Kapitel 14
Schreibblockade Adieu! So wir sind fast am Ende angekommen. Viel Spaß mit diesem Kapitel :)
Nun stand sie da, die Halskette in der Hand. Sie schaute den blauen Stein unschlüssig an. Sollte sie sich nicht eigentlich freuen und es kaum erwarten können nach Hause zu kommen? Die Musketiere hatten sie bei Constance abgesetzt und sie wartete noch einen Moment bevor sie klopfte. Als ihr die Tür geöffnet wurde, erschien Constance vor ihr und lächelte sie an, als sie Lexie erkannte. Als sie jedoch Alexandras unschlüssigen Gesichtsausdruck bemerkte, runzelte sie die Stirn.
„Alles in Ordnung bei dir?"
„Wir können nach Hause.", war alles, was Lexie hervorbrachte.
„Meinst du damit, ihr habt den Anhänger gefunden? Das ist ja wunderbar!", freute sich Constance und umarmte Lexie stürmisch. „Ich freue mich so für euch. Ihr könnt endlich wieder zurück!"
„Uhum", stimmte Lexie wenig begeistert zu und versuchte in Constance Umarmung noch genügend Luft zu bekommen. Da bemerkte Constance, dass etwas nicht stimmte.
„Was ist den los? Stimmt etwas nicht?"
„Es ist nur...", begann Alexandra und konnte nicht mehr weiter reden, als ihr eine Träne die Wange herunterlief. Was war nur los mit ihr, sie wollte doch die ganze Zeit zurück, sie hatte doch an nichts anderes mehr gedacht, und jetzt, wo sie es konnte, war der Wunsch gar nicht mehr so groß. Warum wollte man nur immer das, was man nicht kriegen konnte? Eine zweite Träne löste sich und schon bald stand sie wortlos und Tränen überströmt in der Haustüre, eine verwirrte Constance vor ihr, welche sie jetzt sanft in das Haus schob.
„Ist ja schon gut", sagte sie und umarmte sie diesmal sehr viel sanfter als das erste mal. „Beruhige dich erst mal und dann erzählst du mir ganz in Ruhe, was passiert ist".
Lexie kam es wie eine Ewigkeit vor, bis sie wieder sprechen konnte. Constance wartete noch immer geduldig auf eine Erklärung.
„Ich bin mir einfach nicht mehr ganz so sicher, ob ich wirklich zurück will.", traute sich dann Lexie irgendwann zu sagen. Ein bisschen ängstlich über Constances Reaktion schaute sie zu ihr auf.
„Aber du hast doch so hart dafür gekämpft, zurück zu kommen", hakte Constance nach. Sie hatte das Gefühl, dass Lexie ihr eine wichtige Information verschwieg und sie würde nicht so schnell aufgeben.
„Es ist nur so, ich habe euch alle so lieb gewonnen und irgendwie gefällt es mir hier ja auch ganz gut. Klar will ich auch zurück, aber es ist so schwer, weil ich weiß, dass ich nicht beides haben kann". Alexandra versuchte der Frage noch immer auszuweichen.
„Ich weiß, es ist nicht leicht!", sagte Constance mitfühlend und schaute ihr in die Augen. Dann fügte sie lächelnd hinzu: „Wenn man diese Musketiere einmal lieb gewonnen hat, wird man sie nicht mehr los!"
Lexie erwiderte das Lächeln und bekam einen etwas verträumten Gesichtsausdruck, der auch Constance nicht entging. Besonders, da sie ihn von sich selber nur allzu gut wiedererkannte.
„Oder handelt es sich da vielleicht um ein bestimmtes Musketier?"
An Lexies überraschter Reaktion erkannte sie sofort, dass sie ins Schwarze getroffen hatte. Als Lexie keine Antwort gab, ermutigte Constance sie noch einmal: „Du kannst es mir ruhig erzählen, ich weiß doch selber, wie schnell man sein Herz an sie verlieren kann.
Lexie schaute ihr in die Augen. „Aramis", sagte sie leise.
Als Lexie Leah von ihrer neusten Entdeckung berichtete, konnte diese sich vor Freude kaum noch halten. Überstürzt umarmte Leah ihre Schwester und hüpfte dann aufgeregt im Zimmer auf und ab.
„Wir können nach Hause! Das ist so toll, endlich werden wir alle wiedersehen und alles wird wieder normal werden. Wann können wir denn los? Ich würde mich am liebsten sofort auf den Weg machen!...", Alexandra hatte große Mühe den Wortschwall ihrer Schwester unter Kontrolle zu bekommen. Sie wünschte sich, sie könnte sich genauso sehr freuen.
„Athos wird und übermorgen hin bringen. Die Anderen müssen einen Auftrag erledigen.", antwortete Lexie in nicht so begeistertem Tonfall auf Leahs Frage.
„Super!", freute sich Leah weiter und schien in ihre aufgeregten Erwartung Alexandras schlechte Laune gar nicht richtig zu registrieren. Erst als sie abends im Bett lagen, fiel Leah auf, dass mit ihrer Schwester etwas nicht stimmte.
„Was ist los", fragte sie unsicher, „du bist so still!"
„Willst du wirklich so dringend zurück?", fragte Lexie und blickte dabei weiter an die dunkle Decke.
„Ja, natürlich. Ich meine, ich werde auch einiges vermissen. Constance zum Beispiel. Aber wir gehören hier nicht hin, unser Zuhause ist nicht hier!"
Alexandra seufzte „Du hast recht". Damit drehte sie sich auf ihre linke Seite und eine Träne begann ihre Wange herunter zu laufen.
Leah war eine Zeitlang still, bis sie sich dann traute zu fragen: „Aber du willst nicht weg, oder?". Leah musste schlucken bei diesen Worten, denn sie fühlte, wie sich ein Kloß in ihrem Hals bildete.
Ein Schweigen und eine angespannte Stimmung bereitete sich zwischen zwischen den Geschwistern aus, bis Lexie wieder sprach: „Was gibt es denn schon Zuhause?"
„Unsere Freunde, unsere Familie! Alles, was wir lieben!", Leah liefen nun auch die Tränen herunter. Was war nur los mit ihrer Schwester?
Lexie konnte einen Schluchtzer nicht mehr verbergen. „Und was ist, wenn hier auch jemand ist, den ich liebe?"
„Was?", Leah war jetzt eindeutig verwirrt.
Alexandra drehte sich so, dass sie ihre Schwester ansah. „Ich liebe ihn!"
„Wen?"
„Aramis", rückte Lexie endlich mit der Sprache raus.
Ihr kennt euch erst seit ein paar Monaten und du willst wegen ihm nicht mehr nach Hause, dahin, wo du hin gehörst?"
„Es ist nicht nur das, ist auch so, dass diese Welt viel aufregender ist, lebendiger und zwanglos. Meine Zukunft scheint mir hier viel offener und ich fühle mich lebendig."
Leah wusste nicht mehr, was sie sagen sollte. „Das heißt, du kommst nicht mit", fragte sie mit zitternder Stimme.
„Ich lasse dich nicht alleine, das habe ich dir versprochen! Ich werde mit dir zurückreisen." Alexandras Gesichtszüge wurden weicher und sie schloss ihre Schwester in die Arme, als diese einen emotionalen Ausbruch nicht mehr zurückhalten konnte.
Der nächste Tag verging viel zu schnell. Lexie konnte an nicht anderes mehr denken, als daran, wie sehr sie das hier alles vermissen würde. Auch Aramis Stimmung schien bedrückt, was dazu führte, dass sich die allgemeine Laune noch mehr verschlechterte. Am Abend vor ihrer Abreise besuchten sie noch einmal zusammen eine Taverne. Kurz konnte Lexie vergessen, dass sie schon bald nie wieder mit ihren lieb gewonnen Musketieren zusammen sitzen konnte, doch als Aramis sie nach Hause begleitete kam die Erinnerung an die Abreise zurück.
Schweigend liefen Aramis und Alexandra nebeneinander her. Keiner von beiden wusste so recht, wo er anfangen sollte.
„Ich wünschte, ich könnte noch etwas länger bleiben", begann Lexie, da sie wusste, dass sie es bereuen würde, diese Unterhaltung mit Aramis nicht geführt zu haben.
„Ich hatte auch gehofft, dass wir noch etwas mehr Zeit zusammen haben. Vielleicht ist das jetzt egoistisch, aber ich will nicht das du gehst. Ich weiß ja, dass du wieder zurück willst und deine Schwester sicherlich auch. Es muss schrecklich sein, hier festzusitzen, wenn man woanders doch ein ganz anderes Leben hat. Dieses Welt aus der du kommst ist bestimmt wundervoll und hier gibt es nichts für dich, dass dich hält. Also muss ich dich wohl gehen lassen...". Aramis war bei seiner Rede stehen geblieben und wusste nicht so recht, wo er hin schauen sollte, weswegen er seinen Blick auf seine Füße gerichtet hatte.
Alexandra unterbrach seinen Ausbruch: „Warum denkst du, dass es nichts gibt, was mich hier hält?"
„Naja, es gibt hier Gewalt, Armut, Unzufriedenheit und Hass", zählte Aramis auf und schaute hoch.
„Das gibt es auch da, wo ich herkomme! Außerdem, was ist denn mit den positiven Dingen? Wenn ich dir sage, dass ich am liebsten für immer hier bleiben würde", Lexie senkte ihre Stimme und schaute Aramis mit einem tiefen Blick in die Augen. „Weil du hier bist", endete Alexandra ihren Satz.
Aramis erwiderte ihren Blick, als er erkannte, was die junge Frau vor ihm gerade gesagt hatte. „Du willst nicht zurück? Wegen mir?", fragte er mit großen Augen.
„Ja, das meinte ich damit", bestätigte sie, fügte dann aber ein: „Aber ich muss gehen, ich habe es meiner Schwester versprochen", hinzu und wurde wieder traurig.
Sie liefen weiter und schon bald waren sie an Constances Haus angelangt. Unschlüssig blieben Beide vor der Haustür stehen.
„Ich hasse Verabschiedungen, ein Wiedersehen würde ich bevorzugen", lachte Alexandra gequält.
Da musste Aramis zustimmen: „Geht mir genauso!" Er würde Alexandra vermissen und er konnte sich eigentlich im Moment auch nicht mehr vorstellen, wie es ohne sie sein sollte.
„Lebe wohl!"Alexandra wollte sich gerade umdrehen um die Treppe zur Tür hinaufzulaufen, als Aramis sie noch ein letztes mal zu sich zog.
Lexie hatte ihr Zeitgefühl verloren und sie wusste nicht, wie lange sie schon auf dem Vorhof standen und sich nicht mehr aus ihrem Kuss trennen wollten. Als sie sich ansahen, begann Aramis zu grinsen: „Ich werde unsere Treffen in der romantischen Waffenkammer vermissen.", witzelte er und strich Lexie dabei eine Strähne ihres blonden Haars aus dem Gesicht.
„Ich auch. Und vor allem finde ich es schade, dass ich mich nicht mehr in der Dunkelheit und bei Regen zu dir aufs Zimmer schleichen kann", erwiderte Alexandra und vergrub ihre Hand in seinem schwarzen Haar.
„Ich werde vieles vermissen.", seufzte Aramis nun, mit einem Schlag trauriger.
„Ja! Ich werde dich nie vergessen!
„Ich dich auch nicht!" Alexandra löste sich sanft von ihm, als eine Träne ihren Weg nach unten fand.
„Weine nicht", tröstete Aramis sie, strich mit seinem Daumen die Träne weg und hob ihr Kinn.
Alexandra lächelte und wusste das sie jetzt gehen sollte, bevor sie komplett in Tränen ausbrach. „Ich liebe dich!", hauchte sie, bevor sie die Treppe nach oben nahm.
Am nächsten Tag standen die Geschwister zur Abreise bereit vor der Haustür und warteten darauf, dass Athos sie abholte. Sie würden ungefähr einen Tag brauchen, wenn sie sich beeilten. Als Athos in Sichtweite kam und die Zeit gekommen war sich von Constance zu verabschieden, standen den zwei und jetzt auch Constance, schon wieder Tränen in den Augen.
„Macht´s gut und passt auf euch auf!", rief Constance, nachdem die schwierige Abschiedszeremonie vorbei war.
„Wir werden dich nicht vergessen! Danke für alles, was du für uns getan hast!"
„Das habe ich doch gerne gemacht. Ihr seid mir so ans Herz gewachsen."
Traurig und mit schmerzendem Herzen winkten sie noch, als Constance in der Ferne immer kleiner wurde.
Die Reise verlief ausnahmsweise einmal ohne Zwischenfälle und Lexie, Leah und Athos kamen unbeschadet an ihrem Ziel an. Zum zweiten mal musterte Alexandra die Eiche, doch bevor sie zur Tat schreiten würden, musste sie noch etwas anderes erledigen.
„Wir sollten uns wieder umziehen. Wer weiß, wo wir auf der anderen Seite landen."
Leah sah ihre Schwester fragend an: „Hast du unsere Sachen noch?"
„Ja, gewaschen und geflickt. So gut es ging."
„Na gut, dann...", Leah unterbrach sich selber, als sie Athos anschaute. Athos verstand, ging ein paar Schritte weiter, drehte sich um und wartete geduldig, bis die Geschwister wieder ihre alte Kleidung trugen.
Dann war der Moment gekommen. Nachdem Leah Athos keine Wahl gelassen hatte und ihn in eine Abschiedsumarmung geschlossen hatte, standen sie mit ihren Anhängern um den Hals und dem Anhänger aus dem 17. Jahrhundert in der Hand, vor dem Baum. Lexie und Leah schauten sich an, atmeten tief durch und gingen auf die Eiche zu. Als sie unter dem Blätterdach standen, kam schon bald, wie auch beim ersten mal ein Wind auf und kurze Zeit später wurde für die Geschwister wieder alles schwarz. Das letzte was Alexandra sah, war Athos, der aus einem Sicherheitsabstand das ganze fasziniert beobachtete und dann auf einmal ein Ruf: „Alexandra!" Aramis, der von Athos zurückgehalten wurde und mit gequältem Gesichtsausdruck zusah, wie die Geschwister sich vor seinen Augen in Luft auflösten.
