A/N: Danke schön Regenbogen, für die Reviews! :-)


Es war jedes Mal wieder ein Schock, das große, majestätische Skelett des alten Baumes nicht mehr zu sehen.

An seiner Stelle wuchs nun der Sprössling: So klein, so dünn, dass man seinen Stamm mühelos mit einer Hand hätte umfassen können - doch bei Vána, er war lebendig!

Wie sehr, machte er ihnen eindringlich klar: Als der König ihn gepflanzt hatte, war der junge Baum knapp drei Fuß hoch gewesen, doch in den vergangenen Wochen war er sicherlich um mehr als eine Handbreit gewachsen. Er hatte ausdauernd zu blühen begonnen, hatte damit seinem Namen Weißer Baum alle Ehre gemacht. Mittlerweile machten die Blüten ersten Blättern Platz, die in dunklem Jadegrün leuchteten.

So klein der Baum auch war, so verschwenderisch war die Menge seiner Blüten: Sie vermochten es an einem windstillen Abend wie diesem ihren honigartig-fruchtigen Duft über das ganze Plateau zu verströmen.

Sitzgelegenheiten waren rund um das Rondell geschaffen worden. Die ersten Gäste hatten bereits Platz genommen und die Musiker stimmten ihre Instrumente. Faramir setzte sich ebenfalls und bückte sich, um einige der abgefallenen Blüten aufzusammeln. Er hatte sie zwischen seinen Fingern zerreiben wollen, um ihren Duft noch stärker wahrzunehmen, brachte es nun aber doch nicht über sich, diese fragile Schönheit zu zerstören. Ihr Geruch erinnerte ihn an etwas lang vergessenes, etwas, dass er nicht wirklich zu fassen bekam. Es war wie Kindheit, Geborgenheit, ... Möglichkeit. Früh am Morgen zu erwachen und zu wissen, dass an diesem Tag alles zu geschehen vermochte.

Die Anwesenden erhoben sich, als König und Königin auf den Hof traten. Éowyn kam mit Arwens Ehrenjungfrauen, trennte sich von ihnen, als sie Faramir gewahr wurde, und kam zu ihm, um ihren Platz an seiner Seite einzunehmen.

Sie tauschten ein höfliches Lächeln, die Musiker begannen zu spielen - kaum dass der letzte Gast Platz genommen hatte - und ersparte es ihnen ein Gespräch führen zu müssen.

Mithrandir sollte wie so oft Recht behalten. Elbische Musik war Magie: Der Klang ihrer Harfen schiender von perlenden, silbernen Bächen, der ihrer Flöten Nachtigallengesang, die Trommeln schienen wie das Tanzen von Rehhufen auf weichem Waldboden. Es war als hätten die Kinder Ilúvatars alle Laute der Natur genommen, sie in einem alchemistischen Prozess gereinigt und veredelt um ihre Essenz, ihr innerstes Wesen in vollkommener Harmonie zu offenbaren. Die Stimmen der Sänger waren so makellos, so klar, dass es fast schmerzte, diese Perfektion zu hören.

Faramir verlor sich in den Eindrücken, die diese Musik schuf, spürte wie alle Anspannung der letzten Wochen von ihm abfiel. Ihm war, als würden die letzten Schatten, die der Atem des Nazgûl in seinem Geist hinterlassen hatte, von einer reinigenden Flut fortgeschwemmt werden. Die Musik ließ ihn seine Trauer um Mithrandirs Fortgang vergessen, ließ ihn nach Éowyns Hand greifen und sie kaum bewusst sanft mit dem Daumen streicheln. Unter ihrer Wirkung gelang es Faramir dem Blick des Königs zu begegnen und sein Lächeln zu erwidern, ohne das Gefühl zu haben, als würde eine Handvoll Glassplitter auf seinem Herzen zerrieben werden.

Doch der Zauber der Musik hielt nicht lange vor. Als die letzten Töne verklungen waren, schien es, als würde die Sonne aufhören zu scheinen, lediglich den flüchtigen Eindruck und die Erinnerung an Wärme hinterlassen, der langsam verblasste.

Faramir blieb in seinem Arbeitszimmer, um Éowyn Zeit zu lassen, sich zu Bett zu begeben.

Er schenkte sich noch einen Becher Wein ein, trank zügig und wanderte ziellos im Zimmer umher. Auf der Suche nach etwas, dass ihn beschäftigen könnte, fand er eine lang nicht mehr geöffnete Kiste auf einem der Regale. Er trug sie zum Schreibtisch und öffnete sie. In ihrem Inneren fand er ein Dutzend Landkarten, die eigentlich ins Archiv gehörten - Faramir hatte sie vor vielen Monaten ausgeliehen um sie als Grundlage für eine eigene zu benutzen.

Sie war als Geschenk für Boromir gedacht gewesen.

Faramir breitete den Entwurf langsam aus, hielt eine Seite mit der Linken und stellte seinen Becher auch auf das andere Ende, damit das Pergament sich nicht wieder aufrollte. Mit einem Finger fuhr er die türkisfarbene Linie des Anduin nach, dann die in rostroter Tinte gehaltenen Hauptstraße durch Lossarnach und Anórien. Allein das Zeichnen der Windrose hatte mehrere Tage gedauert, denn er hatte versucht eines dieser wunderschönen aber hochkomplizierten elbischen Muster zu kopieren.

Boromir hätte das Geschenk gefallen. Er hätte seinen kleinen Bruder vielleicht scherzhaft damit aufgezogen, dass er sich beim Zeichnen dieser unnötigen Schnörkeln und Mustern nur die Augen verdarb - aber er hätte sich gefreut.

Faramir sank auf den Stuhl, tastete nach dem Becher ohne sich darum zu kümmern, dass das Pergament sich zusammenrollte. Er trank den restlichen Wein mit einem Zug, wischte die Karte vom Tisch. Sie war nutzlos. Die Grenzen stimmten auch nicht mehr seit dem Krieg.

Faramir füllte seinen Becher erneut, das Schlucken bereitete ihm Schwierigkeiten. Er trank zu viel, seine Hände zitterten.

Als er schließlich entschloss, sich schlafen zu legen, fand er das benachbarte Zimmer in Dunkelheit vor. Éowyn hatte alle Kerzen gelöscht, allein die Lampe die er trug, und ihr Zwilling im Spiegel spendeten Licht. Faramir blieb einen Herzschlag lang schwankend stehen, bevor er sich ruckartig abwandte. Hochgewachsen, hellhäutig, schwarzhaarig und grauäugig. Er wollte sie nicht sehen, die Ähnlichkeit mit dem König.

Éowyn lag wie immer mit dem Rücken zur Mitte des Bettes. Faramir entkleidete sich, löschte das Licht und stieg unter die kühlen Laken.

Sie schlief, oder gab vor zu schlafen.

Faramir starrte ins Dunkle und stellte sich die Frage, was sein Bruder, was ein echter Mann an seiner statt getan hätte: Gewaltsam seine Rechte eingefordert? Faramir unterdrückte ein grimmiges Auflachen: Selbst wenn er nicht betrunken gewesen wäre - er war sich nicht sicher, dazu überhaupt in der Lage zu sein. Die bloße Erinnerung an das Ende der Hochzeitsnacht beraubte ihn seiner Manneskraft.

Faramir drehte sich auf die Seite, presste sein erhitztes Gesicht gegen das kühle Linnen des Kopfkissens.

Keine Lage war bequem.

Er wälzte sich herum, schlug die zu warme Decke fort. Er war müde, die Mächte wussten wie sehr!, aber der Schlaf wollte einfach nicht kommen.

Wenn er als Knabe nicht hatte schlafen können, hatte er sich in Wachträume geflüchtet, erinnerte Faramir sich. Sie hatten ihm nicht nur beim Einschlafen geholfen – wenn sie intensiv genug waren, hatten sie ihn manchmal in den Schlaf hinüber begleiteten, um dort den Alpträumen Zeit und Platz streitig zu machen.

Damals hatte er sich vorgestellt, von Minas Tirith fortzugehen, fort von Denethors spitzer Zunge, seinen abschätzigen Blicken und verächtlichen Kommentaren, um irgendwann als berühmter und gefeierter Held zurückzukehren; in Ehren empfangen von seinem reumütigen Vater, der endlich hatte erkennen musste, was sein zweiter Sohn wert war.

Doch nun? Wovon durfte er jetzt träumen...?

Vielleicht von dem Moment, als das Versprechen vom Heil noch keine Schatten und Widerhaken in sich getragen hatte.

Faramir wusste, er hatte unter schreckliche Alpträume gelitten, in der Zeit, als er nach seiner Verwundung im Fieber gelegen hatte, aber an ihren Inhalt konnte er sich gnädiger Weise im Wachen nicht erinnern. Das, an was er sich als erstes erinnerte, war eine Stimme, die seinen Namen rief. Und an den Geruch nach Athelas: Wie der reifer Pfirsiche und sommerlicher Gärten nach einem reinigenden Gewitter, wenn Dampf aus dem Gras aufstieg, und die Vögel wieder zu singen begannen. Die Stimme hatte er nie zuvor vernommen, und dennoch war sie ihm bekannt, vertrauter noch als die Stimme seines eigenen Bruders. Faramirs Sichtfeld war verschwommen, er sah nur undeutlich die erschöpften, besorgten Züge eines dunkelhaarigen Mannes, der sich über ihn gebeugt hatte, fühlte dessen Hand wundersam kühl auf seiner schmerzenden Stirn. Dann klärte sich seine Sicht, und er begegne dem Blick seines Heilers.

Das Erkennen war wie ein Schock: Sein König! Dies war sein König, er wusste es, war sich dessen so sicher wie ein wiedergeborener Elb es sein würde, der in seiner neuen, sterblichen Hülle auf einen geliebten Angehörigen traf, ohne sich an seine vergangene Existenz erinnern zu können.

Dies war sein König, in dessen Hände er sein Leben legen konnte.

*

Faramir erwachte mit der Übergangslosigkeit eines Kriegers im Feindesland, fuhr erschrocken empor.

Etwas stimmte nicht!

Er tastete nach einer Waffe, bevor er sich bewusst war, wo er sich befand, blieb reglos im Bett sitzen, um zu erkennen was ihn geweckt hatte. Es war kurz vor Tagesanbruch. Kein Laut war zu hören, nicht einmal Éowyns Atem - sie hatte das Bett bereits verlassen.

Faramirs Unruhe nahm nicht ab, er konnte sich nicht wieder hinlegen um zu versuchen noch einmal Schlaf zu finden, er musste herausfinden, was ihn geweckt hatte.

Er erhob sich, zog die Tunika vom Vorabend über, die zerknittert am Fußende des Bettes lag, und griff nach seinem Schwert.

Die Tür zu Éowyns Gemächern war nur angelehnt, Faramir betrat sie zum ersten Mal.

Überall lagen Kleidungsstücke und Dinge verstreut, es sah aus als hätten die Diener seit Tagen nicht mehr aufgeräumt.

Die Tür, die in den Garten führte, stand offen. Faramir versuchte zu verstehen, was hier passiert war, was dieses Chaos zu bedeuten hatte. Er ging langsam auf die gegenüberliegende Tür zu, bemüht trotz des spärlichen Lichts nicht auf irgendetwas zu treten. Trotzdem stieß er mit dem bloßen Zehen gegen etwas kühles, glattes, dass mit dem typischen Geräusch von Eis auf Eis ein Stück über den Boden glitt.

Faramir ging langsam in die Knie. Es war der Kopf der gläsernen Pferdestatue, die er Éowyn zu ihrer Hochzeit geschenkt hatte. Unter dem Kleid daneben lag der zersplitterte Torsos. Faramir streckte die Hand aus und fuhr mit einem Finger den Wellenkamm der Mähne nach. Es war absurd, aber der Anblick der zerbrochenen Statue tat ihm so weh, als würde er die zerschmetterten Glieder eines einst lebendigen Tieres betrachten.

Gondors Truchsess erhob sich langsam von den Knien. Nichts war passiert, er konnte seinen eigenen Gefühlen nicht mehr trauen. Éowyn war früher aufgestanden als er, war vielleicht schon unten in den Stallungen, um mit dem Sperber auf die Jagt zu gehen, sobald die Sonne aufgegangen war. Faramir kam sich dumm vor, wie er da stand, mit dem gezückten Schwert in der Hand. Was, im Namen aller Mächte, hatte er denn geglaubt, was passiert sei? Dass Orks sich in Minas Tirith eingeschlichen, und Éowyn entführt hätten?

Denethors Sohn rieb sich mit einer Hand über die Augen. Es lohnte sich nicht, noch einmal schlafen gehen zu wollen. Er trat durch die offene Tür in den Garten und nahm einen tiefen Atemzug. Der Gesang der ersten Vögel begrüßte die Morgendämmerung, es war noch kalt und er fröstelte.

Aus den Augenwinkeln sah er eine Bewegung, das Flattern von weißem Stoff, und erstarrte.

Sie stand auf dem Geländer der Balustrade, ihre Arme hingen reglos an ihrer Seite hinab, ihre Schultern waren gebeugt wie die einer alten Frau, ihr Haar wirr und halb aus dem Zopf gelöst.

„Éowyn", flüsterte er, „Nein."

Ein sichtbares Schaudern lief durch ihre Gestalt, als sie seine Stimme hörte. Langsam sah sie sich zu ihm um. Ihr Gesicht war kalkweiß, ihr Blick so leer, als würde sie schon in eine andere Welt sehen.

„Du solltest nicht hier sein", murmelte sie wie im Selbstgespräch.

„Éowyn - "

„Bleib zurück!", stieß sie hervor, als Faramir einige Schritte auf sie zutrat.

„Tue es nicht", flüsterte er.

„Warum nicht?" entgegnete sie tonlos.

„Aragorn würde die Schuld bei sich suchen, da er weiß, dass es seine Ablehnung war, die dich dazu getrieben hat."

Éowys Blick flackerte, doch dann schüttelte sie langsam den Kopf.

„Nein. Es wird wie ein Unfall aussehen."

Da wusste Faramir, dass keine Bitte, kein Flehen, sie von ihrem Vorhaben abhalten würde. Er schloss die Augen, atmete tief ein.

Zurück ... !", stieß sie hervor, als er auf das Geländer zutrat.

Faramir schüttelte den Kopf.

„Sei unbesorgt, ich habe nicht vor, dich aufzuhalten. Lass uns den Weg des Feiglings gemeinsam nehmen, Herrin des Schildarms."

Éowyn starrte Faramir an, als hätte er sie geschlagen.

Er stiegt mehr als eine Armeslänge von ihr entfernt ebenfalls auf die kniehohe Balustrade. Ihr Augen wurden groß, als sie erkannte, dass es ihm ernst war.

„Das kannst du nicht tun!", flüsterte sie, „Du sollst leben. Du sollst frei sein, dir eine andere Frau zu suchen. Eine, die dir gerecht wird, eine die dich aus ganzem Herzen liebt, nur dich allein, so wie du es verdienst."

„Wie soll ich frei sein, mit der Schuld, dass ich dich in den Tod habe gehen lassen? Frei, mit dem Wissen, dass es kein Unfall war?"

Ihre Lippen zitterten, formten Laute und Worte ohne sie auszusprechen. Ihre Hände öffneten und schlossen sich krampfhaft. Éowyn schüttelte heftig den Kopf, sah schließlich zu ihm auf.

Wie jeder Schwertkämpfer erkannte Faramir an ihrem Blick, dass sie eine Bewegung machen würde, bevor sie auch nur die Muskeln spannte. Er wartete nicht ab, ob sie ihren Fuß vor oder zurück setzen würde, sondern sprang, packte sie und warf sich zurück.

„Éowyn", keuchte er, „Éowyn. Éowyn."

Er hatte die Arme so fest um sie geschlungen, dass sie beide kaum atmen konnten. Sein Klammergriff musste ihr weh tun, doch sie wehrte sich nicht, ruhte völlig reglos auf ihm wie eine Puppe.

Faramir wusste nicht, wie lange sie dort lagen, spürte nicht wie das kalte, taufeuchte Gras seine Tunika durchweichte, die Stadt unter ihnen langsam aus dem Schlaf erwachte und die Geräusche des anbrechenden Tages zu den oberen Ebenen hinaufhallten.

Éowyns Atem traf seinen Hals in keuchenden Stößen, und schließlich, endlich begann sie zu weinen. Ihr gesamter Körper wurde von heftigen Schluchzern geschüttelt. Faramir löste seine Umklammerung, um ihr unbeholfen über den Kopf zu streicheln, spürte, wie sie ihre Hände in den Stoff seiner Tunika krallte.

„Es tut mir leid! Faramir, es tut mir so leid!", stieß sie schließlich hervor, „Ich habe ein Kleid darüber werfen wollen. Weil ich es nicht länger ansehen konnte, wie es da stand. So perfekt, so schön!", stieß sie von Schluchzern unterbrochen hervor, „Ich habe es zerstört!"

Es dauerte einige Zeit, bis Faramir verstand, dass sie von dem Glaspferd sprach. „Wie unsere Hochzeit, bis ich ... bis ich ..."

Sie konnte nicht weiter sprechen vor Weinen, Faramir strich ihr hilflos weiter über den Kopf und ihren zuckenden Rücken, bis ihr Schluchzen irgendwann nachließ und unter Schluckauf verstummte.

„Es ist unmöglich, es ist so ... dumm, so irrsinnig!", murmelte sie erschöpft gegen seine Brust, „Aber ich kann einfach nicht aufhören, ihn zu lieben!"

„Ich weiß, nín meleth", antwortete Faramir leise, streichelte ihren weichen, flachsfarbenen Schopf, „Man kann seinem Herzen nicht befehlen."

Seine Antwort ließ sie erneut schluchzend nach Atem ringen, obwohl sie vom langen Weinen so ausgelaugt war, dass sie keine Tränen mehr hatte.

„Ich habe dich nicht verdient!", flüsterte sie, „Wieso hasst du mich nicht? Wäre ich an deiner Stelle, ich weiß nicht ... ich glaube, ich würde vergehen vor Eifersucht, ich könnte nicht wie du..."

Faramir biss die Zähne zusammen, schüttelte den Kopf.

„Nein, Éowyn, halt mich nicht für besser, als ich bin! Ich habe lediglich lebenslange Erfahrung darin, auch denjenigen zu lieben, dem die Gunst des Menschen, nach dessen Zuneigung ich mich sehne, gehört."

„Dein Vater ... ?", murmelte sie.

„Ja. Selbst als ich mir schließlich eingestehen musste, dass er Boromir mir vorziehen würde, egal was ich tat, wie sehr ich mich auch anstrengte so zu sein, wie er es wünschte, habe ich ihn nicht hassen können. Oder eifersüchtig sein können auf meinen Bruder. Wahre Liebe lässt kein Raum für Hass oder Missgunst. Wenn doch, so ist es keine Liebe, was man empfindet, sondern Besitzdenken und Angst."

Éowyn richtete sich halb auf, sah ihn aus verquollenen, roten Augen an.

„Dann ... gibt es noch Hoffnung für uns?", fragte sie.

Faramir schaffte es, ein Lächeln zustande zu bringen. Er hob eine Hand um ihr den Ring an seiner Linken zu zeigen. „Erinnerst du dich? Er ist nicht wirklich heruntergefallen - ganz so schlecht kann der Stern, der über unserer Hochzeit stand, also nicht sein. Es gibt Hoffnung. Ich glaube, wenn wir beide es nur wollen, dann können wir einen neuen Anfang finden."

Éowyn entgegnete nichts, ließ ihren Kopf wieder zurück auf seine Brust sinken, in unregelmäßigen Abständen rang sie abgehakt nach Luft, dann wurde ihr Atem ruhiger und gleichmäßiger und irgendwann war sie eingeschlafen.

Faramir rollte sie vorsichtig von sich herunter, und hob sie auf seine Arme um sie ins Haus zu tragen.

Es war nicht die ganze Wahrheit. Aber eine Basis.