Das Ende des Alptraumes
Langsam regte sie sich wieder und sie fühlte Wärme.
Die eisige Kälte war gewichen.
Lara öffnete langsam und ganz sachte ihre Augen und musste sie erst an die enorme Helligkeit hier gewöhnen.
Wo war sie?
Alles war schon wieder so weiß um sie herum. Doch von irgendwo konnte sie leises Vogelgezwitscher hören.
Dann erkannte Lara weiße Wände um sich herum und zu ihrer linken war ein Fenster, aus dem noch mehr Helligkeit in den Raum strömte. Sie befand sich anscheinend in einem Krankenhaus.
Die Sonne schien strahlend hell an diesem Tag und Lara erkannten den wolkenlosen, blauen Himmel.
Kurze Zeit lag sie still, weil es einfach ein schöner Anblick gewesen war. Die Dunkelheit und das Grauen von letzter Nacht waren vorüber.
Lara fühlte sich so gut wie seit Tagen nicht mehr. Sie atmete tief durch.
Dann regte sich jemand zu ihrer rechten und Lara bemerkte, das ihre Hand gehalten wurde.
Langsam drehte sie den Kopf nach rechts und erblickte Sara.
Sie saß auf einem Stuhl neben ihr und ihr Kopf lag auf Laras Bett. Sara hielt ihre Hand, schien allerdings noch zu schlafen.
Lara lächelte.
Ihre Freundin sah niedlich aus und eigentlich würde Lara sie noch schlafen lassen, doch die Grabjägerin wollte ein paar Antworten und drückte die Hand ihrer Freundin.
Sara wachte auf und rieb sich den Schlaf aus den Augen. Sie trug frische Kleidung.
Dann blickte die Polizistin zu Lara und lächelte ebenfalls.
Sara setzt sich zu Lara auf das Bett und umarmte sie: ,,Hey Lara…du bist wieder wach…Wie geht es dir?´´
Lara nickte lächelnd: ,,Besser…´´ sie lösten sich voneinander, ,,…Wo sind wir? Was ist passiert?´´
Sara reichte Lara ein Glas Wasser vom Nachttisch und nachdem Lara sich aufgesetzt und das Glas entgegen genommen hatte, trank sie durstig ein paar Schluck.
,,Du bist bewusstlos geworden…´´ erklärte Sara unterdessen, ,,…Dann ist auch schon gleich die Polizei aufgetaucht, denn Zip, Alister und Marie haben sie verständigt. Die Polizei hat die Burg gestürmt und den Rest der Bande einkassiert…´´ Sara schluckte, ,,…Wir konnten dich nicht aufwecken, also haben wir dich in ein Krankenhaus gebracht. Du hast fast sechs Stunden geschlafen…Die Ärzte konnten nichts ungewöhnliches feststellen, außer, das du ´ne geprellte Hüfte hast. Auch deine Stichwunde daran verheilt gut…Allerdings waren sie etwas verwundert über deinen hohen Blutverlust, da das nicht von der Wunde an der Hüfte kommen kann.´´ Dabei blickte Sara Lara mit hochgezogenen Augenbrauen an.
Lara zog einen Mundwinkel hoch, stellte das Glas auf den kleinen Nachttisch zurück und murmelte: ,,Naja, ich bin ja auch verblutet, wenn man es genau nimmt…Es ist also alles vorbei?´´
,,Ja das ist es…´´ entgegnete Sara erleichtert, ,,…Jedenfalls sollst du dich etwas ausruhen, aber es spricht nichts dagegen, das du wieder mit nach hause kannst…´´
Lara nickte nachdenklich.
,,…Ich weiß was geschehen ist,…´´ begann Sara dann, ,,…aber ich verstehe nicht, wie du zurück gekommen bist. Was ist passiert?´´
,,Weißt du…´´ entgegnete Lara und blickte ihre Freundin an, ,,…ich wundere mich, das ich mich noch daran erinnern kann. Ich weiß jede Einzelheit, aber wie ich zurück gekommen bin…´´ Lara überlegte, was sie jetzt sagen sollte, ,,…ich weiß es nicht. Das ist alles irgendwie schleierhaft und ich kann es nicht recht in Worte fassen. Kurtis war da und…Oh Gott…´´ sie stoppte abrupt.
,,Was ist?´´ fragte Sara besorgt.
,,Kurtis…´´ Lara blickte Sara hoffnungsvoll in die Augen.
Sie wusste noch immer nicht, was mit ihm geschehen war. Sie wusste noch, das er nicht mehr geatmet hatte, doch dann war alles weg.
Was wenn er es nicht geschafft hatte?
Was wenn sie versagt hatte?
Lara machte sich noch immer große Sorgen um ihn.
Sara lächelte dann direkt und strich ihrer Freundin eine Haarsträhne hinters Ohr: ,,Keine Sorge, Süße…Kurtis geht es gut…´´
Lara schloss vor Erleichterung die Augen und begann ebenfalls leicht zu lächeln. Diese Nachricht ließ ihr nicht nur einen Stein vom Herzen fallen.
Sie hatte es geschafft.
Er lebte.
,,Wo ist er?´´ fragte Lara dann.
,,Draußen auf dem Flur, bei Zip, Alister und seiner Mutter…´´ Sara stand auf und ging zu einem kleinen Tisch, auf dem Kleidung lag. Sie nahm sie und brachte sie zu Lara zurück: ,,Hier sind ein paar frische Kleider, die anderen haben für uns alle Sachen mitgebracht. Zieh dich an, ich werde ihn rufen.´´
Sara zwinkerte Lara ´dabei zu.
Sie wusste, was zwischen den beiden war und sie wusste, das Lara und Kurtis sich jetzt sicher sehen wollten.
Lara nickte dankend und nahm die dunkelblaue Jeans und das rote Shirt. Auch frische schwarze Unterwäsche, Strümpfe und Schuhe waren dabei.
Die Archäologin wunderte sich kein bisschen, das Zip, Alister und Marie her gekommen waren. Sie hatten gewusst, das ihre Freunde in der Klemme steckten und waren zur Stelle. Das mochte Lara an ihren Freunden so. Sie waren immer da, wenn man sie brauchte.
Als Sara gegangen war, zog Lara ihren Krankenhauskittel aus und schlüpfte in ihre eigene, warme Kleidung.
Es tat gut.
Es war endlich vorbei.
Kaum hatte sie ihre Kleider und Schuhe angezogen, ging ihr Blick zu ihrem rechten Handgelenk. Sie trug ein Bändchen mit ihrem Namen. Kurzerhand riss sie es ab.
Dann klopfte es plötzlich…
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Lara drehte sich erwartungsvoll um: ,,Ja?´´
Die Tür ging auf und er trat langsam ein. Auch er trug frische Klamotten. Hinter sich schloss er dann die Tür und blickte auf.
Ihre Blicke trafen sich.
,,Lara…´´ hauchte Kurtis erleichtert und lächelte breit.
Er konnte nicht fassen, das es geklappt hatte. Gestern Nacht noch hatte er gedacht, dass er sie verlieren würde, doch nun stand sie vor ihm.
,,Kurtis…´´ entgegnete Lara genauso erleichtert und auch sie lächelte.
Sie konnte ihren Blick nicht von ihm lassen und war so unsagbar froh. Letzte Nacht hatte sie fürchterliche Angst, ihn zu verlieren, doch nun stand er vor ihr.
Beide dachten an die letzte Nacht.
Sie hatte alles grundlegend zwischen ihnen verändert. In jeder Hinsicht und das wussten beide. Alles würde ab jetzt anders laufen.
Sie waren nicht mehr nur Lara und Kurtis, sondern von nun an waren sie eins.
Kurtis ging los, auf sie zu.
Lara tat es ihm gleich, ihr Herz klopfte schnell und machte einen Aussetzer. Dann umarmten sie sich. Sie schlossen beide die Augen und genossen die Nähe des anderen.
,,Geht es dir gut?´´ fragt Kurtis dann nach einigen Momenten.
Sie nickte nur eifrig, doch brachte kein Wort heraus.
Es war eine lange Umarmung und Lara lehnte ihren Kopf gegen seine Brust. Kurtis drückte sie sachte an sich und hielt sie einfach nur fest.
Sie wollten sich nicht mehr voneinander lösen.
Die Zeit war vergessen und sie wussten nicht, wie lange sie so verharrten, aber es war so schön gewesen, endlich wieder vereint zu sein. Zusammen zu sein und jetzt würde auch nichts und niemand sie mehr trennen können.
Dann löste sich Kurtis plötzlich von ihr und zuckte leicht zusammen.
Lara bemerkte das und blickte zu ihm auf.
Seine Miene war etwas schmerzverzogen und Lara fragte besorgt: ,,Was hast du?´´
Kurtis fasste sich mit der rechte Hand an die rechte Seite: ,,Rippen gebrochen…´´
Lara legte ihre Hand behutsam auf seine Verletzung.
,,Gunderson?´´ sie blickte ihm in die Augen.
Kurtis nickte, doch lächelte: ,,Ja, es war da, als er mich getreten hat, aber keine Sorge, das wird wieder. Die Hauptsache ist, das es dir gut geht und das du lebst.´´
Lara nickte und blickte ihn weiterhin an. Ihre Hand nahm die Seine und hielt sie fest.
Kurtis grinste und legte dann eine freie Hand an ihre Wange: ,,Lara, deine Augen…´´
Sie blickte fragend drein.
,,…sie sind wieder braun…´´ sagte Kurtis dann, ,,…Das wundervollste Braun, das ich je gesehen habe und das mich vom ersten Moment an verzaubert hat. Sie strahlen wieder diese Wärme und Vollkommenheit aus.´´
Lara lächelte ebenfalls und umarmte ihn dann wieder voller Sehnsucht, darauf bedacht, ihm nicht weh zu tun.
Er gab ihr einen federleichten, liebevollen Kuss auf die Stirn. Lara blickte daraufhin hoch und sah ihm in seine Augen.
Sie griff ihm mit der linken ins Genick und zog seine Kopf sachte zu sich herunter. Gleichzeitig stellte sie sich auf die Zehenspitzen.
Kurtis legte hauchzart seine Hände an ihre Taille und dann berührten sich ihre Lippen…
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Es klopfte wieder und kurz darauf ging die Tür auf.
Lara und Kurtis wichen langsam auseinender. Dann blickten sie zur Tür.
Ein fröhlich grinsender Zip trat herein, gefolgt von einem lächelnden Alister. Zum Schluss kamen dann noch Marie und Sara rein, doch das bekam Lara nur am Rande mit, denn Zip war ihr schon um den Hals gefallen. ,,Hey, schön das du noch unter den Lebenden wandelst.´´ begrüßte der Computerfreak sie.
Lara entgegnete seine Begrüßung und nickte.
Dann lösten sie sich von ihm und Alister begrüßte sie: ,,Mensch, wir haben uns echt Sorgen gemacht.´´
Lara lächelte wieder: ,,Ja, aber es ist ja jetzt alles wieder vorbei.´´
Sie zweifelte keine Sekunde daran, das Kurtis und Sara ihren Freunden allen bereits erzählt hatten, was in der Burg geschehen war.
Lara war froh, ihre Freunde wieder zu sehen. Es fühlte sich fast so an, als könnte ihr Herz aus ihrer Brust springen und vor Freunde anfangen zu tanzen.
Dann, nachdem sich auch Alister von ihr löste, trat Marie vor Lara.
Verwundert blickte Lara die ältere Dame an und es wunderte sie, das Marie auf sie zukam.
Marie streckte die Hand aus und legte sie behutsam auf Laras Schulter: ,,Liebes, ich hoffe du kannst mir verzeihen, das ich anfangs so abweisend war…Ich weiß nun, was geschehen ist und du bist die Kräfte des Nephillim - Gott sei dank - los und du lebst…´´ Marie setzte ein Lächeln auf, ,,…Vielleicht können wir einen Neuanfang starten.´´
Lara begann ebenfalls zu lächeln und nickte schließlich: ,,Ja, das können wir, Mrs. Heissturm.´´
,,Komm her…´´ die ältere Dame kam vor und drückte Lara.
Es war sonderbar.
Obwohl sich die beiden Frauen kaum kannten, war es doch so angenehm gewesen. Genau wie damals bei Kurtis. Lara hatte ihn auch kaum gekannt, doch sie fühlte sich sofort, vom ersten Moment an, an seiner Seite geborgen.
Schließlich lösten sie sich und blickten sich kurz an.
In Maries Augen spiegelten sich Freude und Güte und Lara wusste, das sie einen neue Freundin gewonnen hatte…
,,So, und nun? Wir sind alle halbwegs wohl auf, aber was machen wir jetzt?´´ fragte Zip und unterbrach so die Stille.
Lara blickte auf: ,,Was ist mit Sammy und Madeleine? Geht es ihr besser?´´
Zip und Alister grinsten sich an, dann blickte Alister zu Lara: ,,Gestern Abend hat mein Handy geklingelt…es war Sammy…´´
Lara blickte gespannt drein, dann sprach Alister weiter: ,,…Madeleine ist aufgewacht und es geht ihr wieder bestens.´´
Lara lachte erleichtert und fasste sich an den Kopf: ,,Oh Gott sei dank…´´
,,Ja, die beiden sind auch schon auf dem Weg nach hause. Es war, als wäre Madeleine nie ins Koma gefallen, denn die Ärzte konnten nichts außergewöhnliches feststellen, also haben sie, sie gleich auf eigenen Wunsch von Madeleine entlassen…´´ ergänzte Zip, ,,…Die beiden wissen auch schon über alles bescheid und eigentlich wollten sie zu uns kommen, doch wir haben gesagt, das es nicht nötig ist. Sie erwarten uns zuhause in England.´´ Den letzten Satz hatte er deutlich betont.
Lara konnte es kaum fassen.
Madeleine lebte, sie war aufgewacht und sie war wieder völlig gesund.
Noch ein Stein fiel ihr vom Herzen und Lara fühlte sich, als wäre eine große Last von ihren Schultern genommen worden.
,,Das war jetzt eigentlich das Stichwort…´´ bemerkte Sara dann lächelnd.
Lara blickte auf: ,,Hm…?´´
Kurtis legte einen Arm um ihre Schultern, woraufhin Lara zu ihm blickte.
,,Naja, wir sind hier fertig…´´ begann er dann und sah ihr in die Augen, ,,…Die Cabal ist endgültig vernichtet. Es hindert uns also nichts mehr daran zurück nach England zu fliegen…Außerdem hab ich mein Motorrad noch bei dir stehen.´´ Den letzten Satz hatte er scherzhaft und grinsend gesagt.
Lara lächelte ihn an und nickte.
Dann sah sie wieder zu ihren Freunden: ,,Gehen wir nach hause, Leute!´´
