Heute kommt Tweetys zweiter Wunsch und diesen habe ich (enna) Höchstselbst erfüllt ;)

Ich hoffe, die Geschichte gefällt :) Lesen sie nun von James und Lily, erfahren sie, wie es damals wirklich war und die beiden zusammen gekommen sind…


Der Mistelzweig

James hing schon den ganzen Vormittag untätig im Gemeinschaftsraum herum und starrte ins Feuer.

Normalerweise hatte er an einem schneereichen Samstagmorgen in der Adventszeit besseres zu tun, als Trübsal zu blasen. Mädchen aufreißen, Schniefelus ärgern oder den nächsten Streich zusammen mit Sirius vorbereiten, um nur ein paar Beispiele zu nennen.

Aber die Weihnachtszeit, in Verbindung mit der Tatsache, dass sie sich in ihrem letzten Hogwartsjahr befanden, drückte ihm auf sein Gemüt. Zudem schwänzelten überall die Pärchen und Verliebten umeinander herum, was ihm zunehmende Übelkeit bereitete.

Und Lily war seit dem Frühstück noch nicht wieder im Gemeinschaftsraum aufgetaucht.

Bei dem Gedanken daran, dass sich gerade jemand bei ihr einschleimen könnte, zog sich sein Magen krampfhaft zusammen. Sie war immer so nett zu allen – okay, zu ihm nicht – was einige Idioten durchaus dazu ermuntern könnte, sich ihr zu nähern.

Was, wenn sie aus Versehen unter einem der Mistelzweige stehen blieb? Hiiiiiiiiiiii, allein die Vorstellung ließ seine Nackenhaare gen Decke streben.

Zwar fand er, dass es echt das Letzte war, sich auf diese Art an ein Mädchen ran zu machen, aber wer konnte schon wissen, was in den notgeilen Hohlköpfen – welche das Schloss vor Weihnachten bevölkerten – alles vorging?

„Hey, Krone!"

Träge sah er auf und hob gerade noch rechtzeitig die Hand, um was-auch-immer vor seinem Gesicht abzufangen.

„Pass doch auf, Tatze", brummte er und erkannte bei näherer Betrachtung, dass sein bester Freund ihn mit einem Paar Handschuhen attackiert hatte.

„Komm, lass uns rausgehen, wir finden sicher ein paar Slytherins, die wir einseifen können", überging Sirius seine schlechte Laune einfach und schlug ihm etwas zu fest auf die Schultern.

„Au! Und ich hab' keine Lust", murrte James und schmiss die Handschuhe in den nächstbesten Sessel.

Sirius stutzte einen Moment, ließ sich dann aber neben ihn auf das Sofa plumpsen.

„Mensch, Krone, was ist denn nur los mit Dir? Seit einer Woche kann man mit Dir gar nichts mehr anfangen. Du wolltest vorgestern nicht mal mitkommen, als ich mich in die Küche geschlichen habe um den Kürbissaft mit ein wenig Abführtrank aufzupeppen!"

Er klang ernsthaft besorgt, aber James hatte nur ein müdes Schulterzucken für ihn übrig.

Als aber gleich darauf die Tür zum Gemeinschaftsraum aufging, saß er plötzlich kerzengerade da und spähte hinüber. Aber es kamen nur ein paar Erstklässler herein und er sank wieder in sich zusammen, was Sirius ein verhaltenes Stöhnen entlockte. „Bitte, Krone, sag mir, dass Deine schlechte Laune nichts mit einer gewissen grünäugigen Hexe samt rotem Haarschopf zu tun hat!"

„Hat es nicht."

„Im Ernst?"

„Nein."

„Mann, vergiss sie endlich! Wie oft hat sie Dich in den letzten sechseinhalb Jahren schon abgewiesen? Und Du läufst ihr immer noch hinterher, das ist doch…" Sirius zeigte ihm einen Vogel, aber James war einfach zu deprimiert, als dass er ihm groß widersprochen hätte. Außerdem hatte sein Freund recht. Rational betrachtet jedenfalls.

„Na schön, ich seh' schon, ich werde den nächsten Streich wieder allein planen müssen", resignierte Sirius und stand auf. „Wenn Du wieder auf dem Damm bist, lass es mich wissen." Damit entfernte er sich und steuerte auf eine Mädchentraube zu, die ihm schon kichernd entgegensah.

Wieder allein erging sich James weiter in dunklen Vorahnungen, bis das Portrait der fetten Dame erneut zurückschwang und Lily, zusammen mit ihren Freundinnen, eintrat.

Anscheinend waren sie draußen gewesen, da sie ihre dicken Mäntel trugen und Mützen und Schals in den behandschuhten Händen hielten.

Sofort hing sein Blick an Lilys vollem, glänzendem Haar, das rot wie ein Sonnenaufgang durch den Raum leuchtete.

Ihre Augen, zwei glühende Smaragde, blitzten vergnügt und ihr kirschroter Mund bewegte sich unablässig, während sie, mit den anderen schwatzend, näher kam.

Keinen Moment wandte er sich von ihr ab, als er sich geschmeidig erhob und auf sie zutrat.

Alles war genau berechnet.

„Hey Evans", grüßte er lässig und sie blieb stehen, ihn ablehnend musternd.

„Du kennst doch die Tradition, oder?" Mit einer Hand deutete er über ihren Kopf, wo ein Mistelzweig an einem purpurnen Band von der Decke baumelte. Dann überwand er schnell den Abstand, der sie noch trennte, und gab ihr, bevor sie reagieren konnte, einen Kuss auf den Mund.

Eins…, zwei…, drei… In der vierten Sekunde begann er zu hoffen, dass sein Überfall erfolgreich war. Nach der fünften belehrte ihn seine schmerzende Wange eines Besseren.

„James Potter!" Lily stand nur zwei Schritte von ihm entfernt, weshalb sie zu ihm aufblicken musste, dennoch bekam James bei ihrem Anblick weiche Knie.

Sie sah aus wie die Rachegöttin persönlich.

Ihre Wangen glühten, die Augen schienen Funken zu sprühen, ihr Haar loderte um ihren Kopf und noch immer hatte sie drohend die Hand erhoben.

„James Potter! Falls Du es noch einmal wagen solltest, Deinen ekelhaften Mund auch nur in die Nähe meines Gesichts zu bringen, dann hexe ich Dir die Eier weg! Und dabei ist es mir völlig egal, was in der Schulordnung steht!" Wutschnaubend starrte sie ihn an, bis er beschämt seinen Blick senkte, dann rauschte sie an ihm vorbei, ohne ihn eines weiteren Blickes zu würdigen.

Betrübt und mit hängendem Kopf stand er mitten im Gemeinschaftsraum, bis Sirius kam und ihn zurück auf seinen Sofaplatz nötigte.

„Tja, das war wohl nichts…", sprach er das Offensichtliche aus und tätschelte James die Schulter, um ihn aufzumuntern.

„Hm", war alles, was er als Antwort bekam, zu mehr konnte James sich nicht aufraffen. Noch immer hatte er das Bild der wütenden Lily vor Augen. Einmal mehr hatte sich gezeigt, wie sehr sie ihn hasste.

Verdammt, er wusste ja selbst nicht, wieso er ihr so hoffnungslos verfallen war. Sie war sicher nicht das schönste Mädchen in Hogwarts und – was ihn anbelangte – auch nicht das Netteste.

Trotzdem hatte er all die Jahre hindurch versucht, sie für sich zu gewinnen und war bis jetzt jedes Mal auf die Nase gefallen.

Ja gut, die Idee mit dem Mistelzweig war wirklich nicht so toll gewesen. Aber was sollte er denn machen? In einem halben Jahr waren sie mit der Schule fertig und dann würde er sie wohlmöglich nie wieder sehen.

Grübelnd sah er zu, wie ein Feuerscheit im Kamin knackend auseinander brach und in Flammen aufging. Irgendetwas musste ihm doch einfallen, wie er ihr seine Liebe beweisen konnte.

~ # ~ # ~ # ~

In den nächsten beiden Wochen hielt er sich zwar nicht fern von ihr, blieb aber im Hintergrund. Noch war ihr Wutausbruch zu präsent, als dass er einen weiteren Flirtversuch gewagt hätte. Außerdem fürchtete er, sie ernsthaft zu verärgern, wenn er strickt gegen ihren Wunsch handeln würde.

Nicht, dass er in den letzten Jahren ihre Zurückweisungen akzeptiert hätte. Aber er hatte gelernt, dass man ihr zwischen den Liebeserklärungen besser ein wenig Zeit ließ, wollte man seine Gesundheit nicht ernsthaft gefährden.

Nachstellen dagegen war erlaubt, solange sie es nicht mitbekam.

Leider konnte er dabei beobachten, wie sie immer wieder mit anderen Jungs redete und manchmal sogar lachte! Das trieb jedes Mal einen Dolch in sein Herz. Bei ihm lachte sie nie…

Und je näher Weihnachten rückte, umso deprimierter wurde er.

Was, wenn Lily ihn nie erhören würde? Er liebte sie doch! Keine andere Frau war so toll, so perfekt wie sie!

In einem halben Jahr musste er Hogwarts verlassen und das wohlmöglich ohne die Gewissheit, sie jemals wiederzusehen? Merlin, bitte lass es nicht so sein! Nicht so! Das könnte er nicht ertragen!

Am ersten Ferientag war er fertig mit den Nerven.

Alle waren dabei, ihre gepackten Koffer aus dem Schloss, in die Kutschen und damit zum Bahnhof zu befördern. Und überall wo er hinsah, konnte er Pärchen erkennen, die sich umarmten oder knutschend etwas abseits standen.

Sirius, Remus und Peter waren schon dabei, ihre Koffer in die bereitstehende Kutsche zu hieven, nur James lungerte noch vor dem Schlossportal herum und wartete auf Lily.

Bis jetzt war sie noch nicht aufgetaucht und er vermutete, dass sie einmal mehr ihren Schülersprecherpflichten nachging.

„Hey, Krone! Kommst Du jetzt endlich oder was? Ich bin schon halb erfroren!"

Tatze stand vor der Kutsche, hüpfte hin und her und wedelte mit den Armen, um auf sich aufmerksam zu machen.

„Fahrt schon mal vor, ich komme nach!", rief James zurück und winkte ihnen noch kurz zu, bevor er durch das Tor zurück ins Schloss trat und seine Freunde verdutzt zurück ließ.

In der Eingangshalle war es ungewöhnlich still, nur seine Schritte verursachten einen hohlen Wiederhall.

Sich umblickend ging er bis in die Mitte des großen Raumes und drehte sich dort noch einmal um die eigene Achse, doch seine Hoffnung, Lily hier zu finden, erfüllte sich nicht.

Also machte er es sich auf dem Sockel einer Statue leidlich bequem, um zu warten. Irgendwann musste sie ja auftauchen, der Hogwartsexpress wartete nicht.

Tatsächlich musste er sich nicht lange gedulden, bis sie am oberen Ende der großen Treppe auftauchte und zu ihm herunter stieg.

Als sie fast unten angekommen war, löste er sich aus dem Schatten der Statue und trat auf sie zu.

Fast sofort verengten sich ihre Augen und sie sah hochmütig auf ihn herab. „Potter!"

Ihr ablehnender Tonfall machte deutlich, wie sehr sie sich über diese Begegnung freute.

„Nein", sagte James schnell, um sie zu beruhigen, doch das brachte sie nur dazu, ihre hübschen Augenbrauen spöttisch hochzuziehen.

„Eh, ja, doch", verbesserte er sich ungelenk, „aber lauf bitte nicht gleich weg, ich mach ja nichts, versprochen!"

„Ach? Und warum lauerst Du mir dann auf?" Sie klang ziemlich skeptisch und er konnte es ihr nicht mal verdenken.

„Ähm, weil…" Nachdem er tief durchgeatmet hatte, gab er sich einen Ruck und stieg die Treppe nach oben, bis er eine Stufe unter ihr zum Stehen kam und sie sich auf einer Augenhöhe befanden.

Es tat weh, zu sehen, wie sie etwas zurückwich und die Hände in einer Abwehrhaltung schon halb erhob.

Damit sie ihm nicht gleich eine langte, bewegte er sich bewusst langsam, als er das Päckchen, das bis dahin in der Tasche seines Umhangs geruht hatte, hervorholte.

„Ich wollte…Das ist…" Verdammt, er stotterte doch sonst nicht herum, wie ein zwergischer Erstklässler! Wütend auf sich selbst, räusperte er sich, um neu zu beginnen: „DasistdeinWeihnachtsgeschenkbittenimmesan."

Merlin! Er würde jetzt noch zwei Sekunden warten, ob sie es nahm oder nicht und dann konnte er in den See springen, um sich zu ertränken.

Mit gesenktem Kopf bot er ihr die rechteckige, sorgfältig mit buntem Geschenkpapier umwickelte, Schachtel an. Sogar einen kleinen Mistelzweig hatte er darauf geklebt, damit es nett aussah. Stundenlang hatte er rumprobiert, bis ihm seine Verpackung gefallen hatte. Und jetzt scheiterte er daran, dass er kein vernünftiges Wort herausbrachte!

Plötzlich verschwand das Gewicht aus seiner Hand. Ungläubig sah er auf und konnte es kaum glauben, als Lily, mit seinem Geschenk in der Hand, vor ihm stand.

„Keine Stinkbomben?", fragte sie misstrauisch und drehte es hin und her, inspizierte es genau, wie sie es sonst in Zaubertränke mit den Zutaten machte.

„Keine Stinkbomben", versicherte er schnell und wäre vor Freude fast in die Luft gehüpft, als sie das rote Geschenkband aufknüpfte und das Papier entfernte.

Eine schlichte Schachtel kam zum Vorschein und nachdem sie diese geöffnet hatte, nahm sie die grün-glitzernde Haarspange heraus und starrte sie an.

Nach einigen Minuten der Stille, die James halb wahnsinnig machten, legte sie den Kopf schief, musterte aber immer noch das Schmuckstück in ihrer Hand.

„Weil Dir doch in Kräuterkunde immer die Haare ins Gesicht hängen", meinte James kleinlaut und wappnete sich innerlich schon gegen eine Schimpftirade – sah sie doch nicht so aus, als würde ihr sein Geschenk gefallen.

Bedächtig legte sie die Spange zurück in die Schachtel und steckte beides in ihre Tasche.

Als das Papier in ihren Händen raschelte, zog es automatisch James Blick auf sich und er konnte mit ansehen, wie sie den kleinen Mistelzweig vorsichtig herauslöste.

Irgendetwas fiel auf seinen Kopf, doch bevor er sich darüber wundern konnte, kam Lilys Gesicht auf ihn zu, ihre grünen Augen wurden immer größer und schöner und dann konnte er ihre leicht geöffneten Lippen an seinem Mund fühlen.

Verwundert, geschockt, ungläubig, berauscht und überglücklich erwiderte er ihren sanften Kuss, fühlte ihre Wärme, schmeckte ihre Süße und nahm den Duft ihrer Nähe tief in sich auf.

Als sie sich von ihm zurückzog, blinzelte er kurz und musste erst wieder in die Wirklichkeit zurückfinden, so sehr hatte ihn dieser Kuss der Welt entrückt.

„Ich wünsch Dir fröhliche Weihnachten James", sagte Lily sanft, streifte noch einmal für einen kurzen Moment mit ihren Lippen über seine, umrundete ihn und verschwand nach draußen.

~ # ~ # ~ # ~

Kaum hatte James das Abteil seiner Freunde gefunden und war eingetreten, da bombardierten sie ihn auch schon mit Fragen.

Kopfschüttelnd blockte er sie ab und ließ sich seufzend auf den freien Platz neben Remus fallen.

Natürlich war das für die anderen kein Grund, ihr Verhör einzustellen, aber er brachte beim besten Willen nichts heraus, deshalb sah er lieber unbeteiligt aus dem Fenster.

„Mensch, Krone, Du kannst uns doch nicht einfach anschweigen! Wir sind Deine Freunde, Mann! Und was in drei Henkers Namen ist das in Deinen Haaren?" Sirius hörte sich ziemlich verärgert an, doch das störte James momentan nicht im Geringsten.

Abwesend fuhr er durch seine Haare und merkte erst auf, als er etwas Stacheliges zu fassen bekam.

Stirnrunzelnd zog er die Hand zurück und als er erkannte, was er da geborgen hatte, musste er grinsen: Es war der Mistelzweig.

Ende