A/N: Ich entschuldige mich hiermit tausend Mal und fünfundfünfzig Mal mehr dafür, dass ich euch so lange hab warten lassen und ergreife auch gleich die Chance, mich für die überaus lieben Reviews und vielen Klicks zu bedanken! Ich hoffe, es entschädigt euch wenigstens ein bisschen, dass ich mir mit dem Kapitelchen hier sehr viel Mühe gegeben habe (und es etwas länger ist, als sonst, aber das muss ja nicht unbedingt ein Vorteil sein…). Es wurde übrigens auch mit nach Österreich genommen, wo ich meine Sommerferien eine Woche lang ausgekostet habe :) so und nun genug der langweiligen Randnotizen, huldigen wir den obligatorischen Bemerkungen!
Disclaimer: Ist und bleibt unbestritten J.K. Rowling und ich hab keine Rechte an Harry Potter. Ich kann höchstens den Verlauf der Handlung für mich beanspruchen ;)
Warnings: Slash
„Reducio!"(*) Harry hielt lachend seinen Zauberstab auf die Butterbierflasche von Dean. Im Gegensatz zu Harry war der nicht gerade sehr begeistert- eher sogar empört.
"Hey! Harry, lass mein Butterbier so, wie es ist! Wem soll denn das bitte reichen?" Alle, bis auf Dean natürlich, lachten, da seine Flasche nun ungefähr die Größe seines Daumens hatte. „Wenn ich bitten darf..." Dean entwendete Harry seinen Zauberstab aus der Hand. Mit einem gemurmelten Engorgio (**) ließ er das Butterbier wieder wachsen, bis es seine ursprüngliche Form wiederhatte. Es war vielleicht etwas windschief, aber wen störte das schon?
Den Butterbieren der Jungs war zwar nicht gerade viel Alkohol beigemischt gewesen, aber die Menge, die sie alle schon intus hatten, reichte definitiv aus, um sie zu einem gewissen Grad anzuheitern. Sie lachten über so gut wie alles und bemühten sich nicht, auch nur annähernd leise zu reden. Wozu sonst hatten sie schließlich einen Schweigezauber über ihren Schlafsaal ausgesprochen?
Der Reducio von Harry war nicht der erste Zauber gewesen, den sie heute Abend benutzt hatten. Eine der Kürbispasteten aus dem Fresspaket, das Dobby ihnen zubereitet hatte, flog Schleifen über ihren Köpfen, Nevilles Schuhe tanzten auf dem Boden immer wieder einen exotischen Tango, Ron waren anstelle von seinen -, Katzenohren gewachsen und Seamus' Bettdecke wechselte beständig und munter Farbe, Muster, Form und Konsistenz.
„Fängt Ron eigentlich an, zu schnurren, wenn man ihn hinter seinen neuen Ohren krault?", überlegte Harry laut. Er grinste vielsagend in die Runde. Ron schien wohl schon zu ahnen, was sein bester Freund vorhatte, denn er hob abwehrend die Hände und rückte immer weiter rückwärts.
„Nein. Nein. Nein, nein, nein! Lasst das!" Die neugierige Meute hatte sich lachend auf ihn gestürzt und nun versuchte jeder, Ron Laute zu entlocken, indem er ihn hinter seinen Katzenohren kraulte. „Kommt schon, belästigt mich nicht! Ich werde ganz sicher nicht schnurren." Entgegen seiner Worte, entkam dem Rotschopf ein kehliges Geräusch, das nur entfernt an das Schnurren einer Katze erinnerte. Harry kugelte sich vor Lachen auf dem Boden. Auch Seamus, Dean und Neville ließen von Ron ab, aber nicht, ohne ihm vorher noch ein fast schon selbstgerechtes Grinsen zu schenken. „Das war nicht lustig.", presste Ron hervor. Es war ihm sichtlich peinlich gewesen, von allen Leuten berührt und gekrault worden zu sein, was sich deutlich und rosarot auf seinen Wangen abzeichnete.
„Oh doch, das war es!", lachte Harry ihn an. Er wischte sich ein paar Strähnen aus dem Gesicht und setzte sich wieder aufrecht hin, was Ron ihm gleich nachmachte, während er seine Kleidung glättete.
„Grmpf", war das einzige, was der Rotschopf darauf noch sagte, ehe er sich die fliegende Pastete schnappte und mehr oder weniger genüsslich in sie hineinbiss. Zum Abendbrot hatte er, entgegen seiner Gewohnheit, nur wenig gegessen, was sich jetzt durch Hunger bemerkbar gemacht hatte. Über den Inhalt des Korbes war nicht zu klagen gewesen. Dobby hatte ihnen mitunter Sandwiches, Kürbispasteten, Rübenkuchen, Bratkartoffeln und kandierte Äpfel eingepackt, wovon Ron schon alles gekostet hatte.
Langsam aber sicher kehrte Ruhe im Schlafsaal ein, die Jungs schwiegen sich gegenseitig an. Es war zum Glück kein unangenehmes Schweigen, sondern eins, dass alle bemerken ließ, wie müde sie waren. Neville war der erste, der herzhaft gähnte, „ich geh ins Bett" nuschelte und sich damit von den anderen verabschiedete.
„Ich denke, ich werde Neville nachmachen.", ließ Dean verlauten und wurde von einem zustimmend nickenden Seamus begleitet. Einzig und allein Ron und Harry saßen noch da, während sich die anderen drei im Bad fertig zum Schlafen machten.
„Willst du auch ins Bett gehen?", fragte Harry, leiser als er eben noch geredet hatte. Ron schüttelte den Kopf.
„Ich hab noch was zu tun, bevor ich mich hinlege."
„Ach so? Na ja, ich werd wahrscheinlich auch nicht sofort einschlafen... darf ich fragen, was du noch vorhast?" Harry versuchte, so wenig neugierig, wie möglich zu klingen, was ihm nicht so recht gelingen wollte.
„Es ist mir etwas unangenehm."
„Ahhh… entschuldige, ich wollte dir nicht zu nahe treten. Ich dachte nur, du könntest es mir sagen." Ursprünglich hatte der Schwarzhaarige nicht vorgehabt, Ron so auszuquetschen, doch irgendwie hatte er es geschafft, ihn sich jetzt schuldig fühlen zu lassen. Wo er nun schon mal dabei war… „Beste Freunde sollten sich alles sagen können." Erwartungsvoll schaute er Ron an.
„Harry, das ist fies." Trotzdem machte Ron sich Vorwürfe. Er seufzte. „Na gut. Aber nur, weil du es bist." Harry lächelte siegessicher. „Ich... Mann, das ist echt peinlich. Ich komm nicht damit klar, dass Malfoy mich ignoriert, also hatte ich vor, ihm einen Brief zu schreiben. So, jetzt weißt du es." Ron erwartete, dass sein bester Freund lachen würde, doch der zeigte keine Regung.
„Einen Brief?", fragte Harry skeptisch.
„Einen Brief.", bestätigte Ron.
„Was für einen Brief? Einen Liebesbrief?"
„Nein! Bei Merlins Bart! Eben ein ganz unverfänglicher Brief, was weiß ich. Ich will ihm nur mitteilen, dass ich Probleme damit habe, wie er mit mir umgeht."
„Hm.", war Harrys geistreicher Kommentar. „Na ja… mach, was du für richtig hältst. Ich kann Malfoy nicht gut genug einschätzen um dir jetzt davon abzuraten, oder dich total zu unterstützen." Es war nicht so, als hätte Ron erwartet, dass Harry ihn großartig unterstützte, in dem, was er vorhatte, aber er hatte erwartet, dass sein Bester Freund nicht ganz so gleichgültig reagierte. Obwohl er nicht behaupten konnte, dass er glücklicher damit gewesen wäre, hätte Harry ihn ausgelacht. Ron nahm es, wie es war, stand auf und streckte sich, wie eine Katze. Harry grinste ihn an.
„Was ist?"
„Ich glaub, wir sollten dir noch die Katzenohren wieder weghexen."
„Und ich denke, das ist eine gute Idee." Harry nickte und schwang seinen Zauberstab. Die haarigen Ohren bildeten sich zurück und machten Platz, für Rons Normale. „Schade, ich glaube, jetzt schnurrst du nicht mehr." Harry wunderte sich nicht darüber, dass Ron nicht auch diesem Schnurren nachtrauerte. „Na ja, ich werde mich auch langsam fertig machen und dann den Brief schreiben... bleibst du hier sitzen?" Harry nahm sich Zeit, darüber nachzudenken. Ron hatte schon sein Nachtgewand unter der Bettdecke hervorgeholt, als er antwortete.
„Nein...", meinte er lang gezogen. „Ich werde noch duschen."
„Oh, das wollte ich auch noch."
„Okay!" Harry sprang auf und griff nach seinem Handtuch. „Wer zuerst unter der Dusche ist, hat gewonnen!", rief er lachend aus, sprintete ins Bad und ließ einen verwirrten Ron zurück.
„Woher der auf einmal die Energie hernimmt?", sprach er zu sich selbst und ging mit seinem Handtuch hinterher. Harry hatte sich schon entkleidet und unter die Gemeinschaftsdusche gestellt, als auch Ron das Bad betrat.
Ron hatte einmal gehört, dass in Slytherin jeder einen eigenen Raum inklusive Badezimmer für sich hatte. Er wusste nicht, ob das daran lag, dass Slytherins einfach immer auf Luxus plädierten, oder sich schlicht und ergreifend nicht trauten, sich vor anderen umzuziehen- beides würde seiner Meinung nach den Schlangen ähnlich sehen. „Ich denke, du hast gewonnen.", schloss Ron lahm, ehe er sich auch aus seiner Kleidung schälte und unter das unerhört kalte Wasser stieg.
Harry konnte nur lachen, als er die entgleisten Gesichtszüge Rons sah und ließ dabei prompt seine Seife fallen. Ron ließ ein sarkastisches „Haha" verlauten und hob Harrys Seife auf, während er seinen Wasserstrahl wärmer einstellte. Sein Blick war beim Aufheben versehentlich Harrys lediglich mit Wasserperlen bedeckten Körper entlang geglitten und verursachte, dass sich seine Wangen ein paar Nuancen dunkler färbten. Es war keine ungewohnte Szene, die Gryffindors gemeinsam duschend vorzufinden, aber die neuen Gegebenheiten ließen Ron ein klitzekleinwenig stutzen.
Er selbst hatte noch nie seine Aufmerksamkeit einem der nackt „dargebotenen" Körper zuteil kommen lassen, wenn er gemeinsam mit anderen geduscht hatte, doch seit diesem Vorfall mit Draco hatte er mehr auf solche Dinge geachtet. Ein paar Mal hatte er sich heute selbst dabei erwischt, unverhohlen auf – wohlgemerkt männliche – Hintern, oder mehr oder minder muskulöse Bäuche zu starren. Dabei hatte er festgestellt, dass er gänzlich durchtrainierten Sixpack-Typen rein gar nichts abgewinnen konnte. Wenn er beschreiben müsste, wie jemand gebaut sein sollte, um sein Interesse zu wecken, würde ihm spontan als erstes Malfoy als Beispiel in den Sinn kommen, aber ob er diese Tatsache einfach so hinnehmen und für gut befinden sollte, wusste er noch nicht.
Eine weitere Gegebenheit war, dass Harry sich einfach so bedenkenlos und heiter mit ihm unter eine Dusche stellte, obwohl Ron ihm auf eine etwas verquere Weise ja eröffnet hatte, dass er so irgendwie wahrscheinlich schwul war. Um ehrlich zu sein, war Ron immer davon ausgegangen, dass Harry in diesem Punkt und auch sonst nicht sehr tolerant war, dank der zweifelhaften Erziehung der Dursleys. Wahrscheinlich hatten sie aber ganz im Gegenteil damit eher bewirkt, dass der liebe Neffe sich nicht darum scherte, welcher Absonderlichkeit er begegnete, oder welcher Minorität jemand angehörte, Hauptsache die Person war eine höher entwickelte Lebensform. Nun gut, vielleicht gehörten Dementoren und Todesser nicht mehr in Harrys Toleranzbereich, aber das war auch durchaus berechtigt.
Immer noch hübsch gerötet, gab Ron das Stück Seife zurück zu Harry und vermied es dabei tunlichst, an andere Stellen seines Körpers zu sehen, als zu seinem Gesicht. Er wollte sich nicht letzten Endes selbst dafür hassen müssen, von dem Körper seines besten Freundes zu schwärmen, denn der war weder von machomäßigen Muskelzügen besetzt, noch untrainiert und Hühnerbrust-artig. Sozusagen das perfekte Mittelmaß... Ron ohrfeigte sich mental dafür, so über seinen platonischen Freund zu denken. Aber ist es an sich nicht dasselbe, wie wenn Harry Hermine sagte, sie sähe heute wieder gut aus? Na ja, nur ein klitzekleinwenig intimer.
Ron strich sich die Haare aus dem Gesicht und drehte das Wasser wieder etwas kälter, um sich eine willkommene Ablenkung zu schaffen. Harry hatte sehr wohl seine Blicke bemerkt und schüttelte leise lächelnd seinen Kopf. Er war sich sicher, zu wissen, worüber sich der Rotschopf den Kopf zerbrochen hatte, aber es störte ihn in keinster Weise.
Nachdem sich beide ausreichend eingeseift, abgewaschen und wieder abgetrocknet hatten, putzten sie sich noch die Zähne und zogen ihre Schlafgewänder an. Als alle in ihren Betten lagen, hörte man nur noch die obligatorischen Gute-Nacht-Wünsche und das Geraschel von Bettdecken. Die Meute brauchte dringend ihren Schlaf, denn von dieser siebentägigen Woche war erst ein Tag überstanden und ganze vier warteten noch geduldig und däumchendrehend darauf, sie zu nerven und ihnen zu Schaffen zu machen.
Das zweite Mal an zwei Abenden hatte Ron sich mit Feder und Pergament auf die Bettdecken gesetzt und den Stillezauber über seine Bettvorhänge gelegt. Diese Nacht erhellte nichts das Zimmer, also sprach er noch einen Lumos (***) ehe er grübelte, was er schreiben konnte. Draco war höchstwahrscheinlich ziemlich genervt von ihm, also sollte er versuchen, nicht sehr anklagend zu klingen, was nicht sehr einfach zu bewerkstelligen werden würde. Schließlich wollte er den ungekrönten Prinz von Slytherin ja darauf hinweisen, dass ihn sein Verhalten störte.
„Wie das schon kling. Mich stört dein Verhalten!", äffte Ron sich selbst nach und überlegte für einen Moment, ob er nicht einfach schnell daran verzweifeln und sich dann friedlich schlafen legen sollte. Er seufzte und entschied sich dafür, nur langsam daran zu verzweifeln, es aber vorher noch zu Ende zu bringen. Wenn er sich jetzt nicht zusammenriss, würden er und Draco wohl nie wieder ein auch nur annähernd unangespanntes Verhalten zueinander haben können. Und selbst wenn sie sich nur darauf einigten, dass sie sich gegenseitig in Ruhe ließen und keine weiteren körperlichen Aktivitäten mehr miteinander pflegen würden. „Ich sollte mir, aufgrund meiner Art, mich auszudrücken, überlegen, ob ich nicht einen Beruf im Ministerium zu tätigen wünsche.", näselte Ron sarkastisch, während er begann, zu schreiben. Obwohl er weniger damit begann, zu schreiben, als damit, sich zu überlegen, was er überhaupt schreiben wollte.
„Lieber Draco? Bei Merlins ungezupften Augenbrauen, bloß nicht… Lieber Malfoy klingt auch nicht besser. Nichts mit „Lieber" am Anfang, das klingt, als wäre ich seine Tante." Ron war sich nicht einmal ganz bewusst darüber, dass er ein Selbstgespräch führte, doch das war nicht so wichtig, wie einen angemessen Brief an Draco zu verfassen, der weder danach klang, als hätte er einen Stock verschluckt, noch als wäre er nicht erzogen worden. Letzten Endes entschied er sich für die am wenigsten gehobene Ansprache, die trotzdem noch ein kleines Maß an Niveau besaß-
Hey, Malfoy.
So ging das den ganzen Brief über und am Ende war Ron stolz darauf, kein einziges Wort durchgestrichen zu haben. In nächtlicher Stille nahm er den Zauber von seinen Vorhängen und tapste auf leisen Sohlen aus dem Schlafsaal. Dass ein gewisser Harry Potter das mitbekam fiel ihm nicht auf.
Sein Weg sollte Ron in die Eulerei führen, denn Hedwig war unterwegs, um Remus einen Brief zu bringen und Pigwidgeon trieb sich fiepsend, kneifend und schuhuhend in der Umgebung Hogwarts' umher. Doch bevor er überhaupt den Weg zur Eulerein einschlagen konnte, wurde ihm klar, dass er noch ein Hindernis überwinden musste. Die fette Dame schlief und schnarchte ganz undamenhaft auf ihrem kleinen Hocker. Leider führte kein Weg an dem Gemälde vorbei, ohne die überaus mollige Frau zu wecken. Zum Glück konnte er besser Lügen, als Harry, dem man es schon von weitem ansah, wenn er nicht die Wahrheit sagte. Der Weasleyspross räusperte sich provisorisch und schreckte somit die fette Dame aus ihrem Schlaf.
„Huch? Ein Schüler? Was willst du denn so spät noch hier, es ist Ausgangssperre!" Vornehm und erhaben rückte sie sich ihre hochgesteckten Locken zurecht und zupfte kleine Falten aus ihrem bauschigen Kleid. Ron verkniff sich ein Lachen, da sich ein großer, klumpiger Krümel auf ihrer Oberlippe abgesetzt hatte, all ihrer Vornehmheit zum Trotz. Er setzte ein ernstes Gesicht auf und begann sein Lügenspiel.
„In unserem Schlafsaal hat sich ein unbeschrifteter Brief materialisiert und statt ihn zu öffnen, wollte ich ihn lieber Professor McGonagall zum Überprüfen bringen." Um das Gesagte zu unterstreichen hob er den Umschlag an, in dem der mysteriöse Brief steckte.
„Und warum kannst du das nicht morgen früh erledigen? Selbst ein Gemälde hätte gern etwas Schönheitsschlaf.", fuhr die fette Dame ihn unwirsch an. Hinter vorgehaltener Hand gähnte sie demonstrativ.
„Ich will nur sicher gehen, dass in dem Brief nichts Bedrohliches steckt. Das ist meine Pflicht als Vertrauensschüler." Das Gemälde stöhne leidig auf und ließ ihn durch. „Wehe du weckst mich noch einmal!", rief sie ihm hinterher, was ein paar weitere Bilder zum Aufhorchen brachte. Ron fand diese Warnung etwas sinnlos, da er es ja nicht beeinflussen konnte, wann die fette Dame schlief und wann nicht.
Hier stand er also. Im dunklen, kalten Gang, ohne Socken und Zauberstab, lediglich den Brief in der Hand. Blöd musste man sein. Aber noch einmal zurückgehen wollte er auch nicht.
Es war, wie die fette Dame schon erwähnt hatte, Ausgangssperre und er war unter einem falschen Vorwand noch raus gelassen worden. Um der fetten Dame keinen Anlass zu geben, ihm zu misstrauen, lief er in Richtung McGonagalls Büro, was zum Glück auch Richtung Eulerei war. Seine Füße frohren und er lief unweigerlich Gefahr, von einer Aufsichtsperson erwischt zu werden. Als Vertrauensschüler würde die Strafe wahrscheinlich noch glimpflich aussehen, aber so oder so war eine Strafe nicht erwünschenswert.
Ron hatte nur ein paar Schritte um die nächste Ecke gemacht, als ihn etwas festhielt, den Mund verschloss und einen Stoff über ihn warf. Er wollte sich wehren, doch als er beim Umdrehen erkannte, wer ihn da gegriffen hatte legte sich jeder Widerstand. Harry hatte ihn mit unter seinen Tarnumhang gezogen und grinste ihn jetzt an, zwei Zauberstäbe und die Karte des Rumtreibers in der Hand. „Du willst doch nicht etwa so unvorbereitet zur Eulerei schleichen?", flüsterte er grienend und hielt ihm seinen Zauberstab entgegen. Ron wirkte etwas verlegen, als er ihn entgegennahm und etwas wie „hatte ich ganz vergessen, danke" murmelte.
„Wir müssen näher zusammenrücken, sonst gucken unsere Füße raus.", flüsterte Harry und stellte sich so nah an Ron, dass sich ihre Schultern aneinander drückten. Harry war zwar über die Sommerferien gewachsen, aber neben Ron wirkte er immer noch, wie ein kleiner Pimpf. Ron sah darüber hinweg (in mehr als einer Hinsicht), da er ja nichts dafür konnte und zog seinen Kopf ein, damit nicht wegen ihm der Tarnumhang zu kurz war. Harry entfaltete die Karte des Rumtreibers, tippte sie mit seinem Zauberstab an und murmelte „Hiermit schwöre ich feierlich, ich bin ein Tunichtgut". Auf der Karte erschien mit schwarzer Tinte geschrieben die Begrüßung der Rumtreiber, die langsam wieder im alten, schweren Pergament versickerte und dafür für die Gemäuer von Hogwarts inklusive ihrer Einwohner Platz machte. Ron und Harry überprüften den Weg zur Eulerei und die unmittelbare Umgebung, doch niemand befand sich auf den Gängen. Weder Aufsichtslehrer, noch Filch. Der trieb sich in den Kerkern rum, stets gefolgt von Mrs. Norris. „Okay, lass uns gehen.", meinte Harry flüsternd und setzte sich in Bewegung.
Ihm voran Harry ging Ron die Flure entlang und ärgerte sich darüber, keine Socken angezogen zu haben. Auf den kalten zugigen Gängen kam es ihm vor, als wäre die Temperatur der Böden im Minusbereich und versuchten gehässig, auch Rons Füße auf diese Temperatur zu herunterzubringen. Ohne ersichtlichen Grund blieb Harry abrupt stehen, sodass Ron direkt in ihn hineinlief und sich unangenehm Harrys Po knapp unter seinen Lenden bewusst wurde. „Was ist los?", flüsterte er, das Zittern in seiner Stimme mühevoll unterdrückend.
„Ich hab dir noch was mitgebracht.", flüsterte Harry zurück und drehte sich mit dem Gesicht zu Ron, ohne die Nähe zwischen ihnen zu verringern. Ron schluckte kaum merklich und dachte vehement an einen Knallrümpfigen Kröter mit Akne, schlechtem Make-up und unangemessenem Outfit. Nicht, dass die Nähe zu Harry ihn erregte, aber wenn er nicht aufpasste, konnte es sich in diese Richtung entwickeln und das würde die ganze Situation noch komplizierter machen, als sie es ohnehin schon war. Damit wäre dann das gelöste Hermine-Problem in Form des neu entstandenen Harry-Problems kompensiert und das lag nicht unbedingt in Rons Absicht.
Ron war mit seinen Gedanken ziemlich abgeschweift, was Harry zu unterbrechen wusste, indem er mit seiner Hand vor dem Gesicht des Rotschopfs herumwedelte. Ron schreckte aus seiner kleinen Abwesenheit und bemerkte den Gegenstand in Harrys Händen und lächelte versonnen, bereit dazu, mit dem eiskalten Boden Frieden zu schließen. Der Gegenstand waren genauer gesagt zwei Gegenstände aus dicker, warmer Wolle. Es waren seine Wintersocken, die Ron sich nun aus Harrys Hand schnappte und fröhlich anzog.
„Danke, Harry. Dank dir werden meine Füße nicht zu zwei unnützen Eisklötzen." Er lächelte ihn überaus glücklich an, denn es war ihm schon so vorgekommen als würde die Kälte sich durch seine Haut stechen, so sehr hatten seine Füße geschmerzt. Harry antwortete darauf, indem er Ron über seine Wange streichelte und charmant lächelte, was Ron wiederum außerordentlich verwirrte. Aber das war ihm auch egal, denn seine Füße hörten endlich auf, wehzutun und begannen damit, sich aufzuwärmen. Harry hatte sich wieder umgedreht und ging weiter, gefolgt von Ron und bald waren sie an der Eulerei angekommen.
Harry nahm den Tarnumhang erst von ihnen beiden, als sie sich im zugigen Bereich der zahlreichen Eulen Hogwarts' befanden. Sowohl er, als auch Ron sprachen sofort einen Lumos (***) was ihnen verärgertes Fiepen, aufgeregtes Flügelflattern und ungeduldiges Scharren verschaffte. „Ist ja schon gut", versuchte Harry die Tiere zu beschwichtigen und hielt der erstbesten Eule einen Keks hin, den sie versöhnlich verspeiste. „Ich glaube, die Schöne hier wird deinen kleinen Auftrag am Ehesten übernehmen.", meinte Harry an Ron gewandt und zog sich dabei seinen Morgenmantel enger um den Körper. Dadurch, dass die Eulerei diverse Ausgänge nach draußen auf das Gelände von Hogwarts besaß, damit die Eulen nach Belieben aus und ein fliegen konnten, war es sehr windig und die durchdringende Kälte der Nacht machte besonders hier keinen Halt. Ron stand unschlüssig herum, auch ihn fröstelte es, aber auf einmal war er sich nicht mehr sicher, ob das mit dem Brief eine gute Idee war. „Ron, ich will dich ja nicht drängen, aber mir ist arschkalt und du würdest diesen Umstand positiv beeinflussen, wenn du der Eule jetzt endlich den Brief anbindest und sie nach Slytherin schickst.", meinte der Schwarzhaarige und schaffte es nicht, den ungeduldigen Ton aus seiner Stimme zu verbannen.
„Sorry... meinst du, ich sollte den Brief wirklich abschicken? Ich meine, was wird Malfoy da von mir halten?", äußerte Ron seine Bedenken. Harry stöhnte auf.
„Ron, wenn du jetzt schon hier bist, dann zieh es auch durch. Wozu sonst werden Gryffindors mit 'mutig' betitelt?"
„Schon gut, du hast ja Recht." Ron schüttelte sich sein Unbehagen ab, band der grau-braunen Eule den Brief um das linke Bein und trug ihr auf, damit zu Draco zu fliegen. Sie schuhute leise und flog los. „Okay, lass uns zurück gehen, mir wird auch langsam kalt. Gucken wir draußen wieder auf die Karte." Ron ließ Harry den Vortritt, der sich schon den Tarnumhang überwarf und auf den Gang trat, gefolgt von seinem Kumpel.
„Was willst du denn hier, Weasley?"
„Wer- oh. Hallo, Zabini." Ron war, als er aus der Eulerei trat, um haaresbreite mit Blaise zusammengestoßen, der hier wohl auch noch etwas zu tun hatte.
„Du hast meine Frage nicht beantwortet. Du musst dir gar nicht erst eine Lüge ausdenken, ich weiß, dass du heute nicht als Vertrauensschüler unterwegs bist." Ron hüstelte verlegen und nestelte an dem Saum seines Schlafgewands herum. Es war ihm sehr unangenehm, in diesem Aufzug mit Blaise zu reden, zumal der in seiner gewöhnlichen Robe dort vor ihm stand.
„Ich hab... nur einen Brief verschickt. Aber was willst du hier? So weit ich weiß hast du eine eigene Eule und in Gryffindor hast du ja wohl kaum was zu suchen." Blaise wirkte ertappt. Er hätte Ron nicht zugetraut, so spät noch so scharfsinnig zu sein. „Ich nehme also an, du wolltest noch zu Seamus?", spielte Ron seinen eindeutigen Triumph aus- er konnte ja nicht ahnen, dass auch Blaise etwas gegen ihn in der Tasche hatte.
„Ich wüsste nicht, wieso ich etwas von Finnigan wollen sollte." Eins musste Ron ihm lassen, Blaise beherrschte sein Pokerface. Nur brachte ihm das in dieser Situation rein gar nichts.
„Tu nicht so scheinheilig, Zabini. Ich hab dich und Seam vor Verwandlung im Gang gesehen. Und Seamus hat es auch nicht abgestritten, als ich ihn fragte, ob ihr in einer Beziehung seid." Blaise sog scharf die Luft ein, doch das einzige, was er darauf zu erwidern wusste, war „oh". Ron grinste sich eins, nicht zuletzt, weil er einen Slytherin so verblüfft hatte. „Ja, Zabini, du sagst es. Oh." Doch zu Rons Missfallen gelang Blaise schnell wieder zu seiner Fassung.
„Ich denke, wir haben alle unser Steckenpferd, nicht wahr, Weasley?" Ron schaute ihn überrascht an. Blaise konnte doch nicht etwa von ihm und Draco wissen, oder? Oder? „Wenn ich nicht völlig falsch liege, wird dein wichtiger Brief wohl an Draco gewesen sein, oder?" Es war nicht wirklich verwunderlich, dass Ron darauf nicht antwortete. „Das nehme ich dann mal als Ja." Blaise lächelte freundlich und verständnisvoll, was den Rotschopf stutzen ließ. „Nur, um Missverständnissen vorzubeugen: Ich halte nichts von dieser Gryffindor vs. Slytherin Feindschaft. Mit den Ravenclaws verstehen wir uns doch auch und mit den Hufflepuffs- na ja, die Hufflepuffs sind Loser, aber wir streiten uns nicht mit ihnen. Ich weiß auch, dass der Konflikt keine Nichtigkeit ist, denn das Thema Voldemort ist mitnichten einfach zum darüber Hinwegsehen. Aber nicht alle Slytherins sind wirklich für Voldemort und ich nehme einfach mal an, dass die meisten Gryffindors sich dessen auch bewusst sind." Hier ließ der Dunkelhäutige (****) eine Kunstpause. „Jedenfalls wollte ich nur sagen, dass ich nichts dagegen habe, dass du was von Draco willst." Ron wollte darauf Einspruch erheben, doch Blaise würgte das mit einer Handbewegung ab. Von seinem freundlichen Lächeln war inzwischen nicht mehr viel übrig. „Ich wollte dir noch raten, dass du besser nicht mit Dracos Gefühlen spielen solltest. Auch wenn es nicht so scheint, und Draco das niemals zugeben würde, ist er verletzlich. Und wenn du dich mit ihm nur ausprobieren willst und ihn dann einfach so links liegen lässt, wo er gerade angefangen hat, etwas für dich zu empfinden, wirst du es bereuen, glaube mir. Wir Slytherins sind einander sehr loyal- und sollte ausgerechnet ein Gryffindor dem Draco Malfoy etwas getan haben, wird es dir nicht gut ergehen." Ron nickte. „Wenn du es also nicht ernst mit Draco meinst, dann hör am Besten jetzt gleich damit auf." Ron nickte noch einmal, bevor er endlich auch das Wort erhob.
„Schon gut, ich hab's verstanden. Und um eines klarzustellen: Seamus ist ein Freund für mich, wie Draco für dich. Solltest du ihm wehtun, kann ich dich nur warnen. Nicht nur Slytherins sind einander loyal." Blaise nickte ernst, bevor er breit zu Grinsen begann. „Was ist?"
"Du siehst ziemlich niedlich aus, in deinem Schlafanzug." Ron lief, wie heute schon so oft, rot an und guckte beschämt beiseite. „Das ist doch nichts, wofür man sich schämen müsste.", meinte Blaise mit einem fast schon lasziven Unterton und hob Rons Kinn mit seinem Zeigefinger an, sodass er ihm ins Gesicht schauen musste. Er lächelte dem noch Gryffindor charmant zu und ließ ihn dann los. „Ich denke, meine Verabredung mit Seamus fällt heute aus. Wärst du so freundlich und richtest ihm etwas von mir aus?"
„Wenn es nichts Perverses ist, bitte." Ron war es noch nicht gewohnt, sich zivilisiert mit einem Slytherin zu unterhalten, aber es war doch viel einfacher und netter, sich nicht andauernd Beleidigungen einfallen lassen zu müssen.
„Sag ihm bitte, dass ich ihn unheimlich doll vermisse und ihn in Gedanken von Kopf bis Fuß mit Küssen bedecke. Es tut mir unheimlich Leid, das wir uns heute nicht sehen können, aber morgen ist auch noch ein Tag. Dann werde ich ihm die tausend Gefallen tun, die ich heute schon tun wollte. Wenn du ganz nett bist, kannst du ihm noch einen Luftkuss von mir geben?" Blaise deutete mit dem Zauberstab auf seinen Mund und es sah so aus, als würde er einen Lippenabdruck davon abziehen, der nun in der Luft schwebte.
Ihm schien es kein bisschen unangenehm zu sein, vor Ron so offen seine Gefühle für Seamus preiszugeben. Bei Ron hingegen, hatte sich die Röte bis über beide Ohren ausgebreitet. Blaise kicherte ein „so süß" und verabschiedete sich mit einem Winken von Ron. Als der sich gefasst hatte und zurückwinkte, war Blaise allerdings schon um die nächste Ecke verschwunden.
Hinter Ron war ein Räuspern zu vernehmen. Ihm fiel es eiskalt wieder ein, dass er ja nicht alleine war. „Harry?"
„Ja?", kam es amüsiert aus dem Nichts.
„Willst nicht du Seamus die Nachricht überbringen?" Ein kleines Lachen war zu vernehmen.
„Wenn es sich ergibt.", sprach die Stimme heiter, während der Umhang über Ron ausgebreitet wurde und Harry sich an ihn drängte. Erschrocken wich er ein Stück zurück, so eine Nähe nicht gewöhnt. „Unsere Füße gucken raus, Ron.", meinte Harry und überbrückte erneut die Distanz zwischen ihnen. Ron hüstelte verlegen und nestelte an dem Saum seines Schlafgewandes, wie er es vorhin schon vor Blaise getan hatte. „Ich hab schon auf die Karte geguckt; außer Zabini ist niemand hier unterwegs. Und, na ja, Seamus steht vor der fetten Dame und wartet wahrscheinlich auf ihn."
„Okay. Ich hab den Luftkuss.", nuschelte Ron und hob seinen Zauberstab an. Wenige Zentimeter von der Spitze entfernt schwebte der Kuss, den Blaise für Seamus mitgegeben hatte. „Lass uns gehen." Harry und Ron setzten sich gemeinsam in Bewegung und liefen dicht aneinander, bemüht den Gleichschritt zu halten. An der Ecke vor dem Gang, der zum Reich der Gryffindors führte, stoppten sie und nahmen den Tarnumhang ab. „Harry, wenn sowieso niemand anderes zu sehen war, warum haben wir uns dann unter den Umhang gequetscht?", fragte Ron, dem das reichlich unlogisch vorkam, jetzt, wo es ihm aufgefallen war.
„Hoppla, das war uns wohl nicht aufgefallen.", wunderte sich Harry wenig überzeugend, doch Ron wusste nicht, was sonst der Grund dafür hätte sein können. „Gut, lass uns gehen."
„Warte, die fette Dame weiß doch gar nicht, dass du auch raus gegangen bist." Ron spähte um die Ecke und entdeckte, dass die Portraitbewohnerin noch nicht wieder schlief und - „Seamus ist da nicht."
„Was? Aber auf der Karte wurde er hier angezeigt... na ja, vielleicht ist er wieder in den Schlafsaal gegangen. Du sagst der fetten Dame, dass McGonagall den Brief inspiziert hat, ich schlüpf wieder hinter dir durch und dann gucken wir oben nach Seam." Ron nickte, Harry verbarg sich wieder unter dem Umhang und gemeinsam gingen sie zur fetten Dame, die natürlich nur die Hälfte an Beteiligten auch sehen konnte. Nur noch einen Schritt vom Portrait entfernt, fühlte Ron auf einmal zwei Hände auf seiner Hüfte, die ihn sanft, aber bestimmt weiter schoben. Er wusste, dass es Harry sein musste, also ließ er sich von ihm führen.
Angenehm warm lagen die unsichtbaren Hände auf seiner Hüfte und navigierten ihn lautlos und vorsichtig in eine Nische, die hinter einer Säule verborgen lag. Ron sah Seamus darin an der Wand lehnen. Reflexartig sprang Seamus auf, um seine Verabredung gebührend willkommen zu heißen, bis ihm auffiel, dass dort nicht Blaise stand.
„Hey, Seamus, ich hab dich echt gern und so, aber du musst meinen Hals nicht küssen.", scherzte Ron und drückte den beschämten Seamus von sich.
„Sorry, Ron, ich dachte, du wärst-"
„Blaise. Ich weiß. Ich hab ihn auf dem Gang getroffen und wir haben... na ja, wir haben uns unterhalten. Ich sollte dir was ausrichten." Seamus kratzte sich im Nacken und guckte erwartend zu Ron. „Ähh... warte, ich glaube, der genaue Wortlaut war: Sag ihm bitte, dass ich ihn sehr" Von hinten flüsterte Harry ihm „unheimlich doll" zu. „ah, unheimlich doll vermisse und ihn in Gedanken von Kopf bis Fuß abküsse" „Mit Küssen bedecke.", wurde Ron verbessert. „mit Küssen bedecke. Es tut mir unheimlich Leid, das wir uns heute nicht sehen können, aber..." „Morgen ist auch noch ein Tag.", ergänzte Harry. „morgen ist auch noch ein Tag. Dann werde ich ihm die tausend Gefallen tun, die ich heute schon tun wollte." Seamus grinste sich eins, obwohl er seinen Freund heute Abend wohl nicht mehr sehen würde. „Ach, und ich soll dir noch was geben.", nuschelte Ron und hob seinen Zauberstab an, um den Luftkuss zu übereichen. Seamus' Grinsen vertiefte sich und er flötete: „Den heb ich mir auf."
„Mach das. Lass uns jetzt zurück gehen und schlafen." Ein kleines Lachen erschallte hinter Ron und mischte sich mit dem, das von vor ihm stammte.
„Seit wann lässt du denn den Verantwortungsbewussten raushängen, Mister Weasley?", lachte Seamus.
„Zufälligerweise bin ich schon seit Beginn des Schuljahres Vertrauensschüler, Mister Finnigan. Außerdem würde ich mich nicht als den Verantwortungsbewussten beschreiben, wo ich mich doch zur Sperrstunde noch nicht in meinem Bett befinde. Womit wir zurück zum Thema kommen- wir sollten gehen, Seam." Ron hatte denselben Tonfall angeschlagen, wie vorhin, allein in seinem Bett. Nasal und semi-vornehm. Hinter ihm ertönte erneut ein Lachen. Seamus guckte verwundert. Ein Seufzen kam aus dem Nichts, gefolgt von kaum vernehmbaren Geraschel. Harrys Kopf tauchte hinter Ron auf und schwebte durch den Raum, zwischen die beiden.
„Harry?", fragte Seamus verblüfft.
„Tu nicht so, als wüsstest du nicht schon längst vom Tarnumhang.", seufzte Harry, halb im Spaß. Seamus grinste verlegen und versuchte, Harry in den Arm zu knuffen, scheiterte jedoch kläglich.
Die drei Jungs nahmen sich zusammen, kamen aus der Nische und gingen durch das Portrait der fetten Dame, hinauf in ihren Schlafsaal. Harry räumte schnell seinen Umhang auf, ehe er, wie Ron und Seamus auch, in sein Bett schlüpfte. Er hatte nicht vor, schon zu schlafen. Nicht, dass es nicht spät genug wäre, aber er hatte noch etwas vor.
Geduldig wartete Harry einige Minuten, bis er nur noch leise Schnarcher, Rascheln von Bettdecken und den Wind, der ans Fenster klopfte, hören konnte. Klammheimlich stand er von seinem Bett auf und schlich hinüber zu dem von Ron. Dank seiner Socken, wurden die Schritte gedämpft und er kam an seinem Ziel an, ohne jemanden zu wecken. Vorsichtig schob er den Vorhang Rons Bettes einen Spalt auf und schlüpfte hindurch, auf die weiche Matratze. Ron grummelte. „Schhhht.", kam es leise von Harry, bevor er den Vorhang mit einem Stillezauber belegte.
Könnten Rons Vorhänge sprechen würden sie mit Sicherheit ein melancholisches Liedchen davon singen, wir sehr sie es vermissten, je einen Ton von innen an die Außenwelt geben zu dürfen, denn immer verschloss man sie magisch. Doch Harry kümmerte es nicht, was die Vorhänge nun sagen würden, könnten sie reden. Was ihn allerdings kümmerte war, sein Vorhaben in die Tat umzusetzen.
"Hey Ron, wach auf."
„Was willst du, Harry?" Harry konnte über dieses grummelige Nuscheln nur lächeln. „Und wozu brauchen wir einen Stillezauber?", ächzte Ron, als er sich aufrichtete und die Decke beiseite schubste.
„Damit wir niemanden wecken."
„Ach, aber ein Glück, das du mich wecken konntest.", brachte Ron in seinem besten sarkastischen Ton hervor. Harrys Lächeln als Antwort, kam ihm recht unangebracht vor. „Also, was willst du?"
„Was genau stand jetzt alles im Brief?" Ron stöhnte.
„Und das hattest du mich nicht morgen fragen können?"
"Morgen währen wir nicht alleine gewesen. Ich bezweifle, dass du dann darüber hättest reden wollen.", brachte Harry ungerührt hervor.
„Auch wieder wahr."
„Also?" Es brachte ja alles nichts, deshalb begann Ron zu erzählen.
Zeitgleich war eine niedliche, grau-braune Eule ins Reich der Slytherins vorgedrungen und klopfte ungeduldig mit ihrem Schnabel an die Tür einer nur allzu bekannten Person. Draco, der zu diesem Zeitpunkt ein Glück noch nicht geschlafen hatte, öffnete mit verärgerter Miene die Tür und war nicht wenig erstaunt, als das kleine Tier in sein Zimmer geflogen kam und sich auf dem Schreibtisch niederließ.
„Na, wer bist du denn?", fragte er sie, sich bewusst darüber, dass sie ihm wohl nicht antworten würde, gab ihr einen Keks und nahm den Brief von ihrem Bein. Er guckte ihn sich genauer an und stellte misstrauisch fest, dass weder Absender, noch Adressat darauf standen. Da die Eule aber nur ihn diesen Umschlag hat abnehmen lassen, bestand kein Zweifel darin, dass auch er derjenige war, der ihn öffnen durfte.
Nach reichlichem hin- und her Überlegen entnahm Draco dem Umschlag den Brief und begann zu lesen.
Hey, Malfoy. Dieser Brief war von Ron, da war Draco sich sicher.
Du sahst nach meinem Nachsitzen recht entnervt aus und ich wollte nur im Voraus sagen- ich schreibe diesen Brief nicht, um mich darüber zu beschweren. Und auch nicht um mich anderweitig darüber auszulassen. Zugegeben, im Nachhinein kommen mir meine Versuche, dich zum Reden zu animieren, ziemlich peinlich vor.
Aber, wie du es dir bestimmt schon gedacht hast, habe ich trotzdem einen Grund dazu, in diesem Moment einen Brief an einen Slytherin zu verfassen. Dieser Grund hat Ursprung, in unserem kleinen „Beisammensein" - ich denke, ich muss mich nicht spezifizieren, damit du weißt, was ich meine.
Es geht nicht darum, dass ich es unverschämt finde, dass du das mit mir getan hast. Ehrlich gesagt, habe ich es ja sogar irgendwie genossen.
Weiter oben im Schloss, um genauer zu sein, auf Rons Bett, hatte eben dieser mit Erzählen geendet und wartete Harrys Reaktion ab.
„Ist doch gut, was du ihm geschrieben hast."
„Wenn du es sagst." Eine Weile sagte niemand mehr etwas. Eine einschläfernde Stille brachte Ron dazu, zu gähnen. „Harry, wenn das alles gewesen wäre, kann ich doch jetzt bestimmt weiterschlafen, oder?"
„Nicht unbedingt. Ich wollte noch was anderes."
„Und das wäre?"
„Ron, darf ich was ausprobieren?"
„Sicher."
„Aber missverstehe das bitte nicht." Ron zuckte mit den Schultern.
„Zur Not erklärst du es mir später."
„Okay." Harry nickte, beugte sich dann ein Stück vor und küsste Ron.
Es geht auch nicht darum, dass du dann einfach weggegangen bist. Inzwischen habe kann ich dein Handeln nachvollziehen. Übrigens wissen Hermine und Harry davon. Sei deshalb nicht sauer, ich vertraue ihnen und weiß, dass sie es nicht weitererzählen werden. Außerdem habe ich ihnen nichts davon aus eigenen Stücken erzählt. Hermine hatte dich und mich gesehen, als wir noch im Gang waren und hat mich später natürlich ausgefragt.
Aber darum geht es eigentlich auch nicht.
Um jetzt endlich zum Thema zu kommen: Ich hatte eine Hoffnung, oder noch mehr eine Bitte an dich. Unser Verhältnis war noch nie das Beste, doch jetzt, wo dieses... „Beisammensein" geschehen ist, ist es frostiger, als es je gewesen ist. Ich verlange nicht, dass du mich wieder beleidigen sollst, oder Ähnliches, es wäre jedoch schön, wenn du mich nicht weiterhin so ignorierst, wie beim Nachsitzen. Ich hätte ja gesagt, wir vermeiden es einfach, überhaupt aufeinander zu treffen, aber das wäre wohl sehr umständlich und kaum möglich.
Vorsichtig drückte Ron Harry von sich weg und schaute ihn ungläubig an. „Was machst du da?" Der Rothaarige wusste nun ziemlich gut, weshalb Harry darum gebeten hatte, ihn nicht miss zu verstehen, was er jedoch noch nicht wusste war, wie er es überhaupt verstehen sollte.
„Nun ja, ich wollte ausprobieren, ob es mir gefällt, einen Jungen zu küssen. Ich war mir noch nie wirklich sicher, auf welches Geschlecht ich jetzt stehe. Und als ich den Kuss mit Cho wirklich nur als nass beschreiben konnte, war ich mir noch unsicherer. Ich habe nicht dich "überfallen", weil ich in dich verliebt bin, oder so. Aber du siehst ziemlich gut aus und bist mein bester Freund, deshalb dachte ich, würdest du mir helfen, es herauszufinden.", stammelte Harry vor sich hin und vermied es dabei tunlichst, Ron in die Augen zu gucken.
Harry wartete auf eine Antwort. Und wartete. Und wartete noch länger. Als Harry seiner Meinung nach genug gewartet hatte und sich schon vorbeugte, um Ron einfach wieder zu küssen, machte der endlich den Mund auf.
„Und wo genau soll uns das hinführen?"
„Na ja..." Harry überlegte. „Ich denke zumindest nicht, dass wir Sex haben werden. Es ist ja noch offen, ob es mir überhaupt gefällt."
„Du hast bestimmt irgendwie ein Trauma erlitten, oder so.", mutmaßte Ron rot geworden, währen Harry seinen Hals küsste.
„Wieso?", fragte der zwischen zwei Küssen.
„Sonst wärst du unmöglich so komisch."
Aber abgesehen davon habe ich eigentlich noch eine dringlichere Bitte an dich. Ich weiß nicht, ob du dich überhaupt dazu durchringen konntest, ja zu meiner ersten Bitte zu sagen, wenn nicht, wirst du hier wohl erst recht Nein sagen.
Allerdings kann ein Versuch nie schaden, deshalb: Würdest du mir bitte ernsthaft und ehrlich die Frage beantworten, weshalb du mich „verführt" hast? Es wäre recht nett zu wissen.
Ich meine, ich würde es verstehen, wenn dir gerade danach war und ich dir gelegen kam, aber du hättest es auch besser treffen können, wenn du noch ein bisschen länger gewartet hättest. Nachdem du dich von nichts hast abbringen lassen, obwohl du wusstest, dass ich nicht schwul bin... oder eher war, hättest du es ja ebenso gut mit jemand anderem tun können. Meinetwegen Dean. Dean (Thomas, ich denke, du weißt, wer das ist)- er ist gut aussehend und mit ihm legst du dich auch nie an- soweit ich weiß. Oder wenn das keine Rolle spielt, dann hättest du dich mit Harry noch besser getan. Er ist intelligenter als ich, sieht besser aus und zudem ist er der Held, also warum nicht er?
Harry schob eine seiner Hände flink unter Rons Schlafgewand und erfühlte seine Bauchmuskeln.
Ron hingegen hatte sich mit der Situation noch nicht wirklich arrangiert und schwebte in einer Dauerschleife aus Schock, Lust und Verwirrung. Den Schwarzhaarigen schien das entweder nicht zu kümmern, oder er bemerkte es erst gar nicht. So oder so ließ er gerade seine Zunge Rons Hals hinauf gleiten, setzte hier und dort einen Kuss und führte seinen Weg fort zu Rons Mund.
Harry küsste ihn. Nicht mit Leidenschaft, eher forschend und doch instinktiv. Ron hatte momentan nicht genug seiner fünf Sinne beisammen („Sehen, Fühlen?" „Anwesend, Sir! ... Wir fühlen uns alleingelassen... Hilfe?") um Näheres aus Harrys Art, zu küssen herauszudeuten. Er nutzte die nächste Atempause, um seiner Verwirrung Luft zu machen.
„Harry?" Sein Ton klang nicht minder quietschig, als der von Ginny, als sie noch sechs war. Er räusperte sich und setzte mit festerer Stimme noch einmal an. „Harry, wie weit willst du noch gehen? Hast du deine Antwort immer noch nicht?" Es war unnötig zu erwähnen, dass Rons Stimme zitterte und er komplett rot angelaufen war. Zudem atmete er schwerer als sonst und Harry war ihm anscheinend mehr als nur ein Bisschen verfallen.
„Gefällt es dir denn so wenig, dass du so schnell wie möglich aufhören willst?" Harry klang nach Rons Geschmack etwas zu anklagend dafür, dass er es ja war, der das hier aus freien Stücken tat.
„Na ja… nein, aber es geht hierbei darum, ob es dir gefällt, oder nicht?"
„Wenn du so meinst, warum versuchst du dann nicht, mich wohl fühlen zu lassen?", sagte Harry mit einem anzüglichen Unterton, während er sich drehte, an Rons Kissen lehnte und den mit sich, auf seinen Schoß zog, ohne dabei auch nur ein Mal den Blickkontakt zwischen ihnen zu unterbrechen. Ron schluckte.
„Ich bin mir nicht sicher, ob sich die Sache hier so entwickelt, wie sie sollte." Und dann fing er an, Harry sich wohl fühlen zu lassen.
Ich weiß nicht genau, wie du auf diesen Brief reagieren wirst.
Wirst du mich morgen deshalb fertig machen, oder kommst du sogar einer meiner Bitten nach? Oder wohlmöglich sogar beiden? Wenn ja, verüble ich es dir nicht, solltest du wollen, dass es geheim bleibt. Ich kann allerdings nicht versprechen, dass Hermine nichts herausfinden wird… aber solang es nur sie und Harry sind, musst du dir, wie schon gesagt, keine Sorgen darüber machen. Du kannst meinetwegen auch alles, inklusive diesen Brief, deinen besten Freunden zeigen. Es sind Parkinson und Zabini, richtig? Crabbe und Goyle sind dann doch zu unintelligent und feingefühllos, um Persönlichkeiten zu sein, bei denen es sich für dich lohnt, eine echte Freundschaft zu führen. Sie wüssten es sicher nicht zu schätzen, solltest du dich ihnen ein bisschen mehr öffnen, als anderen Personen. Obwohl ich mir nicht sicher bin, ob Parkinson in dem Bezug die richtige Person ist. Also nur Zabini.
Wo ich gerade sowieso dabei bin, Belanglosigkeiten auszutreten, wusstest du, dass (und ich will an dieser Stelle wirklich nicht tratschen, aber ich dachte, dir könnte ich das erzählen... wieso auch immer) Zabini mit Seamus (Finnigan) zusammen ist? Zumindest scheint es so.
...
Ich denke ich hab mich nun ausreichend mit meiner Rederei vor dir blamiert, also man sieht sich Malfoy (spätestens morgen im Unterricht)
Ron Weasley
Draco legte den Brief beiseite und hatte dabei ein ganz, ganz kleines, unsicheres, kaum wahrnehmbares Lächeln im Gesicht. Er war sich nicht tatsächlich sicher, ob er seine Deckung gegenüber Ron einfach so fallen lassen sollte... andererseits würde der ihn mit Sicherheit nicht zurückweisen.
Es blieb ihm ja noch die ganze Nacht um das mit sich selbst auszudiskutieren.
(*) Reducio: Verkleinerungszauber; hebt den Engorgio auf
(**) Engorgio: „Schwellzauber"; der Gegenzauber zum Reducio
In den Verzeichnissen wird nicht erwähnt, ob der Engorgio so verwendet werden kann, wie ich ihn Dean habe verwenden lassen, aber da erwähnt wird, dass der Engorgio mit dem Reducio aufgehoben werden kann, habe ich es mir hier so zurechtgelegt ^^' Ich bitte um Verzeihung, falls jemand nicht damit zufrieden sein sollte, dass ich hier eventuell einen falschen Zauber benutzt habe.
(***) Lumos: Der Lichtzauber. Es würde mich wundern, wenn es noch jemanden gibt, der dazu eine Erklärung braucht ^^
(****) In Bezug auf Blaise' Hautfarbe: Hat es nicht was extrem Attraktives, dass Blaise dunkelhäutig ist? x)
Ich glaube übrigens, dass ich es richtig gemacht habe, in dieser FF Harry nicht zum Hauptcharakter werden zu lassen. Ron fällt mir wesentlich einfacher... ich hoffe, dass ich seinen Kumpel dennoch ein bisschen gut getroffen habe, oder dass ihr zumindest Spaß daran hattet, wenn er total off-character war ;)
Ob es so einen Zauber gibt, den Blaise für den Luftkuss genommen hat, bezweifle ich übrigens, aber ich fand es eine ziemlich niedliche Idee, weshalb ich das an der Stelle einfach mal ignoriert habe ^^
glg, SpinatKeks
