Nachdem Jerome uns schon mit seiner Geschichte erfreut hat, wird heute sein Wunsch erfüllt. In diesem werden Hermine und ihre Eltern über die Zaubererwelt informiert. Resi war unsere Korrespondentin live vor Ort (unter einem Tarnumhang) und hat das ganze für uns fest gehalten:


Zu Gast

Meistens ging es recht reibungslos über die Bühne. Die meisten Elfjährigen und ihre Eltern waren zu überrascht und zu erfreut, um die vielen Fragen zu stellen, die ihnen einfielen, kaum dass ich verschwunden war. Kein allzu langer Aufenthalt, manchmal besuchte ich bis zu drei Familien pro Tag. Heute würde ich nur einen Besuch machen.

Ich kannte Miss Granger bereits. Ich hatte sie und ihre Eltern beobachtet. Dabei hatte ich natürlich darauf geachtet, von niemandem gesehen zu werden. Miss Granger hatte eine außergewöhnliche Kombinationsgabe und sie würde mich in der Katzengestalt ohne Zweifel wieder erkennen. Sie würde tausende von Fragen haben und mich nicht eher gehen lassen, bis ich jede einzelne Frage zufrieden stellend beantwortet hatte. Ich war mir nicht sicher, ob ich mich über meine heutige Aufgabe freuen sollte oder nicht.
Seufzend drückte ich auf den quadratischen Knopf mit der Aufschrift „Granger". Ich wusste, dass sich die gesamte Familie im Obergeschoss befand, und wartete geduldig.

Nach etwa einer Minute wurde die Tür geöffnet. Vor mir stand eine große, schlanke Frau, etwa Mitte dreißig. Sie hatte ihre schulterlangen, bronzefarbenen Haare zu einem Pferdeschwanz zusammen gebunden. Ihr Blick wanderte über meinen spitzen Hut und den langen Umhang. Sie war eindeutig irritiert über diese Art von Kleidung.

„Guten Tag", brachte sie schließlich heraus.
„Guten Tag, Mrs. Granger. Mein Name ist Minerva McGonagall. Sie haben meinen Brief erhalten?", half ich ihr auf die Sprünge.
Mrs. Granger brauchte etwas Zeit, bis ihr einfiel, was ich meinte.
„Ah, ja. Ja, natürlich haben wir Ihren Brief erhalten. Kommen Sie herein."
Wenige Minuten später waren die Grangers im Wohnzimmer versammelt.
Mrs. und Mr. Granger saßen auf der Couch, die der gegenüber stand, auf der ich saß, Miss Granger hatte gleich den Sessel zu meiner Rechten für sich beansprucht. Die drei blickten mich erwartungsvoll an.

Ich nahm noch ein paar Schlucke von dem fabelhaften Tee, bevor ich begann: „Wie Sie bereits wissen, bin ich im Auftrag der Hogwarts-Schule hier. Es handelt sich dabei um ein Internat. Wir laden Miss Granger dazu ein, ihre weiterführende Ausbildung dort anzutreten. Dabei ist völlig egal, welche Noten Sie in der Grundschule erreicht haben, Miss Granger. Jeder, der ein bestimmtes Kriterium erfüllt, wird aufgenommen –"
Es überraschte mich keineswegs, dass Miss Granger mich an dieser Stelle unterbrach. Ich hatte sie die ganze Zeit unauffällig beobachtet und ihr Interesse und ihre Neugier bemerkt. Sie war immer unruhiger geworden, sodass sie sich auf ihre Hände setzen musste. Ihr brannte eine ganz bestimmte Frage auf der Zunge, eine sehr wichtige und dringende, wie sie fand.

„Entschuldigen Sie bitte, aber welches Kriterium meinen Sie? Wenn Sie schulische Leistungen nicht meinen, was meinen Sie dann? Ich hoffe doch, dass ich Ihren Ansprüchen entspreche?"
Sie war aufrichtig besorgt.
„Miss Granger, selbst wenn Ihre Noten der vergangenen Jahre nicht in der Spitzenklasse gelegen hätten, würden wir Sie aufnehmen. Denn es handelt sich um eine – nennen wir es –
Eigenschaft von Ihnen. Aber bevor ich näher erkläre, was ich damit meine, möchte ich gerne Folgendes wissen: Ist Ihnen schon einmal etwas sehr Ungewöhnliches, etwas Unerklärliches passiert, als Sie von einer Emotion stark bewegt worden sind? Erinnern Sie sich an eine oder mehrere Situationen? Möchten Sie mir eine davon erzählen?"

Miss Granger war so perplex über den plötzlichen Themenwechsel, dass sie eine Weile brauchte, um zu antworteten.
„Ja, es ist einmal etwas Seltsames geschehen. Ich … es war in der Schule. Marc, ein Junge in meiner ehemaligen Klasse, hat mich in der Pause ausgelacht und an meinen Haaren gezogen. Wir hatten vorher die Matheprobe zurückbekommen und ich hatte wie jedes Mal eine Eins mit Stern und war die Klassenbeste … er hat gesagt, ich könne die Zahl meiner Freunde an einem Finger abzählen. Es war nicht das erste Mal, dass er mich mobbte. Er machte mich sehr traurig. Die Umstehenden haben mit ihm gelacht …"
Sie stockte. „Es trieb mir die Tränen in die Augen und ich lief zur Toilette. Als ich mich beruhigt hatte, wurde ich wütend, weil er die ganze Klasse dazu gebracht hatte, mich auszulachen und weil er mir meine Unbeliebtheit so unter die Nase gerieben hatte. Ich ging zurück ins Klassenzimmer und setzte mich auf meinen Platz.
Marc lachte mich noch mal aus. Er zeigte mit dem Finger auf mich und ging rückwärts zu seinem Tisch … und stolperte über seine eigenen Füße. Er fiel auf seinen Schulranzen … es gab ein fürchterliches Geräusch. Marc erschrak, rappelte sich auf und leerte seine Tasche aus.
Alle Stifte, selbst der Füller, waren zerbrochen. Und er war auf seine Flasche gefallen, er hat sie verbogen und sie lief aus … das darf eigentlich gar nicht passieren, es war eine sehr stabile Flasche. Jedenfalls war jedes Heft nass, das in seinem Ranzen war, absolut jedes war von dem Saft komplett durchnässt.
Aber eines war noch seltsamer als es eh schon war: Die Bücher waren alle trocken. Keins hat nur einen Fleck gehabt, obwohl sein Schulranzen nur ein Fach hatte und die Bücher somit mit den Heften und der Flasche zusammen waren."

Sie machte eine Pause. Ich wusste, dass sie noch nicht fertig war, und sagte nichts.
Miss Granger holte tief Luft und fuhr fort: „Die Lehrerin kam wieder, sie sah das Durcheinander und fragte, wer dafür verantwortlich sei. Marc rannte sofort zu ihr und schob die ganze Schuld auf mich. Aber die anderen Mitschüler sagten ihr genau, was sie gesehen hatten: Dass Marc mich gehänselt hatte und selbst über seine Schultasche gefallen war.
Er musste eine Woche lang Ordnungsdienst machen, für das, was er mit mir gemacht hatte, und natürlich mussten seine Eltern einen neuen Schulranzen, Hefte und Stifte kaufen. Es war ein Glück für sie, dass sie nicht auch noch die Bücher neu kaufen mussten.
Seitdem hat Marc sich nicht mehr in meine Nähe getraut. Er gab mir die ganze Schuld an dem Unglück, lachte mich aber nie wieder aus und hänselte mich nicht mehr. Niemand machte das mehr. Ich glaube, es hat ihnen Angst eingejagt."

Sie sah auf, ihr auf mich gerichteter Blick war undurchdringlich.
Mrs. und Mr. Granger waren im ersten Moment sprachlos. Mrs. Granger fing sich als erste wieder. „Das hast du uns nie erzählt, Liebling."
Es klang ein wenig vorwurfsvoll.
Miss Granger schaute wieder auf ihre Knie und schwieg. Mrs. Granger ließ ihre Tochter in Ruhe und hakte nicht nach. Sie spürte, dass Miss Granger nicht darüber reden wollte.
„Miss Granger", sagte ich behutsam, „das war in der Tat kein gewöhnliches Ereignis. Es hängt mit Ihrer Besonderheit zusammen. Es ist nicht unbedingt Ihre Schuld, dass das alles passiert ist, Sie konnten nichts dafür."
Miss Granger sah mich an. Sie schien ein wenig erleichtert zu sein. Ihre Erleichterung ging jedoch bald in Verwirrung über.
„Aber … was ist passiert? Wieso hab ich das gemacht, ohne es zu wissen? Und wieso sind die Bücher trocken geblieben?"
Ich musste lächeln. Die Bücher schienen sie sehr zu beschäftigen.
„Sie mögen Bücher, nicht wahr? Sie hätten nicht gewollt, dass sie einen Schaden davontragen oder gar ganz kaputt gehen. Deshalb haben sie nichts von dem Saft abbekommen. Wäre ein Buch beschädigt worden, hätte Sie das am meisten bestürzt."

Miss Granger schien nicht zu wissen, was sie darauf antworten sollte. Ich ließ ihr Zeit zum Nachdenken.
Nach einer Weile sagte sie: „Und warum ist das alles passiert? Warum ist alles zerbrochen und so? Was hab ich denn gemacht?" Jetzt schien sie ernsthaft besorgt zu sein.
„Sie sind nicht die einzige, der so etwas passiert. Es ist auch nicht schlimm, diesen Ausbruch an Gefühlen kann man nicht so ohne weiteres steuern oder kontrollieren. Solche Ereignisse sind keine Seltenheit. Weil Ihnen dieses außergewöhnliche Erlebnis passiert ist, möchten wir Sie in Hogwarts aufnehmen. In Hogwarts, der Schule für Hexerei und Zauberei."

Ich konnte nicht verhindern, dass in meiner Stimme ein wenig Feierlichkeit mitschwang.
Das darauf folgende Schweigen konnte man gar nicht missdeuten. Alle drei fragten sich, ob ich sie auf den Arm nehmen wollte. Miss Granger war die erste, die ihre Stimme wieder fand.
„Das … das ergibt doch überhaupt keinen Sinn. Das ist unmöglich", flüsterte sie. Sie starrte noch ein paar Sekunden lang auf den Boden, dann richtete sie ihren Blick auf mich. Etwas Derartiges war zu erwarten gewesen.

„Wieso ist das unmöglich, Miss Granger? Magie gibt es. Ich bin eine Hexe und Sie sind eine Hexe. Sie vermögen Ihre Fähigkeiten noch nicht gezielt einzusetzen, aber die Magie lebt in Ihnen seit es Sie gibt. Dieser Unfall Ihres Klassenkameraden war kein Zufall. Diese Kraft, mit der er seine Schulsachen zerstören konnte, hätte er selbst nie gehabt. Sie haben Magie benutzt, weil Sie wütend auf ihn waren. Und Ihre Hexerei hat auch die Bücher verschont, weil Sie die Bücher nicht zerstören wollten. Glauben Sie mir, es gibt Hexerei und Zauberei. Die wenigsten Muggel – so nennen wir die Nichtmagier – wissen davon. Wir halten unser Können, unsere Eigenschaft, geheim, denken Sie an die Hexenverfolgungen im Mittelalter! Aber es gibt sie", sagte ich mit Bestimmtheit.

„Aber … wie? Wie soll es Magie geben, wie funktioniert sie, aus was besteht sie? Wie soll ich denn dafür gesorgt haben, dass Marc seine Stifte zerbrochen hat?", fragte sie aufgebracht.
Ich sagte langsam: „Miss Granger, dies alles sind berechtigte Fragen und Einwände. Den Großteil der Erklärung könnte ich Ihnen sogar liefern, Sie würden es jedoch nicht verstehen. Sie sind ein sehr kluges Mädchen, doch um diese Art der Magie zu verstehen, braucht man viel Erfahrung. Wenn Sie wollen, beweise ich Ihnen, dass es Magie gibt."

Miss Granger nickte eifrig.
„Was soll ich hexen? Einen Blumenstrauß? Regen? Soll ich ein Kissen in ein Handtuch verwandeln und zurück? Ein Buch in der Luft schweben lassen? Ein Paar Schuhe aus dem Flur hierher rufen? Den Sprung in diesem Blumentopf beseitigen?" Ich wies mit der Hand zur Fensterbank. „Suchen Sie sich etwas aus. Es sollte nur keinen allzu großen Schaden anrichten, obwohl ich die meisten beheben kann." Ich lächelte ihr aufmunternd zu.

Miss Granger sah sich im Zimmer um. Die Wahl schien ihr schwer zu fallen. Nach einer Weile kehrte ihr Blick zu mir zurück.
„Kann ich kurz etwas holen gehen?", fragte sie.
„Natürlich", antwortete ich.
Sie stand auf und verließ den Raum. Sie ging in ihr Zimmer, welches sich genau über dem Wohnzimmer befindet. Bald kam sie wieder herunter, die beiden Teile einer zerbrochenen Muschel in den Händen. Sie legte sie vor mir auf den Couchtisch und setzte sich wieder in ihren Sessel, jedoch nur an die Kante.
„Können Sie die Muschel reparieren?", fragte sie.

Ich hörte die Hoffnung in ihrer Stimme heraus, sie schien die Muschel sehr zu mögen.
Miss Granger beugte sich vor und fixierte die Muschel, um den Zauber ja nicht zu übersehen.
Ich zückte kaum merklich meinen Zauberstab und sagte „Reparo". Dann steckte ich den Zauberstab wieder in meinen Umhang und legte die Muschel in Miss Grangers Hand.
„Bitteschön", sagte ich lächelnd.
„Wow", hauchte sie und betrachtete die Muschel. Nach einer Weile fiel ihr wieder ein, dass ich noch da war, und sie sagte mit strahlendem Lächeln: „Dankeschön. Vielen Dank."

Bis jetzt hatten Mrs. und Mr. Granger keinen Ton von sich gegeben, seit ich von Magie gesprochen hatte. Ich wusste, dass man nicht besorgt um sie sein musste, sie waren nur in ihre Gedanken versunken und vielleicht etwas schockiert.
„Gern geschehen. Glauben Sie mir jetzt?" Ich musste mir ein Lächeln verkneifen.
„Ähm. Ja, ich denke schon. Aber ich frage mich immer noch, wie das funktioniert …", antwortete Miss Granger erwartungsgemäß.
„Es gibt ein Buch, das sich genau mit diesem Thema beschäftigt. Ich werde Ihnen später sagen, wo Sie es kaufen können, in den Buchläden der Muggel gibt es solche Bücher natürlich nicht. Doch zuerst sollten Sie sich um Ihre Eltern kümmern."

Miss Granger sah zu ihnen hinüber und sprang mit einem lauten „Oh!" auf.
„Was ist denn los mit euch?", fragte sie besorgt und setzte sich neben Mrs. Granger auf das Sofa.
„Du bist eine Hexe, unsere Tochter kann zaubern, was soll denn los sein?", erwiderte diese sarkastisch. Doch ein wenig Stolz war herauszuhören. „Eine Hexe! Magie! Bis jetzt wusste keiner von uns, dass es Magie gibt, und jetzt kommt gleich heraus, dass du eine Hexe bist. Eine richtige Hexe. Was auch immer das heißen mag", fügte sie hinzu.
„Ach so. Ich wurde ja selber überrascht. Aber ihr – du bist keine Hexe, oder?", stellte Miss Granger gleich die nächste Frage.

Ihre Mutter schnappte nach Luft und sagte: „Nein. Nein, ich bin keine Hexe. Ich kann nicht zaubern oder hexen. Aber vielleicht solltest du mal deinen Vater fragen …"
Es war nicht allzu selten, dass der nichtmagische Ehepartner nichts von den Fähigkeiten des magischen Partners wusste. Miss Granger war jedoch zu hundert Prozent muggelstämmig, das wusste ich.
„Nein, ich habe noch nie in meinem Leben gezaubert oder Zauberei gesehen", meinte Mr. Granger nachdenklich. Zögernd wandte er sich mir zu und fuhr fort: „Aber wie kann das sein? Wir beide sind nicht magisch und Hermine ist doch eine Hexe. Wie kann das passieren?"

Ich schrieb diese geistig nicht ganz gegenwärtige Frage der Überrumpeltheit Mr. Grangers zu.
„Mr. Granger, ein Paar mit braunen Augen kann doch auch ein Kind mit grünen Augen bekommen, wieso sollte es dann nicht bei Muggeln und Zauberern funktionieren? Muggelstämmige Hexen und Zauberer gibt es sogar sehr viele. Umgekehrt kann es auch passieren, dass ein magisches Paar ein nichtmagisches Kind bekommt. Oder dass ein Geschwisterkind magisch ist und eins nicht. Da gibt es alle erdenklichen Variationen", erwiderte ich.

„Ach so. Stimmt, das ist nachvollziehbar", antwortete er nur.
Ich nahm an, dass er immer noch zu sehr mit der Tatsache beschäftigt war, dass seine Tochter eine Hexe war, um sich viele Gedanken um Squibs und Muggelstämmige zu machen.
Ich ergriff erneut das Wort: „Miss Granger, ich habe hier den offiziellen Brief der Schule an alle neuen Erstklässler für Sie."

Ich hielt ihr den Umschlag hin. „Sie finden in dem Brief auch eine Liste mit allen Büchern und Utensilien, die Sie für den Unterricht benötigen, sofern Sie in Hogwarts aufgenommen werden wollen."
„Natürlich will ich das", antwortete Miss Granger sofort und nahm den Umschlag entgegen. „Ich darf doch dahin, oder?", erkundigte sie sich bei ihren Eltern.
Mrs. Granger sagte: „Natürlich kannst du dort hingehen, Liebling. Wenn es dein Wunsch ist, steht dir nichts im Wege. Es handelt sich um eine Ausbildung als Hexe?" Sie sah zuerst ihre Tochter an, dann mich.

„Ja, sie wird auf Hogwarts die Kunst des Hexens und Zauberns erlernen. Dieser Bildungsweg hat nicht viel mit dem der weiterführenden Muggelschulen gemein. Hexen und Zauberer haben in der Regel auch einen anderen Lebensstil, weshalb der Unterricht anders gestaltet ist.
Ich schlage vor, Miss Granger liest ihren Brief und die Liste mit den Büchern. Das dürfte Ihnen einen Überblick verschaffen, welche Fächer in Hogwarts im ersten Jahr gelehrt werden." Ich musste ja nicht alles erklären, was sich selbst herausfinden ließ.

Miss Granger las den Brief laut vor. Sie schien immer aufgeregter zu werden. Die Titel der Schulbücher fand sie überaus interessant.
„Zaubertränke, Verteidigung gegen die dunklen Künste … das klingt richtig spannend. Ja, ich will auf jeden Fall nach Hogwarts", murmelte sie. Ich musste mir ein Lächeln verkneifen. Nach einer Weile hatte Miss Granger ihre Gedanken zu den Schulfächern, die in Hogwarts gelehrt wurden, beendet, und ich hielt es für das Beste, sie zu informieren, wo sie ihre Schulsachen kaufen konnte und wie sie dorthin kam.

„Da Sie drei nun von Miss Grangers Fähigkeit wissen, muss ich Sie bitten, niemandem ein Wort darüber zu sagen. Die magische Gemeinschaft pflegt die Existenz von Hexerei und Zauberei geheim zu halten. Angehörige einer magischen Person dürfen davon selbstverständlich wissen, doch die Muggel dürfen nicht erfahren, dass es Magie gibt. Deshalb sollten Sie in der Öffentlichkeit oder, wenn jemand zusehen könnte auch nicht zaubern, Miss Granger. Sonst wird vermutlich bald ein Beamter des Zaubereiministeriums vor Ihrer Tür stehen.
Ja, es gibt ein Zaubereiministerium, das all die Sachen regelt, die Hexen und Zauberer betrifft", sagte ich, den erstaunten Blick der Grangers richtig deutend.

„Deshalb können Sie ihre Zauberausstattung auch nicht in einem Muggelgeschäft erwerben. Es gibt mehrere Orte in Großbritannien, wo man sich Zauberstab, Umhänge, Kessel und Bücher kaufen kann. Der bekannteste ist die Winkelgasse in London, eine sehr lange und beliebte Einkaufspassage der Hexen und Zauberer. Kein Muggel würde zufällig über sie stolpern, denn sie kann nur von magischen Lebewesen gesehen und gefunden werden. Damit aber nicht angehende Schülerinnen und Schüler wie Sie, Miss Granger, sich dort allein zurechtfinden müssen, können zu Recht wissende Muggel die Winkelgasse sehr wohl sehen, sie jedoch nicht selbstständig betreten. In der Winkelgasse erhalten Sie alles, was Sie benötigen."

Ich zog ein glattes Blatt Pergament aus meinem Umhang und gab es Miss Granger.
„Hier ist die Adresse des Lokals, durch das Sie in die Winkelgasse gelangen können. Man kann sie auch durch magische Fortbewegung erreichen, aber die sollten Sie besser noch nicht ausprobieren.
Es handelt sich um den „Tropfenden Kessel", eine beliebte Gaststätte der magischen Welt. Sie kann ebenfalls von Muggeln nicht gesehen werden, also müssen Sie Ihre Eltern leiten, bis Sie im Lokal sind, dann werden Ihre Eltern den Gastraum und die Menschen sehen können. Lassen Sie sich nicht von den Kreaturen erschrecken, die dort vielleicht zu Gast sein werden, sie werden Ihnen nichts tun.
Fragen Sie nach Tom, dem Wirt, und geben Sie ihm diesen Brief."

Ich gab Miss Granger den Umschlag, sie nahm ihn wortlos entgegen.
„Darin steht, dass Sie eine neue Schülerin sind und dass er Sie in die Winkelgasse und später wieder hinaus lassen soll. Sie besitzen noch keinen Zauberstab, Miss Granger, daher können Sie den Durchgang zur Winkelgasse noch nicht öffnen. Ein viermaliges Klopfen an der Stelle, an der Sie die Winkelgasse betreten haben, ruft Tom, und er wird Sie wieder sicher in die Muggelwelt geleiten. Das wird er Ihnen aber noch mal genauer erklären, wenn Sie dort sind.
In der Winkelgasse müssen Sie zuerst zu Gringotts, der zentralen Zaubererbank. Man kann sie vom Eingang der Winkelgasse aus sehen, sie ist nicht zu verfehlen. Die magische Welt hat eine andere Währung, Sie müssen Ihr Geld dort umtauschen. Erschrecken Sie nicht, die Bank wird von Kobolden geleitet. Es sind höfliche und nette Wesen, wenn man sie nicht verärgert. Ihnen wird erklärt werden, was die Münzen – es gibt nur Münzen – bedeuten und wie viel sie wert sind. Dort dürfte es keine Probleme geben. Danach können Sie sich in der Winkelgasse umsehen und einkaufen. Die meisten Verkäufer bemerken recht schnell, wenn es sich um Schüler handelt, die noch nicht viel von der magischen Welt wissen, und werden Sie dementsprechend gut beraten.
Sie können kaufen, was Sie wollen, doch seien Sie vorsichtig. Nicht alles ist so ungefährlich, wie es aussieht. Sollten Sie sich nur auf die Liste beschränken wollen, kann nichts schief gehen. Ihren Zauberstab kaufen Sie am besten bei Ollivanders, die Zauberstäbe gelten als die besten, die man kaufen kann. Aber natürlich steht es Ihnen frei, dort einzukaufen, wo Sie wollen."

Miss Granger schien sehr bemüht, alles im Kopf zu behalten. Auf Hogwarts würde sie so manche Glanzleistung vollbringen, das konnte ich voraussagen, ohne Sybills Prophezeiungen hören zu müssen.
„Sie sollten sich möglichst nur in der Winkelgasse aufhalten. Es gibt noch sehr viele andere Straßen dort, in denen man sich leicht verlaufen kann", fügte ich hinzu.
Auch Mrs. und Mr. Granger sahen so aus, als ob sie sich gut darauf konzentrierten, was ich gesagt hatte.

Ich unterbrach ihre Gedanken nicht und wartete geduldig. Schließlich sah Miss Granger mich an. Sie hatte mehrere Fragen.
„Kann ich mich dort über die Zauberwelt informieren? Gibt es eine Bibliothek oder etwas Ähnliches? Kann ich überhaupt öfter als einmal in die Winkelgasse gehen?"
Wieder unterdrückte ich den Drang, zu lächeln.
„Ja, es gibt viele Bücher, die sich mit der magischen Welt beschäftigen. Eines beschreibt Hogwarts ganz ausführlich und erklärt alles, was es zu erklären gibt, erzählt von der Gründung und Entstehung … andere Bücher beschäftigen sich mit der Zauberei im Allgemeinen oder mit der Geschichte der Winkelgasse.
Stöbern Sie einfach ein wenig in den Buchläden – zu empfehlen ist Flourish & Blotts – oder lassen Sie sich beraten. Sie werden fündig werden, es gibt sehr viele interessante Bücher zu diesen Themen.
Eine Bibliothek gibt es, allerdings rate ich Ihnen eher dazu, die Bibliothek von Hogwarts zu nutzen. Dort können Sie sich immer Bücher ausleihen und müssen sie nicht in die Winkelgasse zurückschicken.
Die Winkelgasse können Sie so oft betreten, wie Sie wollen. Angehende muggelstämmige Erstklässler können jedoch nur durch den „Tropfenden Kessel" in die Winkelgasse gelangen. Tom wird sich an Sie erinnern, er wird sie auch mehrmals herein- und herauslassen."

Miss Granger nickte abwesend. Ihre Eltern sagten nichts, sie hatten den Schwall an Informationen noch nicht verarbeitet. Miss Granger hatte noch eine weitere Frage: „Darf ich zuhause eigentlich zaubern, also den Zauberstab benutzen, oder sollte ich davon lieber die Finger lassen, bis ich in Hogwarts bin?"

„Gut, dass Sie daran denken und nachfragen, Miss Granger. Sie dürfen Ihren Zauberstab benutzen und Sie können sich schon an leichte Zauber heranwagen. Sie sollten dabei aber sehr achtsam und vorsichtig sein und die Anweisungen genauestens befolgen, sonst kann leicht etwas schief gehen. Die Folgen können je nach Art des Fehlers ziemlich fatal sein.
Versuchen Sie es nur mit einfachen Zaubern. Das Brauen von Zaubertränken würde ich unterlassen, dabei können fast noch größere Katastrophen entstehen als beim Zaubern. Es ist Ihre Entscheidung, ob Sie schon vorher ein wenig Übung bekommen wollen, und wie weit Sie gehen. Doch Sie sollten vorsichtig sein."

Mein Unterton, der ihr vom eigenständigen Experimentieren abriet, würde sie nicht davon abhalten, leichte Zauber auszuprobieren. Aber sie würde auch nicht so dumm sein, sich, ihre Umwelt und die magische Gesellschaft in Gefahr zu bringen.
Ich wartete wieder eine Weile, ließ den Grangers Zeit. Dann sagte ich: „Haben Sie noch eine Frage? Nur raus damit, wenn ich weg bin, müssen Sie sich in der Winkelgasse informieren oder haben erst in Hogwarts wieder die Gelegenheit dazu."

Miss Granger schien ihr Gehirn regelrecht zu durchforsten, so konzentriert sah sie auf den Boden.
„Eine Sache wüsste ich noch gerne. Sie sagten, es handele sich um ein Internat. Wie ist es mit Ferien, wann kann ich meine Eltern sehen? Wie weit weg ist das überhaupt?"
Ich erwiderte lächelnd: „Es gibt die achtwöchigen Sommerferien, beginnend am ersten Juli und endend am einunddreißigsten August. Dann gibt es die zweiwöchigen Weihnachtsferien und die Osterfeien, die ebenso lange dauern. In den Sommerferien fährt jeder Schüler nach Hause oder kehrt dorthin zurück, was er sein Heim nennt. In den Weihnachts- und Osterferien besteht die Möglichkeit nach Hause zu fahren, man kann sie aber auch in Hogwarts verbringen. Wie man möchte.
Wo sich Hogwarts genau befindet, vermag niemand zu sagen. Die Fahrt vom Bahnhof King´s Cross nach Hogwarts dauert mehrere Stunden. Sie werden weitere Informationen in den Büchern finden, Miss Granger."

„Hm", machte sie nur.
„Mr. und Mrs. Granger, gibt es bei Ihnen noch etwas, das Sie wissen möchten?", wandte ich mich an sie.
Mrs. Granger sah ihren Mann an. Dieser schüttelte den Kopf. Sie sagte: „Nein, wir haben keine Fragen mehr. Vielen Dank."
„Ich lerne zaubern", sang Miss Granger leise.
Ihre Eltern lachten. Ich hielt es als Fremde für unhöflich zu lachen und verzog keine Miene. Stattdessen trank ich meinen inzwischen kalt gewordenen Tee.

Dann stand ich auf und sagte: „Gut, dann werden wir uns am ersten September sehen, Miss Granger. Ich wünsche Ihnen viel Spaß in der Winkelgasse und freue mich, Sie in Hogwarts wieder zu sehen."
Die Grangers erhoben sich ebenfalls, geleiteten mich zu Tür und es gab einen herzlichen Abschied.
Nachdem ich mich in sicherer Entfernung zu den Häusern befand, disapparierte ich erleichtert seufzend.
Es war ein langer Aufenthalt gewesen, wie ich vorhergesehen hatte.

Ende