Zu Eckhardts Versteck...?
Zwei Stunden waren vergangen und Kurtis hatte sich fertig gemacht, um zu dem Haus zu gehen.
Er schnallte sich gerade seinen Gürtel um und hängte das Chirugai daran, ebenso wie seine Boran X. Die ganze Zeit musste er immer wieder an Laras Worte denken.
,,Jetzt hört euch das an…´´ machte Alister erstaunt, der immer noch in dem Buch las. Zip kam näher und auch Kurtis kam hinzu.
Dann begann Alister laut vorzulesen: ,,…`und es wird vermutet, das die mächtigen, gefährlichen und noch schlummernden Kräfte des Nephillim auf den Alchemisten übergehen, der ihn tötet und er so zu unbeschreiblicher Macht gelangt´…´´
,,Cool!´´ machte Zip.
,,Naja, ich weiß nicht, ob ich das…cool fände…´´ räumte Alister ein, ,,…aber es ist interessant.´´
,,Warte, diese Kräfte des Nephillim gehen auf den Alchemisten über, der ihn tötet? Und was dann?´´ fragte Kurtis.
,,Keine Ahnung, mehr steht da nicht!´´ sagte Alister.
,,Wusstest du das nicht?´´ fragte Zip Kurtis.
,,Nein, ich hab nicht alle Bücher der Lux Veritatis gelesen…Aber ich erinnere mich, das mein Vater so was mal erwähnt hatte.´´ antwortete Kurtis.
Alister wollte gerade etwas hinzufügen, als es klopfte.
,,Oh, was werden die Ladies sein.´´ grinste Zip und ging zur Tür.
Kurtis fiel es nicht leicht Lara jetzt gegenüber zu treten und er senkte den Blick.
,,Hey…´´ grüßte Zip, doch verstummte, als nur Sara vor der Tür stand.
Sara nickte knapp und trat ein.
Sie blickte zu Kurtis, der immer noch etwas traurig aussah.
Zip schloss die Tür hinter ihr und kam dann mit ihr zu den anderen.
,,Hey, Sara, wo ist Lara?´´ fragte Alister.
Sara beschloss es einfach ganz schnell hinter sich zu bringen. Sie wusste, das sie ihr Versprechen brechen würde, aber sie konnte nicht anders, also sagte sie: ,,Lara ist schon weg.´´
,,Was?´´ entfuhr es Kurtis, Zip und Alister gleichzeitig.
,,Seit wann? Wieso?´´ fragte Zip, während Alister nur die Sprache wegblieb.
,,Ja, seit einer Stunde und bitte verurteilt mich jetzt nicht, ich musste ihr versprechen zu schweigen…´´ sagte Sara, ,,…Sie sagte, es würde wahrscheinlich zu gefährlich werden und sie will uns einfach in Sicherheit wissen.´´
,,Deswegen, lässt du sie einfach gehen?´´ fragte Alister, der seine Stimme wieder gefunden hatte und legte das Buch weg.
,,Es hat auch einen anderen Grund gehabt, aber darüber kann ich euch nichts sagen, weil ich geschworen habe, es für mich zu behalten…´´ Sara blickte kurz zu Kurtis, der dann wusste, das Lara wegen ihm gegangen war.
,,Und warum erzählst du uns das jetzt?´´ fragte Zip.
,,Ihr hättet es doch jetzt gleich sowieso herausgefunden und außerdem habe ich ein komisches Gefühl, bei der Sache…´´ antwortete Sara, ,,…Außerdem hatte ich eben eine Vision, als ich per Zufall Laras Shirt berührte.´´
,,Was für eine?´´ fragte Kurtis.
,,Ich habe Lara gesehen…´´ begann Sara, ,,…In den Händen von Gunderson und Rouzic und noch eine dritte Gestalt, von der ich glaube, das es Damian war…´´
Kurtis nickte und Zip und Alister tauschten Blicke…
Es wurde allmählich dunkel.
Lara stand vor dem Grundstück und sah es sich an.
Es war abgelegen von den anderen Gebäuden und ziemlich groß. Außerdem wurde es von einem, hohen, schwarzen, Efeu bewachsenen Zaun umrundet.
Lara blickte sich noch einmal um, um sicher zu gehen, das sie nicht beobachtet wurde und kletterte dann den Zaun empor.
Als sie rüber den drei Meter hohen Zaun kletterte, musste sie höllisch aufpassen, das sie sich nicht an den speerartigen Spitzen verletzte. Dann ließ sie sich wieder runter und hopste dann aus geringer Entfernung wieder zum Boden.
Lara sah sich um.
Das Grundstück war verwildert und um durch den Garten zu kommen brauchten man jetzt wahrscheinlich eine Machete. Allerdings war der Pfad zum Haus nur mit Steinen belegt.
Also schritt sie langsam auf das Haus zu, welches in der Mitte des Grundstücks stand und stieg die Treppen zur Veranda rauf.
Die Haustür war - wie sie es erwartet hatte - verschlossen, doch Lara öffnete sie mit einem Dietrich, den sie von Sara mal bekommen hatte.
Dann betrat sie das Haus…
Lara stand in einem Flur.
Der Holzboden war morsch und brüchig. Die Tapete an den Wänden, mit den Jahren zerfranst und ausgezehrt.
Es war feucht, da vermutlich das Dach undicht geworden ist.
Rechts neben ihr führte eine Holztreppe nach oben, die Lara allerdings ungern benutzen wollte, da sie dann vermutlich einbrechen würde.
Links, konnte sie die Reste des Wohnzimmers ausmachen und gerade aus sah sie die Küche, oder was noch davon übrig war.
Unter der Treppe, war eine Tür, die Laras Interesse erweckte.
Sie ging vorsichtig darauf zu, aber darauf bedacht, auch hier nicht einzubrechen. Mit jedem Schritt knarrte das Holz unter ihren Füßen bedrohlich laut.
Dann hatte sie die Tür auch schon erreicht und öffnete auch diese mit ihrem Dietrich. Sie stieß sie auf und gleichzeitig schaltete sie ihre Taschenlampe an dem Riemen ihres Rucksackes an und vor ihr war eine Treppe, die nach unten führte.
Lara ging nach unten in den Keller.
Sie folgte dem steinernen Flur und stand dann vor einer steinernen Tür, mit lateinischen Buchstaben, die in einem Kreis angeordnet waren.
In dem Kreis befand sich ein Drehknopf aus Stein auf einer Seite eine kleine Spitze.
Es war ein Mechanismus, durch die man die Tür öffnen konnte, wenn man den Drehknopf auf die Buchstaben stellte, die das `Losungswort´ bilden.
Das wusste Lara, denn wie oft hatte sie ein solches Rätsel in Gräbern schon vorgefunden…
Plötzlich hörte sie hinter sich ein Geräusch.
Lara zog blitzschnell ihre Waffen und drehte sich um, doch dann entspannte sie sich etwas, als sie eine Ratte erblickte, die in einer Ecke des Flures saß und quiekte.
…Bleib bloß da sitzen…dachte sie, steckte die Waffen wieder in die Holster an ihren Hüften und wandte sich dann wieder zur Tür.
…Wenn das wirklich der Zugang zu Eckhardts versteck war und von Johannes Heissturm erbaut wurde, dann muss das Wort das wir suchen, irgendetwas damit zu tun haben…
Ihre Gedanken kreisten und sie probierte es mit vielen Wörtern.
Das einfachste wäre natürlich Lux Veritatis, doch es geschah nichts. Alchemist, Eckhardt, Wahrheit, Nephillim und Heissturm waren auch nicht die richtigen Worte. Ebenso wenig wie Gefangener oder Johannes oder ewiges Versteck.
Sie seufzte, doch plötzlich kam ihr eine Idee.
…Wenn ich diesen Laden erbaut hätte…würde ich das nehmen, was keiner erwartet…
Sie umfasste erneut den schweren Drehknopf und stellte ihn zuerst auf das J und dann auf das H und plötzlich hörte sie ein Klacken und wusste das, sie richtig lag.
…J für Johannes und H für Heissturm…
Mit einem lauten kratzen, glitt die Tür auf und Lara erhaschte die ersten Blicke in den dahinter liegenden Raum.
Als die Tür vollends auf war, wartete Lara noch einen Moment, um sicher zu gehen, da sie sich nicht wieder von alleine schloss, dann erst betrat sie den Raum, der so gar nicht mehr nach einem `normalen´ Kellerraum aussah.
Die Steinmauern waren feucht und es tropfte irgendwo Wasser von der Decke. Der Boden, war uneben und zum Teil, durch die Feuchtigkeit auch glatt. Es roch modrig und alt, wie so viele Gräber, die sie schon besucht hatte.
Vor ihr war ein, wie ein Grabstein aussehender Felsblock mit einem Deckel, der ebenfalls aus Fels war.
Darauf war eine Inschrift auf Latein, die sie im Licht der Taschenlampe übersetzte: ,,…`Verschlossen, soll bleiben, was verborgen ist…Gefangen soll bleiben, wer unsterblich ist´…´´
Lara überlegte kurz: ,,Dann war das hier also wirklich Eckhards Gefängnis…´´
Sie atmete noch mal tief durch.
…Gut, das er nicht mehr da ist…Auf geht's…
Sie legte beide Hände an die Steinplatte und schob sie nach hinten.
Lara musste große Kraft anwenden, doch schließlich schaffte sie es, die Felsplatte, von dem Sockel herunter zu stoßen.
Sie stieß Luft aus und sah dann hinab.
Eine weitere Treppe war zu sehen, die abermals nach unten führte.
Lara stieg in das Loch und ging dann langsam die Treppen hinab. Erst jetzt konnte sie erkennen, das es sich um eine steinerner Wendeltreppe handelte und sie schien nicht enden zu wollen…
