Burg Kriegler
,,Wieso warst du eigentlich auf dem Friedhof?´´ brach Lara endlich die Stille zwischen ihnen, denn seit sie aufgebrochen waren, hatten sie geschwiegen. Sie hatten nur das nötigste gesprochen.
Kurtis war sogar auf dem Flug nach Dresden eingeschlafen.
Jetzt waren sie mit einem Wagen unterwegs zur Burg Kriegler, den Stammsitz der Cabal.
Kurtis, der den Wagen fuhr, blies den stinkenden Qualm seiner Zigarette aus dem offenen Fenster, in die kühle Nachmittagsluft und fragte: ,,Wie meinst du das?´´
,,Na, so wie ich es gesagt habe. Warum warst du auf dem Friedhof?´´ fragte Lara noch mal.
Kurtis zog noch einmal an seiner Zigarette und ließ den Dunst abermals durch das Fenster entweichen. Dann antwortete er: ,,…Ich habe meinen Vater besucht.´´
,,Und das ist wirklich die Wahrheit?´´ fragte Lara nach einigen Augenblicken und blickte dabei durchdringend zu ihm rüber.
Kurtis blickte kurz zu ihr und sah ihren fragenden Blick. Als Kurtis dann wieder auf die Straße blickte, erhob er das Wort: ,,Ja auch…naja…vielleicht habe ich auch etwas nachgedacht…´´ er machte eine kurze Pause, ,,…Ich weiß nicht wieso, aber ich hatte irgendwie die Hoffnung, das ich dort eine Antwort finden würde.´´
,,Worauf?´´ fragte Lara.
Kurtis seufzte: ,,Keine Ahnung…Für alles, mein Leben, dein Leben, unser aller Leben…Warum das alles eben so gekommen ist…Ich kann nicht akzeptieren, das du…´´ er brach ab, denn es kam ihm nicht über die Lippen.
Lara hingegen wusste, wie sie seinen Satz beenden konnte: ,,…das ich sterbe?´´
Sie blickte zu ihm und sein Schweigen war ihr Antwort genug.
Die Archäologin ergriff erneut das Wort: ,,Kurtis…ich weiß, das du dir Gedanken machst, mir geht es keineswegs anders. Was glaubst du, was es für ein Gefühl ist zu wissen, das man sterben wird?…´´ sie sah wieder zu ihm rüber, ,,…Aber du musst sofort aufhören daran zu denken, sonst macht es dich wahnsinnig und du hast keinerlei Konzentration mehr.´´
,,Ja, das weiß ich Lara, aber es fällt mir verdammt schwer…Ich kann das nicht begreifen, das du meinetwegen…´´ er brach wieder ab.
,,Was?´´
Kurtis seufzte und schippte die Zigarette aus dem Fenster: ,,Das ist alles meine Schuld gewesen…´´ er blickte kurz zu ihr und dann erneut zur Straße, ,,…Ich bin Schuld, das du jetzt…´´ nach einigen Sekunden, fing er allerdings anders an, ,,…Versteh mich nicht falsch, aber es war mein Job gewesen, Eckhardt damals fertig zu machen und hätte ich besser aufgepasst, hätte er mich nicht gefangen genommen…Wir wären nicht Boaz zum Fraß vorgeworfen worden und wir hätten uns nicht trennen müssen…´´ nach einer kleinen Pause, fuhr er fort, ,,…Dreh es wie du willst, Lara, aber hätte ich mich damals richtig verhalten, hätte ich Eckhardt und den Nephillim erledigen können anstatt du…Nur meinetwegen, hast du diese Kräfte erhalten und nur meinetwegen, wirst du durch sie sterben.´´
,,Nein…´´ sie legte ihm eine Hand auf die Schulter, ,,…bitte sag das nicht…Wer hätte denn ahnen können, das es so kommen wird?…Du hast mir damals das Leben gerettet und auch jetzt.´´
,,Lara, es tut mir Leid…´´ begann er.
,,Nein!…Es darf dir nicht leid tun!…´´ ermahnte sie ihn, ,,…Es war meine Entscheidung gewesen damals gegen Eckhardt und Karel anzutreten und den Nephillim zu zerstören…´´ sie schluckte uns sagte dann, ,,…und ich werde es erneut tun. Ich werde gegen die Cabal antreten….Denn wenn ich schon sterben werde, dann will ich es wenigstens in Frieden tun und dafür Sorgen, das die kein Unheil mehr anrichten können.´´
Kurtis hatte seine Hand auf die ihre gelegt und blickte erneut kurz zu ihr rüber: ,,…Wir werden eine Lösung finden!´´
,,Wenn es eine Lösung gibt…´´ flüsterte Lara, ,,…bist du der einzige, der sie finden kann.´´
Wieder blickte er zu ihr und nickte knapp…
Der Wagen stoppte auf einer schmalen Waldstraße, nahe am Dickicht und das Licht der Scheinwerfer ging aus.
Mittlerweile dämmerte es, denn die Sonne verschwand hinter dem Wald.
Lara und Kurtis stiegen auf und gingen zum Kofferraum.
Er öffnete ihn und ein Waffenarsenal kam zum Vorschein.
Kurtis nahm seine Boran X und steckte sie in den Schulterhalfter an der linken Seite. Sein Messer steckte er an die linke Seite seines Gürtels und sein Chirugai hängte er an die rechte Seite. Dann schnappte er sich ein Headset und zog es an. Seine restliche Ausrüstung verstaute er in den Beuteln seines Gürtels.
Lara hatte es ihm gleich getan. Ihre beiden neun Millimeter Pistolen, steckten in den Holstern an ihrer Hüfte und ihr Messer steckte in einem Schaft, der an der Außenseite ihres rechten Stiefels befestigt war. Auch sie zog sich ihr Headset an.
Lara und Kurtis trugen beide, schwarze Kleidung, um in der Burg weniger aufzufallen, doch sie hatte stets ihren dunkelbraunen Glücksrucksack dabei, indem sich auch ihre restliche Ausrüstung befand.
,,Bist du so weit?´´ fragte sie ihn dann.
Kurtis nickte: ,,Ja, die Burg liegt etwa eine halbe Stunde zu Fuß von hier in östlicher Richtung. Wir können sie gar nicht verfehlen.´´
Lara nickte knapp, als Zeichen, das sie es verstanden hatte.
Sie waren absichtlich so weit davon entfernt geblieben, damit niemand ihr kommen bemerken würde.
Die Archäologin drückte auf den kleinen Knopf an ihrem Headset, genau wie Kurtis und sie sagte: ,,Hey, Jungs, sied ihr noch wach?´´
Es knisterte durch das Headset und dann ertönte Zips Stimme: ,,Ja, wir sind hellwach, Lara, ich nehme an, ihr seid angekommen?´´
,,Ja, so gut wie. Es wartet noch ein kurzer Fußmarsch auf uns und dann sind wir an der Burg...´´ entgegnete Lara, ,,…Habt ihr irgendwelche Infos für uns?´´
Zip antwortete direkt: ,,Ja, Marie hat einen alten Plan der Burg gefunden und ich habe ihn per Mail an deinen PDA geschickt. Du müsstest ihn gleich bekommen.´´
Lara zückte ihren Mini-Computer aus ihrem Rucksack und schaltete ihn an: ,,Danke Zip…Ich habe zwar einen persönlichen Führer dabei,…´´ sie blickte zu Kurtis und lächelte, ,,…aber wer weiß, was uns dort noch erwartet.´´
,,Sicher ist sicher…´´ gab Kurtis von sich, ,,…Können wir dann?´´
Lara nickte und sagte dann zu Zip: ,,Wir melden uns wieder, wenn wir an der Burg sind.´´
,,Verstanden.´´ antwortete Zip.
Kurtis nickte Lara zu und sie folgte ihm…
Wieder schweigend eilten sie im Laufschritt durch den Wald.
Es war dunkel geworden und der Wind wehte heftig und kalt durch ihre Gesichter.
Vor ihnen wuchs die schwach beleuchtete Burg Kriegler, wie aus dem Boden. Lara und Kurtis hatten sich der Burg von der Seite genähert.
Die Burg erschien Pechschwarz und da sich ein leichter Nebelschleier in dem Wäldchen und um die Burg gebildet hatte, wirkte diese in dem goldgelben Mondlicht fast gespenstig.
Lara und Kurtis hockten sich in das dichte Gestrüpp neben einem Laubbaum. Die Burgmauer, war noch knapp zehn Meter entfernt.
Sie lauschten und spähten beide nach oben, um etwaige Wachen zu erblickten, doch niemand war zu sehen. Die Mauern waren richtig hoch, geschätzte 30 Meter und man würde wahrscheinlich unbemerkt nur schwer hoch kommen.
,,Wir werden jetzt gleich da drin sein…´´ begann Kurtis und blickte über seine Schulter zu Lara, ,,…Die Gänge sind verzweigt angelegt und wenn man sich nicht auskennt, hat man sich schnell verlaufen. Wir haben zwar den Plan, aber wer weiß, wie viele Mauern die da bereits eingerissen und woanders wiedererrichtet haben. Wir sollten also aufpassen, das wir uns nicht verlieren.´´
Lara nickte und hörte ihm aufmerksam zu: ,,Aber wie sollen wir da rein kommen? Die Mauern sind sehr hoch.´´
,,Keine Sorge…´´ Kurtis nahm sich seinen Ring vom Finger, ,,…damit kommen wir unbemerkt hinein…Es gibt weiter unten, eine kleine Öffnung, in die der Ring passt. Man kommt so in einen Geheimgang…Komm mit.´´ Kurtis stand auf und ging zur Burgmauer.
Lara folgte ihm natürlich und sie waren beide leise.
Kurtis ging mit ihr ein Stück lang an der Mauer entlang bis er an Kletterefeu und dunkelgrünen Büschen stehen blieb.
Lara wusste, was kommen wurde. Es war einfaches, logisches Denken.
Kurtis streifte das Efeu beiseite und suchte am Boden nach der kleinen, runden Öffnung. Er suchte auch gar nicht lang, denn wenig später hatte er sie gefunden.
Lara hörte nur ein Knarren und ein reibendes Geräusch und dann fuhr ein 1 Meter breites Stück Mauer einfach so in den Boden.
Kurtis hatte natürlich den Ring wieder an sich genommen: ,,Den brauchen wir noch…´´ er deutete in den Gang, ,,…Ladies first.´´
Lara hatte die Hände auf ihren Waffen gelegt und betrat den schmalen Gang, der aber gleich nach dem Eingang wieder breiter wurde, sodass Kurtis sich neben sie stellen konnte.
Er tat es auch und drückte den Ring dann erneut in eine kleine Öffnung, damit der Durchgang sich wieder hinter ihnen schloss.
Sie waren in der Burg.
,,Nützliches Teil…´´ bemerkte Lara und deutete mit dem Kopf auf den Ring, nachdem es hier unten in dem gang keine Gefahr gab.
Kurtis nickte grinsend.
,,Ich kann nur hoffen, die Cabal hat diesen Gang nicht entdeckt.´´
,,Nein…´´ entgegnete er, ,,…Es sind nur diese Ringe, die hineinpassen und außer meinem und dem deines Vaters hatte ja niemand solch einen Ring.´´
Lara nickte und blickte dann nach vorne: ,,Wo führt dieser Gang denn hin?´´
,,In die jeweiligen Stockwerke der Burg, aber es gibt je nur ein Weg…´´ antwortete Kurtis und fuhr dann fort, ,,…Mein Vater hat diese Gänge angelegt, als Fluchtmöglichkeit. Leider wurden sie nie genutzt.´´
,,Was die Spinnweben und der Dreck erklären würde…´´ murmelte Lara und leuchtete mit ihrer Taschenlampe, die an ihrem Rucksackriemen befestigt war, den Gang entlang.
,,Auf jeden Fall, werden wir so nicht entdeckt, vorläufig zumindest.´´ entgegnete Kurtis.
,,Auf jeden Fall müssen wir jetzt in den Keller oder Kerker…Denn dort werden die Sara vermutlich gefangen halten, oder was meinst du?´´ fragte Lara und blickte Kurtis an.
Er nickte und wollte etwas sagen, doch plötzlich bewegte sich etwas vor ihnen in dem Gang. Etwas helles und es hatte eine menschliche Silhouette.
Die beiden erschraken und Lara drehte den Kopf zu dem Etwas, das dort erschien und sie glaubte, das schon mal gesehen zu haben.
Kurtis zückte seine Boran X und zielte auf das Etwas, beriet zum schießen, doch Lara legte ihre Hand auf die seine Waffe und sagte: ,,Warte!…´´Lara blickte das Etwas an, das an Form gewann und zunehmend vertrauter wirkte…
