Weihnachten! Heilig Abend! Hallelujah!

Das letzte Türchen ist endlich offen, jetzt muss es nur noch Abend werden und dann geht es los :D

Damit das warten nicht gar so lang wird, haben wir heute noch eine letzte Geschichte für euch, die Caxirta auf Hermmys Wunsch hin geschrieben hat. Passend zu diesem schönen Tag besuchen wir heute das junge Ehepaar Potter und dürfen miterleben, wie James, Lily und Klein-Harry feiern.

An dieser Stelle ein großes Dankeschön an alle Autoren, welche diesen Adventskalender ermöglicht haben. Das waren: Aesculap, magicdreams, Caxirta, Jordan Calaim, Amalia, Anoel, BellatrixLestrange2, , derkleineweißeball, Eo-LaHallia, Flo, Hermmy, Jerome, Lupin, Melinda, Odette, Olivia Ollivander, Fina, Resi und Till.

Danke auch an die Wünscher, ohne deren Anregungen es gar keine Geschichten gegeben hätte. Ich hoffe, eure Wünsche wurden zu eurem Gefallen umgesetzt :)

Ein großes Entschuligung an alle, deren Wunsch nicht erfüllt wurde. Es sind 31 Wünsche eingegangen, 24 davon wurden erfüllt. Dem unglücklichen Rest kann ich nur Plätzchen als Wiedergutmachung anbieten °Plätzchenteller aufstell°

Ein besonderes großes Dankeschön an unsere Korrektoren, welche sich manches Mal die Haare raufen mussten, doch am Ende dafür gesorgt haben, dass die Texte von den gröbsten Tipp- und Schreibfehlern gesäubert wurden. Danke Anoel, Caxirta und Sasyan.

Zuletzt bleibt mir nur noch zu sagen: Die Geschichten ergaben wirklich eine gelungene Mischung und mir hat der Adventskalender richtig gut gefallen. Ich hoffe, euch auch. Und jetzt zuallerletzt:

Frohe Weihnachten!


Eine gelungene Mischung

Mit prüfendem Blick betrachtete Lily die Nordmanntanne, die in einer Ecke des Wohnzimmers stand. James musste sie noch in der Nacht oder in den frühen Morgenstunden in das Haus geschafft haben. Immerhin durften die Muggel in der Nachbarschaft ihn nicht sehen und selbst, wenn er den Tarnumhang genommen hätte, wäre ein schwebender Nadelbaum wohl noch auffälliger gewesen.

Sie ging näher, strich über die duftenden, biegsamen Äste und trat wieder zurück. Egal, wie ihr Mann es geschafft hatte, es war ein wunderbarer Baum. Nun war sie an der Reihe, ihn bis zum Abend festlich zu schmücken. Lily hatte bereits alles hergerichtet und auf dem Sofa lagen zwei Schachteln voll mit Schmuck und Kerzen. Allerdings konnte sie sich irgendwie nicht dazu überwinden, anzufangen. Immer wieder ging sie im Zimmer auf und ab und überlegte wo und womit sie beginnen sollte. Ihren Zauberstab hatte sie bereits in der Hand, um die Kugeln sicher bis an die höchsten Äste des Baumes zu manövrieren und zu befestigen. Doch irgendetwas hinderte sie und sie wusste nicht was.

Mit einem Seufzen ließ sie sich auf den Boden nieder und lehnte sich an das Sofa, ihr Blick haftete immer noch an der Tanne.
Sie erinnerte sie an die riesigen Bäume, die Hagrid immer in die Große Halle geschleppt hatte und wohl immer noch schleppte. Sie waren genauso immergrün und duftend wie dieser hier. Von dem Schmuck, der sich jedes Jahr etwas geändert hatte, war sie am meisten fasziniert gewesen. Es war ein berauschendes Gefühl gewesen, in die Halle zu gehen und es überall funkeln und glitzern zu sehen und dabei etwas Neues zu entdecken. Wenn man nicht gerade mit der Bewunderung der Dekoration beschäftigt war, sah man das Lachen der Freunde rundherum und konnte die Speisen der Festtage genießen. Es war eine wunderbare Zeit gewesen.

Lily war seit ihrem sechsten Schuljahr zu Weihnachten nicht mehr zu Hause gewesen. Zu schlimm war der Zwist zwischen ihr und ihrer Schwester Petunia geworden. Sie konnte das Fest nicht mehr genießen und erst recht nicht mit Frieden und Gemeinschaft verbinden. Es war eine gute Entscheidung gewesen.
Sie hatte mit ihren Freundinnen und den Rumtreibern gefeiert. James war den ganzen Tag an ihrer Seite und somit auch Sirius. Sie verbrachten ihn auf den Ländereien mit Schneeballschlachten oder dem Bau von Iglus, die gerade genug Platz für zwei Personen boten. Lupin und Peter hatten dabei auch geholfen und die Stunden verflogen. Erst als ihnen richtig kalt geworden war, hatten sie sich ins Schloss zurückgezogen und vor dem Kamin im Gemeinschaftsraum gewärmt. Es war kein Problem gewesen, den besten Platz zu bekommen, um auftauen zu können. Dabei hatte James sie in seinen Armen gehalten und sie haben leise miteinander gesprochen.
Selbst jetzt bekam sie Herzklopfen, wenn sie daran dachte.

So hatten sie die Zeit bis kurz vor dem Abendessen verbracht. Sie hatten sich ins Bad der Vertrauensschüler geschlichen, das für James kein vorgesehener Aufenthaltsort war, und noch eine kleine Schaumschlacht zu zweit gehabt. Danach waren sie mit festlichen Umhängen in die Große Halle eingezogen und haben ihre Freunde wieder gesehen. Obwohl das Bankett jedes Mal lange bis Mitternacht dauerte, war die Zeit verflogen und im Gemeinschaftsraum war noch etwas länger gefeiert worden. Es war wirklich eine traumhafte Zeit gewesen, mit den Freunden im Schloss Weihnachten zu verbringen.

Aber jetzt saß sie alleine hier. Die Freunde waren weit weg und würden auch am Abend nicht auftauchen und sie in die Arme nehmen und Gespräche bis tief in die Nacht mit ihr führen. Schon seit Monaten hatte sie keinen von ihnen gesehen.
Sie tadelte sich selbst. Sie hatte doch Harry! Harry, ihren Sohn, der im ersten Stock in seinem Gitterbett lag und gerade friedlich träumte. Lily raffte sich auf. Sie hatte sich selbst versprochen, ihm das schönste erste Weihnachten zu bescheren, selbst wenn er als Säugling sich später nicht daran erinnern würde. Sie nahm eine Kugel, ging zum Baum und befestigte sie auf dem nächstbesten Ast. Dann trat sie wieder zurück, um die Position noch mal zu kontrollieren. Naja…hing die da wirklich richtig? Sie würde es sehen, wenn sie etwas mehr Schmuck angebracht hatte.

Nun pendelte sie zwischen den Kartons und der Tanne. Wenn sie nicht eine weitere Kugel oder einen magischen Eiszapfen anbrachte, steckte sie die Kerzen in ihre Halter und suchte sich die passenden Äste dafür. Schmuck konnte fast überall Platz finden, doch Kerzen brauchten einen Freiraum für die Flammen. Sonst würde am Abend vom Baum und vielleicht auch vom Haus nicht mehr allzu viel übrig sein.
Nach einer Weile hielt sie erneut inne und betrachtete ihr bisheriges Werk. Lily war unzufrieden. Genauso plötzlich, wie das Gefühl zuvor verschwunden war, dachte sie nun, dass irgendetwas nicht passte. Sie überlegte bereits den gesamten Schmuck wieder abzunehmen und erneut anzufangen, da spürte sie eine Berührung auf ihrer Schulter.
Kaum war sie zusammengezuckt, spürte sie auch etwas auf der anderen Schulter. Bevor sie sich umdrehen konnte, lehnte etwas an ihrem Rücken und aus dem Nichts tauchten Arme auf, die sie umschlangen.

„James!", stieß sie hervor, konnte aber ein Lachen nicht unterdrücken.
Sein Kopf tauchte nun ebenfalls auf und er gab ihr einen Kuss auf die Wange. Danach ließ er sie frei und sofort drehte sich seine Frau um, um ihm den Tarnumhang ganz wegzunehmen. Er grinste schelmisch und zog sie wieder zu sich, als sie ihn in gespielt ernstem Tonfall für seine Tat rügte.
„Das sieht schon gut aus", lenkte er ab und sah zum Baum. Lily folgte seinem Blick und verzog das Gesicht. Dem konnte sie nicht zustimmen. Gerade als sie etwas erwidern wollte, wandte er sich ab und verließ zielstrebig das Zimmer. Verwundert folgte sie ihm. Er ging bereits die Treppen hinauf und sie erriet, wohin er wollte.

„Nicht, er schläft noch!", zischte sie und folgte ihm. James hatte das Talent, wann immer er Harry in seinem Zimmer besuchte, ihn aufzuwecken. Wenn der Kleine aufgrund der Störung schrie, hatte Lily für die nächste Zeit nichts anderes zu tun, als ihn zu beruhigen, während James sich unglaublich schnell verdrückte.
Sie holte ihn erst im Zimmer ein, als er ans Gitterbett gelehnt auf das Baby hinab sah. Sie stellte sich neben ihn und sah zwischen Vater und Sohn hin und her. Harry atmete regelmäßig, er lag mit seitlich leicht angewinkelten Armen und Beinen am Bauch, sein Gesicht zeigte zur Tür. Eine Wolldecke, die ihm schon etwas hinuntergerutscht war, hielt ihn warm.
James hatte einen verträumten Blick, als er sein Kind ansah. Diesen Ausdruck nahm er immer an, wenn er Harry betrachtete. Lily legte einen Arm um ihn, beugte sich ebenfalls etwas hinab und richtete die Decke.

Als sie sich wieder aufrichtete, folgte ihr James in der Bewegung, zog sie zärtlich an sich und gab ihr einen Kuss. Lily fühlte sich geborgen. Das war einer der Momente, in denen sie ihre aufkommenden Gefühle nicht erklären konnte. So gut und sicher fühlte sie sich sonst nie, nur wenn er sie so zu sich zog und seiner Liebe Ausdruck verlieh. Genau in diesen Momenten gab es für sie nichts, was sie nicht schaffen konnten und Lily hatte keine Angst. Mit James an ihrer Seite konnte es nichts geben, das ihr Furcht einflößte.
Sie erwiderte seinen Kuss, löste sich dann aber von ihm. Wenn sie hier länger verweilte, würden sie nur im Nebenzimmer landen und dann konnte sie vergessen, den Weihnachtsbaum in absehbarer Zeit zu schmücken. Sie strich ihm durch seine stets wirr abstehenden Haare und ging wieder hinunter.

Als erstes fiel ihr Blick auf den Baum. Kein Wunder, er stand an der richtigen Stelle, ein echter Blickfang! Jetzt sah sie was sie wollte – vor ihrem inneren Auge war ein klares Bild erschienen. Zielstrebig ging sie zum Sofa, auf dem sie ihren Zauberstab mitsamt dem Tarnumhang abgelegt hatte. Mit einfachen Schwüngen, Wutschen und Wedeln brachte sie alles in die gewünschte Position. Ob Professor Flitwick, der in Hogwarts immer die Bäume schmückte, auch immer ein genaues Bild von jedem Baum im Kopf hatte und sie deshalb so hervorragend schmücken konnte? Hatte er deshalb so fantastische Ideen, dass nicht nur kichernde Feen und riesige Kugeln den Hauptbestandteil des Schmuckes ausmachten, so wie in den meisten Zauberhaushalten? Zumindest hatte Lily von Sirius und James gehört, dass es bei den reichen Familien vor allem auf die Menge und Größe ankam – wie in anderen Bereichen des Lebens auch.

Mit dem neu gewonnenen Elan war die Arbeit, die eine mehrstündige Anlaufzeit gebraucht hatte schnell verrichtet. Zufrieden mit sich und dem Ergebnis, verstaute Lily die leeren Schachteln in einem Schrank. Nun war es Zeit in die Küche zu gehen und mit der Zubereitung des Abendessens anzufangen. Immerhin würde Harry bald aufwachen, da mussten zumindest schon Vorbereitungen getroffen worden sein.
James stieß beinahe mit ihr zusammen, als sie das Wohnzimmer verließ.
„Ah! Nichts passiert, Schatz. Ich bin gleich wieder da!" Er stürmte an ihr vorbei, schnappte sich den Umhang, warf ihn sich über, eilte zurück und zur Haustür. Verdutzt sah Lily ihm nach und die Tür fiel ins Schloss, bevor sie eine Frage formulieren konnte. Wohin wollte James jetzt noch gehen? Wieso hatte er es so eilig? War etwas passiert? Nein, das hätte er sicher sofort gesagt. Aber was war dann los?

Langsam ging sie in die Küche, kramte Töpfe heraus und schlug ein Kochbuch auf.
Sie sagte sich, dass es unsinnig war sich um James Sorgen zu machen. Er wusste, was er tat und würde sicher bald zurück sein. Obwohl sie sich konzentrierte und diese Worte bereits vor sich her murmelte, kehrten ihre Gedanken immer wieder zu ihrer Angst zurück, der steten Bedrohung, dem Grund, warum sie ohne Freunde in diesem Haus saß. Sie hatten den Fidelius-Zauber darüber gelegt und außer ihnen und ihrem Geheimniswahrer konnte es keiner sehen. Sie durften niemand anderen davon erzählen, selbst wenn es sehr gute Freunde waren, denen sie absolut vertrauten. Dafür war die Gefahr zu groß, die Gefahr in Gestalt von Lord Voldemort mitsamt seinen widerlichen Todessern. Er war dafür verantwortlich, dass Sirius sie nicht besuchen konnte und, dass Lupin vor Monaten untertauchen musste. Seinetwegen konnte sie das Haus so gut wie nie verlassen. Sie hatte Harry, den kleinen Jungen, ihn konnte sie nicht allein lassen. Das hatte dazu geführt, dass sie die ersten Wochen nach seiner Geburt nur in den eigenen vier Wänden war. Normalerweise hätte sie mit ihm spazieren gehen können, vielleicht andere Mütter getroffen und mit ihnen sinnlose Unterhaltungen über die beste Windelmarke geführt. Sie hätte ihn ihren Freunden zeigen können, nicht nur James Fotos mitgegeben, die er bei seinen seltenen Treffen mit ihren Bekannten herzeigen konnte.

Mittlerweile war sie nicht mehr im Haus gefangen. Für wenige Stunden war es möglich, dass sie es unter dem Tarnumhang verließ. So hatte sie es sogar geschafft Weihnachtsgeschenke für James und Harry zu besorgen. Doch das war alles sehr schwierig gewesen. Sie sehnte sich danach, sich frei bewegen zu können. Sie wollte nicht ständig auf der Hut sein und vor allem endlich wieder mit James etwas unternehmen. Ohne Harry konnten sie nicht gehen und mit Harry auch nicht, noch nicht. Er war noch zu klein und zu unruhig, um ihn mitzunehmen. Sie wollte sich gar nicht ausmalen was geschähe, wenn er bei einem Ausflug plötzlich zu schreien begann und Muggel sich nach der unsichtbaren Quelle umsahen. Das war zu riskant. Aber vielleicht würde es bald möglich sein, sie sah eine Chance darin. Wenn sein Schlaf nun tiefer und länger werden würde, könnten sie doch einen Familienausflug machen, selbst wenn Harry es nicht wirklich bemerken würde. Lily wünschte sich nichts sehnlicher als Frieden. Sie wollte, dass sie sich keine Sorgen machen musste, wenn James das Haus verließ. Sie wusste zwar, dass sogar er deutlich vorsichtiger geworden war als früher, trotzdem war sie erst beruhigt, wenn er wieder neben ihr auf dem Sofa lag und von seinen Treffen berichtete.

Sicher wäre er bald zurück. Sie schüttelte den Kopf, um die letzten schlechten Gedanken zu vertreiben. Inzwischen hatte sie einen Teig geknetet und ließ ihn nun ruhen. Genau im richtigen Moment, denn Harry meldete sich aus dem Obergeschoß. Sofort reinigte die junge Mutter ihre Hände und eilte zu ihrem Kind. Sie hob ihn aus dem Bett, strich ihm über den Kopf und wiegte ihn ein wenig. Selbst wenn er schrie, fand sie sein verzogenes Gesicht niedlich. Routiniert brachte sie ihn zu seinem Wickeltisch und nach dieser ersten Versorgung war er bereits etwas ruhiger. Das lag auch zu einem guten Teil daran, dass seine Mutter ihm ihre vollste Aufmerksamkeit schenkte und ihn mit albernen Grimassen und Fingerspielen beschäftigte. Lily wusste, dass das für längere Zeit nicht reichen würde. Sie blickte auf die Uhr, nahm ihn wieder auf ihre Arme und ließ sich auf dem Schaukelstuhl nieder. Es war ein altes Modell, das James Eltern ihnen geschenkt hatten. Es war bequem und Lily kippte darin leicht vor und zurück, während sie ihren Sohn stillte.

Schließlich hörte sie die Haustür ins Schloss fallen, James war zurück. Mit einem Mal war die Anspannung, die sie unbewusst aufgebaut hat, verschwunden. Sie stand auf und wollte zu ihm hinunter gehen, doch als sie bei der Treppe war, kam er ihr bereits entgegen.
„Oh, wer ist denn da aufgewacht?"
Harry sah mit großen Augen dein Störenfried an. James legte ihm einen Finger auf die Hand, den der Kleine sofort fest umklammerte. Mit einem Lachen gab James ihm einen Kuss auf die Stirn.
„Wo warst du noch?"
„Fort", war die wenig aufschlussreiche Antwort. Lily wollte sich bereits beschweren, doch der Gesichtsausdruck ihres Mannes verriet, dass es sinnlos war. Sie würde später noch mal fragen müssen oder es auf andere Weise herausfinden. Sie drückte ihm seinen Sohn in die Arme und verabschiedete sich mit den Worten, dass das Essen sich nicht von selber koche, in die Küche.
Sie hörte noch, dass James widersprach, indem er einen unbewachten Topf mit brodelndem Inhalt erwähnte. Lily musste lachen, das war so typisch für ihn. Gut gelaunt bereitete sie nun endgültig das Abendessen her.

James hatte sich sogar fein angezogen, als er mit Harry auf dem Arm zum Essen in die Küche kam. Das lag wohl vor allem daran, dass er draußen wie ein Irrer herumgerannt ist und zuvor noch das Gewand vom Weihnachtsbaum-Bringen angehabt hatte. Lily lobte ihn für sein Benehmen und er schlug sofort vor, dass er die Kleidung zur Belohnung auch sofort ganz ablegen würde. Ohne darauf zu reagieren servierte Lily das Essen und nahm ihrem Mann Harry ab. Sie hatte das Licht gedämmt und nur ein paar Kerzen erleuchteten den Raum. Der Kochgeruch war nicht zu bemerken, nur der Duft von Zimt und Orangen-Nelken erfüllte den Raum.
Lily aß geschickt mit einer Hand, Harry war durch ihre langen Haare und einer Kette, die James ihr zum letzten Geburtstag geschenkt hatte, vollauf beschäftigt.

Dann war es endlich so weit. Die Teller stapelten sich in der Spüle, Lily eilte voraus ins Wohnzimmer. Sie wollte erst alles vorbereiten, damit ihr Sohn sein erstes kleines Weihnachtsspektakel erleben konnte.
Sie läutete eine helle Glocke – das Zeichen für James, einzutreten.
Zwölf Kerzen strahlten am Baum und die Flammen spiegelten sich in den Kugeln und Eiszapfen. Mehrere Wunderkerzen brannten ab und ihre Funken brachten sowieso schon glitzernde Weihnachtssterne aus dunkelroter Folie zum Strahlen. Wie Rubine schienen sie in der Dunkelheit aufzuglühen, wenn ein Funken günstig flog und sie zum Leuchten brachte.
Fasziniert betrachtete Harry das Schauspiel. Lily machte vor lauter Freude lauter kleine Hüpfer auf der Stelle.
James wartete, bis die Sprühkerzen alle erloschen waren. Er kam näher und genoss, neben Lily stehend, der er den freien Arm um die Taille gelegt hatte, den Anblick. Mehrere Minuten stand die kleine Familie da und kostete den Augenblick aus. Der Moment war zu schön, um sofort wieder Licht zu machen und sich wie wild auf die Geschenke zu stürzen, die James nach seiner Rückkehr unter den weiten Ästen des Baumes drapiert hatte.

Schließlich wurde Harry unruhig. Lily schaltete wieder die volle Beleuchtung an, doch die Kerzen wollte sie noch eine Weile brennen lassen. James ließ seinen Sohn den Baum nun näher inspizieren. Sofort griff der Junge nach den Nadeln, die noch weich waren. Als nächstes angelte er nach einem der glitzernden Sterne, die vorher so toll geleuchtet haben. James half ihm, einen zu erwischen. Mit dieser Beute ging er zum Sofa und legte Harry ab, der zumindest für die nächsten Minuten sehr gut beschäftigt war.

Lily starrte auf den riesigen Geschenkberg. Wie war James bloß auf die Idee gekommen, so viel zu besorgen? Sie konnte es nicht fassen. Was war da drin?
Zumindest die letzte Frage würde sie sich demnächst beantworten können. Sie kniete sich vor den Baum und überlegte wo sie anfangen solle. Glücklicherweise war James wieder an ihrer Seite und drückte ihr einfach ein bunt verpacktes Paket in die Hände.
Darin fand sie ein dickes Zaubertrank-Buch, in dem sie sofort interessiert blätterte. Sie hatte ihm ebenfalls etwas hingeschoben und er kämpfte noch mit der Verpackung.
Langsam bauten sie den Berg mit vereinten Kräften ab. Die Geschenke für Harry packten sie abwechselnd aus, je nachdem wer es gekauft hatte.

Lily holte ihren Sohn dazu, der besonderes Interesse an einem Kuscheltier zeigte, das genauso groß war wie er selbst. Natürlich war es kein normales, wie es die Muggelkinder bekamen. Dieses war verzaubert und konnte sich aufrichten und seinen Besitzer mit seinen flaumigen Tatzen streicheln, wenn er weinte und sich in der Nacht an ihn kuscheln.
Verstört blickte er auf, als Lily einen Freudenschrei ausstieß. Sie hatte wieder ein aufgeklapptes Buch in der Hand, das ihr auf der ersten Seite in Remus feiner Schrift fröhliche Weihnachten wünschte. Sofort strich sie ihrem Kind über den Kopf und versicherte ihm mit Worten, die es noch nicht verstand, dass alles in Ordnung sei.

Bei den nächsten Geschenken quietschte sie immer noch, doch deutlich leiser, so dass Harry in Ruhe an einem Ende des Kuscheltiers saugen konnte.
Von Sirius bekam sie eine große Box mit der Aufschrift „Wild Witch", deren Inhalt sie lieber später begutachten wollte. Doch an der Packung klebte ein weiteres kleines Geschenk, aus dem sie einen Beißring für Harry mit Löwenanhänger zog. Von Mary bekam sie einen seidenen Schal, der perfekt zu ihrer Haarfarbe passte.
Auch James hatte von seinen Freunden einzelne Geschenke bekommen, die sich nun neben ihm nach Größe stapelten.

Bathilda Bagshot hatte ihnen, abgesehen von einer Dose voller Kekse, nicht nur die Bestätigung des Tagespropheten-Abonnements beigelegt, sondern auch eine bezaubernde Spieluhr. Sogar von Dumbledore hatten sie einen seitenlangen Brief bekommen und ein silbrig glänzendes Instrument, mit dem Lily noch nichts anzufangen wusste. Fassungslos sah Lily ihren Mann an.
„Woher…?"
„Ich hab' so meine Quellen…" Er konnte die Heimlichtuerei nicht sein lassen. Aber er konnte es ruhig machen, es war egal wie er es geschafft hatte. Überglücklich fiel sie ihm in die Arme, so dass er nach hinten kippte und lachend neben dem Baum lag.
„Pass auf die Kerzen auf", riet er. Mit einem Wink ihres Zauberstabs behob Lily dieses Problem und ließ ihn nicht aufstehen. Sie schmiegte sich eng an ihren James und wollte nicht daran denken, dass sie ihn irgendwann doch wieder loslassen musste. Sie brauchte an gar nichts zu denken.

Harry kugelte neben ihnen mehr oder weniger über den Boden, hatte das Kuscheltier bei sich und hatte eine Rassel zum Spielen gefunden, mit der er auf den Teppich klopfte.
Ihr Kind war glücklich. James hatte seine Arme fest um sie gelegt und drückte sie an sich – ein deutliches Zeichen, dass auch er zufrieden war.
Das Haus war erfüllt von weihnachtlichen Düften, im Wohnzimmer türmten sich Geschenke und ein Haufen von buntem Geschenkpapier samt Schleifen. Rund um sie glitzerte Weihnachtsschmuck und verwandelte den Raum in etwas Besonderes. Lily hatte ein Gefühl, das sie nicht in Worte fassen konnte und daher verzichtete sie darauf etwas zu sagen. James war mit ihr zu stiller Übereinkunft gekommen.
Sie strich durch seine Haare und über seine Wange, dann stahl sie ihm einen Kuss um sich gleich darauf wieder an ihn zu kuscheln und das Spiel von Neuem zu beginnen.
Sie wünschte, dass diese Nacht nie enden würde.

Ende