um mal etwas abzuschalten…
,,Schöne Stadt!´´ sagte Kurtis dann, um die Stille zu brechen, die sich zwischen sie gelegt hatte, nachdem sie bereits etliche Zeit nebeneinander hergegangen waren.
Die Straßen waren von hohen Häusern umzäunt und etliche Autos und Fußgänger waren unterwegs. In der Nähe ihres Hotels war ein kleiner Park, durch den sie jetzt gingen.
Er war mit vielen verschiedenen Bäumen und Büschen besiedelt und einem großen See, der beim Sonnenuntergang, durch das sich brechende Licht, zu glitzern begann.
Lara nickte: ,,Ja, hier ist alles noch so einfach und unkompliziert!´´
,,Was willst du denn damit sagen?´´ fragte Kurtis und blickte zu ihr.
,,Naja, es ist nicht London, oder New York…Es ist einfach unkompliziert!´´ meinte Lara, als sie so durch die Straßen gingen.
Kurtis zog einen Mundwinkel hoch.
,,Wo wohnst du eigentlich? Das hast du noch keinem erzählt!´´ fragte Lara dann.
,,Im Moment,…naja…´´ begann Kurtis und kratzte sich verlegen am Hinterkopf, ,,…Ich hatte ne kleine Bude in Paris, aber die Cabal hat sie angezündet, als sie mich fertig machen wollte, doch ich bin ihnen entkommen!…Ich konnte ein paar Sachen retten und mein Motorrad natürlich.´´
,,Was? Du bist also obdachlos?´´
,,Im Moment schon!…´´ entgegnete er, ,,…Aber das wird alles anders, wenn wir mit der Cabal fertig sind!´´
,,Freu dich nicht zu früh!…´´ ermahnte Lara, ,,...Es könnte uns unser Leben kosten!´´
,,Wir haben es schon einmal geschafft, Lara,…zusammen…´´ sagte er, ,,…und wir schaffen es wieder!´´
,,Gut zu wissen, das wenigstens einer von uns Optimist ist!´´
,,Naja, nachdem was Zip mir erzählt hat, bist du doch auch einer!´´
Lara schüttelte den Kopf: ,,Nicht mehr! Ich habe erkannt, das es besser ist, wenn man realistisch bleibt und aufhört sich irgendetwas schön zu reden!´´
,,Harte Worte!…´´ meinte Kurtis, ,,…Sag mal, was ich dich schon immer fragen wollte: Warst du schon immer so? Ich meine warum führst du so ein Leben? Ohne dir jetzt zu nahe treten zu wollen.´´
,,Du weißt gar nicht, wie oft ich das gefragt werde!´´ murmelte Lara und blickte kurz zu ihm.
,,Und?´´
,,Ich lebe dieses Leben - oder besser gesagt, ich lebte dieses Leben - weil ich Leben wollte!…´´ sie machte eine kurze Pause, ,,…Ich habe nach dem Tod meiner Eltern begriffen, dass das Leben in einer Sekunde vorbei sein kann und ich wollte jede Sekunde davon wirklich ausnutzen und nicht in einem alten Herrenhaus dahinvegetieren!´´
Kurtis nickte nachdenklich, dann fragte er: ,,Wirst du dieses Leben weiterführen, falls wir die Cabal überleben?´´
Lara brauchte lange, um eine Antwort zu finden und sagte dann: ,,Ich weiß es noch nicht. Ich habe in all den Jahren und in all meinen Abenteuern viele meiner Freunde verloren und ich frage mich, ob sich das wirklich alles dafür gelohnt hat!´´
,,Wie meinst du das?´´ fragte er.
,,Was habe ich denn in meinem Leben schon erreicht, außer ein paar Artefakte zu entdecken? Mir ist, als hätte ich die ganze Zeit in einem Traum gelebt, ohne Bezug zu der Realität!´´
,,Nein, das stimmt nicht!…´´ sagte Kurtis, ,,…Es hat sich gelohnt. Du hast so viel erreicht, von dem andere nur träumen können! Vielleicht hast du gerade, es zu schätzen verloren, klar, denn die letzten Monate waren sicherlich hart für sich, aber es wird wieder kommen! Glaub es mir, ich kenne das!´´
,,Ja?´´
,,Oh ja…´´ begann Kurtis, ,,…Nach dem Tod meines Vaters, war es für mich genauso. Alles hatte keinen Sinn mehr, ich wusste nur, ich musste seinen Mörder finden und ihn rächen! Das war der einzige Gedanke zu dem ich fähig war, nachdem Eckhardt den ganzen Orden der Lux Veritatis vernichtete…Doch ich habe überlebt.´´
,,Wieso eigentlich?…´´ fragte Lara dann, ,,…Wieso bist du damals entkommen, du warst…bist doch auch ein Lux Veritatis?´´
,,Ja, aber zu der Zeit wusste niemand, wo ich mich rumgetrieben habe!…Ich war ja, wie gesagt, bei dieser Fremdenlegion, um mal etwas Abstand von allem zu bekommen. Und das war mein Glück. Ich habe überlebt und der Orden lebt durch mich weiter, nur wird er mit mir aufhören zu existieren!´´
,,Das sollte es aber nicht!…´´ sagte sie, ,,…Euer Orden ist ein Stück Geschichte und es wäre Schade all das Wissen einfach zu verschwenden.´´
,,Ja, du hast sicher recht, aber wie soll ich das machen?…´´ entgegnete Kurtis.
,,Irgendwann wirst du sicher eine Antwort auf diese frage finden…´´ meinte Lara, ,,…Was ist mit deiner Mutter? Du sagtest sie lebt noch! Vielleicht kann sie dir…´´
,,Nein…´´ Kurtis unterbrach sie und schüttelte dabei den Kopf, ,,…Ich war schon ewig nicht mehr bei ihr und ich weiß überhaupt nicht, ob sie noch in Deutschland wohnt.´´
,,Wenn diese Sache hier vorbei ist, solltest du es herausfinden!´´ meinte Lara.
,,So einfach ist es nicht, Lara…´´ er sah sie wieder an, ,,…Ich hab sie nach dem Tod meines Vaters im Stich gelassen, mich einfach in der Nacht davongestohlen, um seinen Mörder zu suchen. Ich war noch nicht einmal auf seiner Beerdigung und habe bis heute nichts mehr von mir hören lassen. Ich kann ihr nicht einfach so unter die Augen treten!´´
,,Das verstehe ich und ich bin sicher sie verstehet es auch. Glaubst du denn nicht, sie würde sich nicht freuen, wenn du zu ihr gehst?…Also ich glaube das schon!´´
Kurtis lächelte hauchzart: ,,…Wer von uns ist denn jetzt hier der Optimist?…´´
Lara lächelte ebenfalls leicht und sie sahen sich kurz an.
,,Aber ich weiß noch nicht, ob ich sie besuche…´´ beendete Kurtis dann seinen Satz.
,,Kurtis…´´ unterbrach Lara sanft, ,,…Glaub mir, du solltest es tun! Und bring alles ins Reine, nicht das es irgendwann zu spät ist und du es bereust!´´
Er dachte nach und dann nickte er…
Sie waren wieder im Hotel und der Mond, der bereits hoch am Himmel stand, schien durch das Fenster auf dem Gang.
Das Piepen vom Fahrstuhl erklang und die beiden stiegen aus.
,,Also…´´ begann Lara, als sie an ihrem Zimmer angelangt war, ,,…Ich danke dir. Es war eine gute Idee. Das Gespräch hat mich von der anderen Sache etwas abgelenkt.´´
,,Ja, mir geht es genauso…´´ entgegnete Kurtis.
Lara nickte lächelnd und wollte ihr Zimmer betreten, als Kurtis sie zurückhielt: ,,Lara!´´
Sie drehte sich mit fragendem Gesicht wieder zu ihm: ,,Ja?´´
,,Danke, das du mir zugehört hast!…´´ dann grinste er, ,,…Wir haben miteinander gesprochen, ohne uns zu streiten!´´
Jetzt lächelte auch Lara: ,,Ja, das war wirklich ein Erfolg…Gute Nacht!´´ doch sie bemerkte, das sein Blick, wie er sie ansah, sich etwas verändert hatte.
Er nickte und wusste nicht recht, ob er es wagen sollte. Doch er gab sich einen Ruck.
Lara war wieder im Begriff ihr Zimmer zu betreten, als er sie abermals zurückhielt und diesmal legte er ihr eine Hand auf die Schulter: ,,Warte, geh noch nicht!´´
Lara drehte sich wieder zu ihm um und sah ihn dann an: ,,Was ist, Kurtis?´´
Kurtis schwieg eine Weile und blickte sie an.
Ihre großen, rehbraunen Augen hatten ihn verzaubert.
,,Lara, ich…´´ er verstummte und strich ihr eine rotbraune Haarsträhne hinters Ohr und seine Hand blieb in ihrem Nacken liegen.
Lara lief ein kalter Schauer über den Rücken, als sie dem Geschehen zusah, aber sie fand es irgendwie gut. Mittlerweile vertraute sie ihm und versank regelrecht in seinen ozeanblauen Augen.
Kurtis kam ihr noch näher, ohne den Blickkontakt zu unterbrechen, denn er wollte sehen, wie weit er gehen konnte.
Er wollte sie auf keinem Fall drängen, aber sein Instinkt sagte ihm, das er das jetzt tun sollte.
Laras Blick huschte hin und her. Sie war unentschlossen, aber ließ ihn fortfahren, denn sie wusste, was er vorhatte. Er beugte sich ein wenig und zog gleichzeitig, federleicht ihren Kopf zu sich hoch.
Lara schloss die Augen, genau wie Kurtis und dann berührten sich ihre Lippen in einem zärtlichen, innigen Kuss…
