut ins Schloss krachte und sich ein bläulicher Schimmer über sie legte. Dann war wieder alles normal, zumindest dachte Harry das. Doch als er sich umdrehte, um den Zettel zu lesen, entdeckte er, dass er nicht mehr allein war. Remus stand mitten im Raum und sah ihn mit einem unergründlichen Blick an.
Und Harry konnte diesen zunächst nur erwidern. Diverse widersprüchliche Gefühle hatten ihn mit einem Schlag überfallen. Wut, Verwunderung, Trauer, eine fast unbändige Sehnsucht nach der Nähe des anderen und Angst. Es dauerte fast eine Minute, bis Harry diese Gefühle im Griff hatte und seiner Stimme vertraute. Dass der Brief verschwunden war, nahm er nur am Rande wahr.
„Was soll das hier werden?", fragte Harry tatsächlich interessiert. Er glaubte sogar einen Moment lang, dass in Wahrheit Remus ihn herbestellt hatte, um auf neutralem Boden mit ihm zu reden. Wobei neutral war in diesem Fall eher relativ, denn der Grimmauldplatz gehörte ja Harry. Doch Remus schroffe Antwort vernichtete diese Vermutung sofort.
„Ich hab dich nicht herbestellt."
„Danach hatte ich nicht gefragt, denn ich bin sehr wohl in der Lage, deine und Rons Handschrift auseinander zu halten. Ich will wissen, was das hier alles soll?", gab Harry fast schon patzig zurück. Offenbar war Remus doch noch nicht zur Vernunft gekommen.
Deutlich sah man dem Werwolf an, dass er einmal durchatmete. „Ich weiß nicht, was das hier soll. Hermine hat mich für heute Mittag hierher bestellt, weil sie irgendwas besprechen wollte. Aber bis jetzt ist sie noch nicht aufgetaucht und ich hab auch keine Ahnung, wo sie ist. Da waren nur diese Bäume, die mich her geführt haben und als ich reinkam, knallte die Tür zu und sie lässt sich auch nicht wieder öffnen."
„Das wollen wir mal sehen", sagte Harry und wandte sich wieder der Tür zu. Er kannte die Schutzzauber des Grimmauldplatzes inzwischen sehr gut. Neben den vielen Fallen und dem Schutz vor Muggeln und unerwünschten Gästen gab es auch einen kleinen Zauber, der verhinderte, dass irgendwer den Hausherrn auf seinem eigenen Grund und Boden einsperrte. Somit sollte Harry eigentlich in der Lage sein, die Tür problemlos zu öffnen.
Dass dies aber nicht mehr der Fall war, musste Harry erkennen, kaum dass er den Türgriff berührt hatte. Der blaue Schimmer leuchtete rot auf und ein harter Stoß traf Harry vor die Brust, so dass er zurück stolperte. Wäre er gesundheitlich auf der Höhe gewesen, hätte ihn das sicher nicht umgehauen. Nun aber gab sein verletztes Knie unter der plötzlichen Belastung einfach nach und Harry landete unglücklich auf der rechten Schulter.
Ein gleißender Schmerz jagte durch seinen ganzen Arm und raubte ihm einen Moment die Sinne. Nach Luft schnappend drehte er sich auf die linke Seite und kniff die Augen fest zusammen, bis der Schmerz nachließ. „Wenn ich dich in die Finger bekomme, kannst du was erleben, Ron", murmelte er, langsam wieder Atem schöpfend.
„Ich glaube nicht, dass Ron das auf die Beine gestellt hat", erklang Remus Stimme leise und mit hörbarer Besorgnis neben ihm. „Zumindest war er das nicht allein. Dazu sind die Schutzzauber zu kompliziert."
Harry überdachte diese Aussage einen Moment und konnte ihr nur zustimmen. Ron hatte in den vergangenen Jahren zwar sehr viel dazu gelernt, doch die Schutzzauber über dem Grimmauldplatz waren alles andere als einfach gestrickt. Harry selbst hatte Wochen gebraucht, um ihren Aufbau zu verstehen und das auch nur, weil Hermine ihm dabei das eine oder andere Detail erklärt hatte.
„Dann kann ihm eigentlich nur Hermine geholfen haben", schlussfolgerte Harry daraus, während er sich etwas mühsam aufsetzte. „Bleibt nur noch die Frage, warum sie das hier machen."
„Ich hab keine Ahnung", gestand Remus. „Aber spätestens um vier werden sie uns gehen lassen."
Während Harry schwerfällig auf die Beine kam, überlegte er, was Remus da so sicher machte. Dann aber fiel ihm ein, dass heute Nacht Vollmond war. „Warten wir es ab", sagte Harry und humpelte zum Sofa, wo er als erstes sein Bein hochlegte. „Wenn Hermine es geschafft hat, die Schutzzauber so zu verändern, dass ich als Besitzer die Tür nicht aufmachen kann, hat sie auch dafür eine andere Lösung gefunden."
Remus Blick wurde sichtlich besorgt, aber er sagte nichts weiter dazu, sondern begann den Boden anzustarren. Harry folgerte draus, dass ihre Konversation damit beendet war und schloss selbst einen Moment die Augen, während er seine Schulter behutsam massierte.
So bemerkte er nicht, dass Remus ihn aus dem Augenwinkel beobachtete und sich ein sehnsüchtiges Lächeln auf seine Lippen schlich. Er konnte Harry stundenlang beim Schlafen zusehen. Der junge Mann glich dann fast einem Engel und Remus musste sich immer ernsthaft zurückhalten, um ihn dann nicht einfach zu küssen. Im Moment wagte er es aber nicht einmal, dran zu denken. Der Schmerz über Harrys Betrug saß einfach zu tief.
Flashback
Remus war eigentlich nur auf der Suche nach einer Rechnung gewesen, doch nun hielt er einen Brief in den Händen, der ihn an seiner Beziehung zu Harry zweifeln ließ.
Es war das Schreiben einer Frau, die sich bei dem jungen Mann für die Einladung zu einem Essen am heutigen Abend bedankte. Offenbar sollte es genau in dem Restaurant stattfinden, in das Harry normalerweise ihn einlud, wenn es etwas zu feiern gab.
Diese Tatsache war nicht wirklich schlimm. Zwar hatte er gedacht, dass dieses Restaurant ihr ganz persönlicher Treffpunkt war, doch er konnte durchaus damit leben, dass Harry dort auch mal mit jemand anderem hinging. Was ihn an dieser Geschichte wirklich verletzte, war, dass Harry ihn belogen hatte. Erst vor einer Stunde hatte der Sohn seines besten Freundes ihm gesagt, er würde heute sehr viel länger arbeiten müssen, Remus und Teddy sollten nicht mit dem Essen auf ihn warten.
Und es war nicht das erste Mal, dass Harry das sagte. In den vergangenen Monaten hatte sein junger Freund immer wieder ziemlich lange Überstunden gemacht. Außerdem bekam Harry mitten in der Nacht Anrufe und Briefe aus Übersee, die angeblich alle beruflich waren und über die er absolut nicht reden durfte. Das wunderte Remus schon eine ganze Weile und nun hatte er eine plausible Erklärung dafür. Harry hatte jemand anderen gefunden. Warum Harry das jedoch nicht einfach sagte, war für Remus unverständlich. Er hatte dem jungen Mann eigentlich immer zu verstehen gegeben, dass sie mit einander reden konnten, egal was es war. Außerdem wusste Harry auch, dass es für Remus nichts Schlimmeres gab, als hintergangen zu werden, nur damit man seine Gefühle nicht verletzte.
Ein tiefes Seufzen kam über Remus Lippen, ehe er den Brief wieder dorthin legte, wo er ihn gefunden hatte. Er würde es Harry leicht machen und einfach gehen. Er sah keinen Sinn darin, einen aussichtslosen Kampf gegen eine Frau zu führen. Außerdem hatte er genug Geld angespart, um für Teddy und sich eine kleine Bleibe zu finden und bis dahin würde Andromeda sicher ihren Enkel eine Weile bei sich aufnehmen. Er war also nicht einmal abhängig von Harrys Gunst und dank der Abschaffung der strengen Auflagen für Werwölfe war es auch nicht mehr so schwer, eine Arbeit zu finden, wie vor dem zweiten großen Krieg. Sein Sohn und er würden also gut zurecht kommen können.
Doch während Remus schon damit begann, Teddys und seine Sachen zusammenzupacken, gingen ihm die letzen neun Jahre noch mal durch den Kopf. All die schönen Dinge, die sie gemeinsam erlebt hatten und die Angst, die er das ein oder andere Mal ausgestanden hatte, wenn Harry in einen gefährlichen Einsatz ging. Und mit jeder Minute wich seine Trauer mehr der Wut darüber, dass Harry das alles einfach so wegwarf und seine Gefühle mit Füßen trat. Wie konnte dieser Bengel das eigentlich wagen? Nur weil er der Junge der lebte war, hatte er noch lange nicht das Recht, sich alles zu erlauben. Nein, er würde das nicht einfach so hinnehmen. Er würde heute Abend in dieses Restaurant gehen und Harry seine Meinung sagen.
Flashback Ende
Remus war tatsächlich diesem Impuls gefolgt und hatte Harry mitten im Restaurant zur Rede gestellt, nachdem er gesehen hatte, wie Harry mit dieser Frau flirtete. Bei Harry hatte das natürlich Unmut beschworen und es war zu einem heftigen Streit gekommen. Ein Wort hatte das andere gegeben, Remus hatte Harry gar nicht mehr zuhören wollen und war mit den Worten gegangen, dass er ihn nie wieder sehen wollte und dabei war es bis heute auch geblieben.
Harry beobachtete Remus inzwischen nachdenklich. Er wirkte vollkommen abwesend, völlig in Gedanken versunken. Gern hätte er gewusst, was den Werwolf beschäftigte, doch bei ihrem letzten Gespräch hatte Remus mehr als deutlich gemacht, dass Harry nicht mehr Teil seines Lebens war und Harry würde sich ihm gewiss nicht aufdrängen. Stattdessen erhob er sich etwas mühsam vom Sofa und näherte sich vorsichtig der Tür. „Mal sehen, ob wir rausbekommen, wie Hermine das angestellt hat", entschied er und fummelte seinen Zauberstab aus dem Winterumhang. Allerdings stellte ihn dieses Vorhaben vor ein neuerliches Problem. Er konnte seinen rechten Arm nicht mal ein klein wenig bewegen, ohne dabei unter starken Schmerzen zu leiden. Deshalb gab er den Versuch auch gleich wieder auf.
„Ok… Hermine, Ron. Ihr habt gewonnen. Wir sind beide hier, eingesperrt und euch ausgeliefert. Wie wäre es, wenn ihr uns sagt, was ihr wollt", erklärte Harry mit dem Blick in Richtung Zimmerdecke. Doch es erklangen keine Stimmen oder ähnliches. Viel mehr gab es ein kleines Plopp, mit dem eine Hauselfe in einer Hogwartsuniform erschien und ein schweres Tablett auf den Tisch wuchtete.
„Twinky soll etwas ausrichten", piepste die Elfe dann. „Twinky soll sagen, dass Mr. Harry Potter und Mr. Remus Lupin hier erst rauskommen, wenn sie sich wieder vertragen haben."
„Was mischen die beiden sich denn da ein?", fragte Harry entsetzt in Remus Richtung, doch bevor der etwas dazu sagen konnte, hatte Harry sich schon an die Elfe gewandt. „Du gehst jetzt zu den beiden und sagst ihnen, dass sie das nichts angeht und dass sie uns auf der Stelle hier raus holen sollen, sonst sind wir die längste Zeit Freunde gewesen."
„Twinky wird das gern machen, aber Twinky denkt nicht, dass es hilft", piepste die Elfe und verschwand dann lautlos. Harry ließ sich frustriert schnaubend ins Sofa fallen und grummelte noch eine Weile vor sich hin, bis aus dem nichts ein Zettel auf dem Tisch erschien.
Ihr beide werdet miteinander reden und wenn wir euch bis ins neue Jahr dort schmoren lassen.
„Mutig sind sie", stellte Remus fest, der den Zettel ebenfalls gelesen hatte.
„Die haben Todessehnsucht", brummte Harry und starrte die Tür an. „Wenn ich uns hier raus bringen soll, brauch ich deine Hilfe. Allein jag ich uns vermutlich eher in die Luft."
Remus zögerte noch einen Moment, dann nickte er aber. Wenn Harry schlecht gelaunt war, war sowieso nicht gut Kirschen essen mit ihm. Je eher sie hier raus kamen, desto besser war es für sein eigenes Nervenkostüm. Sonst würde er doch noch schwach werden und von Harry eine Erklärung für alles verlangen und das würde sicherlich nur wieder in einem Streit enden.
Doch nach einer Stunde gab Harry auf. Er war sichtlich erschöpft und all ihre Analysen und Versuche hatten nichts weiter gebracht, außer dass Remus ein paar heftige Schläge hatte einstecken müssen. Also setzen sie sich einfach wieder und tranken etwas von dem Tee, den Twinky ihnen gebracht hatte. Schließlich ertrug Remus das Schweigen aber nicht mehr. „Wer hat dich eigentlich so zugerichtet?"
Harry sah den Werwolf verwundert an. Er hatte nicht damit gerechnet, dass er freiwillig mit ihm reden würde. Sicher hatte Harry auch schon daran gedacht, einfach darauf los zu reden. Es gab schließlich das ein oder andere, was Remus sicherlich interessierte, doch er war einfach zu verletzt, um den Anfang zu machen. Remus Anschuldigungen hatten ihn wirklich tief getroffen.
„Harry, Ron und Hermine wollen, dass wir reden. Wie wäre es, wenn wir das einfach tun. Dann haben sie ihren Willen und das hier ist bald zu Ende", verteidigte der Werwolf seine Frage.
„Vielleicht hast du Recht", sagte Harry und nahm noch einen Schluck Tee, ehe er anfing zu erzählen. Vielleicht würde das Remus ja doch wieder zur Vernunft bringen, oder ihm zumindest zeigen, dass die Anschuldigungen, Harry würde ihn betrügen, völlig aus der Luft gegriffen waren.
Flashback
Mit einem tiefen Seufzen verließ Harry zusammen mit Ron den Besprechungsraum.
„Was ist los?", erkundigte sich sein Freund.
„Mir ist nicht wohl bei dem Gedanken, die Amerikaner an diesem Einsatz zu beteiligen", sagte Harry leise.
„Aber einiges von dem, was wir da gesehen haben, könnte uns wirklich helfen und Kingsley will die Zusammenarbeit verbessern. Was ist daran so schlimm?", erklärte Ron.
„Nichts, aber Terell hat bei denen zehn Frauen umgebracht. Zehn, von denen sie es genau wissen. Von den fünf anderen Fällen, in denen er als tatverdächtig gilt, reden wir lieber erst gar nicht. Die würden alles tun, um den Kerl bei sich vor Gericht zu stellen und dann zum Tode verurteilen", sagte Harry.
„Ja und? Der Typ hat Ginny auf dem Gewissen und auch Tonks! Was ist so schlimm, wenn der drauf geht?", sagte Ron fast schon schockiert klingend. „Meiner Meinung nach hat er die Todesstrafe wirklich verdient."
„Das finde ich nicht", gestand Harry. „Ich will den Kerl auch festnageln, aber er soll den Rest seines Lebens in einer Zelle schmoren. Der Tod wäre für ihn eine viel zu milde Strafe." Kurz sah Harry sich um und sagte dann leise: „Weißt du… das ist einer dieser Fälle, wo ich gern einen Dementoren vor einer Zelle postieren würde."
Laut hätte er das natürlich niemals gesagt. Die Dementoren waren Geschichte. Spezielle Zauber hielten den größten Teil von ihnen auf einer anderen einsamen Insel mitten in der Nordsee, wo sie keinen Schaden anrichteten. Gefangene bewachten sie schon seit sehr langer Zeit nicht mehr. In dieser Hinsicht war Askaban wirklich human geworden.
„Außerdem habe ich Ginny und auch deiner Mutter geschworen, dass ich Terell finde und ihn einsperre und ich hab mir weiß Merlin wie viele Nächte um die Ohren gehauen, um so weit zu kommen. Nun will ich es auch sein, der ihm die Fesseln anlegt und ich will ihm dabei in die Augen sehen", fügte Harry an.
„Und du denkst, die Amerikaner machen dir da einen Strich durch?", fragte Ron.
„Genau das befürchte ich", antwortete Harry.
„Dann sollten wir sie gut im Auge behalten."
Flashback Ende
Remus Blick war mit jedem Wort von interessiert zu schockiert gewechselt. „Du … du weißt, wo Terell ist? Hast mir aber nichts gesagt?", fragte er heiser.
„Nachdem Terell mir vor fünf Jahren entwischt ist, warst du vollkommen fertig. Du hast Wochen gebraucht, um damit klar zu kommen, dass Tonks Mörder immer noch auf freiem Fuß ist und mich an der Nase herum geführt hat. Ich wollte dir ersparen, das noch mal durchzumachen. Ich war mir einfach nicht sicher, ob er mir nicht schon wieder durch die Lappen geht. Ich wollte dir es erst erzählen, wenn er hinter Schloss und Riegel sitzt", verteidigte Harry sich.
„Und ist er?", fragte Remus.
„Nein, mein Gefühl hat mich nämlich nicht betrogen. Diese Amerikaner haben wirklich ihr eigenes Süppchen gekocht. Statt auf mein Zeichen zu warten, sind sie gleich nach dem Aufheben der Abwehrzauber in das Haus gestürmt, um Terell vor uns festzunehmen. Leider hat genau das bisher unentdeckte Fallenzauber ausgelöst und diese Idioten saßen darin fest. Uns blieb dann natürlich keine andere Wahl, als ebenfalls reinzugehen. An Fallenzauber ist ja auch immer ein Alarmzauber gebunden."
Flashback
Innerlich verfluchte Harry diese Amerikaner hundertfach und wenn das hier erledigt war, würde er mit ihnen den Boden wischen. Zusammenarbeit hin oder her und Merlin sollte ihnen gnädig sein, wenn Terell wegen diesem eigenmächtigen Handeln entkam.
Während Ron und Maggie ihr Bestes taten, um die ausländischen Kollegen vor dem sicheren Tod zu bewahren und zwei weitere die letzen Zauber aufhoben, stürmte Harry das Haus. Auf vorsichtiges Vorgehen brauchte er dank des Alarmzaubers ja keine Rücksicht mehr zu nehmen. Also fluchte er die Haustür kurzerhand aus den Angeln, musste sich im nächsten Moment aber schon vor einem giftgrünen Lichtstrahl in Sicherheit bringen. Terell stand in der Tür zum Wohnzimmer und nahm Harry direkt ins Visier. Ein heftiges Duell entbrannte zwischen ihnen, und Harry gelang es sogar, Terell ganz ins Wohnzimmer zurück zu drängen. Dann entdeckte Harry aber eine junge Frau, die sich verängstigt zitternd in eine Zimmerecke drängte und einen schreienden Säugling an ihre Brust drückte. Eine unverhoffte Entwicklung, denn laut ihren Ermittlungen sollte Terell hier allein wohnen.
„Machen Sie, dass Sie rauskommen", rief Harry der Frau zu und deckte Terell so gut es ging mit Flüchen ein, um ihn daran zu hindern, der Frau irgendwas zu tun. Nach einem Moment setzte die sich auch in Bewegung und versuchte zu entkommen, doch dann wurde Harry von einem Fluch am rechten Bein erwischt und er sackte keuchend zu Boden. Der nächte Fluch jagte knapp über Harry hinweg und traf die junge Frau in den Rücken. Er war giftgrün gewesen.
Harry packte in dem Moment eine kalte Wut und die half ihm wieder, auf die Füße zu kommen. Das Duell nahm deutlich an Schärfe zu und beinahe hätte Harry ihn auch entwaffnet. Doch dann tauchte aus dem nichts einer der Amerikaner auf und mischte sich in das Duell ein. Harrys Entwaffnungszauber verfehlte sein Ziel und im nächsten Moment traf ihn ein Querschläger an der Schulter. Der gleißende Schmerz, der ihm durch den ganzen Arm fuhr, schickte ihn auf die Knie und sein Zauberstab rutschte ihm kraftlos aus den Fingern. Der Todesser sah ihn einen Moment an und lachte dann hämisch. „Nun krieg ich dich doch noch, Potter."
Harry sah mit schmerzverzerrtem Gesicht auf. „Noch hast du mich aber nicht." Dann hob er die linke Hand und rief „Stupor!" Hart wurde der Todesser in die Brust getroffen. So hart, dass er die schon gesprungenen Fenster der Terrassentüren durchschlug und gegen den Gartentisch prallte. Dort blieb er regungslos liegen.
Während Harry Atem schöpfte, tauchte Ron neben dem Mann auf und sah dann zu Harry. „Alles klar bei dir?"
„Geht so. Fessel ihn und dann ab in eine Zelle", antwortete Harry mühsam auf die Füße kommend. So war das definitiv nicht geplant gewesen.
„Das wird nicht nötig sein", erklärte Ron mit einem weiteren Blick auf Terell. „Er ist tot."
Flashback Ende
„Terell ist…tot?", fragte Remus leise. Er konnte nur schwer glauben, dass nach zehn Jahren Tonks Mörder endlich bezahlt haben sollte.
„Er ist mit dem Hinterkopf gegen die Kante von diesem Gartentisch geschlagen und hat sich das Genick gebrochen. Das überlebt selbst ein Zauberer nicht", erklärte Harry. Glücklich war er darüber gewiss nicht. Er hätte Terell wirklich lieber für den Rest seines Lebens in einer Zelle schmoren sehen, doch es belastete ihn auch nicht wirklich. Harry hatte sein Leben verteidigen müssen und dabei war es zu diesem Unfall gekommen. Es gab zwar eine Untersuchung in diesem Fall, aber niemand würde Harry daraus einen Strick drehen können. Allein seine Verletzungen sprachen schon für ihn.
Während Remus sich alles eben Gehörte noch einmal durch den Kopf gehen ließ, wurde ihm bewusst, dass nicht nur Tonks endlich Gerechtigkeit widerfahren war, sondern er Harry auch zu Unrecht beschuldigt hatte. Sein Freund hatte nichts weiter getan, als ihren größten Wunsch zu erfüllen, Rache für den Tod ihrer geliebten Frauen.
Harry beobachtete Remus Mienenspiel nur einen Moment lang, dann wanderte sein Blick zu dem Weihnachtsbaum und er versank in die Erinnerungen dran, wie Ginny und Tonks umgekommen waren.
Es war heute auf den Tag genau zehn Jahre her. Das Weihnachtsfest im Fuchsbauch im Jahr von Voldemorts Fall hatte sich innerhalb von Sekunden von einem rauschenden Fest in ein Desaster verwandelt. Nicht einmal zwei Minuten hatte der Überfall gedauert, doch das hatte gereicht, um Harrys Leben erneut komplett zu ruinieren und seinem Patenkind die Mutter zu nehmen. Alles nur, weil ein paar rachsüchtige Todesser nicht akzeptieren konnten, dass sie den Krieg verloren hatten.
Aus dem Nichts erschienen plötzlich ein kleines Päckchen und ein weiterer Zettel, auf dem Harrys Name stand. Während Harry den Zettel nahm und ihn mit einem entsetzten Blick studierte, sagte Remus zu niemand bestimmten: „In einer Stunde geht die Sonne unter. Beendet das hier. Es ist doch sowieso sinnlos."
„Die werden uns heute nicht mehr gehen lassen, Remus", sagte Harry mit mühsam beherrschter Stimme. „Aber wenn ich hier raus bin, können die beiden was erleben."
„Ich glaube nicht, dass deine Freunde dich dieser Gefahr aussetzen. So verrückt sind sie nicht", sagte Remus zuversichtlich.
Harry seufzte tief und sah dann erneut in Richtung Zimmerdecke. „Ich wollte Remus die Entscheidung überlassen, Hermine. Außerdem wollte ich, dass Isabell dabei ist, wenn er es nimmt, denn vor allem das erste Mal ist alles andere als angenehm."
„Wovon redest du Harry?", fragte Remus besorgt.
„Davon, dass die beiden dir was unter deine erste Tasse Tee gemischt haben", erklärte Harry und reichte Remus den Zettel.
Remus hat dein Geschenk schon genommen. Es war in seine erste Tasse Tee gemischt. Es gibt also keinen Grund zur Sorge.
„Dein Geschenk?", fragte der Werwolf dann vollkommen irritiert.
„Ja. Mein Geschenk", antwortete Harry. „Die Frau, vor der du mich als einen betrügerischen und selbstverliebten Bastard hingestellt hast, ist die persönliche Assistentin von Damocles Belby. Ich hab sie kennengelernt, als Kingsley mich zu diesem Informationsaustausch in die Staaten geschickt hat", begann Harry zu erklären und Remus plötzlich geweitete Augen zeigte ihm, dass der Name Belby ihm sehr wohl etwas sagte.
„Du kannst dir vielleicht vorstellen, dass ich durchaus Interesse an Belbys Fortschritten hatte und nachdem ich ihm deutlich machen konnte, warum ich mich für seine Forschung so sehr interessiere, hat er mir seine neuste Entdeckung präsentiert. Einen Trank, der die Verwandlung verhindert."
„Das ist unmöglich", erklärte Remus ohne auch nur eine Sekunde länger darüber nachzudenken. Für ihn stand es zwar außer Frage, dass irgendwer einmal irgendwann eine Heilmöglichkeit finden würde, aber er war sich absolut sicher, dass er das nicht mehr erleben würde.
Harry schüttelte aber nur den Kopf. „Es ist möglich. Ich hab es mit meinen eigenen Augen gesehen und sogar mit zwei Werwölfen im Schein des Vollmondes gepokert. Einhundert Dollar haben die beiden mir abgeknöpft."
Remus schmunzelte darüber einen kurzen Moment lang, ehe er sich durchrang, leise die Frage zu stellen, vor dessen Antwort er sich fürchtete. „Was hat das jetzt genau mit dem Geschenk zu tun?"
Harry sah deutlich die Angst in Remus Augen und sie zerriss ihm das Herz. Das letzte Mal hatte er diesen Blick gesehen, als Andromeda ihm Teddy wegnehmen wollte und schon damals hatte er sich geschworen, dass Remus nie wieder diese Angst würde ausstehen müssen, wenn er es irgendwie vermeiden konnte. Vorsichtig stand Harry auf und setzte sich zu Remus in den zweiten Sessel.
„Ich hab mit Belby einen Vertrag, der garantiert, dass mir dieser Trank so lange zur Verfügung gestellt wird, bis er bei uns offiziell zugelassen ist. Als Gegenleistung erwartet Belby Berichte über den Verlauf der Vollmondnächte und deine persönlichen Erfahrungen währenddessen."
„Der Trank ist also noch in der Entwicklung?", hakte Remus mit einem unguten Gefühl nach.
„Nein. In Amerika ist der Trank schon für unbedenklich erklärt und zugelassen. Sie reden nur noch über mögliche Wege, ihn unter die Betroffenen zu bringen. Er braucht noch ein paar mehr Studien für die Zulassung hier bei uns und unabhängige Beobachter. Mein Name macht sich auf so was sehr gut. Er denkt, die Berichte wären damit schon mal über jeden Zweifel erhaben, da ich in seinen Augen vollkommen unbestechlich bin."
Remus nickte nur und stand dann auf, um zum Fenster zu gehen. Er wollte nicht, dass Harry seine Verzweiflung bemerkte. Er war so verdammt nah an der Erfüllung seines sehnlichsten Traums gewesen und nun war er weiter entfernt denn je. Wieso war er nur so blind gewesen? Wieso hatte er nicht vernünftig mit Harry über alles geredet? Er war ja so ein Idiot. Vermutlich hatte er es verdient. Ja... er hatte es verdient, so bestraft zu werden.
Die plötzliche Berührung von etwas Warmen an seiner Wange ließ ihn zusammenzucken. Harry stand neben ihm und wischte ihm tatsächlich eine Träne aus dem Gesicht und er lächelte sanft. „Ich hätte dir sagen sollen, dass ich mit einer Frau essen gehe, anstatt dich zu belügen. Ich weiß selbst nicht genau, warum ich das getan habe. Es… es erschien mir einfacher, denn… ich bin davon ausgegangen, dass du zumindest wissen willst wer diese Frau ist. Ich wollte verhindern, dass du auch nur ahnst, was ich dir für ein Geschenk machen wollte."
„Harry", flüsterte Remus leise, mehr brachte er aber nicht über die Lippen. Ihm wurde ganz plötzlich entsetzlich schwindelig und ein rasender Schmerz breitete sich in seinem Kopf aus. Das Letzte was er wahrnahm, war der Vollmond, dessen Licht durchs Fenster fiel und dass seine Knie nachgaben.
Als er die Augen wieder aufschlug, lag er auf dem Fußboden. In seinem Kopf pochte immer noch ein leichter, aber unangenehmer Schmerz und ihm war übel. Es dauerte einen Moment, bis er sich daran erinnerte was passiert war, dann aber fuhr er ruckartig hoch, nur um im nächsten Moment stöhnend wieder zu Boden zu gehen. Ein heftiger Schwindel hatte ihn überfallen.
„Lass es langsam angehen, Remus. Bei den ersten Malen ist die Wirkung ziemlich heftig. Der Körper braucht etwas Zeit, bis er sich daran gewöhnt hat", sagte Harrys ruhige Stimme, doch Remus nahm die Worte gar nicht wahr.
„Hab… hab ich dir was getan? Bist du… schwer verletzt?", fragte er zitternd, es kaum wagend, aufzusehen. Er wusste zu gut, zu was er als Werwolf fähig war und er mochte sich nicht vorstellen, was er Harry angetan haben könnte.
„Ich bin mir nicht sicher, ob ich es allein zur Couch schaffe und bei meiner Schulter brauch ich wohl auch etwas Hilfe, aber sonst geht es mir gut", antwortete Harry und strich Remus sanft über die Wange. „Sieh mal aus dem Fenster."
Immer noch zitternd hob Remus den Blick, um dann zu erstarren. Da war er. Groß und gelblich leuchtend. Sein ganz persönliches Schreckgespenst seit seinem sechsten Lebensjahr. Der Vollmond. Ungläubig setze Remus sich auf und rieb sich die Augen, ehe er dann auf seine Hände starrte. Und es waren wirklich Hände. Keine Pranken mit messerscharfen Krallen. Es waren menschliche Hände, die tatsächlich ihm gehörten.
„Soll ich dir auch einen Spiegel beschwören?", fragte hinter ihm jemand fast schon amüsiert und Remus fuhr herum. Harry saß neben ihm auf dem Boden und grinste übers ganze Gesicht. Nicht eine Schramme hatte er. Nicht mal seine Kleider waren zerrissen. Er war nur etwas blass.
„Ich … ich kann das gar nicht glauben", flüsterte Remus heiser und sah noch mal auf seine Hände, ehe er Harry nervös ansah und nun so ziemlich alles erwartete. Nur nicht das, was wirklich kommen sollte. Denn Harry rutschte etwas näher an ihn heran und flüsterte: „Fröhliche Weihnachten", ehe er ihm einen sanften Kuss auf den Mund gab.
Ende
