Disclaimer: Alle Figuren (bis auf Samantha) gehören nicht mir, sondern Joanne K. Rowling. Ich leihe sie mir lediglich aus und möchte auch kein Geld mit ihnen verdienen.
Anm. d. A.: Huhu! Endlich habe ich die Zeit gefunden (dank einer Grippe), das Kapitel zu überarbeiten. Es lohnt sich auf jeden Fall, es zu lesen! Viel Spaß!
PS: Kapitel X ist auch schon in Arbeit! ^^
An Stroiner, meinem treuen Fan ^^ : Du hast Recht, inhaltlich befinden wir uns jetzt ungefähr im fünften Band. Allerdings ist Sam schon 18 Jahre alt und die anderen auch. Mach dir aber keine Sorgen, sondern lass dich einfach überraschen, wie es weitergeht. Ich hab schon so meine Ideen! ;) Vielen Dank für deine vielen Reviews! :)
Und nun geht's los:
Kapitel IX
Nicht mehr allein
Seufzend lag Samantha im Krankenhausbett auf dem Bauch und starrte auf die gegenüberliegende weiße Wand. Seit einer Woche starrte sie diese Wand schon an. Sie kannte mittlerweile jeden Fleck, jede Unebenheit, jede kleinste Auffälligkeit. Am liebsten würde sie sich mal auf den Rücken legen und eine Zeit lang die Decke anstarren, aber das war aufgrund der Verletzungen auf ihrem Rücken nicht möglich. Die Verletzungen.
Bei dem Gedanken an die Folterungen, begann ihr Herz wie wild zu rasen. Blanke Panik machte sich in ihr breit und die junge Hexe spürte, wie es ihr die Kehle zuschnürte. Langsam schloss sie ihre Augen und atmete tief ein und aus. ‚Einfach nicht daran denken', dachte sie bei sich und sie beruhigte sich wieder. „Ein Königreich für den Papierkram auf meinem Schreibtisch", murmelte sie halblaut vor sich hin.
„Das lässt sich sicher einrichten", antwortete eine ihr wohlbekannte Stimme. Schritte näherten sich dem Bett von Samantha. Sie wusste schon längst, wer dieser Besucher war. Zu gut kannte sie ihn. Mit einem Lächeln setzte sich Kingsley Shacklebolt auf einen Stuhl ihr gegenüber. Er lehnte sich vor, legte die Unterarme auf die Beine und faltete die Hände. „Wie geht es dir, Sam", fragte er und ließ seinen Blick vorsichtig über ihren verhüllten Körper gleiten.
Am liebsten hätte sie ihm gesagt, dass es ihr im wahrsten Sinne des Wortes „beschissen" ging, aber so sprach man in der Zaubererwelt einfach nicht. Aber eine bessere Beschreibung für ihre momentane Lage gab es nicht. Außerdem wollte sie nicht, dass sich ihr Vorgesetzter noch mehr Sorgen machte. „Ich bin auf dem Weg der Besserung", antwortete sie stattdessen.
„Was ist überhaupt passiert?", hakte er vorsichtig in das sensible Thema ein. Samantha seufzte schwer und sammelte sich innerlich. Dann erzählte sie Kingsley, was sie erlebt hatte. Sie erzählte ihm, wie sie Greyback aufgespürt und verfolgt hatte. Wie sie in eine Falle getappt war und danach gefoltert wurde. Dabei versuchte sie keine wichtigen Details außer Acht zu lassen. „Es war meine eigene Schuld", schloss sie ihre Ausführungen.
„Wann wirst du denn wieder entlassen?", fragte Kingsley neugierig. „In zwei bis drei Wochen ungefähr. Genaues weiß ich leider nicht", antwortete Samantha geknickt. Eine Weile unterhielten sich die beiden Arbeitskollegen noch, dann verabschiedete sich Kingsley und ging. Wieder war Samantha mit ihren Gedanken alleine.
Es vergingen noch ganze vier Wochen bis Samantha das St. Mungo's Hospital verlassen konnte. Immer wieder wies der Arzt sie darauf hin, dass sie sich noch schonen müsste und auf keinen Fall arbeiten dürfte. Widerwillig gab sie ihr Wort, dass sie die Anweisungen des Arztes befolgen würde.
Endlich zu Hause angekommen, atmete Samantha tief durch. Sie war daheim. In ihren eigenen vier Wänden. Hier war sie sicher vor jedem, der ihr etwas wollte. Zumindest fühlte sie sich an diesem Ort sicher. Erschöpft ließ sie ihre Tasche mitten im Flur fallen und stapfte die Treppen hinauf in ihr Zimmer. In ihrem Bad ließ sie sich heißes Wasser in der Badewanne ein. Sie wollte sich gerade frische Sachen holen gehen, als sie abrupt stehen blieb. Gegenüber von der Wanne hing ein einen Meter sechzig großer Spiegel. Zum ersten Mal seit der Folterung sah sie ihr Spiegelbild. Und sie sah entsetzlich aus.
Ihre Haare waren nur noch eine wirre Frisur und ihre sonst so fröhlichen Farben waren nun in ein tiefes und deprimierendes Schwarz gegangen. Unter ihren Augen waren dunkle Ringe und ihr Blick war müde und teilnahmslos. Sie war nicht mehr das fröhliche Mädchen, das sie einmal gewesen ist. Der Anblick ihres Spiegelbilds machte sie traurig und wütend zugleich. „Kreacher", flüsterte sie schwach. Sie konnte den Blick nicht abwenden, so sehr sie es auch wollte.
Mit einem lauten Plopp erschien Kreacher im Badezimmer und hielt Samanthas Tasche in der Hand. „Meine Herrin ist wieder zurück", sagte er mit einem glücklichen Leuchten in den Augen. „Verhüll bitte den Spiegel, Kreacher", flüsterte Sam matt. Mit einem Fingerschnipsen von dem kleinen Hauselfen erschien ein schwarzes Tuch, welches sich auf den Spiegel legte. Samantha entspannte sich wieder und konnte sich nun ihrem kleinen Freund widmen. „Hallo, Kreacher!", begrüßte sie ihn mit dem fröhlichsten Lächeln, welches sie zustande bringen konnte. „Ich werde sofort einen Kuchen backen für euch, Madam", rief er fröhlich und verschwand wieder.
Nach einem langen und entspannenden Bad stand Samantha nun in ihrem Zimmer vor ihrem Schrank und grübelte darüber, was sie anziehen sollte. Sie besaß viele sehr schöne Sachen. Sommerkleider, Röcke, kurze Tops. All das würde sie von nun an nicht mehr tragen können. Zu sehr schämte sie sich für die Narben, die ihren Körper verunstalteten. Letzten Endes entschied sie sich für ihren Jogginganzug, den sie sonst nur trug, wenn sie schwere Grippe hatte. Denn den dazugehörigen Pullover zierte ein großer, niedlicher Teddybär, der breit grinste und einen Honigtopf in der Hand hielt. Für die Öffentlichkeit war es ihr einfach zu peinlich, diesen Pullover zu tragen, aber zu Hause trug sie ihn unheimlich gerne. Er war einfach unheimlich kuschelig und warm.
Bevor Samantha in die Küche ging, um noch etwas zu essen, öffnete sie ihre Tasche und nahm eine Akte heraus. Nachdem sie aus dem St. Mungo's Hospital entlassen worden war, war sie noch im Ministerium in ihr Büro gegangen und hatte sich einen Großteil ihres Papierkrams eingepackt. Sie hatte eine Menge aufzuarbeiten und wollte keine Zeit mehr verschwenden.
Vertieft in die Akte über eine Entführung einer Zaubererfamilie, stieg Sam langsam die Treppe hinunter. Automatisch stemmte sie eine Hand gegen die Küchentür und stieß sie auf. Einen Moment hielt sie inne und wiederholte den eben gelesenen Satz leise vor sich hin. Dann betrat sie die Küche.
Ein lautes Stimmengewirr kam ihr entgegen und für einen Moment löste sie ihren Blick von ihren Akten. Das Geplapper und Gerede verstummte abrupt. „Oh, Entschuldigung", nuschelte Sam, blickte zurück auf ihre Akte und verließ die Küche wieder. Auf dem Flur blieb sie plötzlich stehen. Verwirrt blickte sie zurück zur geschlossenen Küchentür. „Moment mal... das ist doch mein Haus", sagte sie in die Stille hinein.
Sie wandte sich auf dem Absatz um, legte die Akte, die sie eben noch gelesen hatte auf die nächste Kommode und zog ihren Zauberstab. Dann stürmte sie die Küche und rief laut: „Niemand bewegt sich!" Auf der Stelle war es wieder mucksmäuschenstill in dem kleinen Raum. Auf dem ersten Blick erkannte sie, dass zehn Personen in der Küche saßen. Bisher hatte sie nicht einmal gewusst, dass so viele in diesem Raum Platz finden konnten, aber offensichtlich klappte es ganz gut. Wie sie sich umsah, fiel ihr ein Junge in ihrem Alter mit hellem blondem Haar besonders auf.
Plötzlich entdeckte sie in einer Ecke ihren Patenonkel. „Remus? Was... was tust du hier?", fragte sie irritiert. Noch immer hielt sie drohend ihren Zauberstab hoch. „Hallo Samantha! Es tut mir leid, dass du es auf diese Weise erfahren musst. Glaub mir, ich wollte dich schon längst wieder im St. Mungo's Hospital besuchen und dir alles in Ruhe erklären, aber...", versuchte der Werwolf zu erklären, doch geriet er mehr und mehr ins Stammeln. „Aber ich war nicht lange genug dort...", schloss Sam sarkastisch den Satz ihres Paten und ließ langsam ihren Zauberstab sinken. „Nein, so war das nicht. Bitte, setz dich doch zu uns. Dann erkläre ich dir alles", verteidigte Remus Lupin sich und deutete auf einen Platz neben sich, der frei war.
Samantha aber blieb stehen. Sie fühlte sich plötzlich alles andere als wohl in ihrer Haut. Alle Blicke schienen auf ihr zu ruhen und das machte sie nervös. Ihr Herz begann zu rasen und ihr wurde übel. Sie schluckte schwer und versuchte sich zu beruhigen, aber es ging nicht. ‚Alle starren mich an... ob sie sie sehen können? Ob sie meine Narben sehen können?', dachte sie voller Panik. „Weißt du was, erklär es mir morgen... ich geh ins Bett", brachte sie schließlich mit zitternder Stimme hervor und verließ die Küche wieder. Sie nahm ihre Akte von der Kommode und ging mit hängendem Kopf die Treppen hinauf.
In ihrem Zimmer angelangt, schloss sie die Tür mit einer Handbewegung ab. Dann setzte sie sich auf ihr Bett und starrte auf den Fußboden. Sie hatte sich auf ihr Zuhause gefreut. Hatte sich darauf gefreut, in aller Ruhe und für sich selbst die Dinge zu verarbeiten, die ihr passiert waren. Jetzt jedoch war sie nicht mehr alleine in ihrem Haus. Und noch dazu fühlte sie sich von ihrem Patenonkel hintergangen. Sechs Wochen hatte sie im St. Mungo gelegen und Remus Lupin hatte sie nur ein einziges Mal besucht. Stattdessen hatte er ihr Zuhause besetzt und sie kein einziges Mal gefragt oder wenigstens darauf vorbereitet.
Normalerweise hätte sie ihrem Onkel verzeihen können. Aber, egal wie sehr sie die Situation in ihren Gedanken hin und her drehte, sie fand einfach nichts Gutes daran. Im Gegenteil. Der Gedanke, dass so viele Menschen in ihrem Heim waren, machte sie nervös. Zwei Jahre hatte sie allein in diesem Haus gelebt und war zufrieden gewesen. Nun hatte sie plötzlich Mitbewohner. Noch dazu kam, dass der Gedanke daran, jemand könnte ihre Narben sehen, sie panisch machte. Sie schämte sich für ihre Verunstaltung.
Laut hörte sie ihren Magen grummeln und ein flaues Gefühl machte sich in ihrem Bauch breit. Sie hatte immer noch Hunger, jetzt sogar noch größeren. Laut rief sie nach Kreacher, welcher im nächsten Moment sogleich erschien. „Sei so gut und bring mir doch bitte ein Sandwich und irgendwas zu trinken", bat sie den Hauselfen. Dieser bestätigte die Bestellung mit einem kurzen Nicken und verschwand mit einem leisen Plopp wieder.
Es dauerte einen Moment, bevor Kreacher mit einem prall gefüllten Tablett zurückkehrte. Er brachte ein Thunfischsandwich, eine große Tasse Kakao und Schokoladenriegel mit. Alles genau das Richtige, wenn Sam deprimiert war. „Danke, Kreacher", lächelte die Hexe, „Aber woher hast du denn die Schokoladenriegel?" „Ihr Vater hat welche mitgebracht, Madam", antwortete der Hauself und stellte das Tablett auf den Schreibtisch in der Ecke. „Oh nein, Remus ist nicht mein Vater. Er ist mein Patenonkel", erklärte Samantha Lilian mit einem Lächeln und setzte sich auf den Stuhl vor dem Tisch und griff nach dem Sandwich. Kreacher blickte seine Herrin mit großen Augen an. „Aber das weiß ich doch, Madam", entgegnete er und freute sich, dass es ihr so gut schmeckte. Die Hexe jedoch verschluckte sich an ihrem Bissen. „Soll das etwa heißen, mein Vater ist hier?", rief sie mit vollem Mund. Der kleine Wicht mit den großen Ohren nickte zaghaft, dann verschwand er.
Schockiert starrte Samantha auf die Stelle, wo eben noch Kreacher gestanden hatte. Ihr Vater war auch im Haus. Das machte diese ganze Situation noch viel komplizierter, als sie sowieso schon war. Sie hatte ihren Vater zuletzt gesehen, da war sie ein Jahr alt gewesen. Sie konnte sich heute nicht einmal mehr daran erinnern. Soweit sie zurückdenken kann, war da immer nur Remus gewesen.
Traurig blickte sie auf das Tablett vor sich. Die Schokoriegel, die darauf lagen, gehörten zu ihrer Lieblingssorte. Vermutlich wusste ihr Vater das von Remus. Schwer schluckte sie den Bissen ihres Sandwichs hinunter.
Mit klopfendem Herzen stand Samantha von ihrem Platz auf und begann in ihrem Zimmer auf und ab zu gehen. ‚Mein Vater ist hier... er ist tatsächlich hier... in diesem Augenblick... in meinem Haus', schwirrte es ihr wie wild durch den Kopf. Dabei begann sie, wie im Zwiespalt, mit sich selbst zu streiten. ‚Was mach ich jetzt nur? Was mach ich nur?' – ‚Geh runter und red mit ihm.' – ‚Nein, das ist eine doofe Idee! Was ist, wenn er sich gar nicht an mich erinnert? Was ist, wenn er mich nicht liebt?' – ‚Aber wieso sollte er mich nicht lieben? Ich bin schließlich seine Tochter!' – ‚Andererseits, wenn er mich lieben würde, hätte er sich mal früher hier blicken lassen oder irgendetwas von sich hören lassen.' – ‚Aber... vielleicht konnte er nicht. Schließlich ist er ein entflohener Sträfling!' – ‚Richtig. Und ich bin eine Aurorin und müsste ihn eigentlich verhaften.' – ‚Er ist immer noch dein Vater! Du kannst nicht einfach-…' Mitten in ihren Gedanken hielt sie plötzlich inne und starrte an die Tür. Hatte es nicht gerade geklopft? Ihre Augen weiteten sich erschrocken, als sie plötzlich und unerwartet ein weiteres Klopfen vernahm. „Wer...?", flüsterte sie zaghaft. Sie räusperte sich und fand dadurch ihre Stimme wieder. „Wer ist da?", rief sie laut und zuckte von ihrer eigenen lauten Stimme zusammen.
Keine Antwort. Langsam ging sie zur Tür und mit zitternden Händen öffnete sie diese. Ein Paar blauer Augen blickte sie aus einem traurigen Gesicht an. Selbst wer dieses Gesicht zum ersten Mal sah, konnte erkennen, dass diese Person schon sehr viel durchmachen musste in seinem Leben. Samantha jedoch kannte es. Sie sah dieses Gesicht jeden Tag in ihrer Abteilung. An der Wand der meistgesuchten Verbrecher.
„Hallo, Samantha. Ich bin-..." - „Ich weiß, wer du bist!", rief die Hexe aus und schlang ihre Arme um seinen Hals. Sanft drückte er sie in eine feste Umarmung und vergrub sein Gesicht in ihre Schulter. Eine gefühlte Ewigkeit blieben sie einfach nur so stehen und hielten sich gegenseitig fest. Seit Jahren hatte sich Sam nicht mehr so wohl gefühlt wie in diesem Moment. Für einen Augenblick konnte sie sogar ihre Qualen der letzten Wochen vergessen und ihre Haare verfärbten sich in ein helles, fröhliches Grün.
Es dauerte jedoch nicht lange bis sich Unbehagen in Samantha breit machte. Etwas unbeholfen löste sie sich aus der Umarmung und ging zurück in ihr Zimmer. Sirius folgte ihr verunsichert. Nervös rang sie mit sich selbst und wusste nicht ganz recht, was sie tun oder sagen sollte. „Möchtest du dich nicht setzen, Samantha?", fragte Sirius. Unschlüssig blickte sie ihren Vater an und setzte sich schließlich auf den Schreibtischstuhl. „Es tut mir leid, dass ich all die Jahre nicht für dich da sein konnte", begann Sirius mit zittriger Stimme, „ich habe dich ein paar Mal im St. Mungo's besucht, aber das macht unmöglich wieder gut, dass ich nicht für dich da war, als du mich am meisten gebraucht hast!" Verwirrt sah Samantha ihren Vater an. „Du... du hast mich nicht besucht…", stammelte sie mit zittriger Stimme und versuchte sich an eine Begegnung zu erinnern. „Doch, habe ich! Erinnerst du dich an den schwarzen, zotteligen Hund, den du immer so gerne hinter den Ohren gekrault hast?", erwiderte er mit einem zaghaften Lächeln. Da ging Sam ein Licht auf. „Du bist ein Animagus! Deshalb konntest du auch aus Askaban fliehen!", rief sie aus. „So ist es. Weißt du, in Askaban habe ich jede Minute nur an dich gedacht. Ohne diesen Gedanken, wäre ich vermutlich an diesem furchtbaren Ort gestorben. Wahrscheinlich weißt du es noch nicht, aber ich bin zu Unrecht verhaftet worden-…", begann Sirius zu erklären. „D-Dad... Vater... Verdammt, ich weiß nicht einmal, wie ich dich ansprechen soll!" Samantha ihren Vater wutentbrannt an. „Ich habe diese Muggel nicht getötet. Und ich die Potters nicht verraten! James war mein bester Freund. Er hat mir Zuflucht gewährt, als ich keinen anderen hatte! Peter Pettigrew hat all das getan", erklärte Sirius mit ernster Stimme. „Peter Pettigrew ist tot! Ich habe deine Akte hunderte Male gelesen und studiert, in der Hoffnung, mein Vorgänger könnte einen Fehler gemacht haben…", entgegnete die junge Hexe laut. Dabei war sie aufgestanden. Ihr Herz pochte rasend schnell in ihrer Brust. Ihr Haar hatte sich feuerrot verfärbt und fiel in Wellen hinab.
„Du hast den gleichen Hitzkopf, wie deine Mutter", lächelte Sirius, „Aber du musst mir einfach glauben. Vor einigen Jahren bin ich ihm selbst begegnet. Ebenso auch Remus." Samantha beruhigte sich, ihre Haare färbten sich zurück in ein tiefes schwarz. Langsam setzte sie sich wieder.
Es vergingen Minuten, bevor die Hexe wieder sprach. „Also gut, ich glaube dir. Ich bin eh noch im Urlaub und da habe ich nicht vor zu arbeiten", sagte sie schließlich und seufzte schwer. Sirius lächelte. „Du siehst genauso aus wie deine Mutter, wenn du nachdenkst", sagte er und bekam einen träumerischen Blick dabei. „Ich...", begann Sam und errötete. Nach einem tiefen Seufzen antwortete sie schließlich: „Ich würde mich freuen, wenn du mir von ihr erzählen könntest. Aber bevor du das tust, erklär mir doch bitte, was das ganze hier soll. Ich komme nach Hause und meine Küche ist voll von Menschen, die ich nicht kenne. Was ist hier los?". Sirius seufzte schwer. „Ich habe lange auf Remus eingeredet, dass er dich im Krankenhaus besuchen und dir alles erklären muss, aber er wollte nicht auf mich hören. Die Personen, die sich unten versammelt haben, gehören zu einer Vereinigung, die sich dem Kampf gegen Voldemort stellen. Wir nennen uns der ‚Orden des Phönix'. Deine Mutter und ich waren vor zwanzig Jahren auch schon Mitglieder", erklärte Sirius begeistert, „Da der dunkle Lord langsam mächtiger wird, der Minister dies aber nicht wahrhaben will, hat Professor Dumbledore den Orden wieder zusammengestellt. Kingsley Shacklebolt ist ebenfalls ein Mitglied." „Und ihr hattet keinen anderen Treffpunkt als mein Haus", schloss Samantha ab und erhielt ein Nicken zur Antwort. „Ich trotzdem nur gerne vorher etwas davon erfahren…", murmelte sie vor sich hin und ihr Blick ging in die Ferne, „Seit meiner … ‚Entführung'…, es klingt albern, aber seit dieser Sache fühle ich mich einfach nicht mehr besonders wohl unter anderen Menschen." Langsam ging Sirius auf seine Tochter zu, ging neben ihr in die Hocke und legte vorsichtig seinen Arm um ihre Schultern. Traurig sah sie ihn an. „Ich frage mich immer noch, wieso…", flüsterte sie traurig. „Ich weiß es nicht. Aber ich weiß, dass du es durchstehen wirst", erwiderte Sirius aufmunternd. Zaghaft lächelte Sam. Zum ersten Mal in ihrem Leben fühlte sie sich mit ihrem Vater richtig verbunden.
„Ich muss leider wieder nach unten gehen. Aber ich hoffe, dass wir uns in den nächsten Tagen besser kennen lernen werden", sagte Sirius schließlich, „Vielleicht möchtest du dich uns anschließen?" „Gut möglich… aber heute Abend nicht mehr", antwortete seine Tochter. Sirius verabschiedete sich mit einer liebevollen Umarmung bei ihr und ging dann schließlich. Mit einem glücklichen Gefühl im Bauch setzte sich Sam an ihren Schreibtisch und begann das von Kreacher gebrachte Essen zu essen. Dabei aß sie einen Schokoriegel zum Nachtisch, die übrigen packte sie in ihre Nachttischschublade als Nachtration.
Mit einem wohligen Gefühl des Sattseins legte sich Samantha in ihr Bett, löschte mit einer Bewegung ihrer Hand das Licht und freute sich schon auf den erholsamen Schlaf in ihren eigenen vier Wänden. Dieser blieb jedoch aus. Stunde um Stunde wälzte sie sich hin und her, lauschte den vielen Stimmen in ihrem Haus und starrte in die Dunkelheit. Es war schon Mitternacht als sie endlich einschlief und Albträume sie heimsuchten. Es war, als würde ihre Folterung sie verfolgen. Immer wieder sah sie das maskierte Gesicht ihres Peinigers vor sich. Hörte seine Stimme. Spürte seine Berührungen. Sie wollte fliehen, aber sie konnte sich nicht bewegen. Sie wollte schreien, doch ihre Stimme war stumm. Dann wachte sie endlich auf.
Panisch blickte sich Samantha in ihrem Zimmer um. Irgendwoher kam ein lautes Pochen. Nach einer Weile bemerkte sie, dass es nicht aus ihrem Zimmer kam, sondern von der Haustür. Nach Atem ringend warf sie sich einen Morgenmantel über und ging die Treppen hinab. „Bin ich ein Hotel, oder was?", rief sie empört und gelangte an die Haustür. Bevor sie diese öffnete, nahm sie ihren Zauberstab und sprach einen Zauber, welcher verhinderte, dass jemand ohne ihre Erlaubnis in das Haus eintrat.
Vorsichtig öffnete sie die Tür einen Spalt und blickte in die Dunkelheit hinaus. „Samantha? Schon aus dem St. Mungo zurück?", fragte Alastor Moody und schaute so ernst wie immer aus. „Wie du sehen kannst, Mad-Eye", entgegnete Sam und öffnete die Tür etwas weiter. Vor ihr standen Moody, ihre Kusine Tonks und ein junge in ihrem Alter mit schwarzen, zerzausten Haaren und einer Brille.
Alastor machte Anstalten, ins Haus zu gehen, prallte jedoch gegen eine unsichtbare Barriere. „Du hältst mich wirklich für so dumm, hm? Erzähl mir erstmal, was du zu mir gesagt hast, als ich meine Aurorenausbildung begonnen hatte", verlangte Samantha und erntete einen bösen Blick kombiniert mit einem Lächeln von ihrem Gegenüber. „Du wirst es nie zu etwas bringen", antwortete Mad-Eye unverhohlen. Damit bat die Hexe ihn hinein und er trat über die Schwelle und ging direkt in die Küche. „Tonks.. wie alt war ich, als Remus mich zu deinen Eltern abgeschoben hat?", fragte Sam weiter. Nymphadora zuckte kurz und kaum merklich zusammen. Dann antwortete sie: „Zwölf!" Damit durfte auch sie ins Haus eintreten, was sie sogleich tat. Im Vorbeigehen flüsterte sie ihrer Kusine zu: „Und er hat dich nicht abgeschoben, Sam."
Nun stand nur noch der fremde Junge vor der Tür. „Das ist Harry Potter! Ich bürge für ihn!", rief Tonks und widerwillig ließ Samantha auch den Jungen hinein.
Dann verschwand sie wieder in ihrem Zimmer. Noch bevor sie sich hinlegen konnte, klopfte es an der Tür. Aufgebracht stöhnte sie auf, dann fragte sie: „Wer ist da?" „Draco Malfoy. Kann ich hereinkommen? Ich störe auch nicht lang", antwortete eine männliche und sehr sympathische Stimme hinter der Tür. „Komm herein", rief sie zurück und der blonde Junge, welcher ihr in der Küche schon aufgefallen war, trat in ihr Zimmer. Bei seinem Anblick begann sofort ihr Herz einen Schritt schneller zu schlagen. „Kann ich dir helfen?", fragte Sam und versuchte so gut sie konnte, ihre Nervosität zu verbergen. „Ich möchte mich entschuldigen. Es war äußerst unhöflich einfach dein Haus zu besetzen ohne auch nur irgendwas mit dir abzusprechen", erklärte Draco ernst. Samantha lächelte verlegen. „Schon gut. Du kannst da wohl kaum etwas für", erwiderte sie und stand von ihrem Bett, um den gut aussehenden Jungen aus ihrem Zimmer zu führen. „Ich finde trotzdem, dass wir dir alle eine angemessene Entschuldigung schulden", sprach er einfach weiter und machte keine Anstalten, ihr Zimmer zu verlassen. „Das ist wirklich sehr nett, aber der einzige der mir eine Entschuldigung oder besser eine Erklärung schuldet, ist Remus", entgegnete Samantha, „und nun, wenn du nichts dagegen hast, würde ich gerne eine Runde schlafen. Was ich dir auch empfehlen würde. Du siehst etwas blass aus." Draco lächelte leicht und erwiderte: „So sehe ich immer aus." Dann verließ er das Zimmer.
Mit einer Bewegung ihrer rechten Hand schloss Samantha ihre Tür ab, bevor sie sich zurück in ihr Bett legte. Schmunzelnd starrte sie in die Dunkelheit und dachte an den vergangenen Tag. Dieser hatte viele Überraschungen für sie bereitgehalten, sogar eine gute. Dieser blonde Junge ging ihr einfach nicht mehr aus dem Kopf. Vielleicht würde sich doch noch alles zum Guten wenden.
