Komm zurück zu mir!
Er lächelte: ,,Meine liebste Lara…lange habe ich auf diesen Tag gewartet…´´ Richard Croft blickte seine Tochter an, ,,…Oh Lara…so lange habe ich mich danach gesehnt dich wieder zu sehen, doch du solltest noch nicht hier sein. Deine Zeit ist noch nicht gekommen…´´
,,Vater…´´ unterbrach Lara mehr als verwirrt, was durch ihren Blick zur Oberfläche kam, ,,…Du bist…hier?…Wo…bin ich?´´
,,Du bist tot, Lara…´´ sagte Richard einfühlsam, ,,…Du bist gestorben und hast dein irdisches Leben hinter dir gelassen. Du befindest dich auf einer Zwischenebene auf der Seelen darauf warten wiedergeboren zu werden, doch es ist noch zu früh für dich. Du solltest noch nicht hier sein…´´
,,Was?…Vater, ich verstehen nicht…´´ unterbrach Lara ihren Vater. Sie konnte immer noch nicht glauben, das er wirklich vor ihr stand. Zugleich war sie aber etwas irritiert, da sie sich überhaupt nicht tot fühlte.
,,Du musst zurück, Lara.´´
Lara blickte ihren Vater an: ,,Jetzt wo ich dich endlich gefunden habe?…Vater ich kann dich doch nicht…´´ sie streckte die Hand nach ihm aus.
Sie spürte Glück in sich, denn endlich hatte sie ihren Vater wieder, der ihr vor so vielen Jahren geraubt worden war.
,,Nein!…´´ unterbrach Richard und wich zurück.
Perplex sah Lara ihn an und verstummte.
,,Du darfst mich nicht berühren. Noch gehörst du nicht vollends hierher, doch wenn du mich berührst, dann ist deine Seele für immer verloren.´´
Lara glaubte nicht, was sie hörte. Ihr Blick hatte sich noch immer nicht verändert. Wollte sie überhaupt zurück in ihr altes Leben?
Sie wusste es nicht recht, denn hier war doch alles so einfach.
,,Bitte Lara, meine Tochter…´´ begann Richard, ,,…du bedeutest mir mehr als alles andere auf der Welt. Deine Zeit ist noch nicht da!…Hör dieses eine Mal auf mich. Geh zurück solange du noch Zeit dazu hast.´´ Er drängte seine Tochter regelrecht.
,,Was meinst du damit?´´
,,Wenn du zu lange hier bleibst, dann gibt es kein zurück mehr. Du musst wieder in deinen Körper, bevor er zerfällt.´´ erklärte Richard und in seine Augen spiegelten sich Fürsorge und Sehnsucht.
,,Ich weiß nicht, wie ich das machen soll und es ist mir auch egal…Alles was ich je wollte, war es dich und Mutter wieder zu finden. Ich wollte nicht länger alleine sein!´´ sagte Lara und ihre Augen wurden feucht.
,,Du bist nicht allein, Lara…´´ entgegnete Richard, ,,…ich war immer bei dir, wenn du mich gebraucht hast. Außerdem hast du deine Freunde und Kurtis.´´
Lara wunderte es gar nicht, das ihr Vater das wusste. Er hatte früher schon immer irgendwie alles gewusst.
,,Aber…´´ begann Lara, ,,…das ist nicht das selbe…Vater, ich…´´
,,Nein, Lara…´´ unterbrach Richard, ,,…auf dich wartet noch eine Zukunft. Ein Leben.´´
Lara schüttelte den Kopf: ,,Jetzt wo ich hier bin, habe ich nicht die Kraft dazu. Ich weiß, was hier ist. Wer hier ist. Es gibt so vieles, über das ich mit dir reden will. So viele Fragen, die mich seit deinem Verschwinden belasten und die mir niemand beantworten kann.´´
,,Meine Tochter, du hattest schon immer deinen eigenen Kopf, aber diesmal hast du keine Wahl. Du musst zurück.´´ drängte Richard.
,,Wieso bist du noch hier?…´´ begann Lara, ,,…Wenn du sagtest, das man hier auf die Wiedergeburt wartet, warum bist du nach all den Jahren noch hier? Dein Aussehen hat sich kaum verändert.´´
,,Zeit hat hier keine Bedeutung, Lara…´´ erklärte Richard, ,,…Wenn bei euch ein Jahr vergeht, vergeht hier bei und nur etwa eine Stunde. Deswegen sehe ich auch noch genauso aus, wie damals…Aber wir haben jetzt keine Zeit.´´
,,Ich werde nicht zurück kehren. Ich will hier bei dir…´´ ,,Nein…´´ unterbrach Richard wieder, ,,…Lara du gehörst hier nicht hin!…´´ dann brach Richard ab, als er etwas hörte.
,,Was ist?´´ fragte Lara.
,,Er kommt…´´ sagte Richard, ,,…er wird dich zurück bringen.´´
,,Was? Wer?´´ fragte Lara verwirrt.
,,Vertrau ihm, Lara…´´ begann Richard, ,,…und vergiss niemals, das ich immer bei dir sein werde, wenn du mich brauchst, oder an mich denkst. Denn wenn du an mich denkst, dann kann ich das hören…´´
,,Vater…´´ begann Lara und wollte ihren Vater wieder berühren.
Doch Richard wich zurück: ,,Nein! Du darfst mich nicht anfassen!..´´
Lara hielt inne und ließ ihre Hände wieder sinken.
Dann sprach Richard weiter: ,,…Ich bin so unheimlich stolz auf dich, Lara…´´ er lächelte kurz, wurde dann aber wieder ernst, ,,…Meine kleine Lara…ich hoffe das du eines Tages wenigstens deine Mutter wieder finden kannst und das ihr beide mir dann vergeben könnt, das ich nicht mehr bei euch bin.´´
,,Vater bitte…lass mich nicht schon wieder allein! Wir hatten so wenig Zeit zusammen.´´ eine Träne lief ihr über die Wange.
,,Ich weiß mein Kind, aber ich habe keine Wahl und du ebenso wenig…´´ Richard blickte sie traurig an und zog sich dann zurück.
,,Nein, bleib hier!´´ sagte Lara und wollte ihrem Vater hinterher, doch dichter Nebel zog auf und Lara konnte ihren Vater nicht mehr sehen.
Ihr Herz pochte laut, so aufgeregt war sie.
,,Ich liebe dich meine Tochter, vergiss das niemals!´´ hallte Richards Stimme durch den Nebel.
,,Vater!´´ schrie Lara durch den Nebel und drehte sich mehrmals, um ihn wieder zu erblicken. Sie wollte nicht wahr haben, das ihr Vater schon wieder von ihr ging.
Richard gab keine Antwort mehr von sich.
Dann hörte sie plötzlich auch schon Schritte und drehte sich um…
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Zuerst dachte Lara, ihr Vater sei zurück gekehrt, doch es war nicht Richard, den sie auf sich zulaufen sah. Es war wieder ein Mann in dunkler Kleidung.
Sie war jetzt mehr als verwirrt.
Alles erschien ihr unsinnig und sie fühlte sich verloren.
,,Lara?´´ rief er und ihr Name halle als Echo wieder.
Lara stockte, denn sie erkannte die Stimme. Sie erkannte ihn. So wie sie keine andern erkennen würde. Es war Kurtis.
Der Nebel wich und er lief auf sie zu.
,,Oh Lara…´´ Kurtis umarmte sie, ,,…ich dachte, ich hätte dich verloren!´´
Seine Umarmung strotzte nur so vor Sehnsucht und Erleichterung. Er hatte sie endlich wieder gefunden.
Lara entgegnete seine Umarmung zögerlich, doch dann löste sie sich von ihm: ,,Kurtis?…Was machst du hier?´´
,,Ich bin gekommen, um dich zurück zu holen. Du musst mit mir kommen, Lara.´´ sagte er hastig und drängend.
,,Wenn du hier bist, dann bist du auch…´´ begann sie, doch er unterbrach: ,,Nein, ich bin nicht tot. Noch nicht. Ich habe meinen Geist auf die Suche nach dir geschickt, aber ich halte hier nicht lange durch. Du musst jetzt mit mir kommen, damit wir unser beider Leben retten.´´
Lara sah ihn an und stotterte etwas: ,,Ich kann nicht, mein Vater…er ist hier.´´
Kurtis blickte sich um, doch der weiße Nebel war zu dicht.
Er wusste nicht, ob es so gewesen war. Vielleicht bildete Lara sich das ein, denn er hatte niemanden sonst gesehen oder gehört.
Kurtis nahm ihr Gesicht in seine Hände und blickte ihr tief in die Augen: ,,Lara, hör mir zu, Liebling…Du musst mit mir zurück kommen.´´
,,Ich…ich weiß nicht wie.´´
,,Doch du weißt es…´´ begann er, ,,…und nur du allein, kannst auch die Lösung finden. Du weißt doch noch, was du mir über das fünfte Element, die Quintessenz gesagt hast. Es steht für grenzenlose Energie und aus ihm sind die anderen vier entsprungen. Wenn unser beider Geist stark genug ist, dann wirst du wieder leben, Lara. Du musst es nur wollen…Nimm meine Hand.´´
Er streckte seine Hand nach ihr aus, doch wusste, das sie den ersten Schritt machen musste.
Lara drehte den Kopf nach hinten, um ihren Vater noch einmal zu sehen, doch er war weg. Sie wusste, das sie ihn nie wieder sehen würde.
,,Lara…´´ Kurtis´ Stimme ließ sie wieder zu ihm blicken.
,,Kurtis.´´ sagte sie.
,,Süße, bitte…ich brauche dich…´´ begann er, ,,…Ich weiß, das du verwirrt bist, das ist normal und ich kann dir auch später alles erklären, aber du musst mir vertrauen.´´
Ihr fielen die Worte ein, die ihr Vater eben zu ihr sagte: Vertrau ihm.
,,Das tue ich…Das habe ich schon immer getan.´´ entgegnete sie, doch zögerte noch immer.
,,Dann weißt du, das es nur einen Weg für dich gibt…´´ er strich ihr mit beiden Händen das Haar hinters Ohr, ,,…Ohne dich ist es nicht mehr wie es war. Komm zurück…zu mir!´´
Lara schluckte und schloss kurz die Augen.
Sachte strich sie ihm mit ihrer Rechten über die Wange, so wie sie es getan hatte, als sie im sterben gelegen hatte.
Lara wusste, das sie loslassen musste.
,,Ich habe das Gefühl, das ich das nicht schaffe…´´ murmelte sie.
Die Grabjägerin war so unentschlossen und wusste einfach nicht, was sie machen sollte. Wenn sie hier bleiben würde, wäre alles so einfach und unkompliziert, doch dann würde sie ihre Freunde vermissen. Und Kurtis.
Sie wollte nichts sehnlicher, als mit ihm zusammen sein.
Bei ihm zu bleiben.
Doch das hieße dann, das sie ihren Vater für immer verlieren würde, mit dem sie doch so wenig Zeit zusammen hatte und den sie so sehr vermisste.
,,Doch du wirst es schaffen…´´ Kurtis blickte ihr wieder in die Augen und riss sie aus ihren Gedanken, ,,…Du weiß doch, was ich dir versprochen habe?…Ich werde dich da raus holen…und das lebendig…´´ er redete weiter auf sie ein, ,,...Denk an deine Freunde, sie werden das nicht verstehen. Und ich auch nicht. Lara, erinnere dich, bei allem was dir heilig ist…Ein anderes Schicksaal wartet auf dich. Deine Zeit ist noch nicht vorbei.´´
Lara schloss die Augen und nickte.
Dann flüsterte sie: ,,Ich weiß…´´ sie schluckte erneut und Tränen kullerten ihr über die Wange, ,,…ich will nicht mehr ohne dich sein, Kurtis. Ich liebe dich so sehr!´´
Kurtis legte seine Stirn an die ihre und eine Hand in ihr Genick: ,,Dann komm mit mir mit. Wir werden es schaffen und dann zusammen sein.´´
Lara löste sich von ihm und sah ihm in die Augen.
Sie versank in ihnen. Langsam beugte Lara sich vor und legte ihre Hände auf seine Brust. Dann küsste sie ihn.
Sie wusste nicht, was geschehen würde, denn sie war innerlich völlig aufgewühlt, aber sie wollte das so sehr. Kurtis spürte das und erwiderte ihren Kuss.
Dann löste sie sich von ihm und trat eine Schritt zurück.
Sie hatte einen Entschluss gefasst und es war allein ihre Entscheidung gewesen.
Kurtis blickte sie fragend an.
Dann blickte Lara auf ihre Hände. Sie waren durchsichtig geworden und irgendwie fühlte sie sich ganz komisch. Ganz leicht.
Genauso fühlte sich auch der Rest von ihr an und obwohl ihr Entschluss zu Leben fest stand, war ihr das, was da gerade mit ihr passierte, ganz und gar nicht geheuer.
War sie etwa zu lange dort gewesen?
Gab es denn kein zurück mehr?
,,Lara!´´ hauchte Kurtis, als er das sah.
Lara blickte ihn an und Kurtis schüttelte hektisch den Kopf: ,,Du darfst nicht gehen! Du darfst mich nicht verlassen.´´
,,Ich werde dich niemals verlassen…ganz gleich was passiert.´´ entgegnete Lara.
Kurtis blickte erschrocken drein, als Lara vollends durchsichtig wurde.
Er war aufgeregt, denn er wusste nicht was da passierte. Sie hätte seine Hand ergreifen sollen und er hätte sie dann mit zurück gezogen, doch so sollte es nicht sein.
Er wusste, das Lara dabei war zu verschwinden: ,,Lara, warte, ich will dich doch retten!´´
Kurtis griff nach ihrer Hand, doch glitt durch sie hindurch.
,,Das hast du doch bereits…´´ ihre Stimme klang weit weg, denn Lara war fast nicht mehr sichtbar. Mit einem mal spürte sie Wärme und wusste, das es so richtig gewesen war.
Sie hätten nicht zusammen zurück kehren können.
Kurtis hätte es geschafft, doch sie nicht, das wusste Lara, doch nur durch seine Hilfe, hier und jetzt, war sie nun im Stande dies hier zu tun.
Lara schloss die Augen.
Sie hatte keine Zeit ihm das zu erklären und sie wusste, das er sie hier suchen würde, und nicht rechtzeitig in seinen Körper zurückkehren könnte. Nun lag es an ihr: ,,…jetzt lass mich dich retten, Kurtis…´´ Ihre Worte drangen leise in Kurtis´ Ohr, der perplex und verwirrt zu ihr blickte.
Ein Windhauch wehte Kurtis ins Gesicht und er war gezwungen kurz weg zu blicken. Als er wieder aufsah, war Lara weg.
Panisch blickter er sich um. Seine Augen suchten nach ihr: ,,Lara!…Lara wo bist du?´´
Er lief vorwärts, in den weißen Nebel, der ihn umschlang. Seine verzweifelten Augen suchten hektisch nach ihr: ,,Lara?…Antworte mir!´´
Keine Antwort kam und er befürchtete sie nun wirklich verloren zu haben.
Doch er gab nicht auf.
Er wollte es einfach nicht wahr haben…
