Noch zwei Tage, dann gibt's Bescherung :D Für Zwei Wünscher gibt es heute schon ein Geschenk, denn Jordan hat den Wunsch erfüllt, den Magica und Aesi zusammen eingereicht haben. Bühne frei für Molly, Arthur und eine Muggel, Applaus bitte!
Urlaub
Gute Nachrichten
~Arthur Weasley~
Es war ein normaler Tag im August. Arthur Weasley kam, wie jeden Tag von der Arbeit nach Hause. Es war jetzt etwas über ein Jahr her, seitdem er an der Seite des Phönixordens gegen den dunklen Lord gekämpft hatte. In diesem Jahr war einiges geschehen.
Er machte einen Schritt und betrat durch die Haustür die Küche der Weasleys.
„Mol…", setzte er an, um seine Frau zu rufen, doch dazu hatte er erst gar keine Gelegenheit.
Denn genau in diesem Moment kam diese und umarmte ihn stürmisch. Als sie ihn wieder los ließ, sah er, dass ihre Augen gerötet waren.
„Molly, Liebling", sagte er stockend. Er erwartete das Schlimmste: „Ist irgendetwas mit den Kindern?"
„Nein", sagte sie. Ihre Stimme zitterte und Arthur wurde nervös. „Setz dich bitte hin."
Er tat, was sie sagte, denn alles andere wäre zwecklos gewesen. „Sag schon was ist. Ist etwas mit dir nicht in Ordnung? Bist du krank?"
Molly ging zum Küchenschrank und kam mit ein paar Papieren in der Hand zurück. Erst jetzt bemerkte Arthur, dass sie lächelte.
„Arthur…ich … wir…", stockte Molly. „Also .. was ich sagen wollte. Wir haben gewonnen."
„Was? Wo denn?", erwiderte Arthur verwirrt.
„Ich habe bei einem Kreuzworträtsel in der Hexenwoche teilgenommen. Da haben wir eine Reise für zwei Personen gewonnen", bei diesen Sätzen strahlte Molly über das gesamte Gesicht.
„Bist du dir sicher, dass das kein Betrug ist, Molly? Bei den Muggeln gibt es so etwas häufiger. Vielleicht ist es eine Falle", erwiderte Arthur verdutzt.
„Nein. Schau mal hier!" Mit diesen Worten gab Molly ihm die Unterlagen. Arthur sah sie sich durch und konnte tatsächlich keinen Haken entdecken.
„Was denkst du", begann Molly von neuem. „Wäre es nicht schön, das als zweite Hochzeitsreise zu betrachten? Immerhin ist dieses Jahr unser 30. Hochzeitstag. Die Kinder sind alle aus dem Haus und der Ort dort soll besonders im Winter sehr schön sein."
Arthur konnte gar nicht anders und umarmte seine Molly. Dies würde einer ihrer schönsten Hochzeitstage werden.
Ankunft am Freitag
~Samantha King~
Es war ein sonniger Tag in St. Moritz. Samantha stieg aus dem Taxi und atmete tief durch. Es war der dritte Dezember und die Sonne schien hell vom Himmel.
Das Taxi hatte sie direkt vor das Hotel gebracht. Eifrig kamen Pagen angelaufen und holten das Gepäck aus dem Wagen.
Doch Samantha bekam davon nichts mit. Innerlich war sie längst nicht so gefasst, wie es nach außen wirkte. Ihr Verlobter hatte sie ein paar Tage zuvor verlassen. Samantha hoffte nun auf ein wenig Ablenkung.
Sie wollte gerade losgehen als sie ein: „Entschuldigen Sie!" von der Seite hörte. Sie drehte sich um und sah die wahrscheinlich seltsamsten Menschen der Stadt auf sich zukommen. Beide trugen weite, dunkle Mäntel. Ihre Kleidung war bunt zusammengewürfelt und alles andere als modisch.
Samantha entschied, die beiden zu ignorieren, doch es war zu spät. Die Frau hatte sie zuerst erreicht.
„Guten Tag. Können Sie uns bitte sagen, wo das ‚King Size' Hotel ist?", fragte sie Samantha.
Voller Unglauben zog sie die Augenbrauen hoch, doch da sie einen modischen Pony und eine große Sonnenbrille trug, war es nicht zu sehen.
„Sie stehen direkt davor", antwortete sie trotzdem. Sie wies dabei auf das riesige Luxushotel, in dem auch sie nächtigten würde. Es gehörte ihrem Vater und mit ihren mittlerweile 35 Jahren, war auch Samantha in das King-Unternehmen integriert.
„Entschuldigen Sie mich", entschied sie, drehte sich um und ging entschlossen durch das große Eingangsportal. Sie schüttelte den Kopf. Das Hotel war eins der größten und bekanntesten Hotels der Stadt. Außerdem war die Hotelkette nicht nur hier in der Schweiz, sondern weltweit führend. Nur wer von einem anderen Planeten kam, hatte noch nicht davon gehört.
~Molly Weasley~
Molly Weasley schlenderte mit ihrem Gatten durch die beschauliche Zauberergasse der Stadt.
Das Gepäck war bereits in ihrem Zimmer untergebracht. Obwohl Zimmer das falsche Wort war.
Es hatte Molly den Atem verschlagen, als sie die großzügige Suite betreten hatte. Und noch immer war sie beeindruckt, wenn sie an ihre Unterkunft dachte.
Doch auch hier beim Bummeln gab es für die beiden viel zu sehen.
Zwar waren die Preise hier in der Gasse für Hexen und Zauberer abnorm hoch, doch gehörte zu dem Gewinn der beiden ein Reisetaschengeld von 50 Galleonen. Auch ihre Kinder hatten ihnen etwas mitgegeben.
Und so schlenderten die beiden gemeinsam die Straße entlang und sahen sich einige Geschäfte an. Dabei genossen sie es, sich so gut wie alles leisten zu können. In Wirklichkeit jedoch, wollten sie das Geld sparen und es später in der wesentlich günstigeren Winkelgasse ausgeben.
Nach einiger Zeit färbten die Strahlen der untergehenden Sonne den Himmel blassrosa.
Die Weasleys verließen einen Souvenirshop und begaben sich wieder zurück zum Hotel. Molly freute sich bereits auf den nächsten Tag, denn es war der 30. Hochzeitstag des Paares.
Samstag
~Arthur Weasley~
Arthur Weasley erwachte sehr früh am Morgen. Er brauchte erst einen Augenblick, um sich zu orientieren. Der Muggel-Wecker zeigte, dass es 7.00 Uhr morgens und somit die beste Zeit zum Frühstücken war.
Er schlug die Bettdecke zur Seite und ging ins Bad, dabei natürlich stets darauf bedacht, so leise wie möglich zu sein. Dort hatte er bereits gestern alles bereitgelegt.
Arthur zog sich einen Festumhang an und schlich sich durch das Schlafzimmer in das Eingangszimmer. Nahezu lautlos schloss er die Tür und ging zum Sofa.
Auf dem Couchtisch lagen einige Zettel mit Verhaltensregeln.
Er lächelte. In dem Preisausschreiben ging es um Muggel, deren Art zu verreisen und zu leben. So kam es, dass sie sich nun in einem Muggelhotel befanden. Natürlich war der Chef eingeweiht in die Welt der Hexen und Zauberer, jedoch nicht alle anderen.
Es ging bei der Reise darum, einmal Urlaub wie die, natürlich die besser verdienenden, Muggel zu machen.
Arthur überflog die Hinweise und erfuhr endlich, wie man ein ‚Telefon' richtig bediente. Er zuckte innerlich zusammen, als ihm seine Fehler bei dem Gespräch mit Harrys Onkel wieder einfielen.
Er bestellte für sich und seine Frau ein Essen. Er wollte sie damit überraschen.
~Molly Weasley~
Sie hatte lange nicht mehr so gut geschlafen. Molly blieb nach dem Aufwachen noch eine Weile liegen und genoss das warme und weiche Bett. Sie hörte die Tür aufgehen. Jemand kam herein und stellte etwas genau neben sie hin.
Sie wusste, dass es Arthur war.
Er gab ihr einen sanften Kuss auf die Stirn und flüsterte ihr: „Guten Morgen, mein Schatz. Alles Gute zum Hochzeitstag", ins Ohr.
Er zog etwas aus seinem Umhang.
Molly war gerührt, dass er sich extra für sie in Schale geworfen hatte. Sie nahm das kleine Schächtelchen und öffnete es.
Als sie den Deckel zurückgeklappt hatte, sah sie ihren Ehering.
Jetzt standen ihr Tränen in den Augen, denn er war ihr zu klein geworden und sie hatte ihn deswegen nicht mehr tragen können. Arthur nahm ihre Hand und steckte ihr den Ring, der nun wieder passte, auf den entsprechenden Finger.
Sie gaben sich einen Kuss und frühstückten gemeinsam im Bett.
Daheim hätten sie es sicherlich nicht getan, weil Molly ja hinterher alles hätte saubermachen müssen, aber hier musste sie sich um nichts dergleichen kümmern.
Als sie fertig gefrühstückt hatten, besprachen sie den weiteren Tagesablauf.
„Liebling, ich sage es dir, wir müssen unbedingt mal Schki fahren", versuchte Arthur sie zu überzeugen: „Da schnallen sich die Muggel lange Bretter unter die Füße und rutschen den Berg hinunter. Und wer am meisten hinfällt, hat gewonnen."
„Aber Schatz", erwiderte Molly, nicht zum ersten Mal: „Du weißt doch, dass ich mich gern entspannen würde."
„Das können wir doch danach machen", wandte Arthur ein. „Und auf den Hinweisen steht, dass man das am Morgen am besten machen kann. Wir können doch danach noch etwas anderes machen."
„Na gut", gab Molly nach. Sie hatte es inzwischen mehr oder weniger akzeptiert, dass ihr Mann jedes Mal ganz aus dem Häuschen war, wenn er etwas Neues von den Muggeln lernen konnte. „Aber wir treffen uns heute Mittag wieder, essen gemeinsam und verbringen den Rest des Tages zu zweit."
Arthur stimmte erfreut zu. Molly musste lächeln, als sie die kindliche Vorfreude in seinen Augen blitzen sah.
Sie konnte noch etwas liegen bleiben und beobachtete, wie sich Arthur in Windeseile umzog und verschwand. Erst danach stand sie langsam auf und machte sich fertig für den Tag.
~Arthur Weasley~
Er hatte sich sehr schnell bereit gemacht und noch kurz von Molly verabschiedet, bevor er sich auf den Weg machte.
Nun hatte er den Lift gefunden. Und die lange Schlange von Menschen, die ihn ebenfalls benutzen wollten. Arthur seufzte und begab sich auf den Weg zum Ende der Wartenden, als ihm eine Frau auffiel.
Er trat auf sie zu und sprach sie an. „Entschuldigung?", begann er: „Kennen wir uns nicht?"
„Nicht, dass ich wüsste", erwiderte seine Gesprächspartnerin, dabei schüttelte sie ihren Kopf, wobei ihre blonden Haare leicht hin und her schwangen. „Warum?"
„Dann habe ich mich wohl geirrt", erklärte Arthur. Er glaubte einen Artikel über sie gelesen zu haben, wollte es jedoch aus Angst vor Unhöflichkeit nicht sagen.
„Ich bin übrigens Arthur Weasley", stellte er sich vor.
„Sehr erfreut", sagte die Blondine ohne weiter auf Arthur zu achten. Bis ihr Kopf sich rasch zu Arthur drehte und sie anfing, ihn wahrzunehmen.
„Sind sie nicht der Mr. Weasley, der das Preisausschreiben gewonnen hat?", fragte sie ihn nun wiederum.
Der Zauberer lief leicht rosa an.
„Ja", gestand er.
„Gut, dann warte ich hier gerade auf sie. Ich bin Samantha King und wurde gefragt, ob ich ihnen nicht das Skifahren beibringen könnte", erklärte sie.
„Das wäre wunderbar", entfuhr es Arthur voller Freude.
Beide gesellten sich zum Lift. Zum Erstaunen des Zauberers ging es in der Schlange schneller vorwärts, als er es erwartet hatte.
Auch wenn es ihm ein wenig zu wackelig war, so kamen die beiden doch gut oben an.
Ski fahren stellte sich als schwieriger dar, als es aussah und erst nach einigem Üben, und vielen Lachern über dessen Stürze, beherrschte der Zauberer diesen Muggelsport auf eine halbwegs akzeptable Art und Weise.
Leider musste Samantha kurze Zeit später wieder los.
Sie verabredeten sich für den späten Nachmittag zu einem Becher Glühwein. Auch wenn Arthur nicht so recht wusste, was ein Glühwein war.
~Molly Weasley~
Molly ging unruhig im Zimmer umher.
Sie hatte bisher einen schönen und entspannenden Tag gehabt. Doch das Warten machte sie nervös. Arthur wollte schon vor drei Stunden wieder zurück sein. Was war los? Hatte er sich verletzt? Oder war etwas Schlimmeres passiert? Was, wenn ihn die Polizei der Muggel festgenommen hatte, weil er sich auffällig verhalten hatte.
Sie blieb bei diesem Gedanken abrupt stehen.
„Molly, beruhig dich", sagte sie zu sich selbst: „Du kennst deinen Mann. Wahrscheinlich hat er nur ein paar Stecker gefunden und darüber die Zeit vergessen."
Das redete sie sich schon die ganze Zeit ein. Immerhin hatte sie kurz, nachdem ihr Mann losgegangen war, ihren Ansprechpartner in der Hotelleitung kontaktiert und darum gebeten, dass ihn jemand begleitet.
Sie griff zum Hörer des Telefons, eine wirklich eigensinnige Muggelerfindung, um den Ansprechpartner erneut anzurufen, als die Tür des Apartments ins Schloss fiel.
Sie ließ den Hörer fallen und ging in Richtung Tür, als ihr Mann um die Ecke kam.
Ihr fiel ein Stein vom Herzen, jedoch kam ihr ein „Wo warst du denn so lange?" über die Lippen.
Arthur sah sie entschuldigend an.
„Weißt du", begann er: „Da waren so viele Muggel und die hatten alles mögliche an Muggeltechnik dabei. Und dann hat mir jemand gezeigt, wie man Schki fährt."
Molly atmete tief durch und beruhigte sich. „Dann hast du dabei die Zeit vergessen, oder?"
„Nein. Weißt du was mein Schatz?", fuhr der Zauberer unbeirrt fort. „ Das war eine wunderbare Frau, die mir das Ganze beigebracht hat. Wir haben uns dann noch kurz auf einen Kaffee getroffen."
Molly versteinerte.
„Du hast dich lieber mit einer anderen Frau getroffen, als die Zeit mit mir zu verbringen?", fragte sie entsetzt.
„Nein, so war das nicht!", verteidigte sich der Angegriffene, „Wir haben dabei nur so viel erzählt, dass ich die Zeit vergessen habe."
„Das ist dasselbe", beschwerte sich Molly. Aber sie kannte ihren Mann und konnte ihm nicht wirklich böse sein.
Nach einem kurzem Augenblick schlug sie vor: „Mir ist heute ein kleines Restaurant empfohlen worden. Lass uns doch schick Essen gehen und unseren kleinen Streit vergessen, in Ordnung?"
Doch als sie in seine Augen sah, wusste sie, dass etwas nicht stimmte.
„Ist etwas nicht in Ordnung?", hakte sie nach.
„Nun ja", stammelte ihr Mann. „Ich hatte nur Samantha versprochen, dass wir heute etwas gemeinsam unternehmen wollen. Wir treffen uns heute Abend um acht Uhr im Restaurant des Hotels. Sie ist im Moment sehr einsam, denn ihr Freund hat sie sitzen gelassen. Das verstehst du doch, außerdem kennt sie sich richtig gut mit Muggeldingen aus."
„Du hast was?", brach es aus der rundlichen Hex heraus. „Arthur Weasley, sag mir nicht, dass du dich an deinem dreißigsten Hochzeitstag mit einer anderen Frau verabredet hast!"
„Das habe ich gar nicht. Du kannst doch gerne mitkommen", verteidigte er sich vehement.
„Oh toll, ich darf dich also begleiten, wenn du dich mit einer anderen Frau triffst", erwiderte Molly gereizt.
„So hab ich das doch gar nicht gemeint, Mollyröllchen."
„NENN MICH NICHT SO", unterbrach ihn Molly.
„Dann geh doch und amüsiere dich! Mich brauchst du ja nicht. Also lass mich nur allein", zeterte sie weiter.
„Gut, das werde ich dann wohl auch tun", erwiderte der nun auch gereizte Arthur und verließ das Zimmer.
Molly ließ sich auf das Sofa fallen und schluchzte.
~Samantha King~
Samantha betrat ihren Kleiderschrank.
Sie hatte noch ein Date und suchte nach dem passenden Outfit.
Ihre Verabredung war ein Zauberer. Sie fand es sehr aufregend, auch wenn der Mann an sich eher uninteressant für sie war.
In dem Schrank, in den in anderen Ländern ganze Familien gepasst hätten, reihten sich unzählige atemberaubende Abendkleider. Vom „kleinen Schwarzen" bis zum opulenten Ballkleid war alles vertreten, was irgendwie modisch ist, oder es mal war.
Was würde sie wohl erwarten? Hoffentlich nicht wieder endlose Fragen über Stecker, Batterien und elektrische Dosenöffner. Aber immerhin hatte sie bisher noch nie Probleme damit gehabt, zu bekommen, was sie wollte.
Mit dieser Gewissheit nahm sie sich ein Kleid und die passenden Schuhe dazu heraus.
~Arthur Weasley~
Nachdem er das Zimmer verlassen hatte, lief Arthur durch die Straßen. Seine Gedanken überschlugen sich.
Nun hatte er sich wieder beruhigt und festgestellt, dass er völlig die Orientierung verloren hatte. So irrte er ein paar Minuten durch die Stadt und schaute sie sich an. Anscheinend waren nicht nur die Zauberei-Geschäfte hier teurer als in England.
Irgendwann sah er zufällig einen Eingang zur Zauberergasse von St. Moritz.
Als er hindurch getreten war, stellte er fest, dass er sich auf der anderen Seite der Gasse befand. Er musste also die gesamte Strecke zurück laufen.
Er musste ziemlich wütend gewesen sein. Molly hatte sich aber auch alles andere als freundlich verhalten. Immerhin hätte er sie gern mitgenommen. Warum sie so explodiert war, konnte er gar nicht begreifen.
Doch um sich nicht von neuem aufzuregen, dachte er an den Abend und empfand eine leichte Vorfreude. Leider immer wieder unterbrochen von Ratlosigkeit und leichtem Ärger.
Er beschloss, ein Geschenk zu holen und die Suche nahm ihn so sehr ein, dass er fast wieder die Zeit vergaß.
~Molly Weasley~
Molly wusste nicht mehr weiter. Sie hatte sich so auf dieses Wochenende gefreut und nun saß sie hier. Allein.
Was hatte Arthur sich nur dabei gedacht? Einfach so mir einer anderen Frau auszugehen. Ausgerechnet an ihrem dreißigsten Hochzeitstag.
Hatte sie ihn vielleicht für immer verloren?
Doch bei diesem Gedanken erwachte etwas in ihr.
„Molly Weasley", sagte sie zu sich selbst, „Du hast sieben Kinder erzogen und alle erfolgreich durch Hogwarts gebracht. Du hast dein Leben lang um das gekämpft, was dir lieb ist. Verdammt noch mal, du hast dich gegen Lord Voldemort gestellt. Also reiß dich zusammen und hole dir deinen Mann zurück."
Sie atmete tief durch und stand auf. Gezielt ging sie in das Bad und wusch sich die Tränen vom Gesicht.
Sie hatte sich entschlossen, um ihren Mann zu kämpfen. Da sie dabei auf alles achten wollte, suchte sie in ihrem Schrank nach etwas Brauchbarem zum Anziehen.
Leider fand sie nichts, was wirklich etwas Besonderes gewesen wäre. Kurz entschlossen nahm sie sich den Geldbeutel und begab sich in die Zauberergasse.
~Samantha King~
Samantha trug noch etwas Mascara auf. Dann suchte sie nach dem passenden Lidschatten, der ihre stahlblauen Augen betonte.
Die Haare waren bereits gemacht und sie wollte sich in fünf Minuten mit diesem Zauberer treffen.
Das hieß, sie hatte noch eine halbe Stunde Zeit.
Samantha kam prinzipiell nicht pünktlich. Denn so waren ihr ein guter Auftritt und die komplette Aufmerksamkeit der Anwesenden garantiert.
Sie hatte den Namen des Mannes vergessen. Alexander? Nein. Jedenfalls irgendetwas mit A.
Er war verheiratet, das wusste sie. Doch anscheinend war das kein Problem für ihn und für sie schon gar nicht.
Sie hatte die gesuchte Farbe gefunden und wandte sich wieder dem Spiegel zu.
~Arthur Weasley~
Arthur wurde etwas unruhig. Der Ober hatte ihn an einen sehr guten Platz gebracht, der viel Privatsphäre zuließ.
Der Zauberer wartete schon länger. Er hatte ein schönes Geschenk gefunden und konnte das Treffen kaum abwarten. Anscheinend war Samantha hier bekannt, denn der Ober hat ihn sehr freundlich angelächelt, als Arthur ihm von dem Treffen erzählt hatte.
Unruhig rutschte er auf dem Sitz hin und her. Der Ober brachte ihm die Karte. Anders als bei den Magiern bestand sie aus mehreren Blättern und Arthur musste die einzelnen Seiten umblättern, was ihn sehr begeisterte.
~Molly Weasley~
Molly Weasley stand im Fahrstuhl und war völlig außer Atem. Sie hatte noch etwas Schickes gefunden und den Weg zurück zum Hotel im Eiltempo zurückgelegt.
Sie starrte auf die Anzeige. Wie im Schneckentempo änderten sich die roten Ziffern und zeigten somit, welcher Stock gerade passiert wurde.
Mollys Atem beruhigte sich schnell. Solche Spurts war sie gewohnt, durch die vielen Jahre, in denen sie ihre Kinder zum Hogwartsexpress gebracht hatte. Dennoch war es immer wieder anstrengend.
Endlich kam der Fahrstuhl zum Stehen. Doch als die Türen sich öffneten, stand eine Blondine mitten in der Tür. Molly sah sie verwirrt an. Das Kleid, welches die Frau trug, erschien ihr viel zu kurz.
„Entschuldigen Sie mal", sagte die Hexe selbstbewusst und drängte sich einfach so an der Unbekannten vorbei.
Schnell begab sie sich in das Zimmer und begann, sich zurecht zu machen.
~Samantha King~
Samantha stand im Aufzug und fuhr hinab ins Erdgeschoß. Kurz bevor dieser ankam, holte sie tief Luft, streckte den Kopf selbstsicher in die Höhe und bereitete sich auf ihren Auftritt vor.
Die Frechheit der molligen, rothaarigen Frau hatte sie überrumpelt, doch davon sollte ihr nun nichts mehr anzumerken sein.
Selbstbewusst begab sie sich zum Eingang des Restaurants.
Der Ober kam ihr schon entgegen, als sie gerade die Tür erreicht hatte. Die Blondine blieb stehen und wartete, bis man ihr öffnete.
Man führte sie zu ihrem Lieblingstisch, ohne sie nach ihrem Namen zu fragen, denn alles andere hätte zur sofortigen Kündigung des entsprechenden Angestellten geführt.
Sie stockte, als sie ihr Date sehen konnte.
Obwohl sie dachte, dass sie nichts mehr schockieren konnte, war sie leicht erschrocken, als sie sah, mit welcher Faszination der Mann die Seiten der Speisekarte hin und her blätterte.
Gerade in diesem Augenblick hob der Rotschopf den Kopf, sah sie und fing an, zu winken.
Samantha schickte ein Stoßgebet zum Himmel und beschleunigte ihren Schritt, wobei sie versuchte, so freundlich wie nur möglich zu lächeln.
~Molly Weasley~
Hektisch zog sich Molly um und suchte ihren Zauberstab. Nach einigem Stöbern fand sie ihn schließlich. Seit Voldemort vernichtet war, war sie seltsam leichtsinnig in diesem Zusammenhang geworden. Sie beschloss, ab dem nächsten Morgen etwas daran zu ändern.
Jedoch hatte sie jetzt Wichtigeres vor.
Nachdem sie sich davon überzeugt hatte, dass alles dort saß, wo es hingehörte, machte sie mit Hilfe des Zauberstabes ihre Frisur und ihr Make-up fertig.
Ein letzter, prüfender Blick, dann brachte sie ihren Zauberstab in einer kleinen Handtasche unter und verließ das Zimmer, um zum Restaurant zu eilen.
Sie erwischte gerade noch den Fahrstuhl, in dem bereits ein Pärchen stand.
~Samantha King~
Nachdem sie sich kurz begrüßt hatten, setzte sich Samantha auf den Platz gegenüber von ihrem Date.
Sie wusste nicht, was sie sagen sollte.
„Hast du dir schon was bestellt?", wollte sie wissen.
„Nein", antwortet Arthur, „Gibt es hier etwas Empfehlenswertes?"
„Oh ja, die Meeresfrüchteplatte ist sehr gut, aber das Kalbsfilet an Kaisergemüse ist auch nicht zu verachten", beriet Samantha.
Der Mann nickte, dann sah er Samantha an und fragte: „Wofür braucht man eigentlich solche Stecker?"
~Molly Weasley~
„Lassen sie mich los", beschwerte sich Molly, doch der Mann im Anzug hörte nicht darauf. „Mein Mann ist hier im Restaurant, ich will zu ihm!"
Sie wandte sich aus dem Griff und setzte von neuem an, durch das Restaurant zu laufen, jedoch war der Mann schneller.
„Wir bitten sie trotzdem, die anderen Gäste nicht zu belästigen", erklärte der Ober entnervt.
Molly wand sich wieder los, drehte sich um, und sagte mit fester Stimme: „Hören sie mir gut zu. Ich habe sieben Kinder zur Welt gebracht und aufgezogen. Alle von ihnen sind anständige, junge Erwachsene geworden. Also hören sie auf, mir vorschreiben zu wollen, wie man sich benimmt. Das Einzige was ich will, ist nach meinem Mann zu schauen. Er ist etwas größer als ich und hat ebenfalls rote Haare. Also wenn sie ihn gesehen haben, dann sagen sie mir, wo er steckt, ansonsten suche ich alleine weiter."
~Samantha King~
Sie wollte gerade etwas sagen, als ihr ein Kästchen auffiel, das etwas seitlich von dem Zauberer lag.
„Was ist das?", fragte sie und deutete auf die dunkelblaue Schatulle.
„Nichts Wichtiges. Wirklich", versicherte ihr Gegenüber, doch Samantha ließ nicht locker.
„Ist das ein Geschenk für mich? Darf ich es haben?"
Ohne auf eine Reaktion zu warten, beugte sie sich zur Seite und griff danach.
Sie sah die Überraschung in den Augen des Mannes. Dieser griff schnell ebenfalls zu und hielt das Geschenk fest.
Doch ehe sie etwas sagen konnte, bemerkten sie, wie sich eine Frau auf sie zu bewegte. Samantha meinte, diese Frau bereits einmal gesehen zu haben.
~Molly Weasley~
Molly wunderte sich über die Szene, die sich ihr darbot. Die Blondine aus dem Aufzug hatte sie sofort erkannt. Sie wunderte sich, was Arthur an ihr wohl fand.
Interessanter war jedoch, was sich gerade zwischen den beiden abgespielt haben musste.
Im ersten Moment hatte sie gedacht, dass Arthur der Anderen ein Präsent übergeben wollte, doch zog er es hastig zurück, als sich die Gelegenheit dazu bot.
Die Hexe ging zielstrebig auf die Fremde zu, reichte ihr die Hand und stellte sich mit betont freundlicher Stimme vor: „Guten Abend. Mein Name ist Molly Weasley. Ich bin die Frau des Mannes, mit dem sie gerade ausgehen."
„Sehr erfreut", erwiderte die andere: „Mein Name ist Samantha King und zu einer Verabredung gehören immer zwei."
Die beiden Frauen sahen sich in die Augen und musterten sich dann abschätzend.
~Arthur Weasley~
Arthur verfolgte das Gespräch der Frauen und wusste nicht recht, was er sagen sollte, weshalb er sich zuerst auf das Zuhören beschränkte.
„Tja. Wenn Sie denken, dass ich Ihnen so leicht das Schlachtfeld überlasse, dann muss ich Sie wohl enttäuschen", erwiderte Molly.
Doch die Blondine legte nach: „Die Schlacht, die Sie kämpfen, habe ich längst schon gewonnen. Immerhin, habe ich das Rendezvous."
„Es ist trotzdem mein Mann und…"
„Moment mal", unterbrach Arthur Weasley, das Gespräch der Frauen: „Ich habe doch kein Rendezvous."
Verständnislos blickte er von der einen zur anderen. „Ich wollte mich doch nur über Stecker unterhalten. Und … und…. wissen wofür diese Batien da sind. Ich würde doch nie mit einer anderen ausgehen, Molly mein Schatz."
„Was?", kam es von beiden zurück, wobei Molly äußerst erleichtert und Samantha sehr ungläubig klang.
„Das ist doch nicht dein Ernst", platze es aus der Blondine heraus: „Du kommst hierher, um mit mir über Batterien zu reden? Du hast die einmalige Gelegenheit, mit MIR auszugehen und entscheidest dich für diese Frau?"
„Ja", erwiderte Arthur, als wäre es die logischste Antwort der Welt: „Immerhin ist sie meine Frau."
Samantha atmete ein paar Mal tief durch, stand auf und sagte zu Molly: „Da, du kannst ihn haben. Er ist sowieso weit unter meinem Niveau." Nach diesen Worten rauschte sie von dannen.
Arthur stand auf und sah verlegen zu Boden.
„Du bist mir doch nicht böse, oder?", wollte er von seiner Frau wissen.
Als Antwort bekam er eine stürmische Umarmung.
~Molly Weasley~
Unendliche Erleichterung machte sich in ihr breit, als sie ihren Mann wieder los ließ. Böse konnte sie ihm gar nicht mehr sein, nachdem, was er eben gesagt hatte.
„Nein", sagte sie und sah ihn an: „Es tut mir leid, ich habe überreagiert."
Arthur drehte sich um und griff nach dem blauen Präsent. Er gab es Molly.
Diese öffnete vorsichtig die Verpackung und hielt den Atem an.
„Du siehst wirklich schön aus", erklärte er ihr. Jedoch wurde er sofort wieder von ihr umarmt.
Sonntag
~Arthur Weasley~
Es war ein milder Sonntag, als die Weasleys das Hotel wieder verließen.
Beide machten sich Händchen haltend auf die Heimreise.
Am Abend zuvor waren sie noch in ein Zaubererrestaurant gegangen und hatten ihren Hochzeitstag gefeiert.
Molly hatte nicht aufgehört, sich für die von Kobolden gearbeitete Zauberstabtasche zu bedanken. Arthur hatte dafür ein kleines Vermögen bezahlt, doch Molly war ihm viel mehr wert, als er es durch Geld ausdrücken konnte.
Unterwegs überlegten sie bereits, was sie ihren Kindern erzählen wollten, und was sie besser auslassen sollten.
Doch sie waren sich sicher. In dreißig Jahren würden sie wieder hier her kommen, auf diese Geschichte zurückblicken und herzhaft lachen.
Ende
