Disclaimer: Die Figuren gehören nicht mir, sondern Joanne K. Rowling, außer Samantha. Ich leihe sie mir lediglich aus und verdiene auch kein Geld mit ihnen. Auch nicht mit Samantha. ;)
Anm. d. Autorin: Hier ist nun Kapitel 5. Wenn ich mich nicht irre, ist dies das letzte Kapitel zu der Vorgeschichte. Im nächsten geht es dann (hoffentlich) endlich richtig los. Ich hoffe, ich habe niemanden gelangweilt, aber es hat schon seinen Grund, warum ich eine Vorgeschichte schreibe. Dieses Kapitel ist auch etwas kürzer als meine anderen gefallen. Ich will euch nicht länger auf die Folter spannen! ^^
An Stroiner: Vielen Dank für deine Review. Ich habe mich wirklich sehr gefreut. Wie es weitergeht, werde ich nicht verraten, aber ich sage dir, deine Geduld wird reich belohnt werden! Bald! *grins* Ich wünsche viel Spaß beim Lesen!
Kapitel V
Stark sein
Mit einem lauten Knall fiel die Tür zurück ins Schloss. Sirius zuckte erschrocken zusammen. Eben noch hatte er geschlafen, wie die meiste Zeit, und nun war er unsanft aus seinen Albträumen gerissen worden. Seine Lider waren schwer und verklebt, so dass er seine Augen kaum öffnen konnte. Schweigend starrte er in die vertraute Dunkelheit, die ihn umgab, bis sich seine Augen daran gewöhnt hatten. Für einen kurzen Moment war seine Tür geöffnet worden und jemand hatte etwas in seine schmutzige Zelle geworfen. Tatsächlich. Auf dem Boden vor ihm lag ein Stück Brot. Mit zittrigen Fingern griff er danach, um es sich näher ansehen zu können. Schnell erkannte er, dass es nicht mehr frisch war. An manchen Stellen waren schon grüne Verfärbungen und aus einem kleinen Loch grinste ihn eine Made an. Angewidert seufzte er.
Schwerfällig setzte er sich auf und lehnte seinen ausgemergelten Körper gegen die Steinmauer, die ihn umgab. Alles an ihm schmerzte. Wenn er schlief, lag er auf dem harten Boden. Wenn er wach war, saß er auf dem selbigen. Viel Bewegung hatte er nicht. Zweimal am Tag wurde er lediglich zu einem kurzen Toilettengang aus seiner Zelle gelassen. Die Zelle selbst war sehr klein. Sirius konnte noch nicht einmal aufrecht stehen darin.
Wie lange er schon an diesem grausamen Ort war, wusste er nicht. Er wusste noch nicht einmal, ob es gerade Tag oder Nacht war. Seine Zelle hatte keine Fenster. Das spärliche Licht, welches seine Schlafstätte etwas erhellte, kam durch das vergitterte Fenster in der Tür.
Müde besah er sich das Stück Brot in seiner Hand. Sein Körper hatte sich längst an die spärlichen und unregelmäßigen Mahlzeiten gewöhnt. Ein lautes Knurren machte ihn dennoch darauf aufmerksam, dass er Hunger hatte. Erneut seufzte er. Schon lange hatte er es aufgegeben, an saftige Gänsebraten, Salzkartoffeln oder Kürbispasteten zu denken. Zu schmerzlich war es, jedes Mal wieder in diese Übelkeit erregende Realität zurück geworfen zu werden.
Sirius Black nahm seinen ganzen Gryffindormut zusammen und biss in sein gammeliges Brot. Er kam mit seinen Zähnen kaum durch. Steinhart war es. Nach zwei weiteren Versuchen, gab er es auf und warf das Brot in eine Ecke. Mit einem lauten Knurren machte sich sein Magen erneut bemerkbar.
Vorsichtig lehnte er seinen Kopf gegen die Wand und sah dabei nach oben. In diesem Moment seilte sich langsam eine dicke Spinne über ihn hinab. Sirius hob seinen rechten Arm und ließ das Tier darauf landen. Mit seinen acht Beinen war es wirklich sehr schnell und der Gefangene ließ die Spinne ein Weilchen auf seinem Arm herumkrabbeln.
Plötzlich schnellte seine linke Hand auf das flinke Tier. Er packte die Spinne an einem Bein und hob sie langsam hoch. Sie zuckte heftig unter seinem Griff. Sirius hob das Tier immer höher. Dann ließ er es in seinen Mund fallen.
Einen Moment lang genoss Sirius das kitzelnde Gefühl in seiner Mundhöhle, welches durch die Spinne verursacht wurde. Mit ihren langen, haarigen Beinen streichelte sie seinen Gaumen, sein Zahnfleisch und die Innenseiten seiner Wangen. Ein wohliges Kribbeln machte sich in dem Gefangenen breit, welches er schon längst vergessen geglaubt hatte. Ein kleines Grinsen legte sich auf seine Lippen. Dann biss er auf die Spinne. Angewidert verzog er das Gesicht. Seine Mahlzeit war bitter und ein Ekel erregendes Knacken war zu hören. Nach einigen weiteren Bissen konnte er den Brei endlich hinunter schlucken.
Beinahe beflügelt von diesem Erlebnis kroch er zu seinem Brot. Eingehend studierte er es. Dann zog er langsam und vorsichtig die dicke Made heraus und verschlang auch diese. Der Geschmack war nicht ganz so ekelhaft und das Tier flutschte auch besser beim Schlucken.
Sein Magen schenkte ihm ein wohliges Gefühl zum Dank. Er fühlte sich richtig satt. Mit einem tiefen Seufzen legte er sich wieder auf den Boden. Dabei nahm er die Fötushaltung ein, um ein wenig Nähe zu spüren, auch wenn es nur seine eigene war.
Von irgendwoher erklang ein grausiges und laut hallendes Lachen. Sirius verdrehte die Augen. Es war Bellatrix Lestrange, seine verrückte Kusine. Seit ein paar Tagen hatte sie immer öfter diese komischen Lachanfälle. Dabei gab es an diesem grausamen Ort eigentlich nichts zu lachen.
Einige Dementoren machten sich direkt auf, um sich Bellas Fröhlichkeit zu Eigen zu machen. Für Sirius war dies ein Gefühl, als könnte er plötzlich frei atmen. Entspannt nahm er einen tiefen Atemzug. Er nutzte den kurzen Augenblick der Freiheit und schloss seine Augen. In diesen Moment war er dankbar, für Bellatrix' Wahnsinn.
Tief in seinem Herzen, da war es. Ein Bild. Er hatte es dort verschlossen, damit es ihm niemand nehmen konnte. Für einen kleinen Augenblick sah er seine Tochter direkt vor sich. Sie lachte fröhlich und ihre Haare strahlten in einem hellen grün. Ihre Augen leuchteten glücklich. Sirius hielt sich an diesem Bild fest. Tief in seinem Innern war er sich sicher, dass er Samantha eines Tages wieder sehen würde und bis dahin, würde dieses Bild ihn am Leben erhalten.
Das Lachen seiner Kusine verstummte und die Dementoren nahmen wieder ihre Plätze ein. Schwermütig verschloss Sirius das Bild wieder in seinem Herz. Schob einen Riegel davor. Kurz darauf überkam ihm das bekannte Gefühl von Einsamkeit und Elend. Der Dementor vor seiner Tür hatte wieder Besitz ergriffen über seine Gefühlswelt.
Mit einem herzhaften Gähnen öffnete Samantha ihre Augen und streckte sich. Etwas orientierungslos sah sich um. ‚Ich muss wohl auf der Couch eingeschlafen sein', dachte sie stumm. Das Wohnzimmerlicht brannte, obwohl es schon taghell war. Irritiert erhob sich Sam von ihrem äußerst unbequemen Nachtlager. „Onkel Remus?", rief sie in die unheimliche Stille hinein. Sie bekam keine Antwort und verwundert ging sie zum Schalter, um das Licht zu löschen.
Einen Moment lang überlegte sie, ob Remus etwas davon gesagt hatte, dass er früh weg wollte. Dann fiel es ihr plötzlich wieder ein. Die letzte Nacht. Es war Vollmond gewesen. Ihr Onkel hatte sich in einen Werwolf verwandelt. Sie hatte ihn in seinem Zimmer eingesperrt. Eine Gänsehaut breitete sich auf ihrem Körper aus und unwillkürlich schüttelte sie sich.
Nachdem sie sich wieder gefangen hatte, rannte sie zu dem Zimmer ihres Paten. Die Tür war noch immer mit ihren Zaubern versiegelt. Schnell nahm sie ihren Zauberstab und hob die Banne auf. Dann schloss sie mit zitternden Händen die Tür auf.
Samantha stockte der Atem. Mit rasendem Herzen betrat sie das Schlafzimmer. Remus lag vollkommen angezogen auf seinem Bett und schien noch zu schlafen. Aufmerksam blickte sich die junge Hexe um, doch fand sie nichts, was darauf schließen könnte, dass in der vergangenen Nacht ein Werwolf an diesem Ort getobt hatte. „Wie geht es dir, meine Kleine?", fragte Remus leise vom Bett aus. Erschrocken wirbelte Sam herum. Sie hatte sich gerade die Fenster angesehen.
Langsam schritt sie auf das Bett zu und setzte sich auf die Kante. Ihr Onkel sah ausgemergelt aus. Tiefe dunkle Ringe zeichneten sich unter seinen Augen ab und ließen ihn älter erscheinen, als er war. Sanft legte er seine Hand auf ihr rechtes Bein. Zitternd schluckte sie den dicken Kloß hinunter, der sich in ihrem Hals gebildet hatte. Sie hatte sich fest vorgenommen, stark zu sein und nicht zu weinen. Sie wollte ihm nicht zeigen, dass sie furchtbare Angst gehabt hatte. Sie wollte ihm zeigen, wie stark sie war.
„Samantha?", fragte Remus erneut. Seine Stimme klang schwach und zittrig. Tief atmete die junge Hexe ein und aus. „Mir geht es gut. Und dir? Hast du alles gut überstanden?", fragte sie mit fester Stimme. Der Kloß in ihrem Hals hatte sich gelöst und war nun zu einem großen Stein in ihrem Magen geworden. „Wie du siehst, habe ich es gut überstanden. Ich habe sogar schon aufgeräumt. Bin nur noch etwas schwach auf den Beinen, aber das geht gleich vorbei. Und wie lief es bei dir?", antwortete er und richtete sich dabei etwas auf. Sam starrte auf ihre Hände, welche auf ihrem Schoß lagen. Sie konnte es nicht abstellen, sie zitterte einfach weiter, jetzt sogar noch schlimmer. Tief atmete sie ein und aus und biss sich dabei auf die Unterlippe. Sie wusste genau, was sie ihm sagen wollte. Noch bevor sie in dieses Zimmer getreten war, hatte sie sich ihre Worte genau zurecht gelegt, und jetzt, wollten sie einfach nicht aus hier heraus.
Remus indessen spürte, wie sie mit sich selbst kämpfte. Langsam setzte er sich hinter ihr auf und schlang seine Arme um sie. Er konnte fühlen, wie sie noch mehr zitterte und drückte sie vorsichtig an sich. „Was ist passiert?", flüsterte er leise an ihrem Ohr.
Samantha hielt die Luft an und versuchte, an andere Dinge zu denken. Sie dachte an Fußball, an Geburtstage und an Weihnachten. Ihr Gesicht rötete sich mittlerweile und ihre Lungen schrieen nach Luft, doch sie wusste, dass wenn sie atmen würde, sie ihre Tränen nicht mehr zurückhalten könnte. Und dann machte es plötzlich ‚Klick'. Es war kein richtiges Geräusch. Es war vielmehr ein Gefühl. Die Angst war verschwunden. Sie konnte sogar ohne Probleme tief durchatmen. Sogar das Zittern war plötzlich weg. „Ehrlich gesagt, habe ich gestern vergessen, einen Stillezauber auf dein Zimmer zu legen. Ich habe alles mit angehört. Ich hatte furchtbare Angst. Aber wie sagst du immer so schön? Man muss sich seinen Ängsten stellen!"
Es waren nicht die Worte, die sie sich zuvor zurecht gelegt hatte. Sie wusste noch nicht einmal, wo sie eigentlich herkamen. Aber sie verfehlten ihre Wirkung nicht. Remus löste seine feste Umarmung und setzte sich neben Samantha auf die Bettkante. Er sah ihr tief in die Augen und lächelte: „Wann bist du so erwachsen geworden?" ‚Eben gerade und es war nicht so schön, wie ich es mir vorgestellt hatte', dachte sie still bei sich, verkniff es sich aber, die Worte laut auszusprechen. „Wer sagt, dass ich jetzt erwachsen bin? Ich werde dir auch weiterhin wie ein kleines Kind auf die Nerven gehen. Und ich werde auch gleich damit anfangen. Ich habe Hunger! Mach mir Frühstück!", rief sie laut aus. Dabei griff sie lachend nach dem Kopfkissen und schlug damit spielerisch auf ihren Patenonkel ein.
