Aufbruch
Es war noch früh am morgen, als Lara die Augen aufschlug.
Sie wunderte sich anfangs, dass sie auf ihrer Couch schlief.
Wie war sie denn überhaupt eingeschlafen?
Dann bemerkte sie, dass sie nicht alleine war.
Starke Arme hielten sie fest und Lara erschrak kurz. Sie lag in Kurtis´ Armen und er schlief noch.
Langsam richtete sie sich ein wenig auf und blickte ihn an.
Er sah niedlich aus, so wie er schlief und Lara huschte ein winziges Lächeln übers Gesicht.
Aber was würde er von ihr denken?
Sie hatte gestern Abend die Nerven verloren und sich gehen lassen. Es hat ihr sogar gut getan, sie fühlte sich sichtlich befreiter und sie musste dann wohl in seinen Armen eingeschlafen sein.
Lara erinnerte sich nur noch daran, dass sie nicht mehr losgelassen werden wollte.
Plötzlich regte er sich und schlug die Augen auf. Sein noch verschlafener Blick traf den Ihren.
,,Hi…´´ flüsterte er.
,,Hi…´´ entgegnete sie.
Der letzte Abend hatte einiges zwischen ihnen verändert.
Lara ließ ihn an jedem Gedanken in ihrem Kopf teilhaben und beide sind sich näher gekommen.
,,Ich hoffe, du hast gut geschlafen!´´ sagte er dann und lächelte.
Lara nickte: ,,…Und du?´´
Kurtis nickte ebenfalls und richtete sich danach auf.
,,Was macht deine Wunde?´´ fragte sie.
,,Viel besser.´´ Er spürte ebenfalls, dass sie sich näher gekommen waren und das ließ ihn wieder lächeln.
Lara saß neben ihm und blickte verlegen in eine andere Richtung.
,,Lara…´´ begann er, ,,…ich hoffe, dir ist gestern Abend nicht unangenehm oder so!´´
,,Eigentlich nicht…´´ entgegnete sie, ,,…Es hat gut getan mit jemandem zu reden und alles raus zulassen!´´
,,Siehst du, das habe ich dir doch gesagt!…´´ er machte eine kurze Pause, ,,…Wie geht es dir?´´
Lara überlegte und zuckte dann mit den Schultern: ,,…Keine Ahnung, aber das Gewicht auf meinen Schultern ist etwas leichter geworden!´´
,,Du wirst es schaffen das Gewicht vollends von dir abzuladen!´´ sagte er dann.
Lara blickte ihn nun wieder an und schenkte ihm ein kleines Lächeln: ,,Danke…für alles!…´´
,,Keine Ursache.´´ entgegnete er nickend und machte Anstalt aufzustehen, doch Lara hielt ihm am Arm zurück: ,,…Kurtis?…´´ er drehte sich wieder zu ihr und sah sie an, dann sprach sie weiter: ,,…tut mir Leid, dass ich dich geschlagen habe!´´
Ein lächeln machte sich in seinem Gesicht breit: ,,Ich nehm´s dir nicht übel…´´ sie nickte, dann fuhr er fort: ,,…Wie sieht es mit Norwegen aus?…Kommst du nun mit?´´
Lara stand auf und ging zum Fenster: ,,Ich will nur, dass niemandem etwas passiert!´´
,,Wie meinst du das?´´ fragte er und folgte ihr.
,,Bei jedem meiner Abenteuer oder bei allem was ich bis jetzt erlebt habe, stirbt jemand oder wird verletzt!´´
,,Diesmal aber nicht!…´´ sagte er sich seiner sicher, ,,…Wir können alle auf uns aufpassen und wissen, was uns erwartet! Nur du kannst dich nicht, bis in alle Ewigkeit hier verstecken, weil du Angst hast es könnte etwas passieren!…Der erste Schritt, wieder zu dir selbst zu finden und alles zu vergessen, ist dann getan, wenn du mich und deine Freunde begleitest! Wenn wir zusammenarbeiten, könnten wir schon bald alles überstanden haben!´´
Lara zögerte mehrere Sekunden, dann sah sie ein, dass er recht hatte und nickte. Sie würde nicht mehr länger in ihrer Isolation leben. Sie musste endlich raus…
Sie stiegen gerade die Treppe zur Haupthalle herunter.
Ihre Freunde, waren schon alle dort versammelt und hatten Reisetaschen an der Sitzecke abgestellt. Neugierig drehten Zip, Alister, Sammy, Madeleine und Sara den Kopf zu Lara und Kurtis.
Lara wartete, bis sie zu ihnen gegangen waren, dann ergriff sie erst das Wort: ,,…Auch wenn es eine geringe Spur ist, mit Aussicht auf wenig Erfolg, werde ich euch nicht hängen lassen. Ich begeleite euch!´´
Ein grinsen entsprang auf den Gesichtern ihrer Freunde und Sara reichte ihrer Freundin ihren Rucksack.
Verwundert nahm Lara ihn entgegen: ,,Du hast ihn schon hier? Aber woher wusstest du…´´
,,Du bist Grabjägerin, Lara, das liegt dir im Blut! Ich wusste, das Kurtis dich umstimmen konnte!´´ antwortete Sara.
Lara nickte knapp: ,,Dann lasst uns aufbrechen…´´ sie wandte sich an Sammy, ,,…Wir nehmen dein Flugzeug!´´
,,Ich fliege euch!´´ entgegnete ihr Patenonkel.
,,Gut…´´ machte Lara und warf sich ihren Rucksack um die Schultern, indem sich ihre Waffen befanden, ,,...Dann lasst uns aufbrechen!´´
Die anderen nickten und taten es ihr gleich.
Lara drehte sich um und ging los.
Sie wäre froh, wenn sie die Sache bald hinter sich haben würde, doch irgend etwas sagte ihr, das sie diese Sache noch lang beschäftigen wird.
Schweigend folgten ihre Freunde ihr und waren froh, ein Stück der alten Lara wiederzuhaben…
