Eine halbe Stunde später klingelte es an der Tür.
„Ich geh schon!", rief Harry und ging in den Flur. Als er die Tür öffnete standen eine bildhübsche Hermine und ein schlaksiger Ron vor ihm.
„Hey ihr zwei! Schön, dass ihr gekommen seit!", begrüßte er sie.
„Hallo Harry! Super, dich endlich wieder zu sehen! Das Haus sieht ja sehr schön aus von vorne!", bemerkte Hermine, ihr braunes Haar wie immer offen und über die Schultern gelegt..
„Hey Harry!", kam die kurze Begrüßung von Ron.
Während die drei in den Flur gingen und Harry Ron und Hermine ein paar Hausschuhe gab, kam auch Ginny die Treppen hinunter.
„Hallo ihr zwei! Schön, euch endlich wiederzusehen! Ich hab euch so vermisst!", rief sie aus und umarmte ihren Bruder und ihre Freundin.
„Hey mein kleines Schwesterchen! Schönes Haus habt ihr euch da zugelegt!"
„Hallo Ginny! Ich freu mich auch so sehr, euch wiederzusehen!"
„Lasst uns doch gleich ins Esszimmer gehen! Das Essen ist soweit auch fertig und ich denke mal, Ron, du wirst bestimmt Hunger haben!"
Ihr Bruder nickte zustimmend und das Quartett begab sich in Richtung Esstisch.
„Wow, das sieht aber sehr hübsch aus, Ginny!", fand Hermine als sie die Dekorierung sah.
„Danke! Setzt euch doch! Für uns beide hab ich Wein, wenn du möchtest, Mine?!"
„Aber gerne doch!"
Somit verschwand die Rothaarige in der Küche und holte den Rotwein aus dem Regal. Mit einem Korkenzieher öffnete sie diese und schenkte beiden Frauen einen Schluck ein.
„Du ein Butterbier, Ron?", fragte Harry seinen besten Kumpel.
„Aber immer doch!"
Und auch Harry verschwand in der Küche um zwei Flaschen zu holen. Ein paar Sekunden später hatten beide Männer ihre Flaschen in der Hand und stießen an.
„Auf uns und euer Haus!", sprach Ron.
„Auf uns und unser Haus!", bestätigte Harry und die beiden genehmigten sich einen großen Schluck. Ginny trug währenddessen die beiden Cremesuppen hinein.
„So, einmal Tomatencremesuppe und das andere ist Kürbiscremesuppe. Und keine Sorge, Ron, das ist nur die Vorspeise.", fügte sie hinzu, als sie das verdutzte Gesicht ihres Bruder erblickte.
„Ich dachte schon..."
Die Rothaarige füllte jedem seinen Teller mit der gewünschten Suppe und wünschte einen Guten Appetit. Die Männer schlangen das Essen geradezu in ihren Hals, während die Frauen genüsslich Löffel für Löffel aßen.
„Nun erzählt schon! Wie war es in Amerika?", fing Ginny das Gespräch an.
„Einfach fantastisch. Wir waren natürlich die Schule in Nevada besuchen. Sie heißt Washton. Der Schulleiter, John Kerry, hat uns das Schloss gezeigt. Größer als Hogwarts! Sie haben dort zwei Häuser. Boarten und Linston. Aber wieso sie so heißen, haben wir leider nicht erfahren können. Die Umhänge waren in einem tollen blau dort. Nicht dieses langweilige Schwarz von Hogwarts. Und niemand unterscheidet dort nach Schlauheit, Abstammung oder sonstigem. Ach ja, die Häuser sind auch nur vorhanden, weil die Jungen im Haus Boarten untergebracht werden und die Mädchen im Haus Linston. Also nicht so wie in Hogwarts.", schwärmte Hermine von ihrem Ausflug.
„Das hört sich wirklich super an! Sollte man vielleicht mal per Eule an Dashing schicken. Er könnte als Schulleiter doch bestimmt etwas daran ändern, oder meint du nicht?"
„Sicherlich nicht. Das ist einfach Tradition, leider." Hermine seufzte. Sie erinnerte sich nur ungern an die Meinungsverschiedenheiten zwischen den Häusern in ihrer Schulzeit.
„Na ja, egal. Erzähl weiter!"
„Ok. Und du hättest den Speiseraum sehen müssen! Doppelt so groß wie die Große Halle und so was von prunkvoll. Das gesamte Schloss an sich. Nicht so Rüstungen und Bilder in den Gängen. Nein. In Nischen standen kleine Sessel und Tische, damit die Schüler in den Pausen nicht zusammen in einem Raum auf Holzbänken sitzen mussten. Blumen überall verteilt und alles viel mehr beleuchtet. Und die Klassenzimmer erst! Da gab es ordentliche Stühle und Bänke. Die Zimmer waren warm und wirkten wesentlich gemütlicher. Die Unterrichtsatmosphäre war dort ganz anders. Ach, ich fand das so toll, mir diese Schule ansehen zu dürfen. Dafür liebe ich mich und meinen Job."
Ginny hörte ihren Erzählungen gespannt zu, während die Männer die Suppen gänzlich aufaßen.
„Was gibt's als nächstes?", unterbrach Ron die beiden.
„Du Vielfrass!", schimpfe Hermine und schüttelte den Kopf. Die Rothaarige ging unterdessen wieder in die Küche und holte die Hauptspeise.
„Wiener Schnitzel und Knieselkeulen zusammen mit Kartoffeln und Reis."
„Mhh, lecker!", rief Ron aus und stürzte sich zusammen mit Harry auf das Essen. Auch Ginny und Hermine nahmen sich etwas davon und setzten ihre Unterhaltung fort.
„Und was habt ihr noch so gemacht, außer der Besichtigung von Washton?", fragte Ginny.
„Wir haben uns New York angesehen. Die Stadt ist wirklich einfach nur riesig! Überall Menschen, wohin man nur sieht. Und das Zaubereiministerium steht auch dort. Ganz versteckt. Und nebenan gleich der Central Park. Wunderschön gemacht dort. Nicht wie bei uns, dass man als Besucher über die Telefonzelle hinunterfährt. Nein. Das ist über der Erde und ähnlich wie im St. Mungo. Von außen sieht es aus, wie ein altes Bürogebäude. Viele Leute fragen sich immer wieder, warum es nicht endlich abgerissen wird. Aber wir Zauberer wissen warum. Auf jeden Fall sind wir hinein und haben uns am Empfang angemeldet. Da konnte man richtige Führungen buchen. Was ich natürlich gleich gemacht hab. Jerry Kelton hieß der Guide. Er war wirklich sehr nett und hatte eine sehr deutliche Aussprache, so dass sogar das deutsche Paar ihn gut verstanden hat. Sie kamen übrigens aus Berlin. Beides hochangesehen Mitarbeiter aus dem deutschen Zaubereiministerium. Ich hab mich gut mit ihnen verstanden. Ron war natürlich eher abwesend und ist einfach nur hinterher getrottet. Aber kennt man ja nicht anders. Im Endeffekt haben wir dann Adressen getauscht und wir sollen sie bald alle mal besuchen. Ihr auch mit. Ich hab ihnen natürlich erzählt, wer meine Freunde sind. Und natürlich kannten sie Harry. War ja nicht anders zu erwarten."
Ginny nickte und lächelte.
„Ui, ich freu mich. Ein Ausflug nach Deutschland! Da wollte ich schon immer mal hin."
„Dacht ich mir doch."
„Mas nür ein Auftug?", fragte Ron mit vollem Mund.
„Schon wieder vergessen? Das Paar aus Deutschland im Zaubereiministerium in New York. Die beiden hatten uns vier doch zu sich nach Berlin eingeladen.", erinnerte ihn Hermine.
„Hört sich toll an.", mischte sich Harry ein.
„Achso. Die beiden meinst du. Alles klar, schon verstanden.", sagte Ron und wandte sich wieder seiner Knieselkeule zu.
Die beiden Frauen schüttelten ihre Köpfe und regten sich erst gar nicht weiter darüber auf.
„Das war natürlich immer noch nicht alles, aber ich will ja nicht die ganze Zeit nur am Erzählen sein. Wie habt ihr euer Jahr so verbracht?"
„Nun ja, es fing damit an, dass wir einen geeigneten Ort für unser Haus suchten. Luna half uns dabei und empfahl uns diesen Vorort, wo sie selber schon eingezogen war. Nachdem wir uns dann hier umgesehen hatten, stand das Ganze fest. Wir ließen das Haus bauen und zwei Monate später zogen wir ein. Die Nachbarn hatten sich bestimmt gewundert, dass ein Haus so schnell fertig gebaut werden kann. Aber wir haben ihnen einfach irgendwelche ausdachten Lügen erzählt. Ein paar Wochen nach uns hatte sich dann auch Neville entschieden, mit seiner Freundin hier her zu ziehen. Und es ist einfach alles wunderbar.", schwärmte Ginny.
„Neville und seine Freundin?", fragte Hermine.
„Ja, Cecilia heißt sie. Eine ganz liebe und nette. Wir können die beiden nachher noch besuchen, wenn ihr wollt."
„Aber gerne doch!"
Von der anderen Seite des Tisches hört man nun keine Geräusche mehr. Ginny sah auf.
„Gibt es noch was?", fragte ihr Bruder wieder.
„Sicherlich! Ich kenne dich doch. Nachspeise." Und wieder verschwand sie in der Küche um dann mit den zwei letzten Sachen zurückzukehren.
„Schokoladentorte und Fledermauskekse." Sie tat jedem ein Stückchen Kuchen auf den Teller und setzte sich wieder auf ihren Platz.
„Ich muss schon sagen! Du hast dir ja sehr viel Mühe gegeben. Es ist einfach sehr lecker!", lobte Hermine ihre Freundin.
„Ach, nicht der Rede wert, aber Dankeschön."
Sie aßen eine Weile schweigend ihre Kuchenstücken und die Kekse. Die vier hatten sich schon lange nicht mehr so wohl gefühlt und waren alle froh, dass sie diese Idee von einem gemeinsamen Abend gehabt hatten.
„Wollt ihr nun eigentlich über Nacht bleiben oder wieder nach Hause heute Nacht?", brach Ginny das Schweigen. Hermine sah ihren Freund an und sie gaben sich ein Zeichen.
„Wir bleiben hier, Schwesterchen."
„Super! Da freuen wir uns riesig. Das Gästezimmer ist soweit sogar fertig. Ich habe an alles gedacht.", schmunzelte die Rothaarige.
„Und was liegt noch so an nach dem Essen?", fragten Harry und Ron.
„Wir hatten überlegt, Neville noch einen Besuch abzustatten.", erzählte Hermine, „Und morgen könnt ihr uns dann ja euer Haus zeigen. Dann ist es wenigstens heller."
Ginny nickte zustimmen. „Geht klar."
Sie und Hermine räumten die Teller und das restliche Essen in die Küche, sprachen „Ratzeputz" aus und alles war wieder sauber wie vorher.
„Hach, ich liebe diese Zauberei dafür.", schwärmte Mine.
„Da stimm ich dir voll und ganz zu." Sie sahen sich an und grinsten beide.
