Näheres Kennen lernen

,,Was ist los?´´ wollte Kurtis wissen.

,,Wie?´´

,,Na wir sind vor einiger Zeit losgefahren und du schweigst seitdem!´´

,,Ach? Wirklich?´´ vergewisserte sich die Archäologin.

,,Ja, du könntest mir ja etwas erzählen!´´ entgegnete Kurtis und zog wieder an seiner Zigarette, blies den Qualm jedoch aus dem Fenster.

,,Eigentlich ist mir jetzt nicht nach einem Kaffeekränzchen.´´ bemerkte Lara und lenkten den Wagen gerade durch ein grünes Wäldchen.

,,Es wäre aber eine gute Gelegenheit etwas über dich zu erfahren!´´ sagte Kurtis und lehnte sich auf dem Beifahrersitz des Aston Martin zurück.

,,Du hast wohl vergessen, das ich hier diejenige bin, die dir nicht vertraut, also warum erzählst du nicht etwas über dich? Mr. Lux Veritatis!´´

,,Diese Anspielung war nicht nötig, aber bitte,…´´ begann er, ,,…Ich wurde am 26 Juni 1972 in den USA geboren. Meine Eltern hießen Marie und Konstantin Heissturm, da die Eltern meines Vaters aus Deutschland kamen. Ich war erst Drei Jahre alt, als mein Vater begann mich in den Orden der Lux Veritatis einzuführen. Aufgewachsen bin ich dann mit meiner Mutter in deren Basis auf der Burg Kriegler in der Nähe der deutsch-tschechischen Grenze. Mit neunzehn verließ ich den Orden dann, da ich die Schnauze gestrichen voll hatte und trat einer Fremdenlegion bei, wo ich mir dann die französische Nationalität eingeschnappt habe. Dort änderte ich dann auch meinen Namen. Dann ließ Eckhardt meinen Vater ermorden und rottete alle anderen Mitglieder der Lux Veritatis aus, folglich bin ich also der letzte, außer meiner Mutter, doch ob sie noch lebt weiß ich nicht, denn ich habe sie seit Jahren nicht mehr gesehen.´´

,,Das ist ja furchtbar! Du hast keine Ahnung, wo sich deine Mutter aufhält?´´

,,Doch ich habe eine Vermutung, aber ich konnte ihr nicht unter die Augen treten, bis ich den Tod meines Vaters gerächt habe!´´ erklärte er ihr.

,,Eckhardt ist tot, du kannst also einfach zu ihr gehen!´´ sagte Lara.

,,Im Moment jedenfalls ist das keine gute Idee. Sonst könnte ich Damian oder die Cabal zu ihr führen.´´

,,Ach ja stimmt, die hatte ich schon fast vergessen…´´ murmelte Lara ironisch zu sich selbst, dann wandte sie sich wieder zu ihm, ,,…Erzähl weiter!´´

,,Viel gibt's da nicht mehr zu erzählen. Ich bin dann nach dem Tod meines Vaters in den Dienst von Marten Gunderson getreten, weil ich so an Eckhardt rankommen wollte und irgendwann bist du mir dann über den Weg gelaufen!…Hast du sonst noch irgendwelche Fragen?´´

Verblüfft blickte Lara ihn kurz an, dann wandte sie den Blick wieder auf die Waldstraße: ,,…Was ist mit deinen Fähigkeiten? Woher kommen sie? Und woher hast du das Chirugai?´´

,,Du bist aber neugierig!´´ merkte er grinsend an und stieß erneut einen Schwall übel riechenden Qualm seiner Zigarette aus seinen Lungen

,,Halbe Sachen gibt es bei mir eben nicht!´´ entgegnete sie keck.

Kurtis schmunzelte, gab ihr aber dann eine Antwort: ,,…Über meine Fähigkeiten kann ich dir leider nichts erzählen. Ich weiß selbst nicht so genau, wo sie herkommen. Mein Vater sagte immer: `Das wahrhafte Lux Veritatis hat sie dir übergeben.´ Von ihm bekam ich dann auch als ich vierzehn wurde das Chirugai. Außerdem hab ich ein Faible - so könnte man sagen - für mystisches und okkultes, da ich meistens von irgendwelches bizarren Ereignissen verfolg werde.´´

,,Was für bizarre Ereignisse?´´ bohrte sie nach.

Er zog erneut an seiner Zigarette, sie war schon fast bis zum Filter aufgeraucht: ,,Keine Ahnung, bizarre eben. Geister oder irgendwelche Dämonen. Deswegen haben mich die Ordenbrüder mit dem Spitznamen Demon Hunter getauft!´´

,,Demon Hunter?…´´ wiederholte Lara mit hochgezogenen Augenbrauen und wusste nicht, ob sie ihm das glauben sollte, ,,…Kommt daher auch die Narbe unter deinem Auge?´´

Kurtis nickte: ,,…Japp…einer dieser Dämonen hat mich ganz fies erwischt! So aber genug von mir. Wie sieht es denn mit dem Leben von Lara Croft aus?´´

Lara zuckte mit den Schultern: ,,Da gibt's nicht viel zu erzählen!´´

,,Ah, ah, ah…´´ machte er und drohte spielerisch mit dem Zeigefinger, ,,...wir wollen doch nicht meiner Frage ausweichen, oder?´´

Lara seufzte: ,,…Gut, was möchtest du denn hören?´´

,,Na alles!…´´ entgegnete er und warf seine Kippe endlich aus dem Fenster.

,,Meine Eltern hießen Richard und Amelia. Meine Mutter verlor ich, als ich neun war, bei einem Flugzeugabsturz, meinen Vater mit fünfzehn, da er von einer Expedition nicht wiedergekehrt ist. Seitdem bin ich auf mich allein gestellt. Ich habe mein Archäologiestudium abgeschlossen und reise seitdem von einer Ausgrabung zur anderen.´´

,,…Und weiter?´´ forderte Kurtis und rollte mit der Hand um sie anzutreiben doch noch etwas herauszurücken.

,,Was? Sonst gibt es nichts über mich zu erzählen.´´

,,Und wie kommt es, das du drei riesige Villen besitzt? Hast du noch andere Verwandte?´´ wollte er dann noch wissen.

,,1547 erhielt meine Familie von König Eduard VI die Grafschaft Surrey verliehen. Der Rest meiner Familie gehört zu den angesehensten in ganz England. Ich selbst bin Gräfin der 11. Generation. Zu meinen Verwandten habe ich allerdings keinen Kontakt mehr. Sie meiden mich, da ich mich ihrer Meinung nach nicht wie eine Person, der gehobenen Gesellschaft benehme.´´

,,Woww…das ist hart!…´´ bemerkte Kurtis.

,,Ja, aber es macht mir nicht wirklich etwas aus, ich passe da sowieso nicht rein!´´

,,Ja, aber trotzdem. Man verstößt doch kein Familienmitglied…´´ sagte Kurtis verblüfft.

,,Wenn es um Ansehen, Macht und Ruhm geht, dann tut man noch manch anderes! Adelig zu sein ist kein Zuckerschlecken.´´ warf sie ihm entgegen.

Kurtis überlegte einen Moment, dann ergriff er das Wort: ,,…Eine echte Gräfin? Woww…Sag mal, nur so aus Neugier: Wie viele müssten den sterben, dass du Königin wärst.´´

Mit hochgezogener Augenbraue sah sie ihn an: ,,…Was soll das denn?´´

,,Ich mein ja nur!´´

,,Hör lieber auf etwas zu Meinen, wenn du dich nicht auskennst!´´

,,Punkt für dich…´´ sah Kurtis ein, ,,…aber jetzt sag mal. Wie viele?´´

,,Keine Ahnung, woher soll ich das wissen?…´´ entgegnete sie, genervt von dem Gespräch, ,,…Waren das jetzt all deine Fragen?´´

Kurtis dachte kurz nach: ,,Eine Frage hätt´ ich da noch!…Du bist offenbar Single!…Warum?´´

Lara stockte bei dieser Frage und brauchte einen Moment, um eine geeignete antwort zu finden, dann entgegnete sie: ,,…Ich wüsste nicht, was dich das angeht! Wieso interessiert dich das?´´

,,Naja…´´ begann Kurtis, ,,…Du bist hübsch, intelligent, reich, du kannst dich verteidigen und hast Humor, glaub ich zumindest, da ich dich bis jetzt noch nie lachen gesehen habe. Also müssten die Männer doch Schlange vor deiner Tür stehen!´´

,,War das jetzt ein Kompliment oder eine Beleidigung?´´

,,Sieh´s wie du willst! Ich warte noch auf eine Antwort!´´

,,Kurtis…´´ sie stürzte die Lippen und ihre Stimme klang leiser als zuvor, ,,…ich will nicht darüber reden, okay?´´

Verwundert blickte er sie an, doch sie mied es ihm in die Augen zu sehen und starrte auf die Straße. Kurtis fragte sich, was er jetzt wieder angestellt hatte.

…Mann, diese Frau ist aber auch unberechenbar!…

,,…Hab ich was falsches gesagt?´´ wollte er dann wissen und starrte sie weiterhin an.

Lara wich allerdings seiner Frage aus: ,,…Da vorne ist es!´´

,,…Zip?…Zip empfängst du uns?´´

Er schreckte vor und blickte auf den Bildschirm: ,,Ja Lara. Ich höre euch und das Bild ist klar!´´

,,Okay, wir gehen jetzt los!´´ hallte Laras stimme aus dem PC.

Zip gab den anderen, die sich immer noch an der Sitzecke aufhielten, ein Zeichen. Geschlossen betraten sie den Computerraum.

Madeleine, Sammy, Alister und Sara setzten sich zu Zip und verfolgten alles auf dem Bildschirm.

Auf dem einen Bildschirm war alles aus Laras Sicht zu sehen. Auf dem anderen aus der Sicht von Kurtis.

,,Dann wollen wir mal!´´ sagte Lara und ging auf die Haustür des Anwesens zu. Sie war durch den Torbogen gefahren und hatte den Wagen direkt im Hof geparkt.

Kurtis folgte ihr und sie hatte nicht übertrieben. Es war tatsächlich ein Stück größer, als ihr eigenes.

Langsam bewegte Lara den Schlüssel auf das Schloss zu.

Vierzehn Jahre, war sie nicht mehr hier gewesen.

Vierzehn Jahre, hatte sie dieses Haus sich selbst überlassen.

Vierzehn Jahre hatte sie sich nicht mehr darum geschert, da die Erinnerungen zu schmerzhaft waren.

,,Hey…alles klar?´´ fragte Kurtis sanft und hatte ihr eine Hand auf die Schulter gelegt. Er hatte bemerkt, wie sehr sie das beschäftigte.

Lara war gar nicht aufgefallen, das sie gezögert hatte und nickte nur.

,,Wenn du lieber hier warten willst…´´ begann Kurtis und sie blickte ihn an, ,,…dann verstehe ich das!´´

,,Nein…´´ entgegnete sie, ,,…ich muss das tun!´´

Sie drehte sich wieder zur Haustür und sperrte diese, zum ersten mal seit Jahren wieder auf.

Zip, Alister, Sara, Sammy und Madeleine blickten gespannt auf die Monitore.

Geräuschvoll glitt die Tür vollends auf, als Lara ihr einen Schubs gegeben hatte. Dann atmete sie einmal tief durch und trat hinein…