„Er ist nicht mehr gewachsen. Und er hat seine Magie verloren."
„Sie beide können derzeit nicht zaubern?", fragte Dumbledore interessiert und nahm auf seinem Sessel Platz.
Harry und Draco schüttelten synchron die Köpfe.
„Wie kam es, dass auch Sie eine dieser Süßigkeiten probiert haben?", hakte Dumbledore nach.
Er wirkte immer noch weder unfreundlich noch verärgert und Harry hatte ehrlich keine Ahnung, worauf der Schulleiter hinaus wollte.
„Sir, das weiß ich auch nicht mehr so genau. Wir haben uns gestritten und.. ich weiß auch nicht mehr", erwiderte Draco kleinlaut.
„Und wo waren Sie zu dem Zeitpunkt? Man hat das ganze Schloss nach Ihnen abgesucht. Niemand konnte Sie finden."
„Wir wissen nicht genau, wo wir waren. Irgendwo auf der Straße zwischen Hosgmeade und Hogwarts, vielleicht auch im verbotenen Wald", antwortete Harry für Draco.
Wenn man die Geschichte so zusammenfasste, klang sie einfach nur dumm. Es wäre wirklich ein Wunder, wenn Dumbledore ihm die Geschichte abkaufen würde.
„Zaubern Sie mal etwas, Mr. Malfoy", befahl Dumbledore.
Draco deutete auf eines der Bücher vor ihm. „Accio!"
Aus seinem Stab sprühten ein paar Funken, doch das Buch rührte sich nicht.
„Das ist eigenartig", sagte Professor Dumbledore und betrachtete die beiden eine Zeitlang. „Die Wirkung hat nie nachgelassen? Sind Sie vielleicht ein Stück größer geworden?"
Harry schüttelte den Kopf.
Es klopfte harsch an der Tür und Dumbledore sah erstaunt auf. Ohne dass man ihn herein gebeten hätte, stürmte Lucius Malfoy das Büro.
„Wo ist mein Sohn?", verlangte er herrisch zu wissen.
Dumbledore lächelte. „Hier. Nur ein wenig kleiner. Aber ich kann mich gar nicht daran erinnern, Sie herein gebeten zu haben."
Lucius' Blick huschte unruhig über den Schreibtisch. „Sie wollen mich wohl verschaukeln?"
„Aber nein, Draco ist hier. Unversehrt."
Draco sah verärgert zu seinem Vater hinüber und Harry musste sich ein Grinsen verkneifen.
„Dad, es geht mir gut", grollte er.
Lucius Malfoy starrte fassungslos auf den Miniaturdraco und erkannte dann auch Harry.
„Ich verlange zu wissen, was hier vor sich geht", herrschte er Dumbledore an, doch dieser wandte sich wieder Harry und Draco zu.
„Ich bin gleich wieder bei euch." Dann erhob er sich und nahm Lucius Malfoy beim Arm. „Folgen Sie mir doch bitte."
Gemeinsam verließen die beiden den Raum und ließen Harry und Draco auf dem Schreibtisch zurück, die einander ziemlich verwirrt ansahen.
„Dein Dad ist anstrengend, oder?", sagte Harry schließlich.
„Ja", erwiderte Draco zerknirscht. „Er sucht ständig nach einem Grund, Dumbledores Autorität zu untergraben. Er ist manchmal... speziell..."
Harry war erstaunt über die offene Antwort des Slytherins. Solche Dinge war er gar nicht gewohnt. Draco schien sich ebenfalls über die Antwort zu wundern, denn er schwieg und ließ sich auf der Schreibtischkante nieder, von wo er die Beine baumeln ließ.
Dumbledore kehrte allein in das Büro zurück. „So", sagte er. „Ihr Vater, Mr. Malfoy, ist für's Erste beruhigt. Sie können nun also ganz offen mit mir sprechen."
„Professor, das war eigentlich schon die ganze Geschichte. Wir haben beide eine Dummheit gemacht, aber es war nie unsere Absicht, zu verschwinden, oder die ganze Schule in Aufruhr zu versetzen. Eigentlich war es nur der übliche Kampf: Slytherin gegen Gryffindor, der ein wenig eskaliert ist", erklärte Draco matt.
„Und ich bin mir sicher, dass Draco sich nicht im Klaren darüber war, was er damit anstellt. Es war ja bloß ein Scherz", beeilte sich Harry hastig hinzuzufügen.
Das amüsierte Glitzern in den Augen des Schulleiters entging ihm dabei nicht.
„Wissen Sie, das habe ich auch noch nicht gehört. Jedenfalls nie von einem Slytherin und einem Gryffindor, wenn sie zusammen in meinem Büro saßen. Ich sollte Weasleys Zauberhaften Zauberscherzen tatsächlich dankbar sein, wenn das die Magie ist, die in ihren Süßigkeiten liegt."
Harry lachte leise, doch Draco schien immer noch verunsichert zu sein.
„Das heißt sie bestrafen uns nicht, Sir?"
„Oh doch, natürlich. Zumindest bekommt Mr. Potter eine Strafe dafür, dass er versucht hat, den Unterricht zu schwänzen – es ist ihm immerhin geglückt, und Sie, Mr. Malfoy haben sich ebenfalls dazu verleiten lassen. Ich denke eine Woche nachsitzen sollte wohl alle Beteiligten zufrieden stellen."
So, wie Dumbledore das sagte, klang es keineswegs unfreundlich. Eher belustigt.
Draco seufzte sichtlich erleichtert auf.
„Jetzt habe ich aber genug davon, meine Ohren so anzustrengen. Ich bin nicht mehr der Jüngste, wie Sie vielleicht wissen."
Vorsichtig hob Dumbledore die beiden hoch und setzte sie auf dem Fußboden ab. Harry versank bis zu den Knien in dem flauschigen Teppich. Als Dumbledore einen Schlenker mit seinem Zauberstab machte, musste Harry geblendet die Augen schließen, so hell war das Licht, das vom Zauberstab des Schulleiters ausging. Ein Ruck ging durch seinen Körper und eine unheimliche Wärme durchfuhr erst seine Beine, dann seine Arme und schließlich seine Brust.
Als er die Augen wieder öffnete, war seine Perspektive eine andere. Der Fußboden befand sich weit unter ihm und er konnte dem Schulleiter nun direkt wieder in die Augen blicken.
Draco neben ihm sah erst ungläubig zu Harry, dann zu Dumbledore.
„Wunderbar", sagte Dumbledore und klatschte in die Hände. „Das hätten wir also. Sie können jetzt gehen. Ich bin mir sicher, sie haben ihre Betten schmerzlich vermisst. Und Mr. Malfoy, sorgen Sie sich nicht um ihren Vater, ich spreche später noch einmal mit ihm."
Ein wenig unschlüssig sahen Harry und Draco einander an, dann setzte Harry sich schließlich in Bewegung und griff nach dem Türknauf.
„Einen Moment noch", hielt Dumbledore sie zurück. „Beinahe hätte ich vergessen, sie über ihre Strafarbeit zu informieren. Da Sie beide ja offenbar bestens ohne Magie auskommen, werden Sie für diese Aufgabe auch keine Magie brauchen. Melden Sie sich morgen bei Mr. Filch, er wird Ihnen die nötigen Geräte mitgeben. Und da Sie sich ebenfalls bestens auf der Straße zwischen Hogsmeade und Hogwarts auskennen, dürfen Sie die in der nächsten Woche ein bisschen instand setzen."
Harry verzog das Gesicht zu einem Lächeln. Nun gut, es hätte sie auch schlechter treffen können. Und außerdem... er war bei Draco. Ganz legitim. Niemand würde sich daran stören. Manchmal war er sich wirklich nicht sicher, wie viel der alte Schulleiter eigentlich wusste. Für seinen Geschmack manchmal zu viel.
Draco schien ähnliche Gedanken zu haben, denn auch sein Lächeln wirkte ehrlich zufrieden. „Vielen Dank, Professor", sagte er sogar.
Dumbledore erwiderte das Lächeln und winkte ihnen zum Abschied.
Draußen auf dem Flur blieben sie beide, wie angewurzelt stehen. Hinter ihnen schloss sich rasselnd der Mechanismus, der die Pforte zu Dumbledores Büro aktivierte. Jetzt waren sie beide allein.
„Also dann, Potter...", begann Malfoy zögerlich.
Harry sah ihn spöttisch an. „Das Potter kannst du dir schenken, meinst du nicht?"
Draco lachte verschämt. „Hast schon recht, ja."
„Ungewohnt", murmelte Harry, weil er selbst nicht recht wusste, was er dem Slytherin eigentlich sagen wollte.
Der nickte nur. „Ja."
„Wir sehen uns dann morgen", murmelte Harry schließlich.
Draco nickte erneut. Dann machte er doch noch einen Schritt auf Harry zu und hauchte ihm einen Kuss auf die Wange. „Ich freu mich auf morgen", flüsterte er.
Einen kurzen Moment genoss Harry noch einmal die Wärme des anderen. „Ich freu' mich auch, Draco. Wirklich..."
Unendlich langsam setzte Draco sich in Bewegung. Am Ende des Ganges blieb er noch einmal stehen und wandte den Blick noch einmal zu Harry um, der dort stehen geblieben war, wo er war.
„Näher an den Sternen?", rief Harry zu ihm hinüber.
Das Lächeln auf Malfoys Lippen wurde breiter. „So nah war ich noch nie."
..::~::..
Ende
Ich habe das Ende bewusst so offen gelassen, da soll sich jeder seinen Teil zu denken. Bin kein Fan von: Happy Gay World und Akzeptanz und schwuler Party. Das was sie da haben, das kennen sie selbst nicht und es ist viel zu neu und zu beunruhigend, als dass sie es mit aller Welt teilen müssten. Ich danke allen, die hier mitgelesen haben ganz herzlich für ihre Geduld und die vielen netten Reviews. Eine Fortsetzung wird es aber, so Leid es mir tut, nicht geben, ich bin einfach ein miserabler Harry/Draco Schreiber. Aber ich habe mich gefreut, dass mein Versuch so vielen gefallen hat, denn ich wollte unbedingt eine Harry/Draco Geschichte schreiben, die nicht so ist wie alle anderen, die ich eben alle nicht mag. Vielen, vielen Dank an alle meine Leser. Hoffe ich habe euch ein bisschen die Tage versüßt.
