Disclaimer: Die Figuren gehören nicht mir, sondern J. K. Rowling. Ich leihe sie mir lediglich aus und möchte mit ihnen auch kein Geld verdienen.

Anm. d. Autors: Hier ist nun Kapitel 2. Wie ihr seht, habe ich den Titel und auch die Summary für die Geschichte geändert. Ich denke, dass das nun am besten auf den Punkt bringt, was diese Geschichte erzählt. Ich hoffe, es gefällt euch. Würde mich über Reviews freuen, denn ich schreibe hier, um mich verbessern zu können. Ansonsten bleibt mir nichts weiter zu sagen als: Viel Spaß beim Lesen! ^^

Kapitel II

Lügen

Mit gesenktem Blick und immer noch seine Tochter fest in seinen Armen, kam er ins Wohnzimmer. Schniefend zog er die Luft ein und versuchte den Mut zu finden, die nächsten Worte auszusprechen. Sirius stieß die Luft in einem Schluchzen wieder aus und schloss seine Augen. Er weigerte sich zutiefst, es auszusprechen, aber es musste sein. Eher würde er es nicht akzeptieren. Eher würde er es nicht verstehen. Erneut zog er die Luft lang durch die Nase ein. Er zwang sich aufzusehen, suchte die Augen seines besten Freundes und sprach dann die Worte aus, vor denen er sich so sehr fürchtete. „Annie ist tot."

Ein Schluchzen entlockte sich seiner Kehle und er drückte sanft seine Tochter an sich. Fassungslos blickte Remus sich um. Während er verzweifelt nach Worten suchte, schluchzte Poppy leise und schnäuzte danach in ein Taschentuch. Leise vor sich hin murmelnd, dass sie ein Tee machen würde, ging sie in die Küche. Sirius stand noch immer weinend mitten im Raum und presste seine kleine Tochter an sich. Immer wieder wurde sein Körper von heftigen Schluchzen geschüttelt. Remus fasste sich nun endlich ein Herz und stellte sich neben seinen trauernden Freund. Er legte ihm sanft einen Arm um die Schultern, um ihn zu beruhigen. Um ihm zu zeigen, dass er für ihn da sein würde. Doch es führte nur dazu, dass Sirius vollkommen zusammenbrach. Er sank auf seine Knie und weinte laut. Remus konnte nichts weiter tun, als ihn behutsam in den Arm zu nehmen.

Sirius hatte eine ganze Weile gebraucht, um seine Trauer zu besiegen. Über den Tod von Annie war er nach wie vor nicht hinweg, aber er war längst nicht mehr so niedergeschlagen. Er genoss jeden Augenblick mit seiner Tochter und sah ihr gerne dabei zu, wie sie fröhlich und neugierig die Welt entdeckte. An Samanthas ersten Geburtstag war Sirius wieder ganz der alte.

Remus trug seine kleine Patentochter die meiste Zeit stolz auf dem Arm, obwohl sie schon problemlos an der Hand laufen konnte. James und Lilly Potter waren ebenfalls zur Geburtstagsfeier gekommen und ihr kleiner Harry lief auch schon übermütig durch die Wohnung. Jedes Mal wenn Samantha sah, wie er rannte, begann sie wild zu zappeln und wollte auf den Boden zurück. Sie war sehr ehrgeizig und versuchte immer wieder selbst einige Schritte zu gehen, jedoch plumpste sie dabei lediglich auf ihren Po. Peter Pettigrew war auf dieser Feierlichkeit ebenfalls anwesend. Er aß viel vom Kuchen und schien sehr reserviert seinen Freunden gegenüber. Von Sirius' und Annies Familie war jedoch niemand gekommen.

Samanthas Kopf zierte schon eine kleine Haarpracht. Mit sehr viel Mühe und einigen komplizierten Schlenkern seines Zauberstabs hatte Remus es geschafft, eine kleine rosa Schleife in der Frisur zu befestigen. Seit Samantha die Haare wuchsen, veränderten diese stets ihre Farbe. Dies geschah je nach dem, wie sie sich gerade fühlte.

Das kleine Mädchen saß mit Harry auf einer Decke neben dem Kamin und gemeinsam spielten sie mit ein paar Bauklötzen. Er griff nach einem roten Bauklotz, welchen sie gerade haben wollte und empört sah sie ihn an. Ihre Haare nahmen explosionsartig eine giftgrüne Farbe an. Vollkommen erstaunt ließ Harry den Bauklotz fallen. Samantha ergriff ihn und schon färbten sich ihre Haare in ein fröhliches rosa, passend zu der kleinen Schleife. Harry quietschte vergnügt auf. Verwundert blickten sich die Erwachsenen nach den Kindern um und beobachteten, wie die beiden Kinder gerade dicke Freunde wurden. Der kleine Harry Potter nahm einen kleinen Spielzeugdrachen und reichte ihn Samantha, woraufhin sie ihre Haarfarbe in ein himmelblau änderte. So ging es eine ganze Zeit hin und her. Harry gab Sam ein Spielzeug und je nach dem, wie sehr sie sich darüber freute, änderte sie ihre Haarfarbe.

An Halloween erklärte sich Remus bereit, auf Samantha aufzupassen. Sirius hatte einige wichtige Dinge zu erledigen und er würde erst am nächsten Morgen zurückkehren, erklärte er. Samantha lag seelenruhig in ihrem Bettchen und schlief tief und fest, während ihr Patenonkel im Wohnzimmer saß und ein Buch las.

Es war schon weit nach Mitternacht, als er sich endlich dazu entschloss, sich ins Bett zu legen. Plötzlich hörte er ein lautes Rumpeln. Schnell rannte er zurück ins Wohnzimmer. Dort lag Sirius. Er war vollkommen zerzaust. Seine Kleidung war zerrissen und sein Gesicht war ganz schwarz vor Ruß. Remus half seinem schockierten Freund auf die Beine. „Was ist passiert?", fragte er besorgt. Sirius rang um Worte. Er zitterte am ganzen Leib. „James... James und Lilly.. sie sind tot! Voldemort ist in ihr Haus gekommen und hat erst James und dann Lilly getötet", erklärte er zittrig. „Und Harry? Was ist mit Harry?", fragte Remus besorgt. In seinen Augen spiegelte sich Hoffnung wieder. „Harry hat überlebt. Frag mich nicht wie, aber als Voldemort auch ihn töten wollte, ging irgendetwas schief und er verschwand. Harry hat lediglich eine kleine Verletzung auf der Stirn. Er ist jetzt bei Dumbledore", erklärte Sirius und versuchte sich aufzuraffen. Remus half ihm auf die Beine und gemeinsam setzten sie sich auf die Couch. „Aber woher wusste er überhaupt, wo sie waren?", fragte Remus mit zittriger Stimme. Er kämpfte mit den Tränen. „Ich weiß es nicht", erwiderte Sirius. Schwerfällig lehnte er sich auf dem Sofa zurück. Den Rest der Nacht schlief keiner von ihnen. Stattdessen schwiegen sie sich an und trauerten still um die Freunde, die sie verloren hatten.

Am nächsten Morgen verließ Sirius das Haus schon in aller früh. Remus war vor kurzem auf der Couch eingeschlafen und bekam nicht mit, wie er ging. Erst einige Zeit später wurde er durch das laute Weinen von Samantha geweckt. Sie war von einem lauten Pochen an der Wohnungstür aus ihren Träumen gerissen worden. Bevor Remus nach Sam sah, ging er zur Tür und öffnete diese.

Davor standen zwei Auroren. „Kann ich ihnen helfen?", fragte Remus leicht verwundert. Samantha schrie inzwischen noch lauter. „Wir suchen einen gewissen Sirius Black. Ist er hier?", fragte der größere von den beiden, während sein Kollege einen forschenden Blick durch die Tür warf. Remus verneinte und antwortete wahrheitsgemäß, dass er nicht wüsste, wo sich sein Freund momentan befand. Er bat die Besucher ins Haus und ließ sie im Wohnzimmer platz nehmen, um nun endlich nach Samantha sehen zu können.

Liebevoll nahm er sie aus ihrem Bettchen und auf seine Arme. Nach einer kleinen Weile beruhigte sie sich wieder. Remus nahm sie mit ins Wohnzimmer, wo sie sich sogleich auf ihr Spielzeug stürzte. „Kann ich ihnen etwas anbieten?", fragte er schließlich mit einem ungeduldigen Blick die zwei Auroren. „Nein danke. Wissen sie, warum wir hier sind?", fragte der größere der beiden Auroren. Er schien wohl der erfahrenste von ihnen zu sein, denn er war der einzige der sprach. Außerdem sah sein Kollege noch etwas jung aus und schien noch etwas grün hinter den Ohren zu sein. Aufmerksam blickte er sich in dem Wohnzimmer um und schien zu versuchen, sich alles einzuprägen.

„Nein, ich weiß nicht, warum sie hier sind. Und, ehrlich gesagt, verliere ich so langsam auch meine Geduld mit ihnen", erwiderte Remus gereizt. Mit vor der Brust verschränkten Armen stand er vor den Auroren und wartete ungeduldig auf eine Antwort. „Letzte Nacht wurden James und Lilly Potter von Voldemort getötet. Wir wissen, dass Sirius Black der einzige gewesen ist, der ihren Aufenthaltsort gekannt hat. Außerdem gab es heute eine schwere Explosion, bei der zwölf Muggel und Peter Pettigrew getötet wurden. Von Mr. Pettigrew fanden wir nichts weiter als einen Finger. Sirius Black ist vor Ort gesehen worden", erklärte der Auror ernst.

Mit einem Mal schien sämtliche Farbe aus Remus' Gesicht zu weichen. Geschockt über diese Mutmaßungen setzte er sich in den Sessel und versuchte, die Fassung zu bewahren. „Das muss ein Irrtum sein. Sirius könnte so etwas niemals tun", stammelte Remus vor sich hin.

„Leider haben wir zuverlässige Augenzeugenberichte, Mr. Lupin. Es tut mir leid, aber ich muss ihnen einige Fragen stellen. Wussten sie, dass Mr. Black der Geheimniswahrer der Familie Potter gewesen ist?", entgegnete der Auror streng. Er beobachtete seinen Gegenüber genau und achtete auf jede Gefühlsregung. „Nein, das wusste ich nicht", murmelte Remus vor sich hin. Sein Blick ging in die Ferne, als würde er in seinen Erinnerungen verzweifelt nach Antworten für diese Misere suchen.

„Haben sie jemals bemerkt, dass Mr. Black irgendwelche Abneigungen gegenüber den Potters empfand? Hat er womöglich mit ihnen darüber gesprochen? Oder haben sie vielleicht bemerkt, dass Sirius Black ein Todesser ist? Ich meine, seine ganze Familie ist schließlich ein Anhänger von Voldemort, da war es eigentlich offensichtlich, dass auch er -"

„Hören sie auf! Sirius war niemals ein Todesser. Er wurde von seiner Familie verbannt und verachtet, weil er nicht ihre Wertvorstellungen teilte. Niemals wäre er zu diesen Taten fähig gewesen, die sie gerade aufgezählt haben", rief Remus wutentbrannt. Er stand nun direkt vor dem Auror, seine Augen glühten vor Zorn.

Der Auror blieb vollkommen ruhig und erwiderte eisern den Blick des Wolfsmenschen. Sein Kollege jedoch war nicht so ruhig geblieben. Er hatte seinen Zauberstab gezückt und richtete ihn auf Remus, bereit sich zu wehren, wenn er es musste. „Mr. Lupin, ich rate ihnen, sich wieder zu setzen und sich wieder zu beruhigen. Wir wollen doch nicht das Kind verschrecken", erwiderte der Auror vollkommen ruhig.

Widerwillig setzte sich Remus wieder. Mit einem Blick zu Samantha versicherte er sich, dass es ihr gut ging. „Mr. Lupin, sie werden sicherlich verstehen, dass ich gezwungen bin, diese Wohnung überwachen zu lassen. Ebenso natürlich den Kamin. Ich muss sie bitten mir über jeden ihrer Ausflüge Bericht zu erstatten, zumindest für so lange, bis wir Mr. Black gefasst haben. Haben sie mich verstanden?", erklärte der Auror. Mit einem kleinen Nicken bestätigte Remus, dass er verstanden hatte. Dann verließen die Auroren die Wohnung.

Stumm blieb Remus in seinem Sessel sitzen. Sein Blick ging ins Leere, während er in Gedanken versuchte, die letzten Stunden zu begreifen. Seine Freunde waren tot. Nein. Einer lebte noch, doch der wurde des Mordes beschuldigt. Jahrelang hatte er sich immer auf diese Menschen verlassen können. Und nun war er ganz alleine. Endgültig.

Eine kleine Hand legte sich auf sein Knie und zog ihn aus seinen Gedanken. Ein kleines besorgtes Gesichtchen sah ihn mit großen Kulleraugen an. Sie trug noch immer ihren Strampelanzug und sogar ihren Schlafsack. Remus lächelte zaghaft. Was sollte er jetzt nur tun? Wie als Antwort, hob Samantha ihre andere Hand und reichte ihm etwas. Es war der kleine Drache, mit dem sie und Harry an ihrem Geburtstag gespielt hatten. Seither war es ihr Lieblingsspielzeug. Remus nahm den kleinen Drachen und bedankte sich dafür. Dann hob er sie hoch und setzte sie auf seinen Schoß. Sie legte ihren Kopf an seine Schulter und kuschelte sich an ihn. Er konnte jetzt nicht resignieren. Dieses kleine Wesen würde es nicht zulassen.

Etwa eine Woche später verkündete der Tagesprophet, dass Sirius Black gefasst worden wäre. Nach einem kurzen Prozess wurde er direkt nach Askaban geschickt. Remus erhielt daraufhin das Sorgerecht für Samantha. Er würde sich um dieses kleine Mädchen so gut kümmern, wie er nur konnte. Er liebte sie schließlich jetzt schon, wie seine eigene Tochter.

Sirius konnte nicht fassen wie ihm geschah. Nach einem äußerst kurzen Prozess, bei welchem lediglich angedeutet wurde, dass es genügend Zeugen geben würde, wurde er direkt nach Askaban geschickt. Mit schweren Ketten gefesselt saß er auf dem Boot auf dem Weg zu diesem schrecklichen Zauberergefängnis. Dabei verfolgte ihn nur ein Gedanke: Er würde seine kleine Tochter nie mehr wiedersehen. Dabei hatte er Annie versprochen, sie niemals alleine zu lassen. Nun musste er dieses Versprechen brechen.

Sein Herz schrie schmerzhaft in seiner Brust nach Rache. Wer auch immer ihm das hier angetan hatte, er würde es bereuen. Doch bis es soweit sein würde, blieb Sirius nichts anderes übrig, als zu versuchen, in diesem Gefängnis nicht den Verstand zu verlieren.

Askaban wurde von Dementoren bewacht und Disapparieren war nicht möglich. Aus seinem Unterricht in Hogwarts wusste er, dass Dementoren schreckliche Wesen waren, die sich von den glücklichen Gefühlen und Gedanken einer Person ernährten. Lediglich Verzweiflung lassen sie zurück, was es unmöglich macht, einen klaren Gedanken zu fassen. Aus diesem Grund war auch noch niemanden eine Flucht aus Askaban gelungen. Sirius erschauderte. Der Gedanke daran, dass er für den Rest seines Lebens nur noch Verzweiflung verspüren sollte, jagte eine Gänsehaut über seinen Körper.

Immer wieder spielte er in Gedanken ab, was passiert sein könnte, ließ die kurze Verhandlung vor seinem geistigen Auge abspielen. Irgendwo musste es einen Fehler geben, er musste ihn nur finden. Er wollte die Hoffnung, dass er seine Tochter irgendwann einmal wiedersehen könnte, einfach nicht aufgeben.

Ebenso ging es ihm auch mit seinem Patensohn. Harry lebte noch. Er hatte den tödlichen Fluch von Voldemort überlebt. Dumbledore hatte ihn in Sicherheit gebracht. Das hatte er Sirius zumindest versichert. Dies war ein kleiner Trost in dieser aussichtslosen Situation. Auch die Tatsache, dass Samantha es bei Remus immer gut haben würde, tröstete Sirius ein wenig. Dennoch blieb, dass er verpasste, wie seine kleine Tochter aufwuchs.