Das Wiedersehen
Es war früher Abend, als sie in Deutschland angekommen waren.
Kurtis´ Mutter, Marie Heissturm, lebte in einem kleinen Örtchen nahe der französischen Grenze.
Dieses kleine Örtchen, lag nur ein paar Kilometer von einem Flughafen entfernt, wo sie ihr Flugzeug stehen ließen.
Jetzt standen sie, mit ihren Taschen, vor dem Haus, in dem Marie wohnte.
Ein allein stehendes, zwei stockiges, Haus mit einem großen Garten, einem Gartenteich und einer Garage.
Lara hatte bemerkt, das Kurtis sich etwas anders verhielt. Wahrscheinlich ging ihm das doch an die Nieren, seine Mutter nach so langer Zeit wieder zu sehen.
Er blickte Stumm zu dem Haus und dem Fenster im Erdgeschoss, in dem Licht brannte.
Kurtis überlegte, wie es wohl sein würde, seinen Mutter nach allem was geschehen war, wieder zu sehen und er fragte sich, wie sie wohl reagieren würde.
Würde sie sich ebenfalls freuen?
Würde sie ihn in die Arme schließen, oder gar beleidigt sein, da er sie hat glauben lassen, er wäre tot?
Er wusste nicht, wie seine Mutter reagieren würde und er wusste auch nicht, ob sie einfach so hereinplatzen konnten oder durften. Doch in anbetracht ihrer aussichtslosen Situation, hatten sie keine Wahl.
Lara kam zu ihm und legte ihm behutsam eine Hand auf die Schulter. Sie flüsterte: ,,Alles klar?´´
Kurtis sah sie an.
Er hatte einen Entschluss gefasst und nickte: ,,Kommt.´´
Er ging den Hof entlang, zur Haustür. Lara, Zip und Alister folgten ihm und blieben stehen, als er klingelte…
Es dauerte einen Moment, bis sie Schritte hörten und dann wurde die Tür zaghaft von einer älteren Frau geöffnet.
Die Frau erstarrte, als sie die Tür vollends öffnete und den jungen Mann erblickte, der vor ihr stand: ,,Junge?…´´ die ältere Frau war völlig perplex, doch setzte ein herzliches Lächeln auf, ,,...Du lebst!´´
Kurtis nickte.
Seine Mutter kam vor und schloss ihn in die Arme.
Kurtis erwiderte das und war erleichtert seine Mutter wohlauf zu sehen.
Marie hatte ebenfalls schwarze, mittlerweile leicht gräuliche Haare, war einen Kopf kleiner, als Kurtis und recht kräftig.
Sie löste sich von ihm und sah ihn an: ,,Oh, Kurtis…Ich hatte von Prag gehört und mir solche Sorgen gemacht.´´
,,Eckhardt hat seine Strafe bekommen, Mutter.´´ entgegnete Kurtis.
Marie nickte lächelnd: ,,Ich bin so froh, das du zurück gekommen bist…´´ sie pausierte kurz und konnte es gar nicht lassen ihren Sohn anzusehen, doch blickte dann an ihm vorbei zu den anderen, ,,…Sind das deine Freunde?´´
,,Ja…´´ begann Kurtis, räusperte sich und stellte sie einander vor, ,,…Mutter, das ist Zip…´´ Er zeigte auf den Computerfreak, der mit der Hand winkte.
Dann zeigte Kurtis auf den Bücherwurm: ,,…und das ist Alister…´´
Alister nickte der Frau freundlich zu.
,,Jungs, das ist meine Mutter, Marie Heissturm.´´ sagte Kurtis dann und schließlich zeigte er auf Lara, ,,…und das, Mutter, ist Lara Croft.´´
Auf Maries Gesicht erschien Verwunderung: ,,Oh?´´
Lara kam vor und reichte Marie die Hand: ,,Es freut mich Sie kennen zu lernen, Mrs. Heissturm.´´
Marie lächelte knapp: ,,Die Freude ist ganz meinerseits…´´ doch Marie bemerkte, als sich ihre Hände berührten, das etwas ungewöhnliches an der Engländerin war und ihr verging das Lächeln. Sie beschloss, die junge Frau im Auge zu behalten.
Lara bemerkte Maries Gesichtsausdruck und zog ihre Hand dann langsam zurück.
Marie wandte sich wieder an ihren Sohn und setzte erneut ein Lächeln auf: ,,Vielleicht sollten wir erst mal rein gehen…´´
Kurtis nickte und als Marie ihre Gäste rein bat und die Tür hinter ihnen schloss, sagte sie nebenbei: ,,Gum wird sich sicher auch freuen…´´
,,Gum?´´ fragte Zip murmelnd und folgte Kurtis und den anderen in die Küche, wo er seine Tasche neben die der anderen stellte.
Marie kam ihnen hinterher und rief durchs Haus: ,,Gum…Komm mein Junge, sieh mal, wer wieder da ist.´´
,,Er lebt noch?´´ fragte Kurtis.
Marie nickte: ,,Ja, er ist zwar alt, aber bei bester Gesundheit.´´
Dann kam Gum die Treppen herunter angetrippelt.
Es war ein Golden-Retriever Rüde mit goldenen Fell und verschlafenem Gesichtsausdruck. Doch als der Hund Kurtis erblickte, fing er wie wild mit dem Schwanz an zu wedeln und tapste auf sein einstiges Herrchen zu.
Kurtis ging lachend in die Hocke und begrüßte seinen alten Freund: ,,Hey, mein Junge…´´ er streichelte ihn und ließ sich seine Hände von dem Hund lecken, ,,…Na, hast du mich vermisst?´´
Lara sah ihm zu und sie mochte es, wie er mit dem Tier umging. Für kurze Zeit war sie in Gedanken versunken.
Marie grinste breit: ,,Sicher hat er das…´´
Der Hund erblickte Zip und Alister und schnupperte an beiden. Zip grinste: ,,Cooler Hund.´´ Doch Alister blickte etwas verstört drein: ,,...Ja sehr…cool…´´
,,Keine Sorge, er beißt nicht.´´ sagte Kurtis und erhob sich lächelnd.
Alister nickte leicht grinsend und musste dann niesen: ,,Ich bitte um Entschuldigung.´´
,,Kaum sieht der einen Wauwau, fängt er mit seiner Allergie an…´´ sagte Zip genervt und kraulte den Hund am Ohr.
,,Kann ich da was dafür?´´ fragte Alister leicht beleidigt und schniefte in ein Taschentuch, das er aus seiner Jackentasche gezogen hatte.
Marie und Kurtis tauschten Blicke und grinsten amüsiert.
Dann sprang der Hund an Lara und wedelte mit dem Schwanz.
,,Ist ja gut…´´ auch sie kraulte ihn und ging in die Hocke, ,,…du bist ein netter Hund…´´ sie blickte zu Kurtis, ,,…Du hast gar nicht erwähnt, das du einen Hund hast.´´
,,Ja…mein Vater hat ihn mir einmal geschenkt, kurz bevor er weg gegangen war.´´ antwortet Kurtis.
Gum leckte Lara noch immer die Hand und sie lächelte.
Kurtis sah ihr dabei zu und fand sie einfach unwiderstehlich. Er mochte es, wie sie mit dem Tier umging und war für kurze Zeit Gedankenversunken.
,,Warum bist du nicht schon früher gekommen, Kurtis?´´ fragte Marie schließlich.
Kurtis erwachte aus seinen Gedanken und seufzte: ,,…Ich konnte nicht. Nach Vaters Tod, da…´´ er brach ab und fing einen neuen Satz an, …Es tut mir Leid.´´
Lara erhob sich in der Zwischenzeit wieder und hörte der Unterhaltung der beiden, genau wie Gum, Zip und Alister, zu.
,,Schon gut…´´ Marie drückte die Hand ihres Sohnes, während sie strahlte, ,,…Hauptsache du bist jetzt da und es geht dir gut…Ich freue mich ja so über euren Besuch.´´
,,Mutter…´´ begann Kurtis und klang völlig ernst, ,,…das stimmt nicht ganz…Wir brauchen deine Hilfe.´´
Marie blickte fragend drein: ,,Was ist passiert?…´´ sie bemerkte, wie ernst alle drein schauten und sagte dann, ,,…Erzählt es mir.´´
,,…Du mein Güte.…´´ murmelte Marie, nachdem Kurtis ihr alles ausführlich erzählt hatte, was in den letzten Tagen geschehen war.
Marie hatte sie vorhin ins Wohnzimmer geführt, wo sie sich auf die Couch gesetzt hatten. Der Hund lag in einem Korb neben dem Kamin und hatte alles im Auge.
Es war ein gemütliches Zimmer.
In der Ecke stand ein kleiner Kamin, indem ein Feuer brannte. Ein Esstisch stand hinter der Couch, die sich vor dem Fernseher und neben den Fenstern zur Straße befand. Das Zimmer war in warmen Farben, rötliche bis bräunliche, eingerichtet.
Marie schluckte und nahm einen Schluck Tee, den sie sich und ihren Gästen gemacht hatte, dann fragte sie: ,,…Ihr wart also wirklich, in Minsk, in Eckhardts Versteck?´´
,,Ja, obwohl ich immer dachte, er wäre in der Burg Kriegler versteckt worden.´´ antwortete Kurtis ihr.
,,Das war nur Tarnung, um seine Verbündeten zu verwirren…´´ sagte Marie und konnte es kaum fassen, ,,…Aber…das ist da wieder raus gekommen seid…Und das an Bord der Veritatis wirklich noch Luft ist, ist beeindruckend.´´
,,Ja, etwas stickig, aber es ging. Wie kommt dieses Schiff eigentlich verkehrt herum auf den Meeresboden? Ich wusste nicht mal, das wir Schiffe hatten…Warum hat Vater mir das nie erzählt?´´ fragte Kurtis dann.
,,Er hat dich in die Geheimnisse des Ordens der Lux Veritatis eingeweiht, schon von deiner Kindheit an, aber es gab einige Sachen, die er dir noch nicht erzählen konnte….Erst wenn du seinen Platz als Anführer angenommen hättest, hätte er dir alles erzählt, auch die Sache, in die ihr jetzt rein geraten seid…´´ gab Marie zu Antwort und fügte noch hinzu, ,,…Die Veritatis wurde 1888 gebaut. Aber durch die Schattenkriege gegen das Böse und eine riesige Flutwelle, durch den Alchemisten ausgelöst, ist sie und viele andere Schiffe gesunken…Als der zweite Weltkrieg Krieg zu Ende war, haben dein Vater und seine Ordensbrüder die restlichen Schiffe verkauft, um die Burg Kriegler wieder aufzubauen, die durch die den Krieg ja fast komplett zerstört wurde…Wer hätte gedacht, das dann die Cabal sie einmal übernehmen würde…´´
,,Ich verstehe…´´ murmelte Kurtis.
,,Kurtis…´´ begann Marie und blickte ihrem Sohn in die Augen, ,,…was genau führt euch jetzt zu mir?…Ich meine, wie soll ich euch helfen?´´
Kurtis räusperte sich: ,,Mutter, wenn du irgendetwas weißt, über diese Sache, dann musst du sie uns sagen, denn Gunderson hat eine Freundin von uns in seiner Gewalt.´´
,,Es geht um mehr, als es den Anschein hat. Und es würde viel zu gefährlich werden…Ich will dich nicht gefährden, mein Junge…´´ sagte Marie, ,,…Wenn die Cabal sich doch ohnehin schon an dir und deinen Freunden rächen will, dann solltest ihr so weit weglaufen, wie ihr nur könnt. Oder hast du vergessen, Kurtis, was sie deinem Vater angetan haben?´´
,,Mutter, bitte!…´´ unterbrach Kurtis strikt, dem die Unterhaltung zu weit ging, ,,...Es ist die einzige Chance, die wir haben…Mich zu verkriechen ist nicht meine Art und ich denke, Laras auch nicht…´´ er blickte kurz zu Lara, die ihm gegenüber saß und sah dann wieder seiner Mutter an, ,,…Du musst uns sagen, was du weißt.´´
Marie seufzte.
Sie wollte ihren Sohn nicht in Gefahr wissen. Sie hatte ihn ja gerade erst wieder bekommen. Doch sie konnte ihn auch verstehen.
,,Na gut…´´ begann Marie, trotz ihrer inneren Warnsignale, ,,…Es hat alles angefangen, als Johannes damals mit den anderen Eckhardt in das Versteck in Minsk einsperrten…´´
Lara, Kurtis, Zip und Alister, hörten Marie aufmerksam zu…
