Ein alter Bekannter
Nach Luft schnappend kroch er ans gegenüberliegende Ufer des großes Sees. Von den Verfolgern war in Moment nichts mehr zu sehen.
Kurtis rutschte zur Seite, um den beiden Frauen platz zu machen. Erschöpft ließ sich Sara, nach Luft ringend auf das Gras fallen. Lara war neben ihr.
Er blickte die beiden eindringlich an.
Sein blick ging zu der Brünetten neben Lara und dann zu Lara.
Alle waren sie nass bis auf die Knochen und man konnte durch Laras weißes Oberteil, ihren dunklen BH sehen. Ebenso zeichnete sich ihr Bauchnabel ab.
Kurtis fand, das sie immer noch so gut aussah, wie damals in Paris, als sie in ihrem knappen Oberteil und der knappen Jeansjacke ins Cafe Metro kam.
Sie merkte wohl, dass er sie beobachtete und blickte ihn verwirrt an.
Sein Blick ging von ihrem Körper zu ihren Augen und die beiden blickten sich so innig an, wie damals im Louvre.
Allerdings hatte sich etwas in ihrem Blick verändert, das merkte er sofort.
,,Ist alles okay?´´ fragte er dann die beiden.
,,Ja, alles klar! Ich würde jetzt gerne wissen was hier los ist!´´ antwortete Sara und setzte sich auf. Dabei unterbrach sie den Blickkontakt zwischen Lara und dem Fremden.
,,Mein Name ist Kurtis Trent und ich habe Sie gerettet!´´ gab er zur Antwort.
Abrupt stand Lara auf und ging ein paar Schritte, sie wollte es gar nicht wissen.
,,Lara warte,….´´ sagte Sara und stand mit Kurtis zusammen auf, ,,…Was ist denn?´´
,,Sara, ich weiß nicht wer dieser Kerl ist,…´´ begann Lara und nickte mit dem Kopf in seine Richtung, ,,…aber Kurtis Trent ist es ganz sicher nicht, denn er ist damals in Prag gestorben!´´
,,Was? Spinnst du?´´ warf Kurtis Lara empört entgegen.
,,Also für mich sieht er ziemlich lebendig aus, Lara!´´ warf Sara ein und blickte zu dem Fremden.
,,Allerdings. Wenn ich tot wäre, hätte ich euch doch nicht eben retten können, oder?´´ verteidigte sich Kurtis.
Lara rollte mit den Augen, drehte sich um und setzte ihren Weg fort.
,,Lara, warte…´´ begann Sara abermals, ,,…er hat uns das Leben gerettet!´´
Lara stoppte erneut.
Sie wusste, dass Sara in diesem Punkt recht hatte, aber Lara war sich nicht sicher, ob dieser Mann dort wirklich Kurtis Trent war.
Sie hatte von ihm damals nichts weiter gefunden, als eine riesige Blutlache und dieses Diskus-Ding von ihm, das ihr heute noch ein Rätsel war.
Seufzend drehte sie sich wieder um und verschränkte die Arme: ,,…Ich wüsste zu gerne, wie du überlebt hast. Immerhin habe ich dich mit einem drei Meter langem Monster alleingelassen und als ich zurückkam, finde ich nichts außer einer riesigen Blutlache!´´
Kurtis überlegte, dann sah er sie an und grinste: ,,…Es war größer als drei Meter!´´
,,Das ist mir egal, ich will jetzt eine Antwort!´´ forderte Lara augenrollend.
,,Na gut, wie du willst,…´´ begann Kurtis, ,,…Aber ich glaube, sie wird dir nicht gefallen. Ich weiß es nämlich nicht! Ich bin im Krankenhaus aufgewacht. Zuerst dachte ich, du hättest mich vielleicht dahin gebracht, aber die Ärzte wussten nicht, wer mich zu ihnen gebracht hatte. Sie sagten, ich hätte plötzlich einfach so auf einer Trage gelegen!´´
,,Pah…´´ machte Lara, ,,…und das soll mich jetzt überzeugen, was?´´
,,Tja, du hast gefragt!´´ warf Kurtis entgegen und blickte sie an.
Auch Lara blickte ihn an und musterte ihn eingehend.
Er war ein Stück größer als sie und hatte schwarze Haare, die ihm zottelig ins Gesicht fielen. Seine Augen waren tiefblau und unter seinem linken Auge hatte er eine kleine Narbe. Seine Lippen waren schmal und er trug einen Kinnbart und kleine Kotletten an den Schläfen.
Eben genauso, wie damals.
Sein dunkelblaues Shirt, die grünliche Hose und die schwarzen Schuhe, waren, wie ihre Kleidung völlig durchnässt.
Doch sie war zu verwirrt, um ihm glauben zu können.
Sie hatte damals auch gegen Joachim Karel gekämpft und er war ebenfalls ein Nephillim gewesen. Er konnte seine Gestalt wechseln und hat sogar, unter anderem, die Gestalt von Kurtis angenommen, um es ihr zu demonstrieren.
Für einen Moment hatte sie geglaubt, das Kurtis Trent niemals existiert hat.
Sara beobachtete die beiden, nicht recht wissend, was sie denken soll. Sie verstand nämlich nur Bahnhof.
,,Vielleicht überzeugt dich das!´´ sagte er schließlich und zog sein Shirt hoch.
Lara und Sara weiteten erstaunt die Augen, als sie eine 15 cm lange Narbe auf seinem Bauch - …naja Sixpack, passt eher,… dachte Lara - sahen. Er drehte sich kurz um, und auf dem Rücken hatte er dieselbe Narbe.
,,Das kommt davon, wenn man mutierten Insektenweibern zu nahe kommt!´´ scherzte er.
,,Und wie kommt es, das du noch lebt? So eine Verletzung hätte dich töten müssen!´´ bemerkte Lara nebenbei, als er sein Shirt wieder runterließ.
,,Tja, ich glaub ich konnte mich mittels meiner Kräfte solange an Leben erhalten, bis ich irgendwie im Krankenhaus gelandet war!´´ antwortete Kurtis knapp.
,,Was für Kräfte?´´ wollte Sara nun neugierig wissen.
,,Telekinetische. Ich kann etwas durch meine Gedanken bewegen oder meinen Geist irgendwo hin schicken, als eine Art Astral-Projektion…´´ erklärte Kurtis.
,,Das erklärt dann auch die Kugeln vorhin!´´ murmelte Sara.
,,Und die Tür im Louvre, die du durch eine Handbewegung regelrecht gesprengt hast, die große runde Scheibe, die den Durchgang hinter uns blockierte, damit unsere Verfolger uns nicht folgen konnten. Dieses schwirrende etwas, das mir beinahe den Hals aufgerissen hätte, dein freier Fall im Treppenhaus…soll ich weiter machen?´´ zählte Lara wütend auf und verschränkte die Arme vor der Brust.
Kurtis winkte ab: ,,Nee, lass mal. Ich war ja schließlich auch dabei…Aber da du es gerade erwähnst, mein Chirugai hätte ich gerne zurück!´´
,,Dein was?´´ bohrte Lara mit hochgezogenen Augenbrauen nach.
,,Na dieses schwirrende Etwas! Es ist eine Waffe aus Meteoritengestein, mit fünf überaus scharfen Klingen. Ich habe es in Boaz´ Arena liegen lassen, damit du es findest. Das hast du offensichtlich getan.´´
,,Woher willst du das wissen?´´
,,Na ich habe es gespürt, als du es berührt hast und habe dich da aus dem Bau rausgeführt!´´ erklärte Kurtis ihr und Lara zog daraufhin wieder eine Augenbraue hoch.
Sie erinnerte sich noch daran, dass aus diesem Ding fünf spitze Klingen rausgezuckt sind, als sie es in der Hand hielt. Es hatte sich von selbst bewegt und sie regelrecht zum Ausgang hingezogen. Als sie dann draußen war, schnellten die Klingen wieder zurück und es schien sich nicht mehr zu bewegen. Lara hatte es mitgenommen, doch sie konnte sich nicht erklären, wie diese Waffe funktionieren soll.
,,Immer eins nach dem anderen…´´ bremste Lara, ,,…wie kommst du jetzt eigentlich hierher?´´
,,Mein Motorrad steht da hinten, falls du das meinst!´´ grinste Kurtis.
,,Du weißt genau, wie das gemeint war!´´ entgegnete Lara scharf. Sie mochte seine Späße nicht besonders.
,,Tja, wie du gesagt hast: Immer eins nach dem anderen!…´´ sagte er, ,,…Wir sollten erst mal zusehen, das wir hier verschwinden!´´
Er setzte sich in Bewegung und Lara und Sara folgten ihm schweigend.
Tatsächlich stand dort sein Motorrad, auf das er eilig zuschritt und sich an den Packtaschen zu schaffen machte. Es war das selbe, wie damals in Paris.
,,Siehst ganz so aus, als wärst du auf Reisen!´´ bemerkte Lara, als sie sein Gepäck sah.
Kurtis zuckte beiläufig mit den Schultern und hatte eine Zigarettenpackung gezückt, aus der er sich auch prompt eine ansteckte.
,,Können wir?´´ fragte er, als er den Rauch ausstieß.
,,Nach dir!´´ sagte Lara.
,,Was? Sind wir etwa misstrauisch?´´ wollte er wissen.
,,Sagen wir es so. Ich habe ungern jemanden im Rücken, der mich schon mal umbringen wollte!´´ zwitscherte die Archäologin.
,,Hey, ich wollte dich nie umbringen, ehrlich.´´ verteidigte sich Kurtis und hob beide Hände.
,,Ach so, dann war das deine Art mir Guten Tag zu sagen, als du mir diesen Diskus an den Hals und die Pistole an den Kopf gedrückt hast?´´ höhnte sie.
,,Es heißt Chirugai,…´´ korrigierte Kurtis und blies den Rauch der Zigarette in ihre Richtung, ,,…Ich wollte dich nur mal genauer ansehen,…´´ er klappte den Seitenständer seines Motorrades hoch, ,,…denn ich wusste aus welchem Grund du da warst und ich wusste, das wir zusammen eine größerer Chance hätten, Eckhardt zur Strecke zu bringen!´´
,,Na schönen dank auch,…´´ entgegnete Lara gereizt und ging los, ,,…du hättest mich ja einfach Fragen können…´´
Sara folgte Lara und sie ging zwischen den beiden.
,,Hättest du mir denn zugehört?´´ wollte er dann wissen und schob sein Motorrad neben ihnen her.
Lara schwieg und blickte weg von ihm.
Nach einer Weile ergriff er erneut das Wort: ,,Was ist? Hab ich etwas falsches gesagt?´´
Doch Lara schwieg immer noch und schloss die Augen.
Wieso passierte das gerade jetzt?
Wieso musste ihre Vergangenheit sie wieder einholen?
Wieso musste sie sich an all das erinnern?
,,Nein, haben Sie nicht, Mr. Trent,…´´ begann Sara, ,,…mein Name ist übrigens Sara Pezzini.´´
,,Freut mich sie kennen zu lernen, Miss Pezzini!´´ lächelte er in ihre Richtung, hatte die Zigarette aber im Mund.
,,Sara, reicht völlig.´´
,,Okay, dann bin ich Kurtis…´´ entgegnete er, nur die Hände konnten sie sich nicht reichen, da Kurtis sein Motorrad mit beiden Händen schieben musste…
