Huh, jetzt kommt die erste Paargeschichte :D
Magicdreams und Aesculap haben sie zusammen für unsere Sasy geschrieben :) Sie wollte, dass sich Snape und Ron auf intellektueller Ebene um Hermine ‚kloppen'. Schauen wir doch mal, wie das dann aussieht ^^
Traumblaue Nacht
Die „traumblaue Nacht", wie die Nacht vom 23. Dezember auf den Heiligen Abend in alten Märchen und Erzählungen in der Zauberwelt manchmal auch genannt wurde, hatte sich über Hogwarts gesenkt. Vom Himmel fielen schwere Flocken und bedeckten die Ländereien und Dächer des Schlosses mit einer dicken Schneeschicht. Während die Schneeflocken die Geräusche der Nacht dämpften, hörte man innerhalb der Mauern des Schlosses so manches lautes oder leises, unruhiges oder friedliches Schnarchen, verursacht durch die Welt, in welche die Schlafenden von ihren Träumen geführt wurden. Manch andere, in denen Träumende von Träumen träumten, gaben schon mehr Anlass zu Verwunderung und Unglauben.
An jenem Abend lag, fest in eine schwarze Satindecke eingehüllt, Severus Snape in seiner Unterkunft tief unten in den Slytherinkerkern von Hogwarts und las in einem alten, abgegriffenen Buch, das ihn schon seit seiner Kindheit begleitete. Bereits seine Großtante mütterlicherseits hatte ihm daraus vorgelesen, als er noch klein war und von ihr hatte er es irgendwann geschenkt bekommen.
Eigentlich war es ein Muggelbuch und hätte von daher in einem anständigen Zaubererhaushalt nichts zu suchen gehabt, aber es gab wohl keine magische Familie in Britannien, bei der sich kein Exemplar davon in der häuslichen Bibliothek gefunden hätte. Schließlich war es bei Zauberern ebenso wie bei Muggeln üblich, in der Weihnachtszeit, wenn draußen der Schneesturm schaurig heulte und es innen in der warmen Stube herrlich nach Bratäpfeln und Gewürztee duftete, sich abends vor dem Kamin zusammenzusetzen und aus dem Buch vorzulesen.
Natürlich waren Zauberer der Erzählung gegenüber viel verständiger als die einfältigen Muggel, die in ihrer Unwissenheit die Geschichte lediglich für ein lehrreiches Kindermärchen hielten. Die Magier aber, die von der Existenz von Geistern alleine deshalb schon überzeugt waren, weil jeder von ihnen bereits etlichen begegnet war, wussten, dass der Muggel Charles Dickens damals, vor fast zweihundert Jahren, kein Ammenmärchen geschrieben hatte.
Weihnachtsgeister existierten tatsächlich, auch wenn sie den meisten Magiern ebenso wenig erschienen wie gewöhnlichen Muggeln.
Professor Snape ließ das Buch sinken und schaute hinüber zum Kamin, wo das Feuer allmählich herunter brannte. Der Stundenzeiger der alten Uhr auf dem Sims war bereits über die XI hinaus gekrochen und Snape befand, dass der Abend zu weit fortgeschritten war, um noch Holz nachzulegen. Ungemütlich war es geworden im Zimmer. Selbst die Kellergewölbe Hogwarts mit ihren dicken Mauern boten keinen Schutz vor dem Winter und der Kälte, die sich ihren Weg durch kleinste Türritzen und scheinbar sogar durch die Mauerfugen bahnte.
Fröstelnd griff der Professor nach seinem Ginsterbeertrunk, der dampfend auf dem Nachttisch neben dem Bett stand. Snape bereitete ihn nach altem Familienrezept zu und er war überzeugt, dass es im Winter nichts Besseres gab, die Kälte aus den Knochen zu vertreiben, als frisch aufgebrühte Ginsterbeeren mit einer Prise geriebener Quendelwurzeln und einem ordentlichen Schuss Feuerwhisky.
Wohlig grunzend genoss Snape die angenehme Wärme, die der Trank in ihm aufsteigen ließ und dachte selbstzufrieden über die Vorteile nach, die das Dasein als äußerst fähiger Zaubertranklehrer so mit sich brachte. Schließlich drückte er sich tiefer in die Kissen hinein, zog die Satindecke bis zum Kinn hoch und griff wieder nach der Erzählung.
Draußen fielen unentwegt dichte Flocken und hüllten das Schloss allmählich in winterliche Unwirklichkeit ein. Drinnen in den Stuben rückte die Zeit allmählich auf Mitternacht vor und mit jeder Minute, die verstrich, verwandelte sich die Realität immer mehr in Träume.
Kerzen verloschen nacheinander und Kaminfeuer brannten herunter. Nacht kehrte ein in den Kammern und der Schlaf führte die Menschen hinweg aus ihrem Leben. Dorthin, wo die Träume sind. Träume, von denen niemand weiß, wer sie geschaffen hat, ob sie schon immer da waren oder nur ein Licht sind. Ein sanftes Leuchten, das die Schlafenden umhüllt bei ihrer Wanderung durch das Land der Träume. Wo das Licht unwirklich auf den Weg fällt und den Pfad verwandelt in ein dahinfließendes Traumblau.
Snape wachte auf und wunderte sich, wieso sein Traum genauso verkorkst war wie so vieles in seinem Leben. Das Buch, in dem er gelesen hatte, lag zugeschlagen neben ihm auf dem Bett. Die restliche Glut im Kamin warf spärliches Licht in sein Schlafzimmer.
Der Zaubertranklehrer blinzelte und versuchte seine Gedanken zu ordnen. Träumte er noch oder träumte er, wach in seinem Bett zu liegen? War alles ein Traum oder befand er sich in dem Buch und war Teil seiner Geschichte? Langsam ließ Snape die Finger über den Einband des Buches neben ihm wandern. Wird der Träumende nicht normalerweise in der Heiligen Nacht von drei Weihnachtsgeistern heimgesucht, damit diese ihm die vergangene, die gegenwärtige und die kommende Weihnacht zeigten? Snape versuchte sich an die Erzählung zu erinnern, deren Worte und Bilder durch sein Bewusstsein taumelten. Er war sich sicher, dass keiner der in der Muggelgeschichte vorkommenden Weihnachtsgeister auch nur annähernd Ähnlichkeit mit einem seiner schlimmsten Lehreralbträume hatte, aber bei Snapes verkorksten Leben war es kein Wunder, dass dieser Alptraum nun als Weihnachtsgeist vor ihm stand.
Reglos verharrte die geisterhafte Erscheinung vor dem Bett und schaute Snape wortlos an. Ein Junge, etwa 11 Jahre alt, in einen verschlissenen Schulmantel gehüllt. Das Gesicht der Erscheinung kam Prof. Snape sehr bekannt vor, denn sie war ihm seit vielen Jahren häufig begegnet.
Snape starrte die Gestalt an und tastete nach seinem Zauberstab. „Lumos!"
Spärliches Licht flackerte auf, erfüllte das Zimmer des Zaubertranklehrers kurz mit kümmerlicher Helle... und verlosch wieder.
„Weasley, was fällt Ihnen ein?", blaffte Snape, „Was machen Sie in meinem Schlafzimmer?!"
Aber das konnte nicht sein! Ron Weasley war doch…
Snapes Verstand tastete sich mühsam in die Realität zurück. Noch heute Morgen hatte er den Gryffindorschüler in der Großen Halle wegen einer Nichtigkeit zusammengestaucht. Und auch nach dem professoralen Donnerwetter erfreute sich der unsägliche Tropf bester Gesundheit. Nicht dass Snape großes Bedauern dabei verspürt hätte, den spirituellen Überresten Ron Weasleys gegenüberzustehen, falls diesem körperlich wie geistig dürren Schüler endgültig ein Zauberspruch oder ein Trank misslungen wäre. Aber wenn dieser Trottel tatsächlich das Zeitliche gesegnet hätte, wieso erschien dann sein Geist in Gestalt eines Kindes?
Erneut hob Prof. Snape seinen Zauberstab. „Lumos."
Snape richtete sich halb auf und leuchtete der Gestalt ins Gesicht und registrierte, dass er außer den wohlbekannten roten Haaren und zahllosen Sommersprossen auch den Becher auf dem Nachttisch dahinter sehen konnte. Unsicher streckte Snape die linke Hand aus, griff durch die Gestalt hindurch nach dem Schlummertrunk und tat erst einmal einen kräftigen Zug.
„Guten Abend, Professor Snape", sagte die Gestalt mit dünner Kinderstimme.
Misstrauisch beäugte der Zaubertranklehrer die diffus leuchtende Erscheinung vor ihm. Sie sah eindeutig nach Ron Weasley aus, aber Snape war zu lange im Zauberergewerbe, um nicht einen Geist von einem stümperhaft ausgeführten Schülerzauber unterscheiden zu können. Und dieses Etwas vor seinem Bett war zweifellos ein Geist.
Da die ronweasleyartige Gestalt sich offenbar mit ihm unterhalten wollte, Snape aber keine Idee hatte, was in aller Welt mitten in der Nacht ein Geist von ihm wollen könne, versuchte der Zaubertranklehrer erst einmal, Zeit zu gewinnen.
„Guten Abend, … äh, … ich hoffe für Sie, dass Sie dafür eine sehr gute Erklärung haben, … äh… Weasley…", sagte Snape, weil er nicht wusste, wie sonst er den Geist ansprechen könnte.
„Oh, es tut mir leid, dass ich Sie in Ihrem Schlaf stören muss, Professor, aber ich muss Ihnen unbedingt etwas zeigen."
„Was denn, mitten in der Nacht?" fragte Snape ungehalten zurück. „Hat das nicht Zeit bis morgen?"
„Och, Professor", sagte der Geist und blickte lächelnd auf das Buch, das neben Snape auf der Decke lag. „Sie wissen doch, dass ich den Menschen nur in dieser einen Nacht erscheine."
Ein Weihnachtsgeist, der wie einer seiner Schüler aussah? Das leise Kinderlachen irritierte Snape.
„Kommen Sie, es hilft nichts, Professor, Sie kennen doch die Geschichte", sagte der Junge, drehte sich um und glitt lautlos durch die geschlossene Tür.
Nachdenklich stand Snape auf, griff nach seinem Umhang und folgte der Erscheinung. Auf dem Korridor war es dunkel, nur das silbrige Leuchten des Jungen warf schattenloses Licht an die Wände. Eine Weile ging es über einige Treppen und Schulkorridore nach oben, bis die Gestalt vor einem Porträt stehen blieb.
„Sie wissen genau, dass ich da nicht hinein kann, Weasley", sagte Snape kalt.
„Doch, natürlich können Sie, Professor", lächelte der Junge, „weil ich bei Ihnen bin. Folgen Sie mir einfach." und war auch schon hinter dem Gemälde verschwunden.
Eine Weile musterte Snape die leise in ihrem Bilderrahmen schnarchende Frau, dann zuckte er kurz mit den Schultern und trat einfach durch das Bild hindurch.
Großer Lärm und Geschrei erfüllte das hohe Gewölbe, Schüler jeden Alters saßen an Tischen und verglichen ihre Hausaufgaben, an anderen wurde lautstark Zauberschnippschnapp gespielt, Gobsteine wurden geworfen und magisch gesteuerte Pergamentflieger brachten kichernde Liebesbotschaften zu einer dunklen Ecke, wo sich ein knutschendes Pärchen im Zungenzaubern übte.
Ohne dass man ihm auch nur die geringste Beachtung schenkte, schritt Snape durch den Raum und blieb eine Weile vor dem mächtigen Kamin stehen, wo gerade eine Schachpartie gespielt wurde.
„Ganz schlechter Zug", sagte er schließlich, „noch drei oder vier Züge, dann bist du Schachmatt. Du bist in Schach ebenso miserabel wie in Zaubertrankkunde, Potter."
Aber der Junge mit der blitzförmigen Narbe auf der Stirn nahm keinerlei Notiz von Snape.
„Läufer auf E4! Hey, du bist dran, Ron, …"
Der rothaarige Junge auf der anderen Seite des Spielbrettes blickte gedankenverloren in eine Ecke des Gemeinschaftsraumes, wo eine geisterhafte Gestalt neben einem großen Sessel stand. Ein Mädchen saß zusammengerollt darin und las in einem Buch.
Harry folgte dem Blick seines Freundes und fragte: „Was ist, sollen wir sie mal zu einer Partie einladen?"
„Ach, ich weiß nicht, Harry, mit der ist doch nichts los, sitzt immer nur alleine mit ihren blöden Büchern herum."
„Vielleicht kann sie kein Schach spielen."
„Die? Ich glaub, die kann überhaupt nichts spielen. Die liest nur. Ich wette, dass sie ihre Bücher sogar mit aufs Klo nimmt."
„Ich kann mir denken, dass du auch ein Buch aufs Klo mitnehmen würdest, Ron", lachte Harry.
„Und ob, Arsenius Bunsen, Zaubertränke und Zauberbräue", prustete Ron, „aber nicht zum drin lesen!"
Wütend wandte sich Snape von den feixenden Jungen ab und ging hinüber zu dem großen Sessel. Fahles, geisterhaftes Licht fiel auf das nussbraune, ungewöhnlich buschige Haar des Mädchens.
„Nun, Professor, was halten Sie von ihr?", fragte die Erscheinung.
„Wieso fragen Sie das mich, Weasley? Das müssen Sie doch besser wissen als ich", antwortete Snape und wandte irritiert den Kopf zu dem Kamin herum, wo das lebendige Gegenstück des Schemens gerade Potter Schachmatt setzte.
„Nun ja, Professor Snape, vielleicht soll dieses Mädchen noch eine wichtige Rolle im Leben dieses Jungen spielen."
„Und was geht das mich an? Wieso holen Sie mich wegen solcher Trivialitäten um Mitternacht aus dem Bett?"
Das Mädchen ließ ihr Buch sinken und sah zu dem Kamin hinüber, wo ein rothaariger Junge seinem Freund feixend eine Revanche anbot. Dann griff sie nach ihrer Feder, strich eine Stelle in ihrem Buch an, drückte sich tiefer in den Sessel und las weiter.
„Immerhin liest sie gerne Bücher und ist sehr wissbegierig, was man …" Snape musterte den Geist durchdringend, dann ruckte sein Kopf kurz in Richtung Kamin, „von jemand gewissen anderem nicht gerade sagen kann."
„Jemand gewisser anderer weiß dafür Freundschaft, Lachen und Spiel zu schätzen."
„Was Sie nicht sagen?", höhnte Snape, „das Leben ist kein Spiel und man kann nicht früh genug anfangen, das zu begreifen."
„Aber er ist erst elf, was erwarten Sie denn von einem kleinen Jungen?"
Snapes Gedanken wanderten in seine Kindheit zurück. Die ärmliche Bibliothek in seinem Elternhaus mit ihren wenigen Büchern. Bücher über Fluchzauber, geheime Zaubertränke, schwarzmagische Riten, verbotene Bücher. Es gab nichts anderes. Er hatte sie gelesen, immer und immer wieder.
„Wenn ich meine Kindheit ausschließlich mit Zauberschach verbracht hätte, wäre ich nicht der geworden, der ich heute bin", sagte Snape.
„Das glaube ich Ihnen aufs Wort", lächelte der Geist maliziös.
„Was wollen Sie damit andeuten, …Weasley?" fauchte Snape.
Das Mädchen sah wieder auf. Das Treiben im Gemeinschaftsraum der Gryffindors schien einen neuen Höhepunkt erreicht zu haben, als zwei identisch aussehende Drittklässler sich unter dem anfeuernden Johlen der Schüler ein Zaubererduell lieferten.
„Nichts, Professor, gar nichts."
Der Geist nickte hinüber zu einem der Jungen, dem der Fluch seines Zwillingsbruders gerade rosafarbenen Rauch aus den Ohren treten ließ. „Wollen Sie ihnen ihre unbekümmerte Freude nehmen, Professor? Sollen alle Kinder so sein wie … die da?"
Die Gestalt zeigte auf das Mädchen, das sich die Finger in die Ohren gesteckt hatte und ärgerlich ihr Buch auf den Knien balancierte. Snape schüttelte missbilligend den Kopf.
„Glauben Sie etwa, Schachspielen und heimlich verhexter Plumpudding seien Garant für eine unbeschwerte Kindheit? Warten Sie's ab, noch lacht er, aber wenn die ersten Klausuren kommen, wird Weasley sich wünschen, er hätte noch andere Freunde als diesen Potter."
Der Geist strich sich nachdenklich durch die roten Haare und sah auf das Mädchen, das bereits wieder in sein Buch vertieft war. „Aber was kann sie zwei Jungen schon groß geben? Bücher? Außerdem, heißt es, sie soll ziemlich zickig sein."
„Nun, sie könnte den beiden", Snapes Kinn ruckte in Richtung Kamin, „das geben, was ihnen offensichtlich am meisten fehlt: Verstand, Verantwortungsbewusstsein, Erfolg in der Schule."
„Aber es sind noch Kinder…"
„Ja, aber nicht mehr lange", sagte Snape, „und wenn die Freundschaft der beiden da drüben Bestand haben soll, braucht es mehr dazu als Schachspiel und albernes Gekaspere."
Der Geist nestelte an seiner Schulkrawatte. „Sie meinen also, dass sie …"
„Ja."
„Gut, ich danke Ihnen, Professor", sagte die rothaarige Gestalt.
„Bitte, gern geschehen, es ist mir immer eine Freude, mitten in der Nacht einem Weasley zu Diensten zu sein", erwiderte Snape gehässig, „besonders, wenn ich …"
Aber der Geist war ebenso verschwunden wie die lärmenden Gryffindors und statt rotgoldener Löwenflaggen an den Wänden sah Snape nur die schäbige Tapete seines eigenen Schlafzimmers. Unsicher drehte er sich um. Er war alleine. Einige Augenblicke stand er noch still, dann legte er seinen Lehrermantel ab und hängte ihn über die Stuhllehne.
Snape lag, die Hände hinter dem Kopf verschränkt, in seinem Bett und starrte in die Dunkelheit. Hatte er eben nur geträumt? Er dachte an die Muggelerzählung, die er wie jedes Jahr in dem alten Buch gelesen hatte. Drei Geister der Weihnachten der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft. Warum hatte ihm der Weasleygeist kein vergangenes Weihnachtsfest gezeigt, sondern ihn um einen Rat gebeten? Drei Geister. Drei. Wenn die Geschichte nicht nur Phantasie war, dann...
Im Kamin knackte die Glut des heruntergebrannten Feuers. Sonst war nichts zu hören in der Stille des schlafenden Schlosses.
Snape war sich nicht sicher, ob er wieder eingeschlafen war und erneut träumte oder ob sich sein merkwürdiger Traum von vorhin gerade fortsetzte. Er spürte die Gegenwart von irgendetwas oder irgendjemandem, der nicht in sein Schlafzimmer gehörte, griff schlaftrunken zu seinem Zauberstab und murmelte „Lumos".
Neben seinem Bett stand erneut eine geisterhafte Gestalt und blickte ihn wortlos an. Die Erscheinung unterschied sich allerdings deutlich von der ersten. Es war nicht mehr der schmächtige elfjährige Junge von vorhin, sondern ein junger Mann um die achtzehn. Auch die Stimme, mit welcher die Erscheinung schließlich sprach, klang nicht mehr dünn, sondern kräftig und tief. Einzig die charakteristische rote Haarfarbe hatte sich nicht verändert.
„Guten Abend, Professor Snape!"
„'n Abend, Weasley … Wird das jetzt zur Gewohnheit, dass Sie mich in meinem wohlverdienten Schlaf heimsuchen?", schnarrte Snape ärgerlich.
„Oh, es tut mir leid, dass ich Sie stören muss, Professor, aber ich muss Ihnen unbedingt etwas zeigen."
„Was denn, Weasley, schon wieder?! Wollen Sie mich bei einem weiteren sinnlosen Schachspiel zusehen lassen?! Glauben Sie mir, ich kann meine Nächte durchaus sinnvoller verbringen!" giftete Snape zurück.
Die Erscheinung ignorierte Snapes Worte und sagte nur: „Kommen Sie, Professor!"
Ohne sich umzublicken und mit der Gewissheit, dass Snape folgen würde, glitt die geisterhafte Gestalt lautlos durch die geschlossene Tür.
Tatsächlich griff Snape ebenso ärgerlich wie neugierig nach seinen Umhang und folgte der Gestalt über die Korridore. Doch diesmal führte der Geist, falls es überhaupt der gleiche war wie der eine Stunde zuvor, Snape nicht hoch zum Gryffindorturm, sondern an der Großen Halle vorbei zum Schlossportal.
„Wo gehen wir hin, … Weasley?" fragte Snape missmutig die an der riesigen Eichentüre wartende Gestalt. „Sie glauben doch nicht, dass ich bei der Kälte nachts im Schnee herumstapfe?"
„Schnee, Professor? Nein, kein Schnee. Kommen Sie, Professor Snape", sagte der Geist und verschwand durch das geschlossene Portal.
Snape blickte sich unsicher um. In der Dunkelheit konnte er am anderen Ende des breiten Ganges die Punkteuhren mit ihren matt glänzenden Edelsteinen erkennen. Kein Mensch war zu sehen, auch keine Hausgeister schwebten umher oder gar Peeves, diese Plage. Der Zaubertranklehrer lauschte in die Finsternis. Es war völlig still im Schloss. Er schien der einzige Bewohner Hogwarts zu sein.
Snape drehte sich wieder um und tastete mit den Händen über das kühle Holz des mächtigen Schlossportals. Wie oft hatte er diese Tür wohl schon durchschritten? Als Schüler, als Lehrer. Als was durchschritt er sie jetzt?
Snape hob seinen Zauberstab, ließ ihn aber wieder sinken. Ein „Alohomora" würde er nicht brauchen, das wusste er. Er zögerte noch kurz, dann schritt er einfach durch das geschlossene Portal.
Stöhnend führte Snape die rechte Hand vors Gesicht. Blendend weiße Helligkeit schmerzte in den Augen und Hitze brannte auf seiner Haut. Vorsichtig öffnete er die Lider und sah sich um. Der Geist hatte Recht behalten, kein Schnee…
Snape sah in einiger Entfernung die rothaarige Erscheinung auf ihn warten. Dann folgte er dem Geist, neugierig, wohin er ihn wohl bringen würde. Nach einer Weile fand sich Snape am Ufer des Sees wieder, der dem hoch aufragenden Schloss zu Füßen lag.
Es war ein sonniger und warmer Tag im Hochsommer, die gleißende Sonne ließ das Wasser des Sees wie geschmolzenes Silber erscheinen und selbst dem riesigen Tintenfisch, der es sich nahe dem Ufer im Wasser bequem gemacht hatte, schien es für jede Bewegung zu warm zu sein.
Snape sah sich um und begann sich schon zu fragen, wieso man ihn gerade hierher geführt hatte, als er in einiger Entfernung eine junge Frau und einen jungen Mann auf einer Decke am Ufer des Sees sitzen sah. Die Frau hatte sehr buschiges braunes Haar, das offen auf ihre Schultern fiel, wobei einzelne Locken ihr Gesicht umrahmten und den noch mädchenhaften Zügen ein reizvolles, feminines Aussehen verliehen. Der Geist stand in unmittelbarer Nähe des jungen Paares an einen Baum gelehnt und blickte auf sein lebendiges Abbild.
Snape war inzwischen neben den Geist getreten und konnte erkennen, dass sie anscheinend gerade unsichtbare Zeugen eines Picknicks wurden.
„Nun, Professor, was halten Sie jetzt von ihr?" fragte die Erscheinung und deutete auf die vor ihnen sitzende junge Frau.
Snape gab keine Antwort, sondern seine Gedanken schweiften zu den zahllosen Stunden, die er mit ihr in den letzten Wochen in seinem Labor verbrachte hatte, seit sie bei ihm als Zaubertrankassistentin eine Stelle angetreten hatte. Es waren Stunden gewesen, die Snape, wäre er ehrlich zu sich selbst gewesen, wohl zu den glücklichsten seines bisherigen Lebens hätte zählen müssen. Obwohl er es sich zu Beginn ihrer Assistenzzeit überhaupt nicht hatte vorstellen können, waren es Stunden, in denen sie in angenehmer, entspannter Atmosphäre gemeinsam gearbeitet und so manche angeregte und ertragreiche Diskussion über Zaubertränke geführt hatten.
„Möchtest du etwas Wein, Ron?", fragte die junge Frau, nahm eines der kristallenen Weingläser in die Hand, goss aus einer Flasche dunkelroten Wein hinein und hielt es prüfend gegen das Sonnenlicht. Schließlich nippte sie kurz an dem Wein.
„Vorzüglich, Ron, ein 86er Spätburgunder. Haben meine Eltern aus dem Urlaub mitgebracht." Lächelnd reichte sie dem jungen Mann das Glas, zog es aber, als er danach greifen wollte, lachend zurück und hielt es wieder gegen die Sonne, schwenkte es mit Kennermiene hin und her und hielt Weasley dabei einen kleinen Vortrag über die verschiedenen Rotweinsorten.
Ja, das war es gewesen. Nicht ihre Klugheit oder das außerordentliche Wissen über die verschiedenen Ingredienzien hatten ihn fasziniert. Bilder schoben sich vor die beiden jungen Leute, ließen ihre Stimmen leiser werden.
Seine Erinnerungen führten Snape in sein Labor, wo er vor drei Wochen gemeinsam mit Miss Granger einen sehr komplizierten Mutationstrank zubereitete und er ihr als Belohnung erlaubte, die kostbare Essenz in ein Fläschchen abfüllen zu dürfen. Wie sie anschließend das kristallene Glas prüfend gegen das Licht hielt und mit leuchtenden Augen, ihm, ihrem Lehrer, voller jugendlicher Begeisterung einen exzellenten Vortrag hielt, welche Mutationen mit welcher Zutat variiert werden könnten.
Mit jedem Wort ließ sie Snape die trockene Wissenschaft vergessen, wie ein Sommerwind fegte ihr helles Lachen den Muff aus dem alten Labor, und …
Über Snapes Gesicht huschte ein traumverlorenes Lächeln. Ja, … und aus seinem Herzen. Sein Blick wanderte über den See ans jenseitige Ufer, wo sich zwischen den Bäumen der Weg nach Hogsmeade verlor.
Ihre Wanderung am Nachmittag durch die blühenden Felder, wo sie bei jedem Busch stehenblieben und sich lachend stritten, welches Blütenblatt die geeignetere Zutat für Visualisierungstränke oder Gegenfluchpasten wäre.
Und abends saßen sie gemeinsam oben bei der alten Windmühle auf der Wiese, tranken kühlen Kräuterwein, den sie sich zuvor bei Madame Rosmerta gekauft hatten und sahen zu, wie das Dorf im Licht der untergehenden Sonne langsam in flammendem Rot versank.
Plötzlich wurde Snape durch die Szene, die sich gerade vor seinen Augen abspielte, aus seinen Gedanken gerissen. Die junge Frau hatte sich ein wenig von ihrem Begleiter abgewandt und der junge Mann nutzte die Gelegenheit, um mit seiner Hand in den Tiefen seines Umhanges hastig zu kramen und schließlich eine kleine, quaderförmige Samtschatulle herauszuziehen. In dem Augenblick, als die junge Frau sich wieder umwandte, ließ er die Schatulle schnell wieder im Umhang verschwinden.
Snape blickte die geisterhafte Erscheinung vorwurfsvoll an und meinte entsetzt: „Weasley, das kann doch nicht Ihr Ernst sein?! Das wird nie und nimmer gut gehen!"
Die geisterhafte Erscheinung wirkte im Gegensatz zu ihrem Original verblüffend ruhig und fragte: „Wieso nicht, Professor?"
Snapes Blick wanderte zu der jungen Frau und erwiderte nun mit bester Professorenstimme, mit welcher er sonst nur Schüler wie Longbottom belehrte:
„Weasley, mir als Ihren Lehrer ist es nicht verborgen geblieben, dass mit Ihrer Intelligenz und Ihrem geistigen Potential nicht viel los ist. Miss Granger hingegen ist ausgesprochen klug und hat auch ganz andere Interessen als Sie. Sie würde sich in einer Beziehung mit Ihnen nur langweilen."
Die Erscheinung fixierte Snape mit durchdringendem Blick und erwiderte: „Letztes Wochenende beim Quidditchspiel, da hat sie … "
Snape fiel dem Geist barsch ins Wort: „Sie meinen also, Hermine Granger hätte wirklich Spaß daran, vor einem stinkenden Umkleideraum darauf zu warten, bis Sie sich endlich von Ihren Quidditchteamkollegen losreißen können?! Um es ganz deutlich zu sagen! Nein, sie hatte keinen Spaß daran, wie sie es mir selbst erzählt hat!"
Auf Snapes Lippen begann sich ein dünnes Lächeln abzuzeichnen, als er an den Abend vor zwei Tagen zurückdachte, wo sie ihm von diesem in ihren Augen missglückten Ausflug erzählte.
Der Geist wirkte nun wirklich ein wenig verunsichert, sprach aber nur: „Dann wollen wir mal sehen, was weitergeschieht, nicht wahr, Professor?"
Snape hätte am liebsten geantwortet, dass er das nicht sehen wolle, war aber auf eigenartige Weise zu fasziniert davon, wie tollpatschig sich der junge Mann vor ihm anstellte, als er die hübsche Frau küsste und erneut das Samtkästchen aus seinem Umfang fischte. Während der Rotschopf sich mit dem Öffnen des Schlosses abmühte, versuchte Snape im Gesicht der jungen Frau zu lesen, die die Situation wohl schon erkannt haben musste. Ein Lächeln lag auf ihren Lippen und sie wirkte leicht amüsiert, während sie die umständlichen Versuche ihres Freundes beobachtete, das Kästchen zu öffnen. Snape konzentrierte sich auf ihre Augen. Lag darin nicht jetzt schon ein trauriger Ausdruck? Was würde sie sagen?
Snape wollte sich zu dem Geist umblicken, um aus dessen Verhalten etwas schließen zu können. Aber er war verschwunden und in dem Moment, als der Rotschopf vor ihm endlich das Kästchen geöffnet hatte und zu den berühmten Worten ansetzte, begann die Szene zu verblassen. Das letzte, was Snape hörte, waren die Worte des ihm immer mehr verhassten jungen Mannes: „Hermine, ich liebe dich! Möchtest du mich heiraten?" und er fand sich aufrecht in seinem Bett sitzend wieder.
Snape spürte der Wärme des Sommers nach, tastete nach Erinnerungen an schöne Stunden, die er mit Miss Granger verbracht hatte. Doch alles löste sich vor seinem inneren Auge auf, nichts blieb zurück als die Kälte und Dunkelheit seines nächtlichen Schlafzimmers.
Träume. Das Leben ist nur ein Traum, von einem Narren erzählt. In Snapes Kopf hallten die Worte des großen Magiers, der vor langer Zeit als unbekannter Dichter unter den Muggeln gelebt hatte. In der Zaubererwelt wurde er sehr verehrt, auch wenn man ihm den Vorwurf machte, in seinen Dramen den Vorhang zur magischen Welt zu weit geöffnet zu haben. Jedenfalls weiter, als man es gewöhnlichen Muggeln gegenüber verantworten konnte.
Ob ihm die Geister der Weihnacht ebenfalls erschienen waren? Was hätten sie ihm gezeigt, damals? Snapes Hand lag auf dem zugeschlagenen Buch an seiner Seite. Waren Bücher nur Pforten zwischen der Welt der Lebenden und dem Reich der Träume?
Sein oder Nichtsein? Dieses weitere berühmte Zitat des Dichters kam Snape in den Sinn. Wahrheit oder Traum, kommentierte Snape mit bitterem Lachen, ja, das war hier die Frage. Hatte er die glücklichen Stunden mit Miss Granger tatsächlich erlebt oder soeben an der Seite eines rothaarigen Geistes geträumt? Getrieben von Eifersucht, vom Neid auf zwei junge Menschen, die sich am Ufer eines stillen Sees gegenseitig ein gemeinsames Leben versprachen?
Hatte er sich richtig entschieden? Damals?
Snape starrte in die Finsternis. Seine Hand schlug das Buch auf, blätterte durch die Seiten, tastend, als wolle er darin mit den Fingern seine Zukunft lesen.
„Kommen Sie, Professor!"
Müde stand Snape auf, warf sich seinen Lehrerumhang über und folgte der Gestalt auf den Korridor.
„Und wo geht es jetzt hin, Weasley?"
„Können Sie sich das nicht denken, Professor Snape?" Der Geist nestelte an seinem Umhang und fuhr sich mit der Hand durch sein Haar. Das Rot hatte immer noch seine leuchtende Farbe, doch Snape registrierte mit hämischer Genugtuung die lichten Stellen, die ersten grauen Strähnen.
„Ich hoffe, es wird nicht allzu weit sein", sagte Snape spöttisch, „das Reisen ist im Alter zunehmend beschwerlicher."
„Oh, machen Sie sich um mich keine Sorgen, Professor Snape, nicht um mich", antwortete die Gestalt gelassen. „Kommen Sie nur…".
Nachdenklich schaute Snape auf die Wand, durch die der Geist verschwunden war. Egal, was er dahinter fände, der Raum der Wünsche wäre es bestimmt nicht. Vorsichtshalber sah Snape den Flur hinauf und hinunter. In einigen Bildern dösten die Bewohner vor sich hin, sonst war niemand zu sehen.
Dann folgte er dem Geist durch die Mauer und trat in ein Wohnzimmer. Ein Mann mittleren Alters saß am Tisch und las im ‚Tagespropheten'.
„Hast du die Papiere für Jonathan Markwood schon fertig, Ron?", rief eine Stimme aus der Küche.
„Nein, noch nicht, Liebling", murmelte der Mann und blätterte eine Seite weiter zu den Sportnachrichten.
„Himmel, wann wirst du die endlich fertig haben? Kannst ihn doch nicht ewig warten lassen. Du weißt doch, welch wichtige Stellung Markwood im Ministerium hat."
Die Frau steckte den Kopf durch die Küchentür. „Wichtig auch für dich, Ron."
„Ja, ja, ich weiß", sagte der Mann. „Stell dir vor, die ‚Flying Highlanders' haben schon wieder einen neuen Trainer. Georgie Picklestone hat sich ja nicht gerade lange halten können, um nicht zu sagen, er …"
„Vielleicht solltest du dir an Georgie Picklestone ein Beispiel nehmen und diese verdammten Akten endlich mal fertig machen", fauchte die Frau und kam ins Wohnzimmer gerauscht.
„Aber Hermi-Schatz, ich …"
„Ach was, immer dasselbe, alles muss man dir hinterher tragen", rief die Frau, stellte sich neben ihren Mann an den Wohnzimmertisch und stemmte erbost die Hände in die Hüften.
Der Geist, in den die Frau hineingetreten war, rückte ein Stück von dem Stuhl seines lebenden Pendants weg und blickte hilflos zu Professor Snape.
Die Haare hatten immer noch die nussbraune Farbe, aber der ehemals wild wuchernde Busch war zu einem strengen Knoten hochgebunden, ebenso streng wie die Blicke, die die Frau durch ihre schwarze Hornbrille auf ihren vor ihr sitzenden Ehemann abschoss.
„Wie oft muss ich dir noch sagen, dass du dich mit Jonathan Markwood gut stellen musst? Seit Jahren dümpelst du auf dem gleichen Posten im Ministerium herum, während Jack Slater bereits Abteilungsleiter im Aurorenbüro ist …"
„Ja, schon, aber …"
„… und Bruce Pierce hat man den Job als Ersten Sekretär für magische Handelsbeziehungen angeboten, wie du selber berichtet hast, und Steve Witherspoon geht mit seiner Familie im Sommer nach Bali, um dort die Leitung …"
„Ja, aber Hermi, ich …"
„Ja, aber, aber,… !"
Snape zuckte zusammen und sah fragend zu der rothaarigen Gestalt, die mittlerweile mit hängenden Schultern am Kamin stand und betrübt ins Feuer starrte.
„… aber, das ist ja dein Lieblingswort...!", schrie die Frau weiter, „aber was aus Arwenia und Sasy-Ann wird, das ist dir offenbar egal. Du weißt genau, dass gute Noten alleine heutzutage nicht mehr ausreichen, um im Ministerium eine Stelle zu bekommen."
„Aber ich habe damals doch auch ...", wandte der Mann ein, legte die Zeitung auf den Tisch und fuhr sich mit der Hand durch die schütteren Haare.
„Ja, damals, Ron, damals, aber mittlerweile haben wir heute. Wenn ich mit meinem Bibliothekarsgehalt nicht zuverdienen würde, könnten wir Sasy-Ann nicht für ein Jahr nach Salem schicken. Nie haben wir Geld, alles müssen wir uns mühsam zusammenklauben, bloß weil du dich mehr für Georgie Picklestone als für Jonathan Markwood interessierst", keifte die Frau und klatschte ihre Hand auf den Tagespropheten.
„Ja, ich mach ja schon, Hermi-Liebling", kam es matt von dem Mann am Tisch.
Der Zaubertranklehrer trat an den Kamin, wo der der Geist vor dem Feuer kauerte und in die Flammen starrte. „Ist das Ihre Zukunft, Weasley?", fragte Snape spöttisch.
Die Gestalt blickte auf, dann wandte er sich wieder dem Feuer zu und ließ die Hände langsam durch die glosenden Scheite gleiten. Danach richtete er sich auf, sah Snape an und sagte leise: "Meine Zukunft, Professor Snape? Wieso meine?"
„Aber ich dachte, dass Sie meinen Rat wollten, ob Weasley und Miss Granger …"
„Weasley, Professor Snape?"
Das Feuer loderte im Kamin, Funken stoben hoch und tanzten durch die rothaarige Geistergestalt.
Snape antwortete nicht, denn es war niemand mehr da, der ihm hätte zuhören können. Nur leises Knacken von Feuerholz durchbrach die Stille und Snape vermochte für einen Augenblick nicht zu sagen, ob es aus dem Kamin des Wohnzimmers stammte oder aus dem eigenen.
Nachdenklich starrte Snape in die Dunkelheit seines Schlafzimmers. Verhallend klangen die Stimmen in Snapes Kopf nach, während seine Finger langsam über die letzte Seite des Buches wanderten.
Ende
