Unerwarteter Besuch

Sie schlug die Augen auf und bemerkte, das die Sonne bereits aufgegangen war. Ein blick auf ihre Uhr: 09:54 Uhr.

NajaImmerhin ein paar Stunden Schlaf!

Sie erhob sich und streckte sich. Im bereich der Schultern schmerzte es ein wenig. Wahrscheinlich hatte sie falsch gelegen.

Müde ging sie in ihren begehbaren Kleiderschrank, der sich am anderen Ende des Zimmers, gegenüber dem Bad, befand und zog sich an.

Sie trug schwarze Turnschuhe, eine Braune Jeans und ein schwarzes Oberteil. Ihre rotbraunen, langen Haare ließ sie offen.

Dann machte sie sich auf den Weg nach unten. In der Haupthalle Croft Manors vernahm sie Stimmen und sie folgte diesen. Sicherlich kamen sie von ihren Freunden aus der Küche.

Lara wollte schon eintreten, doch hielt vor der Tür inne, als sie hörte, dass ihre Freunde über sie redeten…

,,….das mit ihr nicht weitergehen!´´ hallte Zips Stimme in ihr Ohr.

,,Was willst du denn tun? Es aus ihr herausschlagen? Sie will nun mal nicht darüber reden!´´ kommentierte Alister.

,,Also ich finde, Zip hat recht. Wir kommen einfach nicht an sie heran. Sie baut eine Mauer um sich und lässt niemanden mehr hindurch. Deswegen finde ich Zips Idee nicht schlecht!´´ argumentierte Sammy.

,,Ihr müsst ihr einfach noch ein wenig Zeit geben oder habt ihr vergessen, was sie durchgemacht hat? Wenn wir Lara schon nicht helfen können, dann schafft sie das erst recht nicht!´´ sagte Madeleine.

,,Wer schafft es nicht, mir zu helfen?´´ Lara stand auf einmal in der Küche.

Ihr war das alles zu weit gegangen.

Jetzt redeten schon ihre Freunde hinter ihrem Rücken über sie.

,,Oh!…´´ machte Zip, ,,…Hi, Lara!´´

,,Wirklich gut zu wissen, dass ich euch so tollen Gesprächsstoff bereite!´´ sagte Lara scharf und ging zwischen ihren Freunden hindurch.

Alle schwiegen peinlich berührt, als sie sich eine Tasse Tee einschenkte.

Dann blickte Zip die anderen an und trat auf Lara zu, die ihnen allen den Rücken zugewandt hatte.

,,Em…Lara?..´´ begann Zip und als er sicher war, das er auch ihre ganze Aufmerksamkeit hatte, sprach er vorsichtig weiter, ,,…Wir wollten dich nicht verärgern. Aber wir denken, wir müssen miteinander reden!…´´ sie sagte nichts, also fuhr er fort, ,,…Wir wissen, was du durchgemacht hast, aber du…´´

,,Ihr habt…´´ unterbrach sie langsam und stellte die Tasse laut auf die Arbeitsplatte des Küchenblocks, ,,…nicht die leiseste Ahnung, was ich durchgemacht habe!´´

,,Hör zu, wir wollen dir doch nur helfen, Lara…´´ begann Madeleine. Lara stützte sich mit beiden Händen auf der Arbeitsplatte ab: ,,Danke, aber es geht mir gut!´´

,,Ich denke jeder hier kann sehen, das es dir nicht gut geht, dafür braucht man kein Psychologe zu sein!…´´ sagte Alister.

,,…Seit fast sechs Wochen ziehst du dich nun schon zurück. Du trainierst kaum noch, geschweige denn das du dich mal zu uns gesellst…´´ zählte Zip auf, ,,…Du verkriechst dich in deinem Zimmer und wenn man dich dort nicht finden kann, bist du verschwunden und kommst manchmal erst spät in der Nacht wieder zurück!´´

,,Ich wohne hier und ich bin erwachsen, Mom…´´ spottete Lara halbherzig, ,,…Wann ich gehe und wieder zurück komme, kann euch doch egal sein!´´

,,Wir wollen damit nur sagen, dass das gar nicht deine Art ist, Lara…´´ sagte ihr Patenonkel.

,,Seid ihr euch denn da wirklich so sicher? Vielleicht kennt ihr mich weniger, als ihr denkt!´´ entgegnete Lara und begriff aber tief in ihrem Innern, dass ihre Freunde recht hatten.

,,Also immerhin kenne ich dich schon seit deiner Geburt!´´ warf ihr Sammy entgegen.

Ruckartig drehte sie sich zu ihren Freunden um: ,,…Sind wir jetzt fertig?..Gut! Dann kann ich ja gehen!´´

,,Lara, bitte warte,…´´ begann Zip abermals und stellte sich ihr in den Weg, ,,…Wir wollen dir wirklich nur aus deiner Krise helfen!´´

Lara mied es ihm oder den anderen in die Augen zu blicken und murmelte: ,,…Vielleicht könnt ihr mir aber nicht helfen!´´

Dann ging sie an ihm vorbei und verließ die Küche wieder…

,,Na toll, das war ja ein voller Erfolg,…´´ sagte Alister ironisch, ,,…jetzt wird sie gar nicht mehr mit uns reden!´´

,,Immerhin hat sie eingesehen, das es so nicht weitergehen kann!´´ sagte Madeleine.

,,Wieso? Du hast doch gesehen, wie sie wieder einmal abgeblockt hat!´´ warf Sammy ein.

,,Lara sagte wir könnten ihr nicht helfen, aber sie sagte nicht, das sie keine Hilfe braucht!…´´ erklärte Madeleine den anderen, ,,…Ich bin sicher, sie wird sich öffnen wenn die richtige Person kommt!´´

,,Genau und die werden wir jetzt herholen!…´´ beschloss Zip und ging los…

Lara war in ihrem Zimmer angekommen und warf sich auf die Schlafcouch.

Sie lag auf dem Rücken und mit beiden Händen fasste sie sich an die Schläfen, als ihre Kopfschmerzen, die sie seit letzter Nacht mal wieder hatte, schlimmer wurden.

Sie schloss die Augen, das ihr das helle Tageslicht regelrecht in den Augen brannte.

Sie seufzte laut.

Der Tag war für sie sowieso schon gelaufen, obwohl er gerade erst angefangen hatte, warum musste sie jetzt auch noch Migräne bekommen?

Sie haben wahrscheinlich recht, ich muss das alles irgendwie hinter mir lassen!

Doch sie konnte einfach mit niemandem darüber reden.

Seid sie aus dem Gefängnis wieder entlassen wurde, da man ihre Unschuld endlich zu den Akten gelegt hatte, hatte sie mit niemandem darüber gesprochen.

Schon in dieser Gefängniszelle hat das angefangen.

Sie hatte ja immerhin gute zwei Wochen Zeit darüber nachzudenken, trotz das es ihr dort so dreckig ging.

Sie hatte einfach einen Schlussstrich gezogen und ihre Erinnerungen in ihr eingeschlossen.

Sie wusste selbst, dass es nicht gut war, wenn man etwas in sich hineinfraß, doch Lara befürchtete das, wenn sie es laut aussprechen würde, würde sie völlig zusammenbrechen.

Sie war jetzt schon nicht mehr sie selbst und sie wusste, dass sie etwas unternehmen musste, sonst würde sie sich selbst verlieren.

Doch irgendetwas in ihr sperrte sich dagegen…

Plötzlich klopfte es an ihrer Tür, doch sie antwortete nicht.

Geh weg!Lass mich in Ruhe!

Es klopfte abermals, doch wieder rührte sich Lara nicht und wollte einfach nur ihre Ruhe.

,,Lara?…Ich bin es Madeleine!…Ich weiß doch das du da drin bist!…Komm schon, mach auf, bitte!´´ Lara öffnete die Augen, als sie die Stimme ihrer Assistentin und Freundin hörte, doch reagierte nicht auf ihre Worte.

,,Lara?…Lara?´´ drang Madeleins gedämpfte Stimme in das Zimmer.

Erneut schloss sie die Augen.

Warum schreit sie denn nur so?Ich bin nicht da!AuIch glaube mein Kopf explodiert gleich!

Dann hörte sie Schritte, die sich entfernten. Anscheinend hatte Madeleine aufgegeben.

Lara war dankbar dafür, denn sie war jetzt nicht in der Lage mit irgendwem zu reden. Langsam erhob sie sich und ging in ihr persönliches Badezimmer.

Sie drehte den Wasserhahn auf und spritzte sich eiskaltes Wasser ins Gesicht. Sie hoffte, somit wieder klar denken zu können, doch sie wurde enttäuscht.

Sie blickte in den Spiegel und sah das hübsche Gesicht einer jungen Frau, die eigentlich gar keinen Grund hatte innerlich so traurig und so fertig zu sein.

Doch genau so fühlte sie sich.

Lara nahm sich einen Waschlappen und nässte diesen mit dem Eiskalten Wasser, dann legte sie sich wieder auf die Schlafcouch, kühlte ihren Kopf mit dem kalten Lappen und versuchte sich zu entspannen.

Wenn doch nur diese scheiß Kopfschmerzen nicht wären!

Dann klopfte es ein weiteres mal an ihrer Zimmertür. Frustriert drehte sie sich um und öffnete die Augen.

Können die mich denn nicht mal für fünf Minuten?

Laras Blick blieb bei der Uhr an der Wand hängen.

15:38 Uhr!

Sie war tatsächlich eingeschlafen?!

Lara wunderte sich schon ein wenig und schaute verwirrt drein, als das Klopfen noch mal ertönte.

,,Lara?…Bist du da drin?…´´ es war wieder Madeleine, ,,…Du hast Besuch!…´´

…Toll, Besuch hat mir gerade noch gefehlt!…dachte Lara mürrisch und schloss die Augen wieder.

,,Hey, Lara, ich bin´s. Willst du mich denn wirklich vor deiner Tür stehen lassen?´´

Bei dieser Stimme schreckte Lara augenblicklich hoch und blickte zur Tür.

Kann das?Ist sie es denn wirklich?Was macht sie hier?

,,Los komm schon, Lara. Ich warte!´´ hallte die Frauenstimme wieder in ihre Ohren, doch Lara war bereits aufgestanden und ging auf die Tür zu.

Sie zögerte kurz, als sie die Hand an den Schlüssel legte, doch dann gab sie sich einen Ruck und schloss auf.

Vielleicht träume ich ja noch?

Doch sie tat es nicht, stellte sie fest, als sie die Zimmertür öffnete. Ihre Augen weiteten sich und auch die ihrer Freundin.

,,…Sara?…´´ hauchte Lara überrascht, verwirrt, mit einem winzigen Lächeln und konnte nicht recht glauben, das ihre beste Freundin vor ihr stand.

,,Ja, ich bin jetzt endlich da!´´ entgegnete die Polizistin lächelnd. Dann fielen sich die beiden Frauen in die Arme…