Kapitel 1
Sulpicia POV
„Herzlich Willkommen, meine lieben. Ihr seit etwas spät, dass ist euch hoffentlich bewusst." Vernahm ich eine wunderschöne Stimme von innen heraus sagen. Jedoch wich meine Angst keinen einzigen Zentimeter … Ich konnte sehen, wie sich Hanna tief verbeugte.
„Bitte entschuldigt, Meister. Doch dies ist bei weitem nicht mein Verschulden." Plötzlich wurde mir ganz schlecht und ich spürte, wie sich mein Magen zusammenzog. Mein Blick war noch immer auf sie gerichtet … somit war es mir nicht entgangen, dass sie mit einer Hand ausgeholt, und zu mir herüber gezeigt hatte. Ich war noch immer nicht eingetreten, was mir nun als äußerst unhöflich auffiel …
„Du da! Komm her!" herrschte nun die raue Stimme, welche mich unweigerlich zusammenzucken ließ. Ich stolperte urplötzlich nach vorn, da ich unsanft in den Raum hineingeschubst wurde. Von wem, nun dies bekam ich schlichtweg nicht mit. Ich fiel auf die Knie, was keines Wegs beabsichtigt gewesen war, und atmete einmal erschrocken ein und aus, ehe ich mich schleunigst erhob, mein Kleid gerade zog und nun – noch immer verängstigt – nach oben blickte.
Wenn es jemals einen Anlass gegeben hatte mich zu töten, dann hätten sie es nun tun können, denn ich hatte ihnen schon jetzt Grund genug dafür gegeben. Obwohl ich noch nicht einmal begonnen hatte zu sprechen …
Doch, jene Gedanken verstummten augenblicklich in meinem Kopf als ich Sie erblickte … schon oft wurde uns erzählt, wie wunderschön Vampire seien, doch dies war in jedem Falle eine Untertreibung gewesen. Noch niemals in meinem gesamten Leben hatte ich Menschen von solch vollkommener Schönheit erblicken dürfen. Wenngleich sie auch keine Menschen waren.
„Bitte entschuldigen sie … es … es tut mir leid." Mehr fiel mir nicht ein, was ich hätte sagen können und so zog ich den Kopf ein …
„Nun ja für Entschuldigungen ist es nun etwas spät, findest du nicht? Jedoch … denke ich, es sei dir verziehen." Er legte den Kopf schief. Ich schluckte, als ich seine Worte vernahm. Jetzt erst sah ich sie richtig an. Sie waren zu viert. Eine Tatsache, welche uns durchaus bekannt war und ebenso standen auf dieser Anhöhe vier Throne.
Ganz links außen saß ein Mann mit dunkelbraunem Haar, welcher das Geschehen interessiert zu verfolgen schien. Ganz links außen saß ein Mann mit langem weißen Haar. Seinem Gesichtsausdruck zu urteilen, schien er auf irgendetwas zu warten. Auf was jedoch … nun das wusste ich nicht. Der Mann - … wohlmöglich wäre der Ausdruck „Vampir" hier wohl passender, angesichts der Situation – also: Der Vampir, welcher mit mir sprach, hatte lange schwarze Haare und in seinem Blick lag so etwas wie ein Verlangen, welches ich mir jedoch nicht zu erklären wusste. Dies könnte vermutlich auf seine … tiefschwarzen Augen zurückzuführen sein. Ich erschauderte … sie waren durstig, denn sie alle hatten jene tiefschwarzen Augen, von welchen mir bislang nur erzählt worden war.
Doch als ich den Vampir erblickte, welcher neben dem schwarzhaarigen stand, blieb mein Blick sofort auf ihm hängen. Sie alle waren unglaublich schön und doch hatte ich noch niemals jemanden von solch Schönheit gesehen, wie ihn. Sein Haar war ebenfalls pechschwarz und reichte ihm bis zur Taille. Sein Blick lag ebenfalls auf mir. Fast schon ein wenig verwundert schien er mich anzublicken.
Jedoch … senkte ich meinen Blick schleunigst wieder, als mir bewusst wurde, dass ihm aufgefallen sein musste, dass ich ihn so lange ansah. Wie töricht ich doch war! Dies war mir nicht gestattet. Wie nur hatte ich so dumm sein können und es mir erlauben können? Ich konnte deutlich hören, wie mein Pulsschlag stieg. Nicht gerade von Vorteil, denn … sie würden es hören.
„Nun? Um welches Anliegen geht es, dass du zu uns kommst?" Ich blickte nun wieder zu dem schwarzhaarigen Vampir, welcher schon zuvor mit mir gesprochen hatte und auf mich – wie es mir schien – herabblickte. Durchaus verständlich, jedoch fühlte ich mich in diesem Augenblick noch um einiges kleiner, als ich es ohnehin schon war.
„Nun es handelt sich … um die Arbeiter … unsere Löhne sind zu gering im Vergleich dazu … wie viel wir arbeiten." Ich spürte, wie meine Hände anfingen zu schwitzen, denn ich hatte Angst, wie er reagieren würde. Ich hasste es dieses Anliegen vorbringen zu müssen, denn es war gewiss nicht meine Meinung gewesen. Ich hätte es niemals gewagt das Wort gegen meine Meister zu erheben. Doch diese Aufgabe war mir nun einmal zugeteilt worden … ganz gleich wie ich nun dazu stand.
„Dies ist vollkommen absurd!" herrschte die raue Stimme des Meisters erneut, wodurch mich unweigerlich ein Zucken durchfuhr.
„Dies ist keineswegs der Fall! Was fällt dir ein, in dieser Weise mit uns zu sprechen?" Er stand urplötzlich direkt vor mir und hob meinen Kopf unsanft an – da ich ihn gesenkt hatte – wodurch ich leise für einen Augenblick aufschrie. Ich war nun gezwungen ihn anzublicken.
…
