Disclaimer: Die Figuren (außer Samantha) gehören nicht mir, sondern Joanne K. Rowling. Ich verdiene kein Geld mit ihnen. Ich leihe sie mir lediglich aus.

Anm. d. Autorin: Hier ist auch direkt Kapitel VIII. Viel Spaß beim Lesen! ^^

Kapitel VIII

Folter

Kopfschüttelnd saß Samantha an ihrem Frühstückstisch und las die Zeitung. Harry Potter war mittlerweile beinahe vollkommen aus dem Tagespropheten verschwunden. Stattdessen entdeckte die junge Aurorin immer wieder den dunklen Lord in den Schlagzeilen. „Hör dir das an, Kreacher: ‚Aufgrund der stetig ansteigenden Zahlen von Toten durch Werwolfbissen, hat das Ministerium beschlossen, die Rechte der Werwölfe einzugrenzen. Von nun an haben Werwölfe die Pflicht, sich beim Ministerium in der Abteilung zur Führung und Aufsicht magischer Geschöpfe beim Werwolf-Register, zu melden.' Verdammt! Wann haben die denn das entschieden!", rief Samantha wütend aus, nachdem sie vorgelesen hatte.

Kreacher hatte seiner Herrin aufmerksam zugehört. Die erste Zeit, nach ihrem Einzug in dieses Haus, war die Beziehung zwischen ihnen nur rein ‚geschäftlich' gewesen. Sie sagte ihm, was er tun sollte, er tat es. Doch nach und nach verstanden die beiden sich sehr gut. Sie ließ es sogar zu, dass er gelegentlich das Porträt ihrer Großmutter, welches im ersten Stock hing, lüftete, damit die beiden sich unterhalten konnten. Gelegentlich setzte sich Samantha sogar selbst vor das Bildnis und unterhielt sich mit ihr. Obwohl ihr ihre Ansichten missfielen.

Aufgebracht faltete Sam die Zeitung zusammen und legte sie beiseite. Dann widmete sie sich ihrem Frühstück. Kreacher hatte ihr eine große Tasse Tee und ein Müsli zubereitet. Für mehr hatte sie morgens auch einfach keine Zeit. Ihr fiel es immer noch schwer, früh aufzustehen und vermutlich würde sich daran auch nichts mehr ändern in ihrem Leben. Damit sie trotzdem pünktlich zu ihrer Arbeit erschien, verzichtete sie halt auf ein ausgedehntes Frühstück. Dafür aß sie dann abends mehr.

Samanthas Aurorenausbildung hatte lediglich zwei Jahre gedauert. Je mächtiger der dunkle Lord wurde, desto mehr Auroren verschwanden spurlos von der Bildfläche oder wurden getötet. Doch nicht sie waren in Gefahr. Voldemort war mittlerweile wieder stark genug, dass er sogar Jagd auf Muggel machte. Manchmal hatte Samantha sogar das Gefühl, dass das Ministerium von den Todessern infiltriert wurde. Doch Beweise konnte sie dafür natürlich nicht aufbringen.

„Wird Madame wieder spät nach Hause zurückkehren?", fragte Kreacher, während er schon wieder den Wischmob schwang. Dieser kleine Hauself konnte einfach keine fünf Minuten still sitzen bleiben. „Keine Ahnung. Im Moment habe ich so viel zu tun, dass ich gar nicht weiß, wo ich mit der ganzen Arbeit hin soll", antwortete Samantha und erntete einen besorgten Blick von Kreacher. „Ich weiß, ich arbeite zu viel! Aber irgendjemand muss es tun!", entgegnete die Hexe und stand auf. „Wenn ihr für den dunklen Lord arbeiten würdet, hättet ihr sicher nicht so viel zu tun!", sagte Kreacher beiläufig und konzentrierte sich aufs Wischen. Seit sie in diesem Haus lebte, musste sich Samantha regelmäßig mit solchen Andeutungen rumplagen und jedes Mal endete es in einer erhitzten Diskussion. Doch an diesem Morgen hatte sie wirklich keine Zeit dafür, weshalb sie lediglich antwortete: „Wenn du meinst, Kreacher! Ich werde jetzt zur Arbeit verschwinden! Bis heute Abend!" Mit diesen Worten zog die Hexe ihren Umhang an und disapparierte.

Wie an jedem Tag stapelten sich die Akten auf Samanthas Schreibtisch. Sie hasste den Papierkram und machte ihn auch immer erst auf dem letzten Drücker. An diesem Tag war es mal wieder Zeit dafür. Seufzend setzte sich die Aurorin vor ihren Aktenberg und begann Berichte zu unterschreiben, die sie selbst einige Tage zuvor verfasst hatte.

Gegen Mittag hatte sie knapp die Hälfte der Arbeit hinter sich gebracht. Ihre Augen brannten von dem ewigen Lesen und sie verspürte den unheimlichen Drang, ein Feuerchen zu legen, damit der Papierkram endlich verschwand. Erschöpft legte sie ihren Kopf auf den Tisch und schloss die Augen. Für einen kleinen Moment wollte sie sich ausruhen. Diese Büroarbeiten waren anstrengender als ein Kampf gegen fünf Todesser – zumindest in ihren Augen.

Plötzlich klopfte es an der Tür. „Ich bin nicht da!", rief Samantha gegen den Tisch. Die Bürotür wurde geöffnet und ein Mann mittleren Alter kam herein. Es war ihr direkter Vorgesetzter, Kingsley Shacklebolt. „Samantha?", rief dieser beim Eintreten und blieb mitten im Raum stehen. „Nein", antwortete die Angesprochene. „Mal wieder schlecht geschlafen?", entgegnete Kingsley mit einem Schmunzeln. Er war ein groß gewachsener, dunkelhäutiger Mann, mit einer tiefen, sanften Stimme.

Langsam hob Sam ihren Kopf und blickte ihren Vorgesetzten an, den sie schon richtig ins Herz geschlossen hatte. „Nein, aber dieser ganze Papierkram hier bringt mich noch um den Verstand", antwortete die Hexe und seufzte schwer. „Na, dann wird es dich sicher freuen, dass ich einen Auftrag für dich hab", erwiderte Kingsley und schloss die Bürotür. Sofort wurde Samantha hellhörig. „Vor etwa einer halben Stunde wurde Greyback in London gesichtet. Da du die meiste Erfahrung mit Werwölfen hast, möchte ich, dass du der Sache mal auf den Grund gehst. Sollte er wirklich in London sein, beschatte ihn und finde heraus, was er vorhat! Hier ist die Adresse, wo man ihn zuletzt gesehen hat." Mit diesen Worten reichte Kingsley der Hexe einen kleinen Zettel.

Eine Stunde später stand Samantha mitten im dichten Regen vor einem kleinen Geschäft und tat so, als würde sie sich die Auslegeware im Schaufenster betrachten. In Wahrheit hatte sie ein wachsames Auge auf Greyback gerichtet. Er trieb sich tatsächlich auf Londons Straßen herum. Seit einer halben Stunde war die Hexe dem Todesser auf den Fersen. Mittlerweile hatte er seinen Weg in die Winkelgasse gefunden und war nun in Borgin & Burkes verschwunden.

Frierend stand Samantha vor dem Laden und sprach mit einer alten Hexe, welche ihr einen Fleischfressenden Schneckenschutz verkaufen wollte. Eigentlich besaß sie keinen Garten, wo sie ihn hätte einsetzen können, doch ihrer Tarnung zuliebe, kaufte sie einen Beutel. Das Geld würde sie sich später vom Ministerium zurückholen. Sie hatte gerade bezahlt, als Greyback wieder auftauchte, mit einem fiesen Grinsen im Gesicht. So freundlich wie es die Eile zuließ, verabschiedete sich Samantha von der Verkäuferin und ging ebenfalls weiter.

Greyback jedoch war verschwunden. „Mist. Er ist bestimmt disappariert", murmelte Sam leise vor sich hin. Einen Augenblick betrachtete sie den Fleischfressenden Schneckenschutz in ihrer Hand. Sie könnte ihm ohne Probleme hinter her apparieren, denn sie hatte noch seine Spur. Allerdings war es außerordentlich gefährlich, da man schließlich nicht wissen konnte, wo man landete. Den Schneckenschutz konnte sie auch schlecht mitnehmen. Plötzlich fiel ihr wieder der Stapel Akten auf ihrem Schreibtisch ein. Unter diesen Akten waren nicht nur ihre eigenen Fälle, sondern Aufträge von Auroren, die verschwunden oder getötet worden waren.

Entschlossen stellte Samantha den Schneckenschutz in eine Ecke. Vermutlich würde ihn jemand finden und mitnehmen. Ansonsten würde sie ihn später abholen. Sie raffte noch einmal ihren pitschnassen Umhang und zog ihren Zauberstab hervor, damit sie für alle Fälle gerüstet war. Dann verschwand sie mit einem leisen Plopp.

Ein Augenzwinkern später fand sich Samantha in einem großen, wohlhabend aussehenden Wohnzimmer wieder. Erschrocken blickte sie sich um. Sie war umzingelt. Drei maskierte Todesser und Greyback standen um sie herum und zielten mit ihren Zauberstäben auf sie. „War wohl doch keine so gute Idee, mir zu folgen, Auror!", knurrte Greyback und lächelte finster. Sams Herz klopfte wie wild in ihrer Brust. Ihre Gedanken rasten. Sollte sie es versuchen und kämpfen oder sollte sie lieber gleich aufgeben? Ihre Chancen, dass sie einen Kampf gegen vier überlebte, waren schwindend gering.

Langsam ließ sie ihren Zauberstab sinken und warf ihn auf den Boden. Leise hörte sie, wie es von ihrem Umhang auf den teuer aussehenden Teppich tropfte. Mit zwei großen Schritten durchquerte Greyback den Saal und stand nun direkt neben ihr. Hart griff er an ihre Kehle und hob sie einen halben Meter in die Höhe. Samanthas Hände schlossen sich um den starken Arm. Keuchend rang sie nach Luft.

„Lass sie leben, Greyback. Vielleicht brauchen wir sie noch", sprach eine künstlich verzerrte Stimme. Trotzdem sie verzerrt war, klang sie ölig und ruhig. Widerwillig löste der Werwolf den festen Griff und Sam landete unsanft auf dem Boden. Hustend schnappte sie nach Luft. Dabei rieb sie sich ihren schmerzenden Hals.

Langsam kam die Gestalt, welche gesprochen hatte, auf sie zu. Mit festem Griff packte er ihren Arm und zerrte sie zurück auf die Beine. Drohend drückte er die Spitze seines Zauberstabs gegen ihren Unterkiefer und Sam reckte den Hals. „Wer bist du?", fragte er und jedes Wort schlang sie langsam und schmierig um ihren Körper.

Schwer schluckte die junge Hexe. Ihr Herz raste wie wild, doch sie verspürte keine Angst. Seit dem Vorfall mit Daniel hatte sie keine echte Angst mehr gespürt. Statt einer Antwort, gab sie ihrem Gegenüber lediglich ein gehässiges Lächeln. „Verspotte mich nicht!", warnte dieser und drückte seinen Zauberstab schmerzhaft gegen ihren Unterkiefer.

„Wieso nimmst du nicht erst mal deine Maske ab? Dann können wir gerne weiter reden", presste Sam schließlich durch zusammengebissenen Zähnen hervor. Ein abfälliges, mehrstimmiges Lachen erfüllte den Raum. Ein Gefühl von Erniedrigung machte sich in der Hexe breit, doch sie ließ nicht zu, dass es die Oberhand gewann. „Wir werden dich schon noch zum Sprechen bringen", raunte der Todesser schließlich und zog seinen Zauberstaub zurück. Einen kurzen Augenblick entspannte sich Samanthas Hals und tief atmete sie ein und aus. „Stupor", sagte ihr Gegenüber schließlich mit ruhiger Stimme. Schwer traf der Schockzauber auf sie. Noch im selben Moment brach Sam bewusstlos zusammen.

Langsam öffnete Samantha ihre Augen. Ihr rechtes Auge bekam sie nur halb auf. Offenbar war es angeschwollen. Vorsichtig versuchte sie ihren rechten Arm zu bewegen, um nach ihrem Auge zu tasten, jedoch gelang es ihr nicht. Verwirrt schloss die Hexe ihre Augen wieder. Während sie ruhig ein und aus atmete, spürte sie, dass ihr Hals schmerzhaft brannte. Vermutlich noch von Greybacks Angriff.

Schleppend langsam kehrte ihr Verstand wieder zurück. Erneut öffnete sie ihre Augen und blickte sich um. Viel Bewegungsfreiheit hatte sie jedoch nicht. Ihre Arme waren schräg nach oben fest gekettet worden. Ihre Beine spürte sie kaum. Mit ihrem gesunden Auge erkannte sie, dass sie auf dem Boden kniete. Offenbar waren ihre Beine vom Knie abwärts eingeschlafen. Vorsichtig hob sie ihren Kopf etwas an. Ihr Nacken und ihre Schultern schmerzten.

Durch ein kleines Fenster, welches kaum größer als eine Hundeklappe war, fiel etwas spärliches Licht hindurch. Ihr gesundes Auge brauchte eine Weile, bis es sich daran gewöhnt hatte. Wie ein Blitz ging ein Schrecken durch ihren Körper. Sie befand sich in einer Art Kerker. Der Boden war mit Stroh ausgelegt. Wie groß der Raum, konnte sie von ihrer Position kaum ausmachen. Sie selbst war mittendrin an ein paar dicke Holzpfeiler gekettet worden.

‚War wohl doch keine so gute Idee, einfach hinter Greyback her zu apparieren', dachte Samantha bei sich. Ein Blick aus dem kleinen Fenster verriet ihr, dass es schon später Abend, vielleicht sogar schon Nacht war. Es regnete immer noch in Strömen, was nicht unüblich für England im Winter war.

Quietschend öffnete sich plötzlich die Kerkertür. Ein groß gewachsener Mann mit der üblichen Maske der Todesser kam herein. Samantha konnte spüren, wie sein Blick wie Kleber an ihr haftete. „Sind wir also aufgewacht", sagte er mit dunkel verzerrter Stimme. Langsam trat er schwebend näher auf sie zu. Dabei schleifte sein schwarzer Umhang über dem Boden und ein paar Strohhalme blieben an diesem hängen.

„Was wollen sie von mir?", brachte sie mit geschwächter Stimme heraus. Ein gehässiges Lachen erfüllte den kleinen Raum und hallte von den Kerkerwänden wieder. „Sie meinen wohl, warum ich sie nicht einfach töte?", entgegnete er und zog seinen Zauberstab hervor. Langsam fuhr er damit über ihre Arme und berührte sie kaum. Dennoch konnte Samantha deutlich die Magie spüren, die von ihm ausging. Eine Gänsehaut breitete sich auf ihrer Haut aus und hätte sie nicht in Ketten gelegen, hätte sie sich womöglich angewidert geschüttelt.

Mit langsamen und fast anmutigen Bewegungen umkreiste er sie. Hinter ihr blieb er plötzlich stehen. „So jung und schon dem Tode nah", hauchte er an ihr Ohr und ihr Herz schlug schneller. Sie spürte, wie sein Zauberstab sich einen Weg unter ihr T-Shirt bahnte. Das laute Geräusch von zerreißendem Stoff erfüllte die Nacht. „Das war sowieso mehr als hässlich", sagte er und enthüllte ihren Rücken von den Schultern an abwärts. Langsam zeichnete er kleine Kreise mit seinem Zauberstab und Samantha bekam eine neue Gänsehaut.

„So jungfräulich. Eigentlich schade, diese Schönheit zu zerbrechen." Ölend legten sich seine Worte um ihre Seele. Umklammerten sie. Pressten sie zusammen, sodass ihr beinahe die Luft weg blieb. Dann schrie sie. Ein heftiger Schmerz durchfuhr sie. „Schrei nur. Niemand wird dich hier hören!", sprach der Todesser gehässig. Es schien ihm geradezu Freude zu bereiten, dass er der Aurorin Schmerzen bereiten konnte.

Mit seinem Zauberstab brannte er tiefe Spuren in ihren Rücken. Immer wieder hielt er kurz inne und Sam nutzte diese Gelegenheiten, um zu Atem zu kommen. Nach einer gefühlten Ewigkeit, hörte er plötzlich auf. Die Hexe hörte, wie er sich einige Schritte von ihr entfernte. ‚Vielleicht ist es jetzt endlich vorbei', dachte sie flehend bei sich.

Plötzlich traf sie ein Schockzauber in den Rücken. Jedoch war dieser so sehr abgeschwächt, dass er lediglich wie ein harter Schlag wirkte. Nacheinander traf sie ein Zauber nach dem anderen. Wann diese Folter endete, bekam Samantha nicht mehr mit. Denn irgendwann überkam sie eine wohltuende Dunkelheit und sie spürte keinen Schmerz mehr.

Langsam öffnete Samantha ihre Augen und schloss sie wieder. Durch das kleine Fenster in ihrem Kerker schien ihr die Sonne direkt ins Gesicht. So hielt sie die Augen geschlossen. In ihrem Mund schmeckte sie Blut. Ihr ganzer Körper schmerzte. Offenbar hatte dieser Todesser sie auch noch verprügelt, nachdem er mit ihrem Rücken fertig gewesen war. Ihre Atmung ging flach. Jeder tiefere Atemzug schmerzte.

Vorsichtig versuchte die Hexe ihren Kopf zur Seite zu drehen, damit die Sonne ihr Gesicht nicht verbrannte, jedoch waren ihre Bewegungsmöglichkeiten weiter eingeschränkt worden. Mit Entsetzen musste sie feststellen, dass sie so etwas wie eine Halskrause trug. Ihr blieb also nichts anderes übrig, als die Augen zu zukneifen und zu hoffen, dass die Sonne bald verschwand. ‚Sonnenschein im Dezember. Das hatten wir schon lange nicht mehr', dachte Samantha traurig bei sich.

Am Abend begann die Folter von neuem. Dieses Mal machte er es sich zu einem Spaß, ihre Arme bis zu den Handgelenken zu verunstalten. Ihre Schmerzensschreie hallten von den Kerkerwänden wieder. Blut tropfte auf den Boden und färbte das Stroh rot.

So ging es zwölf Tage lang. An manchen Tagen brannte die Sonne in ihr Gesicht. Sie freute sich jedes Mal, wenn es regnete. Am Abend wurde sie gefoltert. Gelegentlich bekam sie ein gammeliges Stück Brot zu essen oder einen Schluck abgestandenes Wasser. Samantha hatte es schon aufgegeben, auf Rettung zu hoffen. Sie hatte sich schon regelrecht damit abgefunden, dass sie den Rest ihres Lebens fristen müsste.

Doch dann endete es plötzlich.

Schwer atmend hing Samantha an ihren Ketten und wartete auf den Abend. Dabei starrte sie unentwegt aus dem kleinen Fenster und beobachtete, wie der Himmel sich verdunkelte. Irgendwann war sie dann eingeschlummert. Am nächsten Morgen erwachte sie von dem lauten Plätschern von Regentropfen. Verwundert musste sie feststellen, dass sie in der vergangenen Nacht nicht gefoltert worden war.

Drei Tage vergingen, in denen nichts passierte. Langsam schlummerte Samantha ein, als sie plötzlich Schritte hörte. Sie hallten deutlich von den Gangwänden wieder und kamen näher. ‚Also ist doch noch nicht vorbei', schoss es der Hexe durch den Kopf. Geistig machte sie sich für eine weitere Foltersitzung bereit. Dann sah sie gespannt zur Tür. Langsam öffnete sich diese, allerdings nur einen kleinen Spalt breit. Sam entdeckte einen Zauberstab. „Feigling! Lässt mich hier hängen und verhungern und jetzt traust du dich nicht, dich mir zu zeigen, bevor du mich tötest?", rief sie laut. Ihr Hals schmerzte, doch, obwohl sie seit Tagen nicht mehr gesprochen hatte, war ihre Stimme erstaunlich fest.

Der Zauberstab bewegte sich und eine Stimme sprach einen Zauberspruch. Samantha starrte zur Tür, in Erwartung, dass sie jeden Augenblick sterben würde. Doch stattdessen öffneten sich plötzlich ihre Ketten und sie fiel nach vorne. Unsanft landete sie mit dem Gesicht auf dem Boden. Ein Knacken machte deutlich, dass ihre Nase nun gebrochen war.

„Verschwinde! So lange du noch kannst! Dein Zauberstab liegt hier im Gang!", rief eine junge, männliche Stimme. Eine Weile blieb Samantha ausgestreckt auf dem Boden liegen. Langsam kehrte Leben zurück in ihre Gliedmaßen und das erste, was sie spürte, waren Schmerzen.

Irgendwann entschloss sie sich dazu, aufzustehen. Vorsichtig raffte sie sich auf, doch noch im selben Moment gaben ihre Beine nach und sie landete wieder auf dem Boden. Eine Weile blieb Sam so sitzen und rieb sich ihre Beine. Ihre Muskeln waren vollkommen erschlafft. Fast zwei Wochen hatte sie nur gekniet und ihre Beine nicht gespürt.

Erneut stand sie auf und stützte sich gegen die Wand. Stolpernd bewegte sie sich vorwärts. Vorsichtig öffnete sie die Kerkertür und blickte in den Gang. Niemand war zu sehen. Mutig ging sie weiter. Einige Meter später, entdeckte sie ihren Zauberstab. Sogleich nahm sie ihn an sich und disapparierte.

„Kreacher!" Laut rief Samantha nach ihrem Hauselfen. Sie war nach Hause appariert und lag nun im Flur auf dem Boden. Im Nachhinein wurde ihr klar, dass sie in einem Krankenhaus wohl besser aufgehoben wäre.

Kreacher tauchte kurze Zeit später neben ihr auf und sah sie entsetzt an. „Was ist mit meiner Herrin geschehen?", fragte er entsetzt. „Das erkläre ich dir später. Du musst mich ins St. Mungo bringen. Schnell", flüsterte Samantha geschwächt. Das Apparieren hatte ihr große Kraft gekostet. Kreacher nickte entschlossen und packte die Hexe am Arm. Im nächsten Moment lag sie auf den kalten Kacheln im St. Mungo Hospital für magische Krankheiten und Verletzungen.

Sogleich wurden mehrere Heiler auf sie aufmerksam. Schwebend wurde sie in ein Behandlungszimmer gebracht, wo sie in eine wohltuende Ohnmacht entglitt.

Einige Tage später erwachte sie wieder. Sie lag auf dem Bauch in einem großen, weichen Bett, welches wunderbar nach Blumen roch. Sie war vollkommen schmerzfrei und fühlte sich unheimlich wohl. Dennoch traute sie sich nicht, ihre Augen zu öffnen, aus Angst, dies könnte alles nur ein schöner Traum sein.

„Sieh nur. Ich glaube, sie ist aufgewacht", hörte sie eine junge, weibliche Stimme sprechen. Doch es kümmerte sie nicht. ‚Verschwinde aus meinem Traum', dachte sie leise bei sich, ‚du hast hier nichts zu suchen.' „Nein, ich glaube, sie schläft noch. Wenn sie doch endlich aufwachen würde", seufzte eine ältere männliche Stimme. Irgendwoher kannte sie diese Stimme. Doch es kümmerte sie nicht. Es war ihr egal. Das Kissen unter ihrem Kopf war unheimlich kuschelig. Sanft schmiegte es sich an ihr Gesicht und vorsichtig versuchte sie, sich tiefe in dieses Kissen zu drücken.

„Sieh nur, Remus. Sie bewegt sich doch", rief die weibliche Stimme erneut. ‚Wieso verschwindest du nicht einfach? Du störst mich hier nur.' „Ich glaube, du hast Recht! Samantha?" Erneut sprach die männliche Stimme. Die junge Hexe spürte, dass sie sie irgendwoher kannte.

Plötzlich spürte sie, wie sich etwas auf ihren bandagierten Arm legte. ‚Ist das eine Hand?', fragte sie sich still, ‚Aber wieso kann mich eine Hand berühren? Dies ist doch nur ein Traum. Oder etwa nicht?'

„Samantha, bitte wach auf!", flehte die männliche Stimme. ‚Vielleicht sollte ich einen kurzen Blick riskieren? Was soll schon großartig passieren?' Vorsichtig öffnete sie ihre Augen einen kleinen Spalt. Verschwommen sah sie zwei schwarze Gestalten. Langsam blinzelte sie. „Sie ist wach, Tonks!", rief die männliche Stimme erleichtert.

Langsam nahmen die Gestalten Formen an. Direkt vor ihr saß ihr Onkel und daneben ihre Kusine Tonks. „Samantha, wie geht es dir?", fragte Tonks mit zittriger Stimme. Vorsichtig versuchte die junge Hexe zu sprechen, bekam jedoch nicht mehr als ein Flüstern raus: „Onkel Remus?" Dieser lachte erleichtert auf.

„Jag mir nie wieder so einen Schrecken ein, Sam!", rief er aus und umarmte sie stürmisch. Auch Tonks stürzte sich auf Samantha, welche dankbar lächelte. „Wo habt ihr zwei gesteckt?", fragte sie schließlich heiser. „Wir mussten einige Dinge erledigen. Aber als wir gehört hatten, was mit dir passiert war, sind wir so schnell wie möglich hier her gekommen", erklärte Remus und wischte sich eine Träne aus dem Auge.

Plötzlich ertönte aus einer Ecke ein leises Winseln. „Oh, natürlich. Wir haben hier noch jemanden mitgebracht", sagte Tonks und ging einige Schritte von dem Bett weg. Auch Remus machte etwas Platz. Auf einmal stand ein großer, schwarzer Hund mit zerzottelten Haaren vor dem Bett und legte traurig seinen Kopf aufs Laken. Mit seiner Nase stupste er vorsichtig gegen ihr Gesicht. „Wer ist das?", fragte Samantha leise. Langsam kehrte ihre Stimme zurück.

„Das ist Tatze. Ein sehr guter Freund von uns und ein alter Bekannter von deinem Vater", erklärte Remus und sah lächelnd zu, wie der Hund sich an die junge Hexe schmiegte. Aus irgendeinem Grund hatte Samantha in ihrem bisherigen Leben keinen großen Bezug zu Hunden gehabt. Doch die bloße Anwesenheit dieses Hundes, gab ihr ein wohlig warmes Gefühl im Bauch.