Der 20. Dezember und mit der 2 vorne kommt Weihnachten jetzt mit einem riesen Satz näher, zumindest habe ich das Gefühl ^^ Die heutige Geschichte basiert auf dem Wunsch von Amalia, die sich Harry und Ginny und, nun ja, was sie sich noch gewünscht hat, werdet ihr gleich lesen :D Hier haben wir die zweite Paar-Geschichte, von Caxirta und mir geschrieben. Wir hoffen sie macht Freude :)


Winterzauber

Es war eine unwirkliche Szenerie, durch die Harry da stapfte, eine Hand in den Tiefen seines Mantels vergraben, in der anderen eine Tasche.
Obwohl es noch nicht einmal später Nachmittag war, dämmerte es bereits und das helle Weiß der Schneeflächen, dunkelte langsam in ein melancholisches Grau.
Dennoch waren die weichen Flocken, die unablässig zu Boden schwebten, auch jetzt, da sie nicht mehr in der Sonne blitzten, von einer entrückten Schönheit.
Vor sich konnte er schwach einige Lichter erkennen und wusste, dass er sein Ziel bald erreichen würde.

Als er dann vor dem Fuchsbau stand und ihm die erleuchteten Fenster warm entgegen schienen, war er zu Hause.
Auch, wenn er gerade erst von seiner Londoner Wohnung – die er aufgrund der Nähe zum Ministerium bezogen hatte – hierher appariert war. Auch, wenn er wohl mehr Zeit mit seinen Ausbildern in der Aurorenzentrale verbrachte, als mit seinen Freunden.
Der Fuchsbau gab ihm das Gefühl, willkommen zu sein.

Nachdem er den einladenden Anblick und die Vorfreude noch einige Minuten still für sich genossen hatte, wischte er sich den Schnee von den Schultern und klopfte an die Tür.
Durch das dunkle Holz hindurch konnte er Stimmen rufen und lachen hören, irgendetwas klirrte und dann näherten sich Schritte.

Die Tür wurde so abrupt aufgerissen, dass er unwillkürlich – und aufgrund seiner antrainierten Aurorenreflexe – einen Schritt zurück wich. Doch das rettete ihn nicht.
„Harry! Mein lieber Junge!" Mrs. Weasley zog ihn freudestrahlend an sich und er ergab sich ihrer Umarmung. Ein guter Auror wusste, wann der Kampf aussichtslos war.
Wie immer bemängelte Mrs. Weasley seinen Ernährungszustand und schob die Schuld sofort der Arbeit im Ministerium zu. Harry legte seinen Mantel ab und antwortete ihr höflich aber knapp auf ihre Fragen. Beim Essen konnte er noch genug mit ihr plaudern, nun gab es Wichtigeres zu tun.

Zielstrebig ging er ins anliegende Wohnzimmer, um seine Freundin mit einem Kuss zu begrüßen. Ginny hatte ihn schon erwartet und empfing ihn ebenfalls mit einer Umarmung, die deutlich sanfter ausfiel, als die ihrer Mutter.
Ihr Grinsen verriet ihm, dass sie von dem üblichen Empfangsritual ihrer Mutter Bescheid wusste, genauso wie von seiner Abneigung nach einem harten Arbeitstag sofort bestürmt zu werden. Harry lächelte schuldbewusst und riskierte einen Blick zurück in die Küche, aus der lautes Geklapper zu hören war. Mrs. Weasley war anscheinend dabei, ein regelrechtes Festmahl zum Abend zu bereiten. Er wandte sich wieder um und bevor er seine Frage aussprechen konnte, antworteten Ginnys schelmisch funkelnden Augen. Es gab kein Entkommen vor dem gemeinsamen Familienessen, dafür würde er eine ganz besondere Nachspeise bekommen.
Er zog sie näher zu sich, doch bevor sie leidenschaftlich werden konnten, platzte Ron ins Wohnzimmer.

„Habe ich doch richtig gehört, schön, dass du da bist!" Er klopfte Harry zur Begrüßung auf die Schulter und flüchtete in die Küche. Es war ihm immer noch unangenehm, die beiden so eng beisammen zu sehen.
Ginny prustete amüsiert über ihren Bruder und bugsierte ihren Freund auf die Couch.
Jetzt würden langsam aber sicher auch die anderen Weasleys eintrudeln, da mussten sie sich schnell gute Plätze sichern!
Kaum hatten sie sich gesetzt, bestätigte sich ihre Vermutung und Percy erschien. Wie immer fiel seine Begrüßung mit einem Händedruck etwas steif aus.
„Feuerwhisky?", fragte er knapp, als er Harrys klamme Finger spürte.
Dieser nickte und setzte sich wieder neben Ginny, die sofort besitzergreifend seinen Arm umschlang.
So verhinderte sie, dass Ron sich zwischen sie setzen konnte, der gerade zurückkam und etwas unwillig an Ginnys freier Seite Platz nahm.
„Danke, Perc…", sagte er und nahm sich sogleich ein Glas von dem Tablett, das Percy auf den kleinen Tisch schob. In weiser Voraussicht hatte er für alle ein Getränk hergerichtet.
Dankbar nahm sich auch Harry eines und stieß mit den beiden an.
Behutsam nahm er einen Schluck und sofort ließ dieses flüssige Feuer seinen Rachen in Flammen aufgehen.

Puh, das Zeug hieß nicht umsonst Feuerwhisky.
Aber es war genau das Richtige, um die Arbeit zu vergessen.
Nachdem er das halbe Glas geleert hatte, gewöhnte sich seine Zunge auch langsam an das Beißen und eine behagliche Wärme breitete sich in ihm aus.
Hm… der Abend begann vielversprechend.

Ginny erzählte von einem Missgeschick, das Ron vor noch gar nicht so langer Zeit unterlaufen war, was zu einer Kabbelei unter den Geschwistern führte. Harry amüsierte sich königlich, während sich Ron auf einmal brennend für den Teppich zu interessieren schien. Natürlich hatte er den Kürzeren gezogen, Ginnys Mundwerk war er nicht gewachsen.
„Kiiiinnnder, eeesssen!", rief Mrs. Weasley aus der Küche und Ron war der erste, der aufsprang und aus dem Wohnzimmer stürmte.
Der Rest folgte ihm gemächlicher, Percy trank noch sein Glas leer, ehe er sich erhob, und Harry ließ es sich nicht nehmen, seinen Arm um Ginnys Hüfte zu legen, auch, wenn sie nur den Raum wechselten.

„Schön dich zu sehen, Harry", begrüßte ihn Mr. Weasley, kaum, dass er die Küche betreten hatte. Offenbar war das Familienoberhaupt gerade eben erst aus dem Büro nach Hause gefloht, denn er klopfte sich noch die Asche von seinem Umhang, ehe er diesen über einen Stuhl warf.
Lächelnd nickte Harry dem Mann zu, der für ihn immer so etwas wie ein Vater gewesen war und bald – vielleicht – sein Schwiegervater werden würde.
Nachdem er Ginny galant zu ihrem Stuhl geleitet hatte, setzte er sich neben sie.
Mrs. Weasley hatte wieder einmal alle Register ihrer Kochkunst gezogen und der Tisch bog sich schier unter den vielen Töpfen, Pfannen und Platten, über welchen ein köstlich duftender Dampf aufstieg.

„Wir brauchen nicht auf George zu warten, er hat geeult er kommt später. Der Laden wird in der Vorweihnachtszeit geradezu überrannt und er hat die Öffnungszeiten verlängert. Also, guten Appetit!", verkündete die vorzügliche Köchin und niemand ließ sich, angesichts dieser Verlockung, lange bitten.

Stunden später lag Harry schlaflos im Bett. Mrs. Weasley kochte immer so viel, dass jeder sich viermal Nachschlag holen konnte, ohne, dass ein anderer zu wenig bekam oder sogar hungern musste. Außerdem schmeckten all ihre Speisen hervorragend, so dass man selbst gerne über die notwendige Portion hinaus alles in sich hinein schaufelte. Genau so hatte es Harry getan und war danach mehr ins Wohnzimmer gerollt als gegangen.
Obwohl sie sich bis nach Mitternacht unterhalten hatten, war seine Verdauung noch nicht weit genug, um ihn schlafen zu lassen.

Er seufzte und spähte zu Ginny hinüber. Sie wandte ihm den Rücken zu und aufgrund ihrer regelmäßigen Atmung folgerte Harry, dass sie bereits schlief.
Allerdings...warum nicht versuchen?
Er rutschte zu ihr hinüber und berührte mit der Hand sanft ihre Seite.
"Ginny?", flüsterte er. Keine Reaktion.
Er kam noch näher, so dass er sich an seine Freundin wie an ein besonders großes Kuscheltier schmiegen konnte und streichelte geistesabwesend ihre Seite.
Da rührte sie sich doch, aber nur, um die wenigen noch bestehenden Millimeter zwischen ihnen zu überwinden.
Harry unterdrückte ein weiteres Seufzen.
Nun hatte er zwei Probleme.
Aber wenn er sie aufweckte, war er gleich wieder ein triebgesteuerter Mistkerl, dem sein eigenes Vergnügen wichtiger war, als der Schlaf seiner Freundin. Und dann konnte er erst recht einpacken.
Leise seufzend fügte er sich seinem Verstand, auch wenn dieser gegen seine körperlichen Bedürfnisse arbeitete. So konnte er sich, während er noch wach lag, wenigstens versichern, was für ein selbstloser Freund er doch war.

„Hey, steht auf, ihr Schlafmützen, wir wollen doch heute den Baum holen!"
Sich über diesen verdammt brutalen, lauten, mit Rons Stimme redenden Wecker ärgernd, tastete Harry auf dem Nachtkästchen herum, fand seine Brille, setzte sie auf und stellte fest, dass Ron tatsächlich in der Tür stand. Wild gestikulierend versuchte er scheinbar, sie aus dem Bett zu scheuchen, traute sich aber nicht über die Schwelle.
„Ron! Spinnst du? Ich könnte nackt sein!" Ginny war auch schon wach – Kunststück –, hatte sich im Bett aufgesetzt und funkelte ihren Bruder an.
„Häh? Warum solltest du den nackt se…", in diesem Moment schien Mr. Ronald Weasley, seines Zeichens Störenfried erster Klasse, eine Erleuchtung zu haben, denn seine Gesichtsfarbe passte sich schlagartig an seine Haare an.
Eine Entschuldigung stammelnd verschwand sein Kopf aus Harrys Sichtfeld und die Tür flog zu.

„Idiot", stieß Ginny aus, verdrehte die Augen und ließ sich rückwärts in die Kissen fallen.
„Aber in einem hat er schon recht", verteidigte Harry seinen Freund und grinste, „warum solltest du den nackt sein?"
Ginny antwortete ihm mit einem giftigen Blick. Diesen ließ sie auf Harry einwirken, bis sein schelmisches Lächeln gefror und einem zweifelnden Gesichtsausdruck wich.
Seine Freundin mochte seinen kleinen Scherz am Morgen wohl nicht und er hatte nun ernsthafte Bedenken, wie die Konsequenzen für ihn aussehen würden. Denn seine Ginny lachte entweder herzhaft oder rächte sich auf ungeahnte Weisen – das hatte sie eindeutig von ihrer Mutter geerbt.

Harry war so in Gedanken vertieft, dass er Ginnys zufriedenes Lächeln, als sie aus dem Bett stieg, nicht bemerkte.
Erst Minuten später erwachte er aus seiner scheinbaren Starre und beeilte sich nun, sich anzuziehen. Er sah nur noch Ginnys rote Haare vorbeiwehen, dann war sie an ihm vorbei und verschwand hinter der Tür.
Sie hatte ihren Mantel bereits mitgenommen, um gleich nach dem Frühstück mit ihren Geschwistern, ihrem Vater Arthur und natürlich ihm selbst, in den Wald aufzubrechen. Harry erinnerte sich, dass sie auf dem Weg dorthin auch Hermine treffen würden und auf einmal war ihm klar, weshalb Ron so aufgeregt in ihr Zimmer geplatzt war.

Er schnappte seinen Anorak, kontrollierte noch einmal genauestens seine Taschen mitsamt ihrem Inhalt und marschierte gut gelaunt die schiefen Treppen hinunter.
Schon auf halbem Wege hörte er das Geklapper der Teller und darüber Mrs. Weasleys Aufforderung an George, er solle sich doch noch eine Semmel zu dem Speck nehmen.

Sich an die unangenehme Nacht erinnernd, hielt Harry sich beim Frühstück etwas zurück. Außerdem war seine rechte Hand meistens damit beschäftigt, unter dem Tisch über Ginnys Knie und Oberschenkel zu streicheln. Deshalb konnte er nur mit halber Kraft Essbares in seinen Mund befördern.
Aber das war nicht der schlechteste Start in den Tag, immerhin ließ sie die Berührung zu, was für ihn eindeutig ein gutes Zeichen war.
Trotz der Ablenkung war er satt geworden und erhob sich in bester Laune, als Mr. Weasley das Signal zum Aufbruch gab.

Bald stapften sie dick eingemummt durch die tiefverschneite Landschaft und ließen sich von der im Sonnenlicht glitzernden Schneedecke verzaubern.
Obwohl die selbstgestrickten Handschuhe von Mrs. Weasley fast jeden Tastsinn auslöschten, gingen Harry und Ginny Hand in Hand – wohlweißlich hinter Ron.
Doch dieses Problem sollte sich recht schnell beheben, in Form von Hermine, die sie – ebenfalls gut eingepackt – am Waldrand erwartete.

Interessant war mit anzusehen wie sich Ron und Hermine küssten, trotz der vielen Lagen Stoff, die sich zwischen ihnen befanden. Aber es ging, der beträchtlichen Dauer zufolge, scheinbar gar nicht so schlecht.
Harry legte diese Information in sein Langzeitgedächtnis, vielleicht konnte er sie irgendwann noch gut gebrauchen.
Vorerst machte er sich aber einen Spaß daraus, in das Räuspern von Mr. Weasley mit einzustimmen.
Ginny und George ließen sich ebenfalls nicht lange bitten und bald standen sie – bis auf den kopfschüttelnden Percy – hustend um die beiden Liebenden herum.

„Ähm, ist was?", fragte Ron verlegen, als er mit rotem Kopf aus dem Kapuzen-Schal-Wirrwarr auftauchte.
„Wir wollen einen Baum aussuchen gehen Ronny-Boy, schon vergessen? Aber wenn du dich so schnell verirrst, sollten wir dich vielleicht lieber irgendwo festbinden, damit du nicht abhanden kommst", spottete George und während sich die anderen amüsierten, mutierte Ron zur Tomate.
„Kommt jetzt Kinder, wir wollen zum Tee wieder zu Hause sein", mahnte Mr. Weasley und schritt zwischen den Bäumen davon.
Ron musste sich noch die eine oder andere Bemerkung gefallen lassen, doch sie beeilten sich, dem Familienoberhaupt zu folgen.

Schon nach wenigen Metern stand fest, dass sie in der Gruppe nicht weit kommen würden. Sie würden sich ständig gegenseitig im Weg sein und eher eine Schneeballschlacht veranstalten, als einen passenden Weihnachtsbaum finden. Daher beschlossen sie schnell, dass sie sich in Zweiergruppen aufteilen würden. Sollte jemand fündig werden, würden sie das den anderen mittels einer Patronus-Nachricht mitteilen.
Gleichzeitig fassten sich Harry und Ginny an den Händen. Ron wurde bereits von Hermine weiter in den Wald gezogen und ihnen folgte der gut gemeinte Ratschlag von George sich
bitte eine Blautanne auszusuchen, damit unschuldige Passanten sich so manchen Anblick ersparen könnten.
Mr. Weasley ging allein in die entgegengesetzte Richtung und Percy zweigte mit dem Zwilling ebenfalls ab.
Damit wurde Harry die Entscheidung abgenommen, wohin er sich wenden wollte, denn es ging nur mehr geradeaus.

Ginny hatte ihn wieder losgelassen und ging vor ihm her. Einige Bäume beachtete sie gar nicht, bei anderen blieb sie kurz stehen und bedachte sie mit einem prüfenden Blick, um sich danach wieder abzuwenden und weiterzusuchen. Harry sah ihr dabei zu und schlenderte hinter ihr her. Ihm war es nicht wichtig, wie der Baum aussah, Hauptsache er gefiel Ginny und dafür würde sie selbst am besten sorgen. Außerdem hatte er Wichtigeres im Kopf als die Dimensionen des Weasley Wohnzimmers und die perfekte Buschigkeit eines Nadelbaums.

In Gedanken versunken dackelte er ihr nach. Manchmal wollte sie seine Meinung zu einem Baum wissen, doch mehr als ein „Hm" und „Ganz nett" steuerte er nicht bei, hatte er doch keine Ahnung, welche Kriterien die weasley'sche Weihnachtstanne erfüllen musste.
Gerade stand sie wieder vor einem mittelgroßen Nadelbaumexemplar, dessen Zweige fast zur Gänze mit Schnee beladen waren und unter der Last leicht nach unten hingen.
„Ist der schön", murmelte Ginny, mehr zu sich selbst, aber in der Stille, die sie umgab, konnte er jedes Wort verstehen.

War das nicht der perfekte Augenblick? Vor ihnen befand sich ein Baum, der Ginny gefiel und außer ihnen war keine Menschenseele weit und breit.
Nervös zupfte er sich einen Handschuh von den Fingern und ließ ihn einfach zu Boden fallen, im Moment würde er ihn nicht brauchen. Mit der bloßen Hand griff er in die Tasche seines Anoraks, zog die kleine rote Schachtel - die er schon seit einer Woche ständig mit sich herumtrug – heraus und… ließ sie fallen.

Eine Sekunde stand er wie festgefroren und sah zu, wie der rote Samt auf die Schneeoberfläche traf, ein Loch hinein brach und irgendwo im Weiß verschwand.
Dann stürzte er sich auf die Stelle, wühlte mit den Händen im Schnee herum, ging in die Knie, um eine größere Fläche zu erreichen und spähte verzweifelt nach dem Verlorenen.
„Harry? Was ist denn los? Hast du was verloren?" Ginny stand vor ihm und sah besorgt auf ihn herunter.
„Nein, es ist nichts, ich…" Er stammelte sinnloses Zeug, um sie zu beruhigen und während ihm gerade die Idee kam, dass er es mit einem Accio probieren könnte, stießen seine klammen Finger gegen etwas Hartes.

Erleichtert atmete er auf, als er die rote Schachtel unversehrt in seiner Hand erblickte. Doch als er aufsah, direkt in Ginnys fragendes Gesicht, kam die Panik wieder zurück und er überlegte fieberhaft, wie er sich aus der Sache rausreden könnte.

Nur wollte ihm aber rein gar nichts einfallen und er war schon am verzweifeln, bis ihm einfiel, was er eigentlich vorgehabt hatte, ehe ihm dieses Missgeschick einen Strich durch die Rechnung machte.
Und da er sowieso schon vor Ginny kniete, machte er es so, wie er es aus den Filmen kannte, die Tante Petunia früher immer im Fernsehen geguckt hatte – und die er mit ansehen hatte dürfen, während er das Silbergeschirr polierte.
Zögernd öffnete er die Schachtel, die ihm gerade so viel Ärger bereitet hatte, und nahm den schlichten Goldring heraus. Ihn Ginny mit seiner bloßen Hand darbietend, schluckte er, nahm all seinen Mut zusammen und sah ihr in die Augen.
„Ginevra Molly Weasley, möchtest du meine Frau werden?"

Überrascht riss die junge Frau die Augen auf. Harrys Herz klopfte noch aufgeregter als zuvor und er machte sich langsam Sorgen, ob er ihre Antwort noch erleben würde. Doch trotz des aufkommenden Schwindelgefühls sah er sie mit festem Blick an – alles hing an dieser Frage. Seit Jahren liebte er sie, seit Monaten hatten sie eine wunderbare Beziehung und seit Wochen stand fest, dass er sie heiraten wollte. Er hatte sich bloß nicht getraut zu fragen. Nicht nur aus Angst, dass sie ihn doch zurückweisen könnte, sondern – es war beinahe peinlich – aus Angst vor ihrem Vater. Mr. Weasley war immer ein herzensguter Mensch zu ihm gewesen und hatte ihn in seiner Familie willkommen geheißen. Doch würde das so bleiben? Immerhin war Ginny seine einzige Tochter, noch dazu das Nesthäkchen und je länger er darüber nachgedacht hatte, waren ihm mehr Zweifel gekommen. Schließlich hatte er es nicht mehr ausgehalten, war eines Tages während der Arbeit aufgestanden und in Mr. Weasleys Büro gegangen. Ohne Umschweife hatte er seine Anfrage hervorgebracht, er hatte zwar nicht gegrüßt aber genauso wenig gestottert und beinahe so wie jetzt, hatte er gewartet. Nach einem ungläubigen Blick – der durch den Knalleffekt der aufgerissenen Tür verursacht wurde – war Mr. Weasley aufgestanden und hatte ihn gemustert. Harry hatte den Mann selten so ernst gesehen und sich so gefühlt, als ob er versuchen würde, in sein Innerstes zu sehen, so wie Dumbledore es unzählige Male gemacht hatte.

Dann, Harry befürchtete inzwischen das Schlimmste und schimpfte sich in Gedanken, so ungestüm gewesen zu sein, hatte Arthur Weasley den Tisch umrundet, ihn kurz in die Arme genommen und mit den Worten „Sicher, mein Sohn", ein unglaubliches Glücksgefühl in Harrys Magengegend ausgelöst.

Noch am selben Tag hatte er den letzten Schritt vorbereitet, um nun Ginny selbst zu fragen. Den Ring zu finden, war eine Leichtigkeit gewesen, doch ihn seiner Angebeteten zu überreichen erschien ihm unmöglich. Nie war der passende Augenblick oder er hatte in letzter Sekunde den Mut verloren. Er hatte schon begonnen sich zu sorgen, dass Mr. Weasley ihn zur Rede stellen würde, wenn er etwas ankündigte – mit einem derartigen Auftritt, wie er es sich geleistet hatte – und sich nicht daran hielt.
Doch das alles war jetzt vorbei. Er hatte es gewagt, selbst wenn ein Missgeschick ihn erst in die richtige Position gebracht hatte.

„Ich hab' schon gedacht, du fragst nie."
Die Worte rissen ihn aus seinen Gedankengängen. Mit einem selbstsicheren Lächeln stand Ginny immer noch vor ihm. Nun starrte er sie überrascht an und spürte, dass die Aufregung einem unguten Gefühl wich. Er hatte eine Ja-Nein-Frage gestellt und sie antwortete so? War das die Einleitung zur Abweisung?

Doch bevor er seine größte Furcht in Gedanken weiterspinnen konnte, spürte er ihre Haare an seiner Wange und fand sich in einer Umarmung wieder. Ginny schmiegte sich eng an ihn, während er seinen Arm immer noch vor sich ausgestreckt hielt. Langsam und verunsichert zog er ihn zurück. Bevor er eine Dummheit begehen konnte, ließ sie locker und sah ihn an.
„Ja, natürlich will ich, Harry James Potter."
Während sie die ersten Worte noch fest und in einem ernsthaften Tonfall gesagt hatte, musste sie am Ende des Satzes ein Kichern unterdrücken. Schnell gab sie ihm einen sanften Kuss.
Harry war sich sicher, dass er dämlich grinste, als er ihr den Ring an den Finger steckte. Doch das war egal, alles andere war egal – Ginny würde seine Frau werden, was wollte er mehr?
Seine Anspannung war mit einem Mal verflogen und er ließ sich rückwärts in den Schnee fallen.

Der Baum, den er nun von unten betrachtete, war wirklich sehr schön. Er hatte ein kräftiges Grün und viele Äste, an denen Kugeln und sonstiger Schmuck wunderbar Platz finden würden. Ginny hatte wirklich ein gutes Auge dafür…weiter konnte er über den Weihnachtsbaum nicht nachdenken.
Ginny, die keinen Zentimeter von ihm gewichen war, lag halb auf ihm und verwickelte ihn in einen weiteren Kuss.

Ende