Kapitel 3 ~Don't fly away~

Es war noch keine halb zwölf, als es an Sam's Haustür klingelte. Schnell lief sie zur Tür, bat ihren Colonel herein und war dann auch schon wieder verschwunden. Jack folgte ihr leicht verwirrt in die Küche. Die Hände lässig in den Hosentaschen, lehnte er sich an ihren Küchentresen, während sie wie wild durch das Haus lief und ihre Sachen zusammen suchte. Leicht amüsiert beobachtete Jack, wie sie, immer wenn sie durch die Küche lief, sich die Kaffeetasse schnappte, im Weitergehen einen Schluck daraus nahm und die Tasse dann neben Jack abstellte.

„Sir, möchten Sie auch einen Kaffee?", bot sie ihm gespielt fröhlich an, dann war sie auch schon wieder ins Wohnzimmer verschwunden.

„Ja, gerne." Und noch bevor Sam dazu kam, ihm eine Tasse aus dem Schrank zu holen, und ihm etwas einzugießen, hatte Jack sich schon ihre Tasse geschnappt und nahm genüsslich einen großen Schluck. Als er aufsah hatte er Sam's Gesicht mit einem leicht säuerlichen Ausdruck vor sich.

„Sir. Ich meinte eigentlich, dass Sie Ihre eigene Tasse bekommen. Das ist mein Kaffee da.", stellte sie mit einem Blick auf ihre, nun halbleere Tasse, angeknirscht fest.

Als Jack sich jedoch mit einem schuldvollem Blick bei ihr entschuldigte, musste sie schmunzeln: „Schon gut, Sir. Dann habe ich nicht mehr so viel zu spülen." Damit hatte sie den Raum auch schon wieder verlassen. Jack sah auf die Uhr. Wenn sie nicht im totalen Stress einchecken wollten, musste sie jetzt langsam los. „Carter, wie lange brauchen Sie denn noch?"

„Nur noch eine Minute.", kam es aus dem Schlafzimmer. „Sie sind doch sonst immer so pünktlich.", rief Jack ihr kopfschüttelnd nach. Kurz darauf erschien sie mit einem Koffer in der einen Hand und einer Jacke über dem Arm, in der Küche.

„Ich weiß, Sir. Aber heute bin ich…"

„Schon gut, Carter. Tut mir Leid. Ich hatte vergessen, dass…", stockte er. Er wollte es nicht aussprechen. Doch Sam verstand und lenkte schnell ab. „Meinetwegen können wir sofort los, ich muss nur noch die Tasse ausspülen." Sie schnappte sich die Tasse aus Jack's Hand, nahm den letzten Schluck und hielt sie unter den Wasserstrahl. Verdutzt darüber, plötzlich nichts mehr in der Hand zu haben, schnappte Jack sich Sam's Koffer und ging Richtung Haustür.

Eine Dreiviertel Stunde später parkte Jack seinen Ford vor dem Colorado Springs Airport. Er stieg aus und holte seine Reisetasche und Sam's Koffer von hinten, während Sam im Wagen sitzen blieb. Die ganze Fahrt über hatte sie geschwiegen und er hatte irgendwann mit seinen Small Talk Versuchen aufgehört. Lass ihr die Zeit zum Nachdenken, Jack. , sagte er zu sich selbst, wollte andererseits um jeden Preis verhindern, dass sie sich in ihrer Trauerwelt vergrub.

Langsam machte er sich ernsthafte Sorgen um seinen Lieblingsmajor. Selbst als er ihr die Tür öffnete machte sie keine Anstalten auszusteigen, sondern schaute nur mit glasigen Augen nach vorne. Jack legte ihr eine Hand auf die Schulter: „Sam. Hey…wir sind da. Sie können jetzt aussteigen." Erst jetzt registrierte Sam, dass sie nicht mehr fuhren. Sie schaute sich um. Vor ihr lag das Flughafengebäude. Sie waren also da, komisch, ihr war die Fahrt gar nicht so lange vorgekommen. Verwirrt schaut sie zu Jack hoch.

„Wie lange stehen wir schon hier?" Sie konnte sich nicht erinnern, wo sie mit den Gedanken gewesen war. „Och…ehm…ich war eben schnell eine Pommes essen, dann habe ich eingecheckt, und die Taschen geholt.", konnte es Jack sich nicht verkneifen.

Sam warf einen Blick auf ihre Armbanduhr. „Sir, das können Sie in der Zeit gar nicht geschafft haben. Zum Flughafen braucht man…" Jack unterbrach sie: „Schon gut, Carter. Das war ein Witz. Ich wollte Sie nur ein bisschen ärgern. Sie waren nur in Gedanken. Wir sind gerade erst angekommen. Und nun sehen Sie zu, dass Sie aus dem Wagen kommen, ehe Sie Schimmel ansetzen." Beide mussten lächeln. Bei jedem anderen wäre sie beleidigt über diese Bemerkung gewesen, aber bei Jack wusste sie, wie es gemeint war und schließlich schaffte sie es tatsächlich sich ihre Handtasche zuschnappen und aus dem Wagen zusteigen. Mit einem tiefen Atemzug versuchte sie frische Luft in ihre Lungen zupumpen und gleichzeitig fuhr sie sich durch die Haare. Sie konnte sich nicht erinnern, wann sie das letzte Mal so müde gewesen war. Gut, an den Wochenenden, die sie über ihrem Reaktor verbrachte war sie vermutlich genauso müde, konnte die Müdigkeit jedoch mit literweise Kaffee vertreiben. In Gedanken zählte sie nach. Sie hatte heute erst drei Tassen des lecker duftenden Lebenselixiers gehabt. Das konnte ja nichts werden.

Jack beobachtete, wie sie versuchte Leben in ihren Körper zu bringen. „Können wir?" Ein Murren war die Antwort. „Okay, Carter, lassen Sie mich raten: Sie brauchen einen Kaffee!"

Er schien ihre Gedanken zu lesen. „Woher wissen Sie…?"

„Kommen Sie schon, Sam, ich arbeite seit sieben Jahren mit Ihnen zusammen und wenn wir auf Mission sind, stehen Sie eine halbe Stunde früher auf, nur um genügend Zeit zu haben, literweise Kaffee in sich hineinzuschütten. Warum hat SG-1 wohl immer eine Extrapackung Kaffeepulver dabei? Nicht nur Daniel schluckt das Zeug wie blöde. Glauben Sie mir, ich wäre stark überrascht, wenn Sie jetzt keinen Kaffee gebrauchen könnten."

Sam fühlte sich unangenehm durchschaut. Wieso achtete ihr Colonel auf so was? Doch ihre Gedanken wurden von Dankbarkeit abgelöst, als er ihren Koffer hinter sich herzog, während er seine eigene Tasche um den Arm trug. Sie fühlte sich nicht in der Lage einen Koffer zuschleppen. Im Moment lag genug Last auf ihren Schultern, wenn auch nur symbolisch. Eigentlich wollte sie nur zurück in ihr Bett, tagelang schlafen und dann aufwachen, um festzustellen, dass alles nur ein schlechter Traum gewesen war und ihr Bruder noch lebte. Doch sie wusste, dass dem nicht so war und musste nach San Diego. Wer würde sich sonst kümmern? Ihre Mutter war tot, ihr Vater auf Mission und wahrscheinlich nicht zu erreichen. Moment. Sie wusste gar nicht, ob er zu erreichen war. Sie hatte es bis jetzt ja noch nicht versucht. Das hatte sie völlig vergessen. Schnell kramte sie ihr Handy aus der Tasche und schaute verwirrt auf den Bildschirm. Warum war es ausgeschaltet? Trotz mehrerer Versuche es wieder in Gang zu bekommen, ließ es sich nicht einschalten.

„Vielleicht ist der Akku leer.", mutmaßte Jack. Das sie da nicht gleich drauf gekommen war. Sie hatte es gestern Abend aufladen wollen, war aber nicht dazu gekommen, weil sie erst heute Morgen zu Hause ankam. Und da hatte sie natürlich nicht dran gedacht. Jetzt flog sie ohne funktionierendes Handy durch das Land und niemand konnte sie erreichen. Doch dann fiel ihr etwas ein: „Sir? Haben Sie ein Handy bei sich?" Jack hatte geahnt, dass diese Frage kommen würde und er zog es aus der Jackentasche. „Carter, Sie wissen ja, wie ich diese Dinger hasse. Aber Hammond hat mich gezwungen, eins mitzunehmen, damit er uns erreichen kann. Wen wollen sie eigentlich anrufen?"

„Den Stützpunkt. Ich will, dass sie versuchen, Dad zu erreichen. Ich muss es ihm sagen. Ich will nicht, dass er es von einem Außenstehenden erfährt." Jack steckte das Handy zurück in seine Tasche. „Sir?", kam es fragend von Sam.

„Schon erledigt. Ich habe Hammond doch gestern Abend informiert. Er weiß von Mark und er versucht bereits die Tok'ra zu erreichen. Ich denke, er wird sich melden." Sam war überrascht. Jack hatte anscheinend an alles gedacht. Sie war ihm dankbar dafür und schenkte ihm eines ihrer berühmten Lächeln. Zwar war es heute keines ihrer 5000 Watt-Lächeln, aber für einen kurzen Augenblick hätte es ausgereicht, einen kleinen Raum damit zu erhellen.

Jetzt blieb nur noch einer zu benachrichtigen. Die ganze Zeit hatte sie es vor sich hergeschoben. Nachdem sie es gestern Abend am Telefon erfahren hatte, hatte sie sofort versucht ihn zu erreichen, aber es ging nur die Mailbox ran. Wahrscheinlich war er im Dienst. Ihr hatte der Mut gefehlt, es laut auszusprechen, dass Mark tot war. So als würde erst dadurch bestätigt, dass er tot war. Also hatte sie Pete nur gesagt, dass sie zu arbeiten hatte und dass sie ihr Date verschieben müssten. Jetzt machte er sich bestimmt Sorgen um sie. Sie musste ihn anrufen. „Sir?" Jack drehte sich um. Mittlerweile standen die beiden vor dem Haupteingang und Menschen strömten um sie herum. „Ja?" „Könnte ich vielleicht doch einmal ihr Telefon benutzen? Ich habe gar nicht daran gedacht Pete anzurufen." Jack zuckte innerlich zusammen. War seine Entscheidung ihn hinter ihrem Rücken anzurufen richtig gewesen? Oder hatte er sich damit zu weit in das Privatleben seines Major's vorgewagt? Er konnte nur hoffen, dass Sam es ihm nicht übel nahm. Also erzählte er ihr, dass er ihn informiert hatte.

Doch leider trat das ein, was er befürchtet hatte; sie ging in die Luft: „Gestern Abend schon?! Sir, wie...es geht ja wohl nur mich etwas an, wem ich vom Tod meines Bruders erzähle. Wie kommen Sie dazu…?!"

„Ich…Ich weiß nicht. Ich fand, dass sei ich ihm schuldig. Wenn Sie schon zu mir kommen, statt zu ihm zu gehen, sich von mir trösten lassen und bei mir übernachten, da dachte ich, dass er wenigstens das Recht hatte…", versuchte er sich zu verteidigen.

„Sie hatten nicht das Recht…!", fuhr sie erregt dazwischen, bevor sie innehielt. Sie schrie hier gerade ihren Vorgesetzen an. Was dachte sie sich eigentlich dabei? Aber er hatte wirklich kein Recht ihren Freund von dem Tod ihres Bruders zuinformieren.

„Sir, das war nicht fair.", brachte sie es von sich, ihre Stimme war nicht mehr als ein Flüstern, während sie reuevoll auf den Boden vor ihr starrte.

„Ich weiß. Gestern dachte ich, es wäre das Richtige. Aber jetzt…es ist Ihre Sache, wann Sie wen informieren. Sie haben ein gutes Recht auf mich sauer zu sein. Es tut mir Leid. Da kommen Sie schon als erstes zu mir und dann falle ich Ihnen auch noch in den Rücken. Das wollte ich nicht. Ich hoffe, ich habe Ihnen dadurch keine Probleme bereitet, Carter."

Sam dachte nach, während sie von einem Fuß auf den anderen trat. Sie hatte ihn nicht so anschreien dürfen, nach alldem, was er für sie getan hatte, aber er hätte Pete auch nicht informieren dürfen. Das war ihr Privatsache. Aber…eigentlich machte das nun auch nicht mehr viel aus. Sie hatte Pete belogen, was ihre Entschuldigung am Telefon anging und er wusste es. Vielleicht würde ihr das erleichtern, den entscheidenden Schritt zu tun. Aber vielleicht auch nicht. Jedenfalls stand sie jetzt gleich vor mehreren unangenehmen Situationen. Sie musste sich bei Jack entschuldigen, Pete die Wahrheit sagen, nach San Diego fliegen und dort alles regeln und schließlich Daniel, Teal'C und Janet Bescheid sagen. Janet hatte sie auch belogen. Und sie wünschte sich, es ungeschehen machen zu können; ihr von Anfang an die Wahrheit gesagt zu haben, doch das hatte sie nicht, und jetzt würde sie in den sauren Apfel beißen müssen. Okay, zuerst die Entschuldigung. „Sir,…", begann sie zaghaft, traute sich nicht ihm dabei in die Augen zusehen, „Ich bin Ihnen sehr dankbar, dass Sie für mich da sind, und ich hatte kein Recht Sie anzuschreien. Es tut mir Leid."

„Nein, das war schon richtig so. Ich habe meine Lektion gelernt. Es war falsch, Sie zu hintergehen, es geschieht nie wieder. Versprochen. Und jetzt lassen Sie uns das vergessen und sehen, dass wir einchecken können und Sie Ihren Kaffee kriegen. Sie sind immer noch müde, und brauchen Ruhe. Im Flieger können Sie schlafen, aber bis dahin wird Ihnen die Kaffeedroge reichen müssen." Ein leichtes Lächeln huschte über sein Gesicht. Sam nickte ihm zu und gemeinsam betraten sie das Gebäude.

Sie standen nun schon seit einer Viertel Stunde am Schalter und es schien nicht vorwärts zu gehen. Jack schaute immer wieder genervt nach vorne und trat unruhig von einen Fuß auf den anderen. Aber Sam starrte nur in die Leere. Sie war wieder einmal in Gedanken. Gefangen in ihrer eigenen Welt. Wie gern würde Jack sie da rausholen. Wie gerne würde er sie in den Arm nehmen, ihr beruhigende Worte zuflüstern und für sie da sein. Aber er hielt es für besser, ihr fürs erste nur letzteres zu bieten. Also stellte er seine Tasche auf dem Boden ab und legte ihr einen Arm um die Schultern. Sie schaute zu ihm auf. Dankbar. Er wusste, sie wollte das alles nicht wahr haben, aber irgendwann musste sie es. Spätestens wenn sie in San Diego waren. Jack ließ seinen Arm um Sam geschlungen während die beiden langsam aber stetig in der Schlange vorrückten.

Plötzlich hörte Jack Rufe hinter sich. „Sam! Sam! Hey! Sam!" Die Rufe wurden immer lauter, bis schließlich auch Sam sie wahrnahm und sich umdrehte. Jack tat es ihr nach. Oh nein. Nicht das auch noch! Wieso musste Pete jetzt hier auftauschen?! Jack hoffte, es würde nicht zu hart für Sam werden. Schnell zog er seinen Arm zurück. Er wollte Pete nicht noch Anlass zu weiterem Unmut geben. Schnell warf er einen Blick auf Sam. War da Angst in ihren Augen? Hatte sie Angst, Pete alles zubeichten? Oder war es die Angst vor dem Zusammentreffen der beiden? Ihm und Pete? Was auch immer, die Angst war da.

„Sam, Liebes! Ich hab dich überall gesucht! Keiner wusste wo du bist.", entfuhr es Pete, als er bei Ihnen angekommen war. Er zog Sam in eine hastige Umarmung. Sam bekam gar nicht mit, wie ihr geschah. Pete hatte so schnell seinen Mund auf den ihren gedrückt, dass sie sich zusammenreißen musste, ihn nicht wegzustoßen. Sie war überrascht, sie war…sie wusste es nicht. Was hatte sie erwartet? Dass sie tagelang wegbleiben könnte, ohne dass er Fragen stellte? Plötzlich auftauchte? Ein Polizist, der keine Fragen stellt? Nein. Schließlich endete der plötzliche Kuss und sie konnte wieder normal atmen. „Was macht du hier, Sam?"

„Ich fliege nach San Diego.", antwortete sie gefasst.

Ein entgeisterter Blick traf sie. „Aber was macht dein Colonel dann hier?" Und mit einem eifersüchtigen Blick auf Jack brachte er eine knappe, leicht bissige Begrüßung hervor: „Colonel." Es war mehr eine Frage, als eine Feststellung.

Jack entschloss mit einem Blick auf die hilflos dreinschauende Sam, selbst zuantworten: „Hallo. Ich habe Sam hierher gebracht und hatte vor, sie nach San Diego zu begleiten. Sie sollte in ihrem Zustand nicht alleine fliegen. Finden Sie nicht?" Pete schaute etwas verwirrt drein. „Ja. Doch. Da haben Sie Recht. Leider kann ich hier nicht weg. Ich habe Schicht. Genauer gesagt, bin ich noch im Dienst. Sam, Liebes? Würdest du bitte noch zwei oder drei Tage warten und dann mit mir gemeinsam fliegen?"

„Das…das geht nicht. Ich muss jetzt etwas tun. Ich muss zu Mark." Innerlich tobte sie. Er hatte nicht mal etwas wie ‚Es tut mir Leid' gesagt, er hatte sie nicht getröstet. Dabei war es Mark, der sie zusammengebracht hatte. Ihr Bruder. Sein Freund. Sie spürte die Tränen in sich aufsteigen, brachte aber gerade noch genug Kraft auf sie zurückzuhalten. Zumindest für den Moment. Mit einem Nicken zu Jack zog Pete Sam aus der Schlange und ein paar Meter von ihm weg. „Sam. Kann das nicht warten? Ich möchte mit dir zusammen fliegen. Will dich nicht alleine lassen. Bitte warte noch ein paar Tage." Unsicher antwortet sie ihm: „Ich bin nicht alleine. Der Colonel kann ja auf mich aufpassen. Er muss Montag morgen wieder in Colorado sein und dann dauert es nicht mehr lange, bis du da bist. Ich schaffe das schon. Aber bitte versuch zu verstehen, dass ich jetzt fliegen muss. Er ist…war mein Bruder. Und dein Freund." Von Pete kam nur ein verärgerter Blick. Dann wurden die beiden von seinem Handy aufgeschreckt. „Shanahan…" Kurze Zeit später legte er auf.

„So, ich muss los. Wir sehen uns spätestens Dienstag." Schnell gab er ihr noch einen Kuss auf die Wange, rief dem Colonel etwas von „Gut Aufpassen" zu und verschwand dann in der wartenden Menge. Sam schaute ihm nachdenklich nach. War das der Mann, den sie liebte?

So gefühllos, überrumpelnd und verständnislos? Sie konnte es nicht glauben, wie er sich verhalten hatte.

„Carter!" Sam schreckte auf. Diesmal war es Jack, der sie rief. Sie ging wieder zurück zum Schalter. Jack stand mittlerweile ganz vorne und reichte der Frau auf der anderen Seite seine Papiere. Sie tat es ihm nach. „Alles okay, Sam? Sie sehen, wie soll ich sagen, verändert aus." „Nein, Sir. Schon okay. Es geht mir gut. Ich bin nur müde und will endlich in den Flieger." Sie nahmen die Tickets entgegen, Jack schnappte sich die Taschen und Sam folgte ihm zur Gepäckabgabe.

Endlich saßen sie in ihrem Flieger. Sam atmete tief durch. Sie war erleichtert, alles hinter sich lassen zu können. Das laute, von Menschen überfüllte, Terminal, die Stadt, und vielleicht sogar Pete. Sie war müde und wollte endlich schlafen.

Jack saß am Gang und schaute nun neben sich. Sam sah erschöpft aus. Sie hatte ihren Sitz zurückgelehnt und die Augen geschlossen. Er konnte verstehen, dass sie mit ihrer Kraft am Ende war. Die Vorbereitungen für den Start wurden getroffen. „Bitte bringen Sie Ihren Sitz in eine aufrechte Position, Ma'am.", hörte Jack die Stewardess neben sich. Als Sam nicht reagierte, stupste er sie sacht an. „Sam. Ihr Sitz. Beim Start müssen Sie ihn hochstellen." Verwirrt öffnete Sam ihre Augen. Sie murmelte etwas vor sich hin, was Jack nicht verstand und machte sich daran, den Sitz wieder einzustellen.

Der Start lief zügig ab und schon waren sie in der Luft. Auf dem Weg zu Schmerz und Trauer, sagte Jack sich entmutigt. Wieder fiel sein Blick auf Sam, die es gar nicht schnell genug haben konnte ihren Sitz wieder runter zubekommen. Sie lehnte sich mit einem leichten Stöhnen zurück und schloss erneut die Augen. Jack tat es ihr nach. Nach einer Weile veränderte Sam ihre Sitzposition wieder. Dann wieder. Jack wurde es zuviel.

„Würden Sie bitte aufhören in Ihrem Sitz so herumzuwuseln? Das macht mich nervös." Ruckartig saß sie still und steif da. „Schon gut," besänftigte er sie, „Sie brauchen keine Haltung anzunehmen, Carter. Wir haben Wochenende." Sie nickte dankbar und entspannte sich ein wenig. Zwei Minuten später öffnete Jack wieder die Augen und sah zu Sam. Sie hatte nicht mit dem hin- und herrücken aufgehört. „Kommen Sie, Carter. So finden Sie ja doch keinen Schlaf." Damit verstellte er seinen Sitz so, dass sie bequem ihren Kopf an seine Schulter lehnen konnte.

„Danke, Sir.", sagte Sam und schloss erschöpft ihre Augen. Keine zwei Minuten später war sie eingeschlafen und Jack schaute sich gelangweilt um. Neben ihnen am Fenster saß ein älterer Herr und schaute ihm fröhlich entgegen. Jack nickt ihm zu, und wendete dann seinen Blick nach vorne. Er würde auch versuchen etwas Schlaf zufinden.