Mein Leben…

Vor vierzig Minuten waren sie in Andorra la Vella, die Hauptstadt Andorras, mit Sammys Maschine, die Lara selbst flog, gelandet. Es war später Nachmittag und sie hatten beschlossen morgen früh aufzubrechen.
Sie waren alle zum Hotel, das Zip schon unterwegs klargemacht hatte, gegangen und hatten eingecheckt.
Lara und Sara teilten sich ein Zimmer und Alister, Zip und Kurtis teilten sich eins nebenan, wobei die drei sich drum streiten mussten, wer auf der Schlafcouch schlafen würde...

Lara war im Bad ihres Zimmers und hatte sich umgezogen.
Sie trug Shorts, ein kurzes Top und ließ ihre Haare offen, dann trat sie wieder hinaus.
Lara blickte zur Couch, auf der sich Sara nieder gelassen hatte.
Sara war noch immer sauer und Lara konnte das verstehen. Seit Irland hatten sie kaum ein Wort miteinander gesprochen.
Lara hasste sich ja selbst dafür, das sie immer abblockte, wenn jemand mit ihr reden wollte. Vielleicht weil sie sich dann schwach, verletzlich und entblößt vorkam und das einfach nicht ertragen wollte, aber ihr blieb keine Wahl…

,,Hey…´´ begann Lara, und kam zur Couch. Doch Sara blickte weiterhin gerade aus, was Lara erwartete hatte.

Lara atmete tief durch und setzte sich neben sie: ,,Sara, ich weiß, das du sauer auf mich bist, aber…´´

,,…ich bin nicht sauer auf dich…´´ unterbrach Sara und blickte dann zu ihrer Freundin, ,,…Ich bin enttäuscht!´´

,,Ich weiß und ich kann es verstehen…´´

,,…Aber ich kann dich nicht verstehen, Lara…´´ unterbrach Sara wieder, ,,…Weist du, du hast mir immer alles erzählt und jetzt?…Es ist als würdest du vor mir weglaufen!´´

,,Ich laufe nicht vor dir weg, sondern…´´ Lara brach ab.

,,Ja? Vor was?…´´ Sara drehte sich etwas zu Lara, ,,…Vor deinen Erinnerungen?´´

Lara schwieg eine kurze Weile, dann sah sie ein, das sie endlich reden musste und nickte knapp.

,,Sag mir einfach, was los ist, Lara!´´

Lara zögerte abermals, dann antwortete sie: ,,…Ich weiß nicht, wie ich es erklären soll…´´ nach einer kurzen Pause, sprach sie weiter, ,,…In den letzten Monaten ist so viel auf einmal passiert…Ich habe…Chase verloren und Werner…Die Cabal wollte meinen Tod und will ihn noch immer…Ich habe…´´ sie pausierte erneut, weil es ihr schwer viel das zu sagen, ,,…ein Problem und ich komme alleine nicht damit klar!´´

,,Das du es dir eingestehst ist gut, jetzt musst du mir nu noch sagen, was in dir vorgeht!´´ sagte Sara.

Lara dachte nach und merkte gar nicht wie viel Zeit verging, bis Sara wieder das Wort ergriff: ,,Lara?´´

Lara blickte sie wieder an: ,,…Ich weiß nicht wie ich es in Worte fassen soll…Ich fühle mich allein und da ist irgendwo eine…eisige Kälte tief in mir.´´

,,Du hast viel durchgemacht, doch es gibt keinen Grund so zu fühlen. Wir alle sind bei dir und lassen dich nicht allein!…´´ Sara fasste Lara an die Schulter, ,,…Sag mir, was es auslöst, die Kälte. Wovor hast du Angst?´´

Lara schüttelte den Kopf: ,,Ich weiß es nicht!´´

,,Denk nach…´´ begann Sara, ,,…Ja, du hast Menschen, die du geliebt hast, verloren, doch du kannst diese Kälte in dir nur überwinden, wenn du wieder jemanden zu dir durch lässt und dich nicht verschließt.´´

,,Das weiß ich, aber, je näher mir jemand kommt, desto schneller verliere ich ihn wieder!…Ich habe einfach Angst wieder jemanden zu verlieren, der mir etwas bedeutet!…Ich glaube ich knnte das nicht noch einmal ertragen!´´

,,Ich kann das verstehen…´´ Sara legte ihren Arm um Laras Schultern, ,,…Doch es ist paranoid, wenn du denkst, das du den Menschen in deiner Nähe indirekt Leid zufügst oder daran schuldig bist, wenn ein Unglück passiert!…´´ Lara schwieg, also sprach Sara weiter, ,,…Ja, ich weiß, du hast deine Eltern verloren, viele gute Freunde, deinen Mentor und Chase und es war bestimmt schrecklich, doch das alles macht dich auch aus. Es hat dich auch stark gemacht…´´

,,Das stimmt nicht…´´ unterbrach Lara, ,,…ich bin nicht so stark wie alle es glauben. Ja, äußerlich vielleicht, aber innerlich nicht…Die Wahrheit ist, das ich es nicht ertragen kann…´´

,,Was denn?´´ fragte Sara.

Lara seufzte: ,,…Mein Leben…´´

Sara musterte ihre Freundin genau.
Ihre Augen waren zerbrechlich. Das einstige Leuchten war fort.
Sie waren traurig und leer.

,,…Hey, em…´´ begann Sara wieder, ,,…Ich würde dir jetzt gern einen guten Ratschlag geben, doch die Wahrheit ist…ich habe keinen. Ich sehe, was in dir vorgeht und ich verstehe dich auch, doch mit deinem Leben musst du ganz allein fertig werden! Du bestimmst darüber wie du lebst und du selbst musst dich jedem deiner Probleme stellen und ich werde dir auch helfen, so gut ich kann!´´

,,Ich weiß das zu schätzen, Sara…´´ entgegnete Lara, ,,…Doch seit Paris und Prag,…´´ sie brach ab.

,,Ja?…Was war da?…´´ fragte Sara, die hellhörig wurde, als Lara Anstalt machte etwas zu erzählen.

,,Ich glaube ich habe einfach die Kontrolle verloren.´´

,,Warum?´´

,,Keine Ahnung…´´ begann Lara, ,,…Die Sache mit Werners Tod und der Polizei…Eckhardt und die Cabal…Kurtis…Ich weiß es nicht, aber es war die alles andere als angenehm…und jetzt sind sie wieder hinter mir her…´´

,,Ja, aber diesmal, bist du nicht allein. Ich bin da und Kurtis und Zip und Alister, auch wenn du uns nicht mit hineinziehen möchtest, stecken wir schon genauso tief drin.´´ sagte Sara.
Lara blickte auf den Boden und schwieg abermals.

Die beiden bekamen nicht mit, das die Zimmertür einen Spalt breit geöffnet wurde, weil jemand eintreten wollte. Dieser jemand hielt inne und lauschte…

,,Du weißt nicht wie schwer es war, aus der ganzen Sache damals wieder raus zu kommen. Keiner weiß das eigentlich und ich fürchte mich davor, das alles noch einmal durch zu leben…´´ Lara redete endlich, was Sara beruhigte, ,,…Allein wenn ich schon daran denke, bleibt mir der Atem weg…Dann meine Träume, die mich das alles nicht vergessen lassen, ich weiß bald nicht mehr, was ich machen soll!´´

,,Sicher war es schwer, damals, doch das liegt alles hinter dir und kann dir nichts mehr anhaben…´´ sagte Sara, ,,…Du sagtest, du hättest Träume. Was für welche?´´

Lara schluckte: ,,…Ich sehe es einfach immer wieder und wieder, fast jede Nacht…´´ nach einer kleinen Pause fuhr sie dann fort und blickte Sara in die Augen, ,,…In meinen Träumen durchlebe ich all das noch mal. Seit Ägypten…bis hin zu…Paris und Prag…Ich sehe es immer wieder…´´

Den letzten Satz hatte sie nur geflüstert, doch trotzdem konnte Sara sie hören.

,,Es scheint, das du mit dieser Sache noch nicht abgeschlossen hast, Lara. Du musst sie beenden und mit dir selbst in reine kommen, dann werden vermutlich auch die Alpträume aufhören!…´´ meinte Sara dann.

,,Ich glaube du hast recht!…´´ nickte Lara.

Plötzlich klopfte es und die Tür wurde vollends aufgemacht, allerdings nicht von demjenigen, der eben gelauscht hatte.

,,Hey, Ladies…´´ begann Zip und trat mit Alister ein, ,,…Hört mal, da wir ja erst morgen aufbrechen, wollten mein Kumpel und ich etwas um die Häuser ziehen, um mal etwas abzuschalten. Wollt ihr uns begleiten?´´

Sara blickte zu Lara, die ihr auffordernd mit einem Geh-nur-Blick zunickte und Sara sagte dann zu Zip und Alister: ,,Ja, warum nicht! Was habt ihr denn vor?´´

,,Ach nur ein bisschen die Stadt angucken, denn wir haben die Vorbereitungen für morgen schon getroffen!´´ entgegnete Alister.
Sara stand auf, doch Lara blieb sitzen.

,,Was ist mit dir? Kommst du nicht mit?´´ fragte Alister.

Lara schüttelte den Kopf: ,,Nein, ich bleibe hier. Geht nur, wenn ihr wollt!´´

,,Nicht du auch noch! Kurtis ist auch schob abgesprungen!´´ meinte Zip.

Lara zuckte nur mit den Schultern: ,,Es ist besser so, ich muss einen klaren Kopf behalten und über einiges nachdenken!´´

Sara sah ihre Freundin abermals an: ,,Na gut, dann bleib hier! Wir bleiben auch nicht allzu lange weg!´´

,,Okay…´´ machte Lara und blickte wieder zu Boden.

,,Kommt Jungs!´´ sagte Sara auffordernd und verließ dann mit Zip und Alister das Zimmer…

Eine Viertelstunde später klopfte Lara an dem Zimmer der Männer an, da sie ja wusste, das Kurtis noch da war.
Er öffnete auf prompt die Tür und war erstaunt: ,,Lara? Ich dachte, du würdest mit den anderen mitgehen! Komm doch rein!´´

,,Danke…´´ sie trat ein und er schloss die Tür wieder, ,,…Nein, ich will mich auf morgen vorbereiten. Sara hat sie begleitet!´´

Kurtis nickte und kam zu ihr: ,,Was wolltest du?´´

,,Ich wollte mir Alisters Ausdrucke noch mal anschauen und mir die Region einprägen.´´

,,Ja, sicher…´´ er ging zum Couchtisch und reichte ihr dann die Dokumente, ,,…und wie geht es dir?´´

Lara blickte ihn etwas verwundert an: ,,Gut! Immer noch!´´

,,Was macht der Kopf? Und deine Hüfte?´´ fragte er.

Lara entgegnete daraufhin: ,,Ich sagte doch, es geht mir gut, warum fragst du mich das?´´

,,Naja, ich versuche nur ein Gespräch mit dir anzufangen, denn eigentlich hatten wir noch kein richtiges!´´ entgegnete er.

,,Schön, aber ich glaube, du hast da bereits völlig falsch angefangen!…´´ Lara war amüsiert und wandte sich dann zum gehen.

,,Lara, warte!…´´ sagte er und sie drehte sich mit fragendem Blick wieder zu ihm um, ,,…Willst du wirklich den ganzen Abend mit Alisters Aufzeichnungen verbringen?´´

Lara nickte.

,,Hast du nicht Lust vielleicht etwas spazieren zu gehen? Ich meine, vielleicht kommen wir ja so ins Gespräch!´´ fragte er etwas verschüchtert und Lara blickte ihn dabei perplex an. Dieses Verhalten von ihm war ihr neu.

,,Spazieren gehen? Mit dir?´´ fragte sie grinsend, nicht recht wissend, was sie denken sollte.

,,Ja…´´ antwortete er knapp, doch trat sich innerlich selbst in den Hintern.

…Oh Mann, jetzt hast du sie vergrault!…Kurtis du Idiot!…

Doch dann zuckte Lara mit den Achseln: ,,Warum nicht!´´

Kurtis konnte sein siegerisches, breites Grinsen, das auf seinem Gesicht entstand, nicht mehr unterdrücken…