Disclaimer: Alle Figuren (außer Samantha Black) gehören nicht mir, sondern Joanne K. Rowling. Ich leihe sie mir lediglich aus und will auch kein Geld mit ihnen verdienen.

Anm. d. A.: Ein neues Kapitel, ein neues Glück. Ich habe irgendwie das Gefühl, dass die Kapitel immer länger werden, aber ich hoffe, das ist kein Problem für euch!

An Stroiner: Verflixt! Ich bin durchschaubar geworden! ^^

Kapitel XV

Auf nach Hogwarts

In ihrem Abendessen stochernd, welches aus einem gemischten Salat und einer Fleischpastete bestand, ließ Samantha den Tag noch einmal vor ihrem geistigen Auge Revue passieren. Sie hatte einen sehr schönen Nachmittag mit ihrem alten Freund Michael Walton verbracht und dabei sehr viel eingekauft. Dann hatte sie ihren Koffer gepackt. Sie hatte versucht, ihren Schrank auszumisten, doch alles, was sie ursprünglich wegwerfen wollte, hatte sie mittlerweile wieder zurückgepackt. Und sie hatte Draco Malfoy von ihrer Folterung erzählt. Er hatte ihr beigestanden, hatte sie in den Arm genommen und sie liebevoll getröstet. Vorsichtig blickte sie zu Draco auf, welcher ihr gegenüber saß. Ihre Blicke trafen sich. Sanft lächelte sie ihm zu.

Sirius räusperte sich lautstark und riss die junge Hexe damit aus ihren Gedanken. „Vielleicht solltest du mal zu einem Arzt gehen, Dad", sagte sie mürrisch und widmete sich wieder ihrem Essen. Seit sich so etwas wie eine Beziehung zwischen Draco und Samantha anbahnte, tat ihr Vater einfach alles, um dies zu verhindern. Er beobachtete seine Tochter mit Argusaugen und immer, wenn sie mit Draco Blickkontakt hatte, fand er einen Weg, ihn zu unterbrechen, meistens durch ein lautstarkes Räuspern. „Ich weiß gar nicht, was du meinst, Sam", erwiderte der Mann mit lockigem Haar scheinheilig.

„Da du ja hier bleibst, Dad, habe ich eine kleine Liste an Aufgaben für dich. Ich schreib dir gleich nach dem Essen alles auf", erklärte Samantha und stopfte sich den Mund mit Salat voll, um sich aus einer Diskussion mit ihrem Vater raus zu winden. Etwas verblüfft sah Sirius seine Tochter an. „Was denn für Aufgaben?", fragte er argwöhnisch. Die junge Hexe kaute in aller Ruhe ihren Bissen gut durch und schluckte ihn hinunter, bevor sie antwortete: „Geschäftliche Dinge, damit ich nicht wiederkomme und einen Haufen Mahnungen oder Vorladungen hier liegen habe! Deine wichtigste Aufgabe wird es sein, mir meine Post nach Hogwarts nachzuschicken. Ich habe Kreacher schon Bescheid gesagt, er geht morgen los und besorgt eine Eule." „Nicht, dass ich etwas dagegen hätte, aber kannst du dir die Post nicht direkt nach Hogwarts schicken lassen?", fragte Sirius verwundert. Samantha lächelte milde. „Würde ich ja gerne! Aber der Muggelpostbote kommt leider nicht an Hogwarts vorbei, soviel ich weiß!", antwortete sie und widmete sich dann wieder ihrem Essen.

Sie aß den Rest ihres Salats und schob dann den Teller weg, die Fleischpastete vollkommen unberührt. Ihr Appetit schwand immer mehr und nervös blickte sie immer wieder zur Küchenuhr. Seufzend stellte sie fest, dass es schon halb zehn war und erhob sich langsam von ihrem Platz. „Ich muss noch ein paar Sachen einpacken", murmelte sie halblaut und verschwand aus der Küche. Sirius und Remus sahen ihr mit einem besorgten Blick nach. „Die Arme! Sie ist ganz schön nervös", lächelte Tonks über ihrem Essen. „Woher weißt du das?", fragte Remus etwas ungläubig, „soweit ich mich erinnern kann, war sie noch nie nervös. Nicht mal vor ihren großen Fußballspielen." „Ich kenne sie halt etwas besser als du, Liebling", konterte Nymphadora und schenkte ihrem Geliebten ein fröhliches Augenzwinkern.

Nervös wanderte Samantha in ihrem Zimmer auf und ab. Eigentlich hatte sie schon lange ihren Koffer und ihre Taschen fertig gepackt. In Gedanken ging sie zum zehnten Mal die Liste in ihrem Kopf durch, um zu prüfen, ob sie auch nichts vergessen hatte. Sie hatte genug Klamotten eingepackt, dass sie im Notfall wohl zwei Monate nichts zum Waschen geben brauchte. Außerdem hatte sie sich ein paar Bücher, ihren Laptop, Handtücher und alles zum Duschen eingepackt, was man so brauchte. Kreacher hatte sie noch einmal losgeschickt, um etwas Gold von der Bank abzuheben. So gesehen hatte sie nichts Wichtiges vergessen. Dennoch überkam sie ein mulmiges Gefühl. Aufgebracht raufte sie sich ihre kurzen Haare, welche danach wild in alle Richtungen abstanden. „Das gibt es doch nicht! Mir will einfach nicht einfallen, was ich vergessen habe! Aber vielleicht hab ich auch gar nichts vergessen!", rief sie laut aus und trat leicht gegen den Koffer, woraufhin er aufplatzte und seinen Inhalt im Zimmer verteilte.

„Scheiße!"

Ihr Fluch war so laut, dass die Anwesenden in der Küche verwundert die Köpfe hoben. Samantha indessen scherte sich nicht viel darum, was ihr Vater und die anderen wohl gerade über sie dachten. Ihre Nerven lagen vollkommen blank vor Nervosität und jetzt hatte sich auch noch ihr einziger Koffer verabschiedet. Nachdem sie sich wieder etwas beruhigt hatte, zog sie das Plastikteil aus dem Gewühl von Klamotten hervor und betrachtete ihn genauer. Der Schließmechanismus war vollkommen zerstört und unreparierbar. Laut seufzte sie. Sie war den Tränen nah, als sie murmelte: „Und was mache ich jetzt?"

Remus riskierte vorsichtig einen Blick in ihr Zimmer. Als er das Chaos sah, welches entstanden war, öffnete er die Tür ganz und rief ein lautes: „Oh je!" Resignierend sah Sam ihren Onkel an. „Das trifft es irgendwie! Was mache ich denn jetzt? Ich hatte nur diesen einen Koffer", entgegnete sie und ließ die Überreste des Plastikteils auf den Boden fallen. „Ich glaube, Sirius hat noch einen alten Schrankkoffer auf dem Dachboden. Ich sehe gleich mal nach und bringe ihn dir dann", erwiderte der Werwolf und verschwand wieder. Dankbar sah Samantha ihrem Onkel nach.

In der Tat hatte Remus noch einen Schrankkoffer gefunden. Er hatte ihr sogar geholfen, alles erneut einzupacken. Nun lag die junge Hexe in ihrem Bett und starrte in die Dunkelheit. Eigentlich war der Tag so anstrengend gewesen, dass sie sofort hätte einschlafen müssen. Stattdessen war sie hellwach und wälzte sich hin und her. Sie konnte einfach nicht einschlafen. Immer wieder ertappte sie sich bei der Vorstellung, wie sie in Hogwarts mit einem richtigen Empfang begrüßt wurde. Laut hörte sie die Stimme von Professor Dumbledore, der ihren Namen ausrief. Sie sah sich, wie sie nach vorne ging und die ganze Schule freundlich begrüßte. Wie alle ihr applaudierten.

Energisch schüttelte sie die Gedanken ab. Es war beinahe lächerlich, was ihre Fantasie manchmal ausspuckte. Sie war doch schließlich kein Held, sondern lediglich eine Erweiterung des Lehrpersonals. Sie konnte sich noch gut an ihre eigene Schulzeit erinnern. Manche Lehrer konnte sie einfach nicht leiden. Was wäre, wenn die Schüler Hogwarts sie auch nicht leiden konnten?

Aufgebracht öffnete Samantha ihre Augen. Sie war, versunken in ihre Gedanken, eingenickt und hatte eine ganze Stunde geschlafen. „Wenn das die ganze Nacht so geht, werde ich morgen keinen besonders fitten Eindruck machen", murmelte sie leise und drehte sich erneut um.

Um fünf Uhr morgens konnte es die junge Hexe nicht mehr länger in ihrem Bett aushalten und stand auf. Ihr Körper schrie laut, dass er müde war und jeder Muskel ließ sie spüren, dass er noch nicht bereit war, jetzt aufzustehen. Doch Sam sah keinen Sinn mehr darin, liegen zu bleiben. Müde packte sie ihren Schlafanzug, ihr Schmusekissen und ihren Teddy in den Koffer.

Sie gönnte sich eine besonders lange und ausgiebige Dusche, bevor sie sich anzog und in die Küche ging. Im Haus war es noch vollkommen still. Selbst das Gemälde ihrer Großmutter schnarchte noch. Leise schlich Samantha die Treppen hinunter. Es war ein eigenartiges Gefühl, denn an diesem Morgen sollte sie für eine ganze Weile zum letzten Mal in ihrer eigenen Küche frühstücken. Müde setzte sie sich an den Tisch und stützte ihren Kopf in die Hände. Eigentlich hatte sie noch gar keinen Hunger, geschweige denn Appetit. Stattdessen fühlte sich ihr Bauch an, als hätte jemand eine große Schale Termiten hineingekippt. Nervös kribbelte es überall und immer wieder keimte Übelkeit in ihr auf, welche jedoch schnell wieder verschwand. Auf dem Küchentisch lag schon der Tagesprophet des Tages. Müde streckte Samantha Lillian ihren Arm aus und zog die Zeitung an sich heran. Sie überflog die Artikel und widmete sich schließlich dem Kreuzworträtsel. Schon als Kind hatte sie gerne Rätsel gelöst, doch nun hatte sie nur noch selten die Zeit dafür.

Gegen halb sieben trotteten Remus und Sirius und dich Küche. Sie unterhielten sich über ihre Zeiten in Hogwarts und ihren alten Freund James Potter. „Guten Morgen", riefen sie fröhlich, als sie eintraten und setzten sich gegenüber von Samantha an den großen Eichentisch. „Hast du gut geschlafen, Kleines?", fragte Sirius, liebevoll lächelnd. Seine Tochter hob langsam den Blick und offenbarte ihre, von Müdigkeit gezeichneten, Augen. „Nein", war alles, was sie antworten konnte. Zu erschöpft, um den Kopf wieder sinken zu lassen, ließ sie von ihrem Rätsel ab und sah ihren Vater müde an. „Es wird dir in Hogwarts gefallen, Schatz! Das verspreche ich dir", erwiderte der Gryffindor mit Löwenmähne zuversichtlich.

Remus indessen wirbelte hektisch durch die Küche. Immer wieder riss er Schränke auf und machte sie dann lautstark wieder zu. Einerseits schien es, als würde er Frühstück machen, da sich neben dem Herd verschiedene Zutaten stapelten. Andererseits machte der Werwolf den Eindruck, als würde er etwas suchen. Etwas gespannt auf das Ergebnis, beobachteten Sirius und Samantha ihn eine Weile. Als er schließlich nicht fand, was er wollte, wandte er sich an sein Patenkind: „Wieso hast du keinen Kaffee?" Angestrengt musste die Angesprochene ein Lachen unterdrücken, bevor sie mit zitternder Stimme antwortete: „Weil ich keinen Kaffee trinke, Onkelchen! Nimm einen Kakao oder Cappuccino. Oder ich kauf dir gleich am Bahnhof einen Kaffee, wenn du so dringend einen brauchst!" Remus konnte darüber nur den Kopf schütteln. Für ihn war Kaffee zu einem Grundnahrungsmittel geworden und er konnte einfach nicht verstehen, dass es tatsächlich Menschen gab, die keinen Kaffee tranken. „Eigentlich müsstest du doch mittlerweile wissen, dass ich keinen Kaffee habe. So oft wie du hier bist", wandte Sam nachdenklich ein. „Bisher hatte Molly immer Kaffee mitgebracht, aber die ist ja nicht hier. Hach, dann muss ich halt auf Kaffee verzichten", seufzte er schließlich und gab seine Suche auf. Stattdessen widmete er sich den Zutaten, die er aus dem Kühlschrank geholt hatte und machte tatsächlich Frühstück.

Um sieben Uhr betrat auch Draco die Küche und setzte sich neben Samantha. Dafür erntete er einen Blick von Sirius, der jeden anderen Jungen eingeschüchtert hätte, doch nicht Draco Malfoy. Während Sam leise vor sich hin döste, den Kopf in eine Hand gestützt, nahm der Blondschopf unterm Tisch ihre freie Hand in seine und drückte sie sanft. Zärtlich streichelte er ihre Handfläche mit seinem Daumen und beobachtete Remus dabei, wie er den Tisch deckte. Er stellte einen großen Teller mit Pfannkuchen vor Samantha, welche erschrocken zusammenzuckte und rief: „War ich nicht!" Verwundert sah Remus sie an. „Was warst du nicht?", fragte er etwas argwöhnisch. Verwirrt blickte sie zurück und schüttelte dann den Kopf. „Ich muss wohl eingenickt sein", murmelte sie vor sich hin. Erst jetzt bemerkte sie, dass Draco ihre Hand hielt und ein wohlig warmer Schauer lief über ihren Körper. Schüchtern warf sie ihm einen Blick zu, doch er sah sie nicht an. Es schien, als wäre es für ihn das Normalste auf der Welt, dass er neben ihr saß und ihre Hand hielt.

Um zehn Uhr ging es schließlich los. Mit lautem Poltern zog Samantha ihren großen, schweren Koffer hinter sich die Treppen hinunter. Anstatt sich zu beschweren, rief das Gemälde ihrer Großmutter nur: „Viel Spaß in Hogwarts!" Mit einem breiten Lächeln bedankte sich Samantha. Im Erdgeschoss angekommen wollte sie den Koffer bis zur Haustür ziehen, doch Remus hielt sie davon ab. Mit einigen kleinen Schlenkern seines Zauberstabs wurde der Koffer plötzlich ganz leicht und die Hexe musste sich nicht mehr einen abmühen. Draco apparierte einfach mit seinem Koffer im Flur und erschrak die junge Hexe so beinahe zu Tode. Außerdem begann sie sich zu fragen, warum ihr das nicht eingefallen war.

Remus und Draco beluden das Taxi, welches schon vor der Tür wartete, während Samantha in der Küche sich tränenreich von ihrem Vater verabschiedete. „Ich werde dir schreiben, versprochen! Und pass gut auf dich auf!", schluchzte sie leise. Sirius umarmte seine Tochter fest. Auch ihm rannen einige Tränen über die Wangen. „Pass du auch gut auf dich auf, meine Kleine. Ich habe dich sehr lieb, mein Schatz!", erwiderte er und drückte ihr noch einen Kuss auf die Stirn. „Ich hab dich auch lieb, Dad", erwiderte die Hexe mit zitternder Stimme.

Im Bahnhof King's Cross sah sich Samantha verwundert um. Sie war schon sehr oft dort gewesen, doch bisher war ihr nie aufgefallen, dass er überhaupt etwas mit der Zaubererwelt zu tun haben könnte. Zielstrebig gingen Remus und Tonks mit ihren Kofferwagen auf das Gleis neun zu, während Sam und Draco ihnen folgten. Dort angelangt hielten sie direkt vor einer Absperrung. Remus und Tonks sahen sich kurz um, dann rannten sie darauf zu. Schockiert wollte Sam die beiden aufhalten, doch Draco hielt sie davon ab. Als sie gegen die harte Mauer stoßen sollten, hielt sich die Hexe die Augen zu. „Komm, wir sind dran", murmelte Draco und berührte sanft ihren Arm. Überrascht stellte sie fest, dass niemand vor der Absperrung lag. „Keine Angst, Sam. Renn einfach drauf zu, dann sieht dich auch keiner. Es kann nichts passieren", erklärte er ihr und rannte ebenfalls durch die Absperrung. Mit einem Lächeln musste sie feststellen, dass sie die Magie einfach liebte. Dann verschwand auch sie durch die Absperrung.

Nur Sekundenbruchteile später fand sie sich auf dem Gleis 9 ¾ wieder. Es war erstaunlich ruhig hier, nur die große, alte Lokomotive ächzte laut. Es war auch nur ein Waggon angehängt, in welchem sich schon Remus und Tonks in ein Abteil gesetzt hatten. Draco half Samantha, ihren Koffer in den Zug zu hieven. Sobald sie dann auch im Abteil saßen, setzte sich die Lokomotive ächzend in Bewegung, den Waggon hinter sich her ziehend.

Mit einem zufriedenen Lächeln setzte sich Samantha gegenüber von ihrem Onkel ans Fenster und sah nach draußen. „Fährt der Zug immer oder ist das extra ein Sonderzug für uns?", fragte sie neugierig. „Der ist extra für uns, Sam", antwortete Remus mit einem milden Lächeln. „Aber, wäre es nicht einfacher gewesen, wenn wir appariert wären?", hakte die Hexe nach. „Hogwarts ist von vielen Schutzzaubern umgeben, welche unter anderem auch verhindern, dass irgendjemand hinein- oder hinausapparieren kann", erklärte Remus geduldig. Samantha nickte verstehend und widmete ihre Aufmerksamkeit wieder der Aussicht. Der Bahnhof verschwand sehr viel schneller, als sie gedacht hatte, und auch London ließen sie schon bald hinter sich.

Sie waren schon eine Weile unterwegs, als Draco ging, um mit dem Lokführer zu sprechen. Remus war mittlerweile eingeschlafen, den Kopf an die Scheibe gelehnt und Tonks war in ein Buch vertieft. Samantha spürte langsam auch, wie die Müdigkeit sie übermannte. Sie hatte schon immer gut bei langen Fahrten geschlafen, sei es nun mit dem Auto, Bus oder Zug gewesen. Müde lehnte sie ihren Kopf gegen die kalte Scheibe und hieß den Schlaf willkommen, der nun Besitz von ihr ergriff.

Das Gespräch mit dem Lokführer hatte sehr viel länger gedauert, als Draco ursprünglich gedacht hatte. Beinahe drei Stunden waren sie nun schon unterwegs und an den Fenstern zogen keine Häuser oder Straßen, sondern nur noch weite Felder vorbei. Immer noch amüsiert über den Witz, den der Lokführer ihm erzählt hatte, betrat Draco mit einem breiten Grinsen das Abteil. Etwas erstaunt musste er feststellen, dass Samantha, trotz ihrer Nervosität eingeschlafen war. Leise setzte er sich neben sie und holte sein Buch heraus, um zu lesen.

Es war eine angenehme Stille in dem kleinen Abteil, welche nur gelegentlich von Sams leisem Schnarchen durchdrungen wurde. Am Nachmittag wurde es deutlich kühler im Zug und Draco nahm seinen Umhang heraus und legte ihn über die schlafende Hexe. Wohlwollend seufzte sie tief auf und öffnete ihre Augen einen kleinen Spalt. Sie schenkte ihm ein kleines Lächeln, dann zog sie den Umhang enger um sich und schlief wieder ein.

Gegen fünf Uhr am Nachmittag erwachte Remus aus seinem tiefen Schlaf. Müde sah er auf seine Armbanduhr und stellte fest: „Wir sind bald da. Wir sollten Samantha auch wecken." Er stand auf und rüttelte sachte an der Schulter der jungen Hexe. „Sind wir schon da?", murmelte sie leise und rieb sich die Augen. Ihr Blick wanderte zu dem Umhang, der auf ihr lag, und sie warf ihrem Onkel einen fragenden Blick zu. „Draco war so nett und hat dich mit seinem Umhang zugedeckt, als es kälter wurde", erklärte dieser. Mit einem Lächeln, welches mehr als tausend Worte sagte, gab sie Draco den Umhang zurück. Er nickte ihr kurz zu, dann zog er ihn sich an.

Noch etwas müde sah Samantha auf ihre Armbanduhr. „Ach du meine Güte. Das ist ja schon fünf! Hab ich etwa den ganzen Tag geschlafen?", rief sie erschrocken aus. Remus, welcher sich wieder neben Tonks gesetzt hatte, musste lachen. Nachdem er sich wieder beruhigt hatte, antwortete er: „Ja, aber ich denke, du wirst heute Nacht trotzdem gut schlafen können." „Da zweifle ich etwas dran. Aber nun gut", murmelte Sam. Sie beobachtete, wie Remus und ihre Kusine sich ihre Umhänge überzogen und zuckte zusammen, erneut von einem Schrecken gepackt. „Ich habe gar keine Umhänge eingepackt!", rief sie aus und erntete ein mildes Lächeln von ihrem Onkel. „Das hab ich mir schon gedacht, du hast ja auch keine. Aber ich war gestern mit Draco bei Madam Malkin und wir haben dir ein paar Umhänge machen lassen", entgegnete Remus und reichte seiner Patentochter einen Stapel. „Wie bin ich bloß all die Jahre ohne dich ausgekommen, Onkelchen?", bedankte sich die junge Hexe und warf sich ebenfalls einen Umhang über.

Endlich fuhr der Hogwarts Express in den kleinen Bahnhof ein und Samantha wurde sichtlich aufgeregter. Eigentlich freute sie sich schon seit Jahren auf diesen Augenblick. Seit dem Tag, als Remus ihr von dieser Schule erzählt hatte.

Eine Kutsche, welche von niemandem gezogen wurde, wie es Samantha schien, erwartete die vier Ankömmlinge bereits. Sie stiegen ein und schon fuhr das Gefährt mit einem lauten Knarren los. „Onkel Remus, was wird aus unserem Gepäck", fragte die junge Hexe leise. „Wenn du heute Abend in dein Zimmer gehst, wird es bereits dort sein", antwortete er etwas geheimnisvoll.

Der Weg zum Schloss war nicht gepflastert und holprig. Gierig sog Sam alle Eindrücke in sich auf, wie ein Schwamm. Schließlich kam Hogwarts in sichtweite und voller Erstaunen zog sie die Luft scharf ein. Sie roch frisch und nach Bäumen und verschiedenen Pflanzen. In ihren kühnsten Träumen hätte sie sich das nicht vorstellen können. Ein riesiges, uraltes Schloss erhob sich, umringt von grünen Wiesen und Bergen im Hintergrund. Viele Türme ragten spitz gen Himmel und schienen beinahe die Wolken zu kitzeln. In allen Fenstern brannte Licht und wenn Samantha es nicht besser gewusst hätte, hätte sie sich gefragt, wer diese Stromrechnung bezahlen sollte. Ihr Mund war plötzlich wie ausgedörrt, was wohl daran liegen konnte, dass ihr der Unterkiefer runtergeklappt war. Erst als sie direkt vor den großen Türen Hogwarts' standen, bemerkte sie, dass sie wie ein Karpfen aussah. Schnell machte sie den Mund wieder zu und stieg aus der Kutsche.

Zitternd folgte sie Tonks und ihrem Onkel ins Schloss. Ihr Herz schlug ihr nun bis zum Hals vor Aufregung. Im Schloss war es angenehm warm und flüchtig fragte sich die Hexe, wie sie es schafften, ein so großes Gemäuer zu heizen. Sie gingen eine kleine Treppe hinauf und durchquerten einige größere Hallen und schließlich blieben sie vor einem großen Wasserspeier stehen. „Pfefferminzpraline", rief Remus laut und plötzlich bewegte sich die große Statue.

Im nächsten Moment standen dir vier im Büro von Professor Dumbledore, welcher sie liebevoll begrüßte. Überall standen fantastische Geräte und Gegenstände und wieder versuchte Sam, alles gierig in sich einzusaugen. Dann entdeckte sie den großen, roten Vogel, welcher schlafend auf einer Stange saß. „Ein Phönix...", flüsterte sie ehrfürchtig und traute sich kaum, näher heranzugehen. In ihrer Kindheit hatte sie alles über Phönixe verschlungen, was sie finden konnte. Magische Tiere und geheimnisvolle Geschöpfe hatten sie schon immer fasziniert, aber keines so sehr wie der Phönix. „Das ist Fawkes. Leider schläft er gerade. Aber du musst ihn mal singen hören! Einfach fantastisch", erklärte Dumbledore, welcher plötzlich neben ihr stand. Erschrocken zuckte Sam zusammen. „Entschuldigung. Ich bin einfach nur so fasziniert", versuchte sie sich unnötigerweise zu verteidigen. Die blauen Augen des alten Mannes strahlten viel sagend und er lächelte sie verständnisvoll an. „Wie gesagt, du musst ihn einmal singen hören, Samantha! Komm doch im Laufe der Woche einfach mal auf einen Tee vorbei. Oder Kakao, unsere Hauselfen machen einen fantastischen Kakao", lud er sie freundlich ein. Begeistert nahm Samantha diese Einladung an. Kakao konnte sie einfach nicht widerstehen. Außerdem reizte es sie, diesen wundervollen Vogel wirklich einmal singen zu hören, und das nicht nur, um ihren eigenen Willen zu stärken.

Professor Dumbledore überreichte Remus, Tonks und Samantha ihre Stundenpläne. Remus sollte wieder den Unterricht für Verteidigung gegen die dunklen Künste übernehmen, da Professor Slughorn endgültig in Rente gegangen war. Tonks sollte Professor McGonagall in Verwandlungen unterstützen. Samanthas Stundenplan war sehr klein. Lediglich dreimal in der Woche für jemals vier Stunden sollte sie unterrichten. Aber es war auch keine Pflichtveranstaltung, die Samantha anbot, sondern vollkommen freiwillig.

Nachdem soweit alles geklärt war, begaben sich die fünf Personen in die Große Halle zum Abendessen. Sam war sichtlich erleichtert, denn ihr Magen hing ihr schon bis zu den Kniekehlen und lange hätte sie nicht mehr der Versuchung widerstehen können, einfach die ganzen Pfefferminzpralinen von Professor Dumbledore aufzuessen.

Die Große Halle hatte ihren Namen wirklich verdient: sie war riesengroß und großartig. Die Decke war verzaubert worden und zeigte den klaren Abendhimmel. In der Luft schwebten Kerzen. Vier lange Tische standen in der Halle und an jedem saßen unzählbar viele Schüler verschiedenen Alters. Am Ende der Halle stand ein langer Tisch, an welchem schon einige aus dem Lehrpersonal saßen. Samantha setzte sich neben Remus. Sie fühlte sich nicht ganz wohl damit, von allen beobachtet werden zu können. Außerdem musste sie auch noch enttäuscht feststellen, dass das Essen noch nicht serviert worden war. Draco hatte sich neben Professor Snape gesetzt, welcher nun energisch auf sie einsprach.

Dumbledore trat nach vorne an ein großes Podest, an welchem eine goldene Eule befestigt worden war. Fasziniert beobachtete Sam, wie der Raubvogel seine Flügel ausspannte, als der Schulleiter zu sprechen begann. Gleichzeitig verstummten die vielen Stimmen in der Halle und die Schüler lauschten seinen Worten. „Liebe Schüler, ich will euch nicht lange von dem köstlichen Essen heute fernhalten, deshalb halte ich mich so kurz wie möglich. Es ist ungewöhnlich und selten, dass sich in Hogwarts mitten im laufenden Schuljahr etwas ändert. Dennoch kann es schon einmal vorkommen. Wie ihr sicher alle bemerkt habt, ist Professor Slughorn seit etwa einer Woche nicht mehr in Hogwarts. Er hat sich frühzeitig von uns verabschiedet, um endgültig seinen Ruhestand genießen zu können. Aus diesem Grund wird Professor Severus Snape wieder den Zaubertränkeunterricht übernehmen", erklärte der weißhaarige Schulleiter, „An seiner Stelle wird Professor Remus Lupin das Fach Verteidigung gegen die dunklen Künste unterrichten!"

Ein Raunen ging durch die Reihen der Schüler und Remus, welcher schon den ganzen Abend etwas aufgeregt wirkte, spielte nervös mit seinem Pullover. Tonks nahm beruhigend seine Hand und drückte sie sanft. Samantha konnte sich das nicht erklären, schließlich war er ein großartiger Lehrer.

Die Schüler verstummten wieder, als Professor Dumbledore weiter sprach und Sam nahm sich vor, ihren Onkel auf diese Reaktion anzusprechen, sobald sich die Gelegenheit dazu bieten würde. „Des Weiteren haben wir für unsere volljährigen Schüler von nun an ein ganz besonderes Angebot: zusätzliche Lehrstunden in Verteidigung. Dieser Unterricht wird von Miss Samantha Black geleitet werden. Wer Interesse daran haben sollte, darf sich gerne persönlich bei ihr melden! Und nun, heiße ich unsere neuen Lehrer recht herzlich in Hogwarts willkommen mit den Worten: Guten Appetit!" Mit diesen letzten zwei Worten erschien das Abendessen auf den Tischen und Samanthas Augen weiteten sich beim Anblick dieser Vielfalt. Auch ihr Magen machte einen glücklichen Jauchzer und in ihrem Mund lief schon das Wasser zusammen. Bevor sie drohte, daran zu ertrinken, nahm sie sich etwas vom Schweinebraten und Salzkartoffeln. Zuletzt hatte sie so gut bei Tante Andromeda an Weihnachten gegessen und sie nahm sich noch dreimal etwas nach. Zum Nachtisch gab es einen riesigen Schokoladenpudding, welcher Samanthas Schokoholikerherz höher schlagen ließ. Mit einem breiten und glücklichen Grinsen warf sie Professor Dumbledore einen dankbaren Blick zu. Dieser grinste sie ebenso fröhlich an und zwinkerte, bevor er sich etwas von dem Pudding nahm.