Lorelai kuschelte sich glücklich an Luke. Ihre Wut auf Christopher war verflogen. Sie wollte auf keinen Fall, dass er ihre wunderbare Beziehung mit Luke zerstörte.
„Lorelai?"
„Hm?"
"Was war vorhin los?" Luke spielte mit einer ihrer dunklen Locken. Sie so nah bei sich zu haben, war das Schönste, was er sich vorstellen konnte.
Lorelai atmete tief durch, bevor sie antwortete: „Christopher war wieder bei mir."
Luke musste sich beherrschen ruhig zu bleiben. Er vertraute Lorelai voll und ganz, aber er traute Christopher nicht über den Weg. Er hatte Lorelai in der Vergangenheit zu oft verletzt. „Was wollte er?"
„Rory und mich zum Essen zu meinen Eltern begleiten. Aber lass uns nicht mehr darüber reden."
„In Ordnung. Werden deine Eltern nicht sauer sein, weil du nicht zum Essen gefahren bist?"
„Ich habe heute frei bekommen, weil Rory nicht dabei ist." Lorelai schloss die Augen, als sie plötzlich bemerkte, wie ihr Magen knurrte. „Apropo Essen... ich hatte noch kein Abendessen." Sie stützte sich auf ihren Unterarm und schaute Luke bittend an.
„Und du willst, dass ich dir jetzt was mache, stimmt's?"
„Wenn du willst."
„Irgendwelche besonderen Wünsche?"
„Ich lass mich überraschen." Lorelai grinste, als Luke aus dem Bett stieg und seine über den Boden verstreute Kleidung wieder einsammelte und sich anzog.
„Ich muss rasch nach unten. Seitdem Jess wieder da ist, ist mein Kühlschrank fast immer leer."
„Mach das! Kuss." Lorelai richtete sich vollständig auf und wartete bis Luke noch ein Mal zum Bett gekommen war. Dann stand sie auf und schlang ihr Hände um seinen Hals.
Luke konnte sein Glück auch nach all der Zeit nicht richtig fassen. Er war wirklich mit dieser wunderbaren Frau zusammen. „Ich liebe dich Lorelai Gilmore!" Er schloss sie fester in seine Arme und gab ihr einen zärtlichen Kuss.
Als sie voneinander getrennt hatten, meinte Lorelai nur: „Hunger!" Dabei schaute sie Luke völlig unschuldig an.
Er nickte verständnisvoll und ging Richtung Tür. Als er sie öffnete, sprach Lorelai noch ein Mal an: „Luke?"
„Ja?"
„Ich liebe dich auch!"
Luke lächelte daraufhin noch mehr und verschwand durch die Tür.
Nachdem die Tür ins Schloss gefallen war, stand Lorelai auf, ging zu Lukes Schrank und griff nach einem seiner Flanellhemden um es sich über zu ziehen.
„Mom bist du da?" Rory betrat das Haus und schaute sich um. Als sie nirgends Licht sah, stand fest, dass Lorelai nicht da war. Rory wollte direkt in ihr Zimmer gehen, als sie sah, dass der Anrufbeantworter neue Nachrichten anzeigte. Sie spulte ihn zurück und hörte das Band ab.
„Hey Rory! Ich bin's Dean. Du wirst wahrscheinlich noch bei deinen Großeltern sein. Na ja, ich ruf auch nur an um dir zu sagen, dass ich mit meinen Eltern nach Chicago gefahren bin. Ich bin Sonntag zurück. Bis dann!"
Rory hatte ein schlechtes Gewissen, als sie Deans Nachricht hörte. Sie hatte ihm absichtlich verschwiegen, dass Tristin eine Party gab zu der auch sie ging. Trotzdem war sie glücklich über den Aufschub. Sie hatte sie noch einen Tag Zeit zu überlegen, was sie tun konnte. Ihre Gedanken wurden durch ein erneutes „Beep" unterbrochen.
„Hey Mini-Me! Ich hoffe, dass du die Nachrichten abhörst, wenn du nach Hause kommst. Ich bin noch bei Luke und es kann spät werden. Warte nicht auf mich! Wir reden morgen über die Party!"
Rory musste nun doch lächeln. Es freute sie, dass Lorelai so glücklich mit Luke war. Ein Klacken signalisierte ihr, dass keine weiteren Nachrichten auf dem Band waren. Nun ging sie ohne weiteren Zwischenstopp in ihr Zimmer und schmiss sich aufs Bett. Die Ereignisse der letzten Woche und vor allem des letzten Abends hatten sie ziemlich mitgenommen.
Nach und nach verließen mehr und mehr Leute Tristins Party, worüber er ziemlich froh war. Seine Gäste hatten ihm kaum Zeit gelassen genauer über den Kuss mit Rory nachzudenken. Es war zwar bereits der zweite Kuss zwischen den Beiden, doch trotzdem war er vollkommen anders gewesen, als der Erste. Tristin hatte noch immer das Gefühl Rorys Lippen auf den Seinen zu spüren.
„Erde an Tristin!" Paris wedelte mit der Hand vor seinen Augen."
Er schüttelte verwirrt den Kopf. „Hast du was gesagt Paris?"
„Ja, ich wollte mich verabschieden. Weißt du, ob Rory schon gegangen ist?"
„Ja vor einer ganzen weile. Sie war müde."
„Okay, also wir sehen uns dann Montag."
„Ja Paris bis Montag." Er schaute ihr noch kurz nach, als Amilia plötzlich neben ihm stand. „Hey Mia! Du bist noch da?"
„Ja, aber ich werde jetzt auch gehen. Ich muss noch nach Stars Hollow und zurück."
Tristin schaute sie verwirrt an und fragte nach dem Grund.
„Erinnerst du dich an Jess? Er hat mich heute Abend begleitet, auch wenn ich im Moment keine Ahnung habe, wo er steckt."
„Achso." Nun hatte Tristin zumindest eine Ahnung, was der Grund für Rorys Tränen gewesen war.
„Also, ich werd ihn dann mal suchen."
„Such erst Mal draußen. Ich hab so das Gefühl, dass er irgendwo dort ist."
„Danke. Auch für die Einladung! Die Party war wirklich toll. Schade nur, dass wir nicht tanzen konnten."
„Das nächste Mal. Mach's gut Mia!" Er nickte Amilia zu und ging dann ins Wohnzimmer und schmiss sich auf eines der Sofas.
Amilia trat aus dem Haus und schaute sich suchend nach Jess um. Sie entdeckte ihn direkt neben dem Auto. „Jess, wo warst du? Ich hab dich den ganzen Abend nicht gesehen."
Jess zuckte mit den Schultern. „Diese Party war nichts für mich. Aber, ich wollte sie dir auch nicht verderben."
„Du bist ein echter Freund." Amilia umarmte Jess dankbar.
„Ja, aber können wir jetzt fahren?"
Amilia nickte, schloss ihr Auto auf und beide stiegen in den Wagen. Während Amilia auf dem gesamten Weg nach Stars Hollow von der Party erzählte, schwieg Jess und dachte an Rory. Eine halbe Stunde später hielten sie vor dem Diner. „Noch mal danke, dass du mitgekommen bist Jess."
„Ja ja, wir sehen uns!" Jess stieg ohne ein weiteres Wort aus dem Auto aus. Er wollte nur noch ins Bett.
Als er die Wohnung seines Onkels betrat, konnte er kaum glauben, was er sah. Der Küchentisch war gedeckt und die Teller mit Essensresten übersät. Auf dem Boden lag Kleidung verstreut, die eindeutig nicht nur Luke gehörte. Jess schaute kurz zu dem Bett seines Onkels und sah ihn und Lorelai eng Arm in Arm im Bett liegen. Der Lorelai-Virus hatte sich also noch verstärkt, wenn Luke es nicht ein Mal mehr geschafft hatte noch weiter abzuräumen. Jess wollte sich jedoch keine weiteren Gedanken darüber machen. Allein schon der Anblick wie Luke mit einer Frau in einem Bett schlief war erschreckend genug. Jess ging zu seinem Bett und legte sich einfach hinein und war innerhalb von Sekunden eingeschlafen.
Rory wurde wach, als eine Autotür laut zugeschlagen wurde. Sie konnte sich nicht daran erinnern, wann sie eingeschlafen war. Nur langsam kamen die Erinnerungen an die Ereignisse des letzten Abends zurück. Die Bibliothek, der Streit, der Kuss. Rory richtete sich langsam auf. Sie trug noch immer ihr Kleid. Nach ihrer Rückkehr von der Party hatte sie nur noch schlafen wollen. Sie stand langsam aus ihrem Bett auf. Als erstes brauchte sie eine Dusche und im Anschluss einen Kaffee von Luke. Auch wenn sie dort auf Jess treffen würde.
Jess war bereits seit einigen Stunden wach. Sobald er die Augen schloss, sah er Rory vor sich. Wie sie ihn küsste, wie sie lachte, wie sie mit diesem reichen Schnösel tanzte. Er wusste, dass er mit keinem anderen Mädchen zusammen sein wollte. Jess schaute auf die Uhr und stellte fest, dass Luke schon längst hätte arbeiten müssen. Er und Lorelai machten jedoch nicht den Eindruck, als würden sie bald aufwachen. Also stand Jess auf um sich fertig zu machen. Er hoffte darauf den restlichen Tag frei zu bekommen, wenn er bereits vor Luke arbeitete.
Zehn Minuten später ging er hinunter ins Diner.
Rory war fertig mit duschen und fühlte sich zumindest ein wenig besser. Ein frischer Kaffee würde dann alles Weitere tun. Da Lorelai trotz des Lärms, den Rory veranstaltet hatte noch nicht aufgetaucht war, ging Rory davon aus, dass ihre Mutter die gesamte Nacht bei Luke verbracht hatte.
Nachdem Rory sich angezogen hatte, machte sie sich sofort auf den Weg zum Diner. Sie war so sehr in Gedanken versunken, dass sie nicht ein Mal merkte, wie Lane hinter ihr her rief. „Rory, warte! Rory!" Endlich hatte Rory bemerkt, dass jemand nach ihr rief und blickte sich suchend um. Als sie ihre beste Freundin auf sich zukommen sah, lächelte sie ein wenig. „Rory, was ist denn los?"
„Entschuldige, ich war mit meinen Gedanken woanders." Rory schaute Lane entschuldigend an.
„Schon okay. Erzähl wie war die Party?" Lane brannte regelrecht darauf alles über die Party zu erfahren.
Rory meinte nur ruhig: „Frag lieber nicht."
Lane schaute sie erstaunt an. „Was ist passiert?"
Rory atmete tief durch. Sie musste dringend mit jemandem reden und sie wusste, dass Lane sie nicht verurteilen würde für das, was sie getan hatte. „Der Abend fing ja richtig gut an. Tristin war richtig nett. Er hat mir sogar die Bibliothek seiner Eltern gezeigt, damit ich was zu tun habe, falls mir langweilig wird. Wir haben miteinander getanzt, als Jess plötzlich an der Tanzfläche stand. Wir haben uns gestritten und er hat mich stehen lassen. Auf ein Mal war Tristin dann da um mich zu trösten... wir... wir, ähm... wir haben... wir haben uns geküsst."
„Was?" Lane Stimme schien sich fast zu überschlagen.
„Wir haben uns geküsst."
„Oh mein Gott. Was willst du jetzt machen?"
„Ach Lane, ich weiß es nicht."
„Wirst du es Dean erzählen?"
Rory zuckte mit den Schultern. „Ja, ich denke schon. Er ist bis morgen in Chicago, ich habe also noch Zeit zu überlegen."
Die beiden Mädchen hatten Luke's Diner erreicht. Von Lorelai und Luke war jedoch nichts zu sehen. Zu Rorys Glück konnte sie Jess auch nirgends entdecken. Sie betraten das Diner und suchten sich einen Tisch in der Ecke
„Was wirst du machen, wenn Dean Schluss macht?" Lane schaute ihre Freundin mitfühlend an.
„Ich weiß es nicht..." Rory überlegte kurz und fuhr dann fort: „Du glaubst gar nicht, wie sehr Tristin sich verändert hat. Er erinnert kaum noch an den, der mich früher zum Wahnsinn getrieben hat.
Lane mitfühlender Blick wich binnen weniger Sekunden einem leichten Entsetzen. „Rory! Du redest von Tristin. Hast du vergessen, dass du Dean wegen ihm fast für immer verloren hättest?"
„Das war meine eigene Schuld."
„Was? Wovon redest du da?" Lane verstand mittlerweile überhaupt nichts mehr.
„Erinnerst du dich noch an die Party bei Madeline? Die, an dem Tag nach Deans Trennung von mir?"
„Die Party, auf der ich Henry kennen gelernt habe?"
„Genau diese. Das gestern auf der Party... nun ja, das war nicht der erste Kuss zwischen Tristin und mir. Auf dieser Party haben wir uns auch geküsst."
„Oh mein Gott, Rory! Weiß irgendjemand davon?"
„Nein, ich habe es niemandem erzählt, nicht mal Lorelai." Rory stützte verzweifelt ihren Kopf auf ihre Hände. Sie wusste einfach nicht, was sie tun sollte. Obwohl sie mit Dean zusammen war, war sie in Jess verliebt. Zu Tristin fühlte sie sich aus einem unerfindlichen Grund jedoch auch hingezogen.
„Weißt du, dass das richtig gemein ist! Du hast drei Verehrer zur gleichen Zeit und ich habe nicht ein Mal einen."
„Von mir aus kannst du gerne einen ab haben. Welchen möchtest du? Dean, auf den immer und überall Verlass ist, Jess, der sich super mit Musik und Büchern auskennt oder Tristin, mit dem man vor allem auf Partys gut dran ist?" Die beiden Freundinnen schauten sich einen Moment ernst an und verfielen dann in lautes Gelächter.
Lane wurde jedoch schnell wieder ernst: „Rory, du musst wissen, was du tun willst."
„Es ist nicht so einfach. Jess redet im Moment ja nicht mit mir und mit Dean läuft es im Moment auch nicht besonders gut. Nur mit Tristin komme ich gerade klar und genau da liegt das Problem. Dean ist eifersüchtig auf Jess, Jess auf Tristin und der wahrscheinlich auf Dean. Wären Jess und Tristin doch bloß nie zurück gekommen, dann wäre ich jetzt nicht in dieser dummen Situation."
