Kapitel 7 - Los Angeles, ein Imbiss

Nach etwa einer halben Stunde waren sie schließlich fündig geworden. Der Imbiss hatte zwar eine gewisse Ähnlichkeit mit Quarks Bar, doch war das den dreien im Moment egal. Nachdem jeder eine Pizza Hawaii, zwei Hamburger - bei Helena waren es eine Pizza Vegetaria und zwei Veggieburger - und zwei große Limonaden verdrückt hatten, hatten sich die erhitzten Gemüter einigermaßen beruhigt. Nun war es an der Zeit, sich ernsthafte Gedanken über die Fortführung der Mission zu machen.

"Jetzt mal ehrlich", begann Helena die Diskussion "hatten wir wirklich erwartet bei Paramount etwas zu finden? Die Sets sind seit Jahren zerlegt und alle Leute, die damals die Serien produziert haben, sind längst in alle Winde zerstreut."

"Es hätte ja sein können, dass derjenige, der das Puzzle ausgelegt hat, auch wollte, dass es irgendwann zusammengesetzt werden kann", sagte Thomas. "Und dann wäre es doch eigentlich logisch, den Schlüssel zur Lösung an einem Ort zu verstecken, der mit den Teilen des Puzzles in Verbindung gebracht werden kann."

"Jetzt red'st schon wie an Vulkanier", sagte K'Tar schmunzelnd. "Wenn's nu aber a Geheimcode von aner streng geheimen Organisation is, dann würden's bestimmt so schwer wie möglich machen den Code zu knacken."

"Ein Geheimcode einer geheimen Organisation...?", fragt Helena mit hochgezogener Augenbraue.

"Das hört sich fast so an, als würdest du von Sektion 31 reden", vollendete Thomas den Gedanken.

"Joa woas habt's ihr denn gedacht? Dis is doch ganz offensichtlich. Sektion 31 oder irgend ane andere Organisation hat Code 47 erfunden. Und i will die Verschwörung aufdecken."

"Das klingt dann doch ein bisschen sehr weit hergeholt", kam sofort Thomas' Einwand.

"Thomas glaubt, Code 47 ist eine verschlüsselte Botschaft von Gene Roddenberry", warf Helena in die Diskussion.

Das erzeugte bei K'Tar jedoch lediglich ein verächtliches Lachen. Bei einem am Nebentisch sitzenden jungen Mann dagegen erzeugte es Aufmerksamkeit. Und erst jetzt, als dieser junge Mann aufstand und langsam auf ihren Tisch zukam, fiel den dreien auf, dass er ebenso spitze Ohren hatte wie Helena. Er trug allerdings auf seiner Stirn ausgeprägte Wülste. Jedoch nicht so ausgeprägte wie K'Tar. Es waren die Wülste eines Romulaners. Seine Kleidung war relativ unscheinbar, doch in seinen Augen lag ein auffälliges Funkeln.

"Entschuldigt bitte, dass ich so in eure Runde reinplatze, aber habt ihr gerade von Gene Roddenberry und Code 47 gesprochen?" fragte er vorsichtig.

"Wir ham von nix gesprochen, was an Romulaner angehn würd", erwiderte K'Tar mit einem deutlich abfälligen Unterton.

"Sei nicht so unhöflich, K'Tar", fuhr Helena den Klingonen ziemlich unvulkanisch an. "Er ist doch genauso nur ein verkleideter Trekkie wie wir."

"Das ist nicht ganz korrekt", erwiderte der Fremde in dem Romulanerkostüm. "Ich mag zwar als Romulaner verkleidet sein, aber ein Trekkie bin ich nicht."

"Siehst's", schlug nun K'Tar seinerseits zurück "er is keiner von uns. Also ham oach unser Business ihn nit zu intressieren."

"Ich bin ein Trekker", beendete der Fremde seinen Satz.

Nun blickten alle drei verwundert zu den spitzen Ohren auf.

"Wo is da nu der Unterschied?", stellte K'Tar die unausweichliche Frage.

"Das sollten wir hier lieber nicht ausdiskutieren", meldete sich nun erstmals Thomas zu Wort und verhinderte damit gerade noch einen langen Vortrag des Neuankömmlings über den "kleinen Unterschied" zwischen einem Trekkie und einem Trekker. "Wenn du uns bei unserer Mission helfen kannst, dann bist du gerne willkommen. Egal ob nun Trekkie oder Trekker. Wir sind alle Star Trek-Fans und wir sollten einander helfen."

"Da stimme ich dir voll und ganz zu", sagte der Romulaner. "Und ja, ich denke, ich kann euch helfen. Mein Name ist übrigens Hendrik, Hendrik van Voigt."

"Der Hendrik van Voigt?" platzte es plötzlich aus Helena heraus. "Kennen wir uns nicht aus dem -Forum?"

"Das kann schon sein", antwortete Hendrik.

"Ich bin Helena, Helena Valinskaja."

"Helena, ich freue mich, dich endlich persönlich kennenzulernen."

Thomas und K'Tar schauten verwundert von einem zum anderen. Als Helena die großen Augen der zwei Jungs bemerkte, sorgte sie erst einmal für Aufklärung.

"Ich kenne Hendrik aus dem Forum. Er ist dort einer der aktivsten Schreiber."

"Du hast aber auch schon viele Beiträge geschrieben", versuchte Hendrik seine Leistungen herunterzuspielen. "Auf jeden Fall haben Helena und ich schon viel miteinander gequatscht", sagte er an die beiden Jungs gewandt.

"Natürlich nur online bis jetzt", ergänzte Helena.

"Das ist ja alles sehr interessant", sagte Thomas "aber könnten wir dann wieder zum Thema zurückkommen?"

"Oh ja, natürlich", antwortete Helena. "Hendrik, darf ich dir Thomas und K'Tar vorstellen."

Hendrik gab den beiden die Hand und setzte sich dann zu ihnen an den Tisch, während er sagte: "Also, ihr seid Code 47 auf der Spur."

"Naja, nicht so wirklich", beschwichtigte Thomas.

"Wir sind allen Hinweisen nachgegangen, die uns einfielen", ergänzte Helena.

"Doch alles is vergebens gewes', bis jetzt", fügte K'Tar hinzu.

"Das kann ich gut nachvollziehen", sagte nun Hendrik mit einem leichten Kopfnicken. "Ich bin Code 47 schon seit Jahren auf der Spur und erst vor kurzem ist es mir gelungen eine schlüssige Theorie diesbetreffend aufzustellen."

"Und die wäre?" fragte Thomas.

Hendrik beugte sich weit über den Tisch und gebot seinen neuen Freunden mit einer Geste es ihm gleich zu tun.

"Ich verrate es euch nur, wenn ihr mir euer klingonisches Ehrenwort gebt, es niemandem weiter zu erzählen", sagte er leise zu den dreien.

"Das is doch selbstverständlich", gab K'Tar als erster zurück.

Thomas und Helena blickten einander kurz an und waren sich dann auch einig.

"Auch wenn wir keine Klingonen sind, unser Ehrenwort hast du", sagte Thomas.

"Gut!" Hendrik sprach jetzt noch leiser, so dass es beinahe nur noch ein Flüstern war. "Meine Theorie lautet wie folgt: Gene Roddenberry, der Schöpfer von Star Trek, war ein Zeitreisender aus der Zukunft. Mit Star Trek hat er der Menschheit einen Blick in die eigene Zukunft gewährt. Damit wollte er verhindern, dass sich die Menschheit in eine falsche Richtung entwickelt und eventuell selbst vernichtet. Und in Code 47 hat er eine wichtige Botschaft für uns verschlüsselt."

Mensch, Vulkanier und Klingone warfen Hendrik einen teils irritierten, teils ungläubigen Blick zu.

"Ach du großer Tribble", fand Thomas als erster die Sprache wieder.

"Das is die absurdeste Theorie die i je gehört hab", kommentierte K'Tar seine Einschätzung.

"Aber zumindest ist er auch der Meinung, dass wir einer Botschaft von Gene Roddenberry auf der Spur sind. Aber eine Zeitreise...?"

Helena hatte bis jetzt geschwiegen. Nun meldete sie sich mit einer Bemerkung zu Wort, die so ähnlich wohl allen dreien durch den Kopf ging: "Der vulkanische Wissenschaftsrat ist zu dem Schluss gekommen, dass Zeitreisen unmöglich sind."

"Nichts ist unmöglich", erwiderte Hendrik. "Die Relativitätstheorie verbietet a priori keine Zeitreisen. Mit den entsprechenden technischen Mitteln sollte es rein theoretisch möglich sein eine Reise in die Vergangenheit zu unternehmen."

"Ok, kleen Einstein", beendete K'Tar Hendriks wissenschaftlichen Vortrag "Das klingt ja alles toll faszinierend. Aber du erwartest doch nit im Ernst, dass mir dir das abkaufen."

"Das habe ich ehrlich gesagt nicht erwartet. Die Theorie, die hinter Zeitreisen steht, die temporale Mechanik, ist sehr kompliziert. Es braucht Jahre um die Dynamik der Gleichungen zu verstehen."

"Hendrik", unterbrach nun Helena Hendriks Vorlesung "jetzt mal ehrlich. Das ist doch alles bloß reine Spekulation. Oder hast du irgendwelche Beweise für deine Theorie?"

Der Romulaner blickte auf seine gefalteten Hände herab.

"Nein, leider nicht. Ich hatte gehofft, wenn ich Code 47 knacke, dass ich dann einen Beweis finden würde."

"Bis jetzt haben wir alle nicht mehr als nur Spekulationen", sagte Thomas. "Es gibt wohl nur einen Weg herauszufinden, welches Geheimnis hinter der 47 verbirgt..."

Sechs Augen waren gespannt auf das Gesicht in der roten Uniform gerichtet.

"Wir müssen Leonard Nimoy finden und ihn selbst fragen."

"Es gibt da nur ein kleines Problem", dämpfte Helena die Hoffnungen "Wir wissen nicht wo Leonard Nimoy wohnt."

"Ich weiß aber, wo jemand wohnt, der uns mit Sicherheit bei diesem Problem helfen kann."