Vier Wochen später
Rory saß, wie mittlerweile jeden Mittag, mit Tristin, Paris und ein paar anderen Mitschülern in der Caféteria. Die Zeiten in denen sie sich in der Mittagspause in ein Buch vertiefte, waren vorbei.
„Ror' komm schon, du musst mit auf die Party!" Shawn, einer von Tristins Freunden schaute sie flehend an.
Rory lachte auf. Diese Diskussion führten sie so ziemlich jeden Freitag. „Ihr wisst doch genau, dass ich freitags zum Abendessen zu meinen Großeltern muss. Ich hab mich schon vor einem Monat davor gedrückt, ich komme nicht schon wieder drum rum."
Die meisten Schüler am Tisch stöhnten auf. „Aber wenn du nicht dabei bist, ist Tristin absolut nicht zu gebrauchen. Ohne dich hat er kein Spaß und wenn er keinen Spaß hat, ist eine Party so gut wie zum Untergang verdammt."
Paris rollte mit den Augen und schnaubte verächtlich. Warum waren die meisten High School Schüler nur so oberflächlich?
Shawn wandte sich zu ihr um. „Hast du uns was zu sagen, Paris?"
Sie schüttelte als Antwort nur mit dem Kopf. Die anderen wollte gerade wieder ihre Unterhaltung aufnehmen, als sie meinte: „Bist du schon mal auf die Idee gekommen, deine Wochenenden nicht im Alkoholrausch zu verbringen, sondern stattdessen lieber mal in die Schulbücher zu schauen? Es würde dir sicherlich gut tun."
„Komm schon Paris, dafür habe ich doch dich." Shawn legte ihr einen Arm um die Schulter, welchen Paris jedoch verzweifelt abzuschütteln versuchte. „Als ob ich dir helfen würde, Blackwood." Sie schnaubte verächtlich auf.
„Komm schon Paris, du weißt, dass du mir nicht widerstehen kannst!"
Rory musste schmunzeln. Jeden zweiten Tag führten Paris und Shawn diese Unterhaltung. Tristin schien ebenfalls darüber nachzudenken, denn er flüsterte ihr ins Ohr: „Was denkst du, wann die beiden endlich zugeben, dass sie aufeinander stehen?"
„Keine Ahnung. Ich bin mir nicht sicher, ob Shawn überhaupt eine reelle Chance hat."
„Maria, komm schon. Auf Dauer konntest du meinem Charme schließlich auch nicht widerstehen."
Rory schlug Tristin auf den Oberkörper. Gelegentlich brauchte sein Ego eben doch einen Dämpfer.
Shawn und Paris hatten ihre Diskussion scheinbar beendet, denn er meinte nur: „Mann DuGrey, ich hätte nie gedacht, dass ich mal sehen würde, wie ein Mädchen dich regelmäßig zurechtweist. Rory, ich kann dir nur immer wieder sagen, danke dass du meinen Schulalltag versüßt." Shawn griff nach ihrer Hand und hauchte einen Kuss auf ihren Handrücken. „Aber trotzdem erwarte ich dich heute Abend auf meiner Party zu sehen!"
Rory wusste, dass es keinen Sinn hatte weiter zu diskutieren. „Okay, ich werde schauen was sich machen lässt. Versprechen werde ich es dir aber nicht."
Rory stieg erschöpft aus dem Bus. Wieder war eine Schulwoche vergangen und sie freute sich darauf ein wenig entspannen zu können. Zumindest soweit das als Chilton-Schülerin überhaupt möglich war. Jetzt musste sie Lorelai nur noch davon überzeugen, dass sie auf die Party durfte. Sie machte sich eigentlich noch immer nicht wirklich was aus Parties, doch an manchen Tagen war ihr durchaus danach zu tanzen und einfach Spaß mit ihren Freunden zu haben.
„Rory!" Lane kam auf sie zu gerannt. Es musste etwas wichtiges sein, wenn sie es überhaupt nicht erwarten konnte, Rory zu sehen. „Wir haben einen Gig! Lane umarmte ihre beste Freundin stürmisch.
Rory konnte es kaum fassen. Lane und die Jungs hatten doch gerade erst richtig mit den Proben angefangen. „Wow! Wann? Wo?" Sie erwiderte die Umarmung.
„Heute Abend in Hartford. Du wirst doch kommen?"
Rory biss sich auf die Unterlippe. Was sollte sie denn jetzt tun? Lane war ihre beste Freundin, sie konnte sie schlecht hängen lassen. Doch sie hatte Shawn vorher zugesagt und auch er war mittlerweile so etwas wie ein Freund. Egal wofür sie sich entschied, jemand würde sich hintergangen fühlen. „Ähm, wo in Hartford denn?" Vielleicht gab es ja eine Möglichkeit zu Lanes Konzert und zu Shawns Party zu gehen.
Lane schien scheinbar nichts von Rorys Unsicherheit zu bemerken. Wenn doch, reagierte sie wirklich gut, indem sie sich nichts anmerken ließ.
„Wir sollen auf der Party von einem Typen namens Shawn Blackwood spielen." Lane zuckte mit den Schultern. Ihr war es ziemlich egal für wen sie spielen sollte. Ein Gig war ein Gig.
Rory konnte kaum fassen, dass ihr das Schicksal so gut gesonnen war. „Lane, du wirst kaum es kaum glauben, aber ich kenne Shawn. Er ist mit Tristin befreundet und ich musste ihm heute versichern, dass ich versuchen würde auf die Party zu kommen." Sie umarmte Lane noch einmal kurz. Jetzt musste Lorelai nur noch zustimmen.
Lane schien jedoch nicht ganz so begeistert über diese Tatsache zu sein. Sie hatte Rorys Reaktion auf den Termin des Gigs durchaus mitbekommen. Sie hatte jedoch gedacht, dass es mit dem Essen bei den Gilmores zu tun hatte. Lane konnte nicht fassen, dass es Rory schwer fiel sich zu entscheiden. Wie lange kannte sie diesen Shawn denn? Vor allem im Vergleich zu der Freundschaft zwischen den beiden Mädchen.
Rory bemerkte, dass Lane nicht so begeistert war. „Lane, was ist denn los?"
Lane biss sich lieber die Zunge ab, als zu sagen, was sie störte. Als ob es nicht schlimm genug war, das Rory plötzlich anfing zu überlegen, mit wem sie lieber Zeit verbrachte, nein sie bemerkte auch überhaupt nicht, wie sie andere damit verletzte. „Nichts, ich bin nur etwas müde. Ich muss jetzt nach Hause. Wir sehen uns dann heute Abend." Ohne ein weiteres Wort ging Lane davon und ließ Rory einfach stehen.
„Mom!" Rory ließ ihre Tasche einfach neben der Tür fallen. Normalerweise würde sie sie erst in ihr Zimmer bringen, doch jetzt musste sie erst mit ihrer Mutter reden. „Bist du da?" Rory versuchte zu erkennen, ob von irgendwoher Geräusche zu hören waren. Für einen Moment war es ruhig, ehe aus der oberen Etage ein Poltern zu hören war.
„Argh, hilfe! Meine Sachen greifen mich an!"
Rory musste schmunzeln, als sie sich auf den Weg zu Lorelais Schlafzimmer machte. „Mom, was ist passiert?" Sie betrat das Zimmer und sah, wie ihre Mutter versuchte sich von einem Berg Kleidung zu befreien.
„Diese Sachen sind böse! Sie haben versucht mich umzubringen!" Lorelai hatte es geschafft, die Sachen von sich zu schieben und schaute sie nun wütend an.
Rory versuchte so gut es ging ernst zu bleiben. „Mom, deine Sachen haben nicht versucht dich umzubringen."
„Doch! Ich habe ohne irgendeinen Hintergedanken nach meiner Lieblingsbluse gesucht und plötzlich stürzen sich sämtliche meiner Kleidungsstücke auf mich. Und auf einmal liege ich begraben unter lauter Sachen. Überleg doch mal, wenn du jetzt nicht nach Hause gekommen wärst…" Lorelai stoppte und überlegte einen Moment. „Halt, warum kommst du erst jetzt nach Hause? Dein Bus ist vor einer halben Stunde gekommen."
Rory lächelte, als ob vor ihr nicht ihre Mutter ein kleines Kind auf dem Boden saß. „Ich habe Lane getroffen. Sie und die Jungs haben heute Abend einen Gig in Hartford."
„Das ist ja super!" Lorelai stand vom Boden auf.
Rory nickte zustimmen. „Ja, vor allem weil sie auf der Party von einem von Tristins Freunden spielen. Shawn hatte mich heute Mittag auch eingeladen." Sie ließ sich auf Lorelais Bett fallen.
Lorelai sah die Sache ein wenig anders: „Weiß Lane, dass du schon auf diese Party eingeladen warst?"
„Ja, warum?" Rory zuckte mit den Schultern.
„Was hättest du getan, wenn der Gig nicht auf der Party gewesen wäre?"
„Ich…" Rory biss sich auf die Lippe. Sie hatte bemerkt, dass Lane ein wenig seltsam reagiert hatte. „Ich weiß es nicht. Shawn hat mich zu erst gefragt, aber Lane ist meine beste Freundin."
Lorelai nickte verstehend. Sie bemerkte, dass Rory über etwas nachdachte. „Du hast zuerst gezögert ob du Lane zusagst oder?"
Rory nickte nur. Sie fühlte sich plötzlich schlecht und wusste, dass sie sich am Abend als erstes bei Lane entschuldigen musste.
Lorelai konnte sich denken, was in Rory vorging, meinte aber trotzdem: „Du kannst zu der Party, aber erst nach dem Essen bei deinen Großeltern. Ruf Tristin an, ob er dich von dort abholt. Ansonsten muss ich Luke um sein Auto bitten, damit wir mit zweien fahren können."
Rory nickte nur, erhob sich vom Bett und ging in ihr Zimmer. Wie hatte sie nur so etwas tun können? Es hätte gar keine Frage sein dürfen, wessen Einladung sie annahm. Lane kannte sie bereits ihr gesamtes Leben. Im Vergleich dazu glich ihre Bekanntschaft mit Shawn einer Eintagsfliege.
Lorelai konnte ein Lachen kaum noch unterdrücken, als Rory bereits zum zehnten Mal in den letzten fünf Minuten auf ihre Uhr schaute. Aus irgendeinem Grund schien Emily dieses Essen wieder besonders in die Länge ziehen zu wollen. Auch ihr war die Ungeduld ihrer Enkeltochter nicht entgangen. „Rory, was um Himmels willen ist so interessant an deiner Armbanduhr, dass du alle paar Sekunden darauf schaust? Es ist übrigens auch sehr unhöflich, dass du mir heute Abend kaum zuhörst. Von deiner Mutter bin ich nichts anderes gewöhnt, aber du bist doch sonst nicht so." Emily schaute Rory kopfschüttelnd an.
Rory schaute erschrocken auf. Sie hatte ein schlechtes Gewissen, weil sie den ganzen Abend mit ihren Gedanken überall nur nicht bei ihrer Familie war. Sie musste die ganze Zeit daran denken, dass sie Lane am Nachmittag wahrscheinlich ziemlich verletzt hatte. „Es tut mir Leid Grandma, es ist nichts."
Lorelai hatte Mitleid mit ihrer Tochter. Sie wandte sich an Emily: „Weißt du Mom, Rory ist zu taktvoll für so etwas. Das hat sie eindeutig nicht von mir. Heute Abend steigt eine Party auf der die Band ihrer besten Freundin auftritt. Könnte sie nicht ausnahmsweise schon früher gehen?"
Emily schaute ihre Tochter und Enkeltochter wütend an. Wenn sie eines hasste, war es, wenn die Zwei keine Zeit zu ihrem Essen am Freitag mitbrachten. „Lorelai, du weißt genau, dass ihr rechtzeitig Bescheid geben sollt, wenn so etwas vorkommt. Es kommt gar nicht in Frage, dass Rory früher geht. Wie sollte sie um diese Zeit überhaupt alleine nach Stars Hollow kommen?"
Lorelai schüttelte den Kopf. „Der Auftritt ist hier in Hartford."
„Nein Lorelai. Außerdem lasse ich meine Enkeltochter bestimmt nicht alleine durch die Stadt laufen. Wie kannst du nur immer auf solche Ideen kommen?"
Lorelai ließ als Antwort nur verzweifelt den Kopf auf die Tischplatte sinken. Warum hatte man sie nur mit einer solchen Mutter bestraft?
„Tristin würde mich abholen Grandma." ließ Rory kaum hörbar verlauten. Dabei schaute sie Emily auch nicht an. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte sie noch nie erwähnt, dass Tristin DuGrey ihr neuer Freund war. Sie wollte sich das Theater einfach ersparen.
Emily stoppte mit ihren Anschuldigen an Lorelai und schaute nun wieder zu ihrer Enkelin. „Was hast du gesagt?"
Rory schluckte den Kloß in ihrem Hals runter. Es gab zwei Möglichkeiten wie dieser Abend enden würde. Entweder würde Emily vollkommen wütend werden, dass diese kleine Tatsache bisher verschwiegen worden war oder aber sie würde sich einfach nur freuen und Rory sofort gehen lassen.
„Ich habe gesagt, dass Tristin mich abholen würde."
Emily schaute verwirrt zu ihrer Enkelin. Von was beziehunsgweise besser wem sprach sie? „Rory, ich habe noch nie etwas von einem Tristin gehört, wer ist…" Plötzlich erinnerte sie sich an die Geburtstagsparty die sie Rory in ihrem ersten Jahr an der Chilton gegeben hatte. „Du meinst doch nicht etwa den jungen DuGrey?" Bei diesem Gedanken begannen Emilys Augen sofort zu leuchten.
Rory stöhnte innerlich auf. Genau das hatte sie zu vermeiden versucht. „Ja Grandma, ich meine Tristin DuGrey."
Lorelai versuchte ihrer Tochter so gut es ging zu helfen, indem sie meinte: „Okay, wo das geklärt wäre, kann Rory ja jetzt zu der Party."
„Nicht so schnell, Lorelai. Bevor ich Rory gehen lassen, habe ich erst ein paar Fragen an sie. Was nicht heißt, dass sie dann wirklich gehen darf." Emily wandte den Blick wieder von ihrer Tochter ab. „Also Rory, wie kommt es, dass du bisher noch nicht erzählt hast, dass du mit dem jungen DuGrey befreundet bist? Und was ist überhaupt mit diesem Jungen aus Stars Hollow? Wie hieß er nochmal? Dan?"
„Nein, Grandma. Er heißt Dean und wir haben uns vor etwa anderthalb Monaten getrennt. Was Tristin betrifft, du weißt doch, dass er auf die Chilton geht." Rory betete, dass dieses Verhör relativ schnell vorbei ging.
„Ja, aber beim letzten Mal machte es nicht den Anschein, als würdet ihr euch gut verstehen."
„Dinge ändern sich Mom. Lass Rory doch gehen."
„Sie kann gehen, aber erst möchte ich mit Tristin reden. Es ist schade, dass Richard nicht da ist, aber es bleibt keine andere Wahl."
Rory stöhnte auf. Genau das sollte eigentlich nicht passieren. Es war doch noch viel zu früh, um Tristin auf Emily treffen zu lassen. Sie erinnerte noch genau daran, wie das Treffen von Dean und ihren Großeltern abgelaufen war. Wenn sie jedoch wirklich zu der Party wollte, dann musste sie da durch und Tristin ebenfalls.
Emily schaute immer wieder auf ihre Uhr. Es war fast eine Stunde her, dass Rory ihren Freund angerufen hatte und er wohnte nur fünf Minuten vom Haus der Gilmores entfernt. Sie wollte gerade etwas sagen, als es an der Tür klingelte. „Das wird aber auch langsam Zeit." Emily schüttelte den Kopf. Konnten die jungen Leute denn nie pünktlich sein?
Rory stand auf, um Tristin die Tür aufzumachen, wurde jedoch von Emily zurück gehalten: „Nein Rory, du siehst deinen Freund noch früh genug. Roberta kann die Tür öffnen."
„Mom, lass Rory doch zu ihm. Was ist denn daran so schlimm?" Lorelai versuchte wie immer, ihrer Tochter zu helfen. Leider war es, wie an diesem Abend zuvor auch, einfach zwecklos, denn als Antwort erhielt sie nur einen strafenden Blick.
Das Dienstmädchen betrat das Wohnzimmer. Direkt hinter ihr stand Tristin. „Mr. Tristin DuGrey." Sie deutete einen Knicks an und ließ die kleine Gruppe dann sofort wieder alleine.
Tristin hatte derweil sein charmantestes Lächeln aufgesetzt. Das Lächeln bei dem bisher noch alle Mütter schwach geworden waren. Zuerst wandte er sich an Emily: „Guten Abend Mrs. Gilmore. Entschuldigen sie bitte die Verspätung. Ich wurde Zuhause aufgehalten."
„Das ist schon in Ordnung, Tristin. Machen sie sich keine Sorgen darüber. So konnte ich noch ein bisschen Zeit mit Rory verbringen.
Rory beobachtete alles und fühlte wie ihr ein Stein vom Herzen fiel. Sie konnte regelrecht sehen, wie Emily sofort vergaß, dass sie vor einem Moment noch wütend auf Tristin war. Eins zu null für ihn.
Mit Lorelai würde es jedoch nicht ganz so einfach werden.
„Lorelai, es freut mich, dass ich sie endlich mal wiedersehe. Wie geht es ihnen?" Tristin reichte auch ihr die Hand.
„Mir geht's gut, aber spar die das Getue. Du weißt genau, dass so etwas bei mir nicht zieht." Lorelai schaute ihn ernst an. Obwohl Rory und er nun schon länger zusammen waren, als sie es je für möglich gehalten hatte, traute sie ihm noch immer nicht.
„Lorelai!" Emily schaute ihre Tochter kopfschüttelnd an. „Kannst du dich nicht wenigstens dem Freund deiner Tochter gegenüber vernünftig benehmen?"
„Das ist schon in Ordnung, Mrs. Gilmore. Ich kann ihre Tochter ja verstehen. In der Vergangenheit habe ich mich nicht immer ganz korrekt Rory gegenüber verhalten. Lorelai hat Angst, dass ich Rory verletze." Tristin war mittlerweile zu Rory gegangen und hatte ihr einen Arm um die Hüften gelegt. „Ich hoffe aber, dass sie bald davon überzeugt ist, dass ich Rory niemals verletzen könnte." Erst jetzt drehte er sich zu Rory, und gab ihr einen unschuldigen Kuss auf die Wange. „Hallo Rory."
Lorelai hatte ihn genau beobachtet und dabei nichts erkennen können, was darauf hinwies, dass er es nicht ernst meinte. Ganz im Gegenteil sogar: Tristin behandelte Rory geradezu, als ob sie das Kostbarste war, was er hatte.
„Ähm, Grandma? Dürfen wir jetzt los? Ich möchte auf keinen Fall verpassen, wenn Lane's Band spielt." Rory schaute ihre Großmutter bittend an.
Zwar wusste Tristin, dass ihm der folgende Satz Ärger mit Rory und wahrscheinlich auch Lorelai einhandeln würde, aber ihm war auch klar, dass Emily so sofort damit einverstanden war, dass sie gingen. „Rory, wir können doch nicht so unhöflich deiner Großmutter gegenüber sein. Ich bin doch gerade erst gekommen. Das Mindeste was ich als Wiedergutmachung für meine Verspätung tun kann ist, dass wir noch einen Moment bleiben und mit deiner Grandma reden."
Rory hatte das Gefühl mit einem Holzhammer erschlagen worden zu sein. Hatte Tristin gerade wirklich vorgeschlagen, dass sie noch ein Weilchen blieben? Wie konnte er so etwas nur machen?
Emily lächelte erfreut, meinte aber: „Nein Tristin. Wir haben euch zwei jetzt lange genug aufgehalten. Geht ihr ruhig zu der Feier. Lorelai ist ja schließlich noch hier um mir Gesellschaft zu leisten."
Lorelai zuckte zusammen und überlegte sich im selben Moment, wie sie sich an Tristin rächen konnte. Ohne ihn, wäre sie sonst bestimmt früher nach Hause gekommen.
„Sind sie sich sicher?" Tristin schaute sie fragend an.
„Ja, ja. Ihr zwei genießt den Abend mit euren Freunden."
Lorelai konnte es kaum fassen. Emily scheuchte die Beiden ja regelrecht vor die Tür. Warum hatte sie in ihrer Jugend nur nie daran gedacht so zu handeln? Wahrscheinlich wären ihr dann viele Diskussionen erspart geblieben.
Rory ergriff jetzt lieber das Wort, ehe Emily Tristins Angebot doch noch annahm. „Danke Grandma. Das Essen war wirklich toll. Wir sehen uns nächsten Freitag."
„Amüsiert euch gut."
Tristin und Rory verabschiedeten sich kurz von den beiden Gilmore Frauen und gingen dann Richtung Haustür. Sie waren schon fast angekommen, als Emilys Stimme erneut erklang: „Lorelai, kann es sein, dass du vergessen hast, den beiden zu sagen, wie sie sich verhalten sollen und wann Rory Zuhause sein soll?"
„Oh, ähm, also eigentlich, ähm…" Lorelai wusste nicht, was sie sagen sollte. Solche Attacken ihrer Mutter erwischten sie noch immer eiskalt. „Ähm, Tristin fahr vorsichtig, vor allem wenn ihr heute Nacht nach Hause kommt. Und ähm, tut nichts, was ich nicht auch tun würde… Und achso, Tristin solltest du wieder auf unserer Couch übernachten und wie beim letzten Mal schnarchen, dann fliegst du sofort raus!"
Rory und Tristin fingen an zu grinsen. Das hatte Emily bestimmt nicht gemeint. Sie verließen lieber schnell das Haus, ehe Emily sie doch noch zurückhalten konnte. Kurz bevor die Haustür ins Schloss fiel, hörten sie noch, wie Emily laut „Oh mein Gott!" sagte.
Emily schaute entgeistert zu ihrer Tochter. „Lorelai, wir kannst du dem Jungen nur erlauben auf euer Couch zu schlafen?
Lorelai zuckte mit den Schultern. Für sie es gab es dafür schließlich eine ganz simple Erklärung. „Ich traue Tristin zwar noch immer nicht vollständig, aber es erspart mir einiges an Stress, wenn ich ihm erlaube an den Wochenenden auf der Couch zu schlafen. Würde ich es nicht tun, würde er sich abends garantiert reinschleichen und morgens wieder raus. So habe ich zumindest ein bisschen Kontrolle."
Emily lachte ungläubig auf. „Lorelai, glaubst du das wirklich? Genauso gut könntest du den beiden erlauben alleine in eine Wohnung zu ziehen. Sie sind Teenager. Hast du denn gar nichts aus deinen Fehlern gelernt?"
„Rory ist anders und das weißt du. Sie macht diese Fehler nicht. Ich weiß, dass ich ihr vertrauen kann." Lorelai spürte, wie die Wut in ihr hochstieg. Sie war es Leid sich immer wieder vor ihrer Mutter rechtfertigen und verteidigen zu müssen.
„Ich weiß, dass Rory nicht wie du ist. Aber was ist mit dem jungen DuGrey? Denkst du, ich kenne seinen Ruf nicht? Glaubst du, ich weiß nicht, warum er auf der Militärschule war? Er ist nicht gut für Rory."
Lorelai traute ihren Ohren kaum. „Ich fasse es nicht Mom. Vor fünf Minuten hättest du kaum glücklicher sein können, dass Tristin Rorys neuer Freund ist."
„Du weißt genau, dass die DuGreys gute Bekannte von uns sind. Auch wenn ich Tristins Verhalten nicht gut heiße, muss ich ihm trotzdem den nötigen Respekt entgegen bringen."
Lorelai stöhnte auf. Sie wollte nur ein einziges Mal erleben, dass ihre Mutter wirklich ehrlich zu den Leuten in ihrem Umfeld war. Warum musste sie so tun, als ob sie Tristin mochte? Nur weil die Familien seit langem befreundet waren? Lorelai konnte sich noch vage daran erinnern, wie die DuGreys sie behandelt hatten, als sie schwanger wurde. Einzig und allein Janlan DuGrey hatte sie beglückwünscht und sich normal verhalten. Der Rest seiner Familie hingegen hatten sie angeschaut und behandelt, als hätte sie eine ansteckende Krankheit. „Mom, du magst Tristin nicht. Okay! Dann zeig es ihm, anstatt dich von ihm um den kleinen Finger wickeln zu lassen."
Emily schüttelte mit dem Kopf. „Ich mag Tristin durchaus. Ich traue ihm nur nicht. Er ist ein charmanter junger Mann, aber nicht der Richtige für Rory. Eine Beziehung mit ihm wird ihr nur schaden. Er wird sie von ihren Plänen abbringen. Und wenn er es nicht tut, werden seine Eltern alles daran setzen sie auseinander zu bringen. Sie möchten ein Mädchen an seiner Seite sehen, das sich zu einer perfekten Ehefrau eignet. Wahrscheinlich werden sie ihr von Anfang an keine Chance lassen."
Lorelai platzte fast der Kragen. Emily legte Situationen immer so aus, wie es ihr gerade passte. „Und was tust du gerade? Gibst du Tristin eine Chance dich davon zu überzeugen, dass er gut für Rory ist? Und was war, als ich damals schwanger wurde? Wäre es nach dir gegangen, hätten Chris und sich sofort geheiratet. Meine Meinung zu dem Thema hat dich damals doch überhaupt nicht interessiert. Du hattest mein Leben doch schon geplant lange bevor Rory geboren wurde. Es ging dir noch nie darum, was ich wollte. Es ging immer nur nach deinem Willen. Genau aus diesem Grund bin ich weggelaufen. Ich wollte selber entscheiden, wie ich mein Leben führe und wie es scheint ist mir das doch ganz gut gelungen." Lorelai machte eine kurze Pause, fuhr dann jedoch fort: „Ich danke dir, dass du dir Sorgen um Rory machst und sie schützen willst. Aber verurteile andere nicht für ein Verhalten, dass auch du immer wieder zeigst. Und bitte gib Tristin eine Chance. Rory mag ihn wirklich sehr und auch wenn ich es nur ungern zugebe, ich habe sie seit langem nicht mehr so glücklich gesehen. Und wenn du mich jetzt entschuldigen würdest, ich werde jetzt fahren."
Sie wartete keine Reaktion von Seiten Emilys mehr ab, sondern griff nach ihrer Tasche und ließ ihre Mutter alleine zurück.
Emily hätte sowieso nicht gewusst, was sie sagen sollte. Sie dachte darüber nach, was Lorelai gesagt hatte und stellte entsetzt fest, dass sie zumindest teilweise Recht hatte mit dem, was sie gesagt hatte. Emily setzte sich niedergeschlagen auf die Couch. Es schien, als ob Lorelai zum ersten Mal wirklich zum Nachdenken gebracht hatte.
A/N: Wie immer ist Feedback erwünscht. Mittlerweile kann ich es auch ganz gut gebrauchen noch ein bisschen angespornt zu werden. Ich habe nämlich nur noch eine Seite vorgeschrieben. Mehr als ein grober Plan existiert noch nicht für die restliche Story. Ich möchte eigentlich versuchen, dass es maximal noch zehn Chapter zwischen 3000 und 4000 Wörter werden sollen...
