Kapitel 7 ~Shades of grey~

It's hope that dies at last

It's hope that keeps children playing and laughing

It's hope that replaces the shades of grey

Sam lag in ihrem Bett und starrte an die Decke. Trotz ihrer Müdigkeit fand sie keinen Schlaf. Zu viele Gedanken spukten in ihrem Kopf herum und es fiel ihr schwer sich auf einen zu konzentrieren. Aber einige Fragen tauchten immer wieder zwischen dieser Verwirrung auf: Wie würde Pete reagieren, wenn sie ihre Beziehung mit ihm beendete und ihn alleine stehen ließ? Was würde er tun? Schweigend da sitzen und dann gehen, oder sie anschreien, anflehen nicht zu gehen?

Genau konnte sie es sich nicht vorstellen. Wahrscheinlich weil sich ihr Bild über ihn in letzter Zeit so stark verändert hatte.

Zu Anfang ihrer Beziehung war er sehr zuvorkommend gewesen, hatte ihre romantische Ader mehr als nur angesprochen und hatte sich als perfekter Gentlemen herausgestellt. Dann waren die Probleme mit der Geheimhaltung ihrer Arbeit gekommen. Er verstand es zwar, dass sie des Öfteren zu ungewöhnlichen Zeiten arbeiten musste, aber wenn sie dann für mehrere Tage völlig verschwand, wurde er langsam skeptisch. Auch ihre häufige Antwort, dass ihre Arbeit sehr wichtig sei, konnte er nicht immer nachvollziehen.

Doch nach dem Zwischenfall mit Osiris war auch das geklärt. Sie musste sich eingestehen, dass er nach anfänglichen Scherzen über Aliens und das Stargate, sehr gut mit der neuen Situation umgegangen war.

Erste Zweifel über die Richtigkeit ihrer Beziehung mit Pete kamen ihr, als er sie auf der Basis besucht hatte. Jack's Reaktion auf ihre Beziehung hatte sie sehr stark an die Zeit mit Orlin erinnert. Damals stand er zwar auf ihrer Seite, aber seine Enttäuschung über die Innigkeit ihrer Beziehung mit dem Antiker war zumindest für sie unübersehbar gewesen. Dennoch hatte Jack ihr damals bei den Ermittlungen gegen sie den Rücken freigehalten, als er als Vorgesetzter die Verantwortung für ihr Handeln übernahm.

Die damalige Dankbarkeit darüber hatte ihre Gefühle für Pete kurzzeitig zur Seite gedrängt. Als sie Pete dann Jacob vorgestellt hatte, waren diese Zweifel abermals gewachsen. Ihr Vater hatte sehr zögernd auf ihren Verlobten reagiert, fast so, als würde er eine Beziehung zu jemand anderen vorziehen. Zu wem, das war ihr bereits seit der Prometheusmission klar. Dennoch waren ihre Zweifel und ihre Unsicherheit zu groß gewesen auch danach zu handeln.

Aber nun nach Mark's Tod hatte Pete's verhalten ihr gegenüber sich verändert. Jack war es gewesen, der sich Sorgen um sie gemacht hatte und verstand, dass sie Unterstützung brauchte. Pete hingegen hatte ihr am Flughafen nicht einmal sein Beileid ausgesprochen und auch nicht verstanden, warum sie sofort nach San Diego musste. Er wollte, dass sie „ein paar Tage" auf ihn wartete und solange mit der Ungewissheit lebe, ob es wirklich Mark war, der da in der Leichenhalle auf sie wartete. Vielleicht lag es auch daran, dass er in Jack eine Bedrohung sah, schließlich hatte sie bei Jack Zuflucht gesucht anstatt bei ihrem Verlobten. Genau gesehen hatte er wahrscheinlich Recht, Jack war sein Konkurrent. Mehr als er ahnen konnte. Aber im Moment ging es ihr eher darum sich nicht mehr selbst für ihre Lügen zu hassen, und Pete die Wahrheit zu sagen; als um eine direkte Beziehung zu Jack. Schließlich wusste sie genau, was dem alles im Wege stand.

Nur war ihr seit Mark's Tod unzweifelhaft klar, dass sie die Beziehung mit Pete beenden musste. Es lief einfach nicht richtig. Vermutlich war er eine gute Partie, das ließ sich nicht bestreiten, aber nun einmal nicht der Richtige für sie. In den Tagen vor der Beerdigung war es Jack gewesen, der wusste was sie brauchte. Er hatte ihr einen Großteil der Arbeit abgenommen und sie unterstütz wo es ging. Und das wichtigste dabei: Er hatte sie verstanden. War nicht andauernd verletzend gewesen und hatte unpassende Witze gemacht, wie Pete nach seiner Ankunft in San Diego einen Tag bevor Jack gefahren war. Jack hatte geschwiegen und war einfach nur für sie da gewesen. Seine Nähe hatte ihr mehr geholfen als Pete's unermüdliche Versuche sie aufzuheitern. Wahrscheinlich war lag es daran, dass Jack wusste wie es einem ging, wenn man ein Familienmitglied verlor und dass es nun einmal Pete's Art war, in jeder Situation fröhlich zu wirken.

Jedenfalls hatte Jack ihr in den zwei Tagen, in denen er mit ihr alleine war mehr geholfen als Pete. Nach Pete's Eintreffen in San Diego hatte er sich stark zurück gehalten und auch der Abschied war schweigend verlaufen. Während Jack auf dem Weg zurück ins SGC war, hatte Pete feststellen müssen, dass er zu spät gekommen war, um ihr wirklich helfen zu können. Alle Vorbereitungen für Mark's Beerdigung waren bereits getroffen worden und nun mussten sie nur noch auf den Termin warten. Die zwei Tage waren für Sam nicht einfach gewesen. Immer mehr hatte sie sich in ihren Schutzkokon zurückgezogen und Pete schließlich gebeten sich ein Hotelzimmer zu nehmen, statt bei ihr in Mark's Wohnung zu bleiben. Er hatte nicht verstanden warum sie alleine sein musste, aber er war gegangen.

Während der Beerdigung hatte er dann immer neben ihr gestanden und kein Wort gesagt. Schließlich standen sie zusammen vor dem Grab, sein Arm um sie gelegt, sie haltend. Und da hatte Sam ein Bedürfnis verspürt, für dass sie sich schämte und sich selber hasste. Sie hatte sich tatsächlich am Grab ihres Bruders gewünscht, dass es Jack wäre, der sie im Arm hielt.

Diese Erkenntnis, dass sie Pete im Unterbewusstsein schon durch Jack ersetze machte ihr Angst und ließ sie erkennen, wie blind sie die letzten Monate gewesen war. Ihre Liebe zu Pete war nichts anderes als ein Vorwand, sich nicht trauen zu müssen Jack die ganze Wahrheit über ihre Gefühle zu sagen.

Doch nun war alles so klar. Um glücklich zu sein und Pete unnötiges Leid zu ersparen, musste sie ihre Beziehung beenden. Es war das Richtige. Diese Erkenntnis hatte sich nach Mark's Beerdigung und vor allem am Tag der Abreise aus San Diego verstärkt. Pete hatte kaum Rücksicht auf ihre Gefühle gezeigt und war mehr oder weniger kalt zu ihr. Während des Fluges hatten die Beiden kaum ein Wort miteinander gesprochen und als Pete sie zu Hause absetzte, war er nicht einmal überrascht, als sie ihn bat zu fahren und ihr Zeit zu lassen. Zeit. Es war bereits eine Woche vergangen. Eine komplette Woche, ohne dass sie sich bei ihm wie versprochen gemeldet hatte. Ihr Blick fiel auf den Wecker neben sich. Die roten Ziffern zeigten drei Uhr an. Eindeutig zu spät um ihn anzurufen. Er würde also bis morgen warten müssen, um zu erfahren, wie es ihr ging. Und wenn sie ehrlich war, hatte sie auch gar keine Lust ihm ihre Gefühlslage groß und breit zu erklären…

Schließlich drehte sie sich gequält auf die andere Seite und versuchte erneut alle Gedanken aus ihrem Kopf zu verbannen.

Zwei Stunden später übermannte sie endlich die Müdigkeit und entließ sie in einen traumlosen Schlaf.