Disclaimer: Alle Figuren (außer Samantha) gehören nicht mir, sondern Joanne K. Rowling. Ich leihe sie mir lediglich aus und möchte kein Geld mit ihnen verdienen.

Anm. d. A.: Hallo ihr Lieben! Noch nie habe ich so lange für ein Kapitel gebraucht, wie für dieses hier. Aber es ganz gut gelungen. Der Titel passt glaube ich nicht so gut, da dies erst der Anfang der seltsamen Ereignisse ist. Ich wünsche euch allen viel Spaß beim Lesen und ich hoffe, dass ihr mir für die lange Wartezeit verzeihen könnt! ^^

Kapitel XVI

Seltsame Ereignisse

Träge beobachtete Samantha, wie die vielen Schüler die Große Halle verließen. Das Abendessen war hervorragend gewesen, doch die junge Hexe hatte sich einmal zu oft etwas nach genommen. Nun saß sie da und ihr Magen fühlte sich unangenehm überfüllt an. Für den Bruchteil einer Sekunde dachte sie sogar darüber nach, den Knopf ihrer Hose zu öffnen, um ihrem Bauch mehr Freiheit zu gönnen, doch sie tat diesen Gedanken schnell wieder ab. Sie war nun eine Lehrerin an dieser Schule und dazu gehörte ein Mindestmaß an Anstand. Stattdessen sehnte sie sich nun nach einem Brauch der Muggel, welcher bei großen Veranstaltungen und Hochzeiten oft angewendet wurde. Ihre Freundin Sarah hatte ihr oft davon erzählt. Es war so, dass nach Beendigung des Festmahls stets ein sogenannter 'Absacker' serviert wurde. Dabei handelte es sich um einen eisgekühlten Kräuterlikör, welcher dafür sorgte, dass man sich nicht mehr wie eine gemästete Weihnachtsgans fühlte. Wie genau das funktionieren sollte, konnte Samantha nur erahnen, denn sie selbst hatte es noch nie ausprobiert. Dennoch wünschte sie sich momentan nichts sehnlicher herbei.

„Wie gefällt dir dein erster Abend in Hogwarts, Samantha?", fragte Draco plötzlich und schreckte die junge Hexe aus ihren Gedanken. Verwundert über sein plötzliches Erscheinen sah sie ihn an und rang nach Worten. Bevor sie jedoch etwas sagen konnte, mischte sich ihr Pate in das Gespräch. „Draco Malfoy. Was wollte Professor Snape denn von dir? Es schien ziemlich wichtig zu sein, so wie er auf dich eingeredet hat", fragte Remus plötzlich und ignorierte dabei völlig, den missbilligenden Blick, den seine Patentochter ihm zuwarf. Der junge Malfoy jedoch lächelte, zog sich einen Stuhl heran, der wie aus dem Nichts erschienen war, und setzte sich neben Samantha. „Professor Snape hat mich gebeten, ihn beim Tränkeunterricht zu unterstützen. Sozusagen, um mir meinen Lebensunterhalt zu verdienen", erklärte Draco mit ruhiger Stimme. Während er gesprochen hatte, hatte seine Hand unterm Tisch nach Samanthas gesucht und sie sanft umfasst. Sofort durchfuhr ein sanfter Schauer den Körper der jungen Hexe. „Und wirst du es tun?", hakte Remus mit einem etwas zu ernsten Unterton in der Stimme nach. „Erst wollte ich nicht. Aber Professor Snape hat eine gewisse Überredungskunst, womit ich einfach nicht 'Nein' sagen konnte", antwortete Draco. Remus wollte noch etwas darauf erwidern, das stand ihm deutlich ins Gesicht geschrieben, doch der Blondschopf wechselte etwas unelegant das Thema.

„Jedenfalls habe ich morgen Vormittag ein paar Stunden Zeit, bevor mein Unterricht beginnt, und wenn du möchtest, könnte ich dir das Schloss und seine Ländereien zeigen, Samantha", schlug er begeistert vor. „Eigentlich ist Samantha morgen Vormittag mit mir verabredet!", mischte sich Remus ungestüm ein. Verwundert über diese Reaktion sah die junge Hexe ihren Patenonkel an. Tonks hätte sich sogar beinahe an ihrem Tee verschluckt. „Liebling, soviel ich weiß, hast du morgen Vormittag Unterricht!", wandte sie nach einem kurzen Hustenanfall ein. Ein Blick auf seinen Stundenplan überzeugte Remus, dass er den ganzen nächsten Tag Unterricht haben würde. Schweren Herzens musste er sich damit abfinden, dass Draco das Vergnügen der Schlossführung zustand. Allein mit seiner Patentochter.

Eine Weile saßen die Lehrer noch gemütlich beisammen und Dumbledore gab Anekdoten von früheren Schülern und deren Missgeschicken beim Zaubern zum Besten. Samantha indessen wurde immer müder, obwohl sie den ganzen Tag im Zug geschlafen hatte. Ihre Augenlider wurden schwerer und schwerer. Nur mit größter Mühe konnte sie dagegen ankämpfen, einfach den Kopf auf den Tisch zu legen und einzuschlafen. Draco, welcher die ganze Zeit sanft ihre Hand gestreichelt hatte, bemerkte die plötzliche Müdigkeit der jungen Hexe als erstes. Einen wunderbaren Moment lang beobachtete er, wie sie immer wieder für Sekunden die Augen schloss, nur um diese gleich daraufhin wieder erschrocken zu öffnen.

„Samantha? Samantha?" Draco musste erst sanft an ihrer Schulter rütteln, bevor sie überhaupt reagierte. Müde sah sie ihm in die blauen Augen, woraufhin er lächelte und sagte: „Komm, ich zeig dir dein Zimmer." Remus öffnete widersprechend den Mund, wurde jedoch von Nymphadora jäh unterbrochen: „Gute Nacht, Sammy! Träum was schönes!" „Du auch, Tonksie! Gute Nacht, Onkelchen!", verabschiedete sich Samantha und gab ihrem Paten einen Kuss auf die Wange. Nachdem sie sich von den anderen Lehrern ebenfalls verabschiedet hatte, verließ sie gemeinsam mit Draco die Große Halle.

Ihr Zimmer befand sich im zweiten Stock in einem der Türme. Bis sich Samantha den Weg dorthin würde merken können, würde es noch eine ganze Weile dauern. Sie hatte einfach einen furchtbaren Orientierungssinn. Was sie sich jedoch sehr gut merken konnte, war die Tatsache, dass ihre Tür ein Gemälde von einer Safari war. Das Passwort hieß „Heiße Schokolade".

Bevor sie in ihr Zimmer eintreten konnte, wollte Draco sich verabschieden. „Soll ich dich morgen früh hier abholen?", fragte er vorsichtig. „Ja, das wäre schön. Ich glaube kaum, dass ich den Weg zurück in die Große Halle alleine finden werde", antwortete Sam und errötete leicht. Bisher war es ihr nie unangenehm gewesen, dass sie einen schlechten Orientierungssinn hatte, schließlich hatte sie andere Qualitäten. Doch bei Draco war es plötzlich anders. „Gut, dann bis morgen früh. Gute Nacht, Samantha", erwiderte Draco und lächelte verführerisch. „Ja, gute Nacht, Draco", murmelte Sam halblaut. Einen Augenblick standen sie nur da und sahen einander an. Dann fasste sich die junge Hexe endlich ein Herz. Langsam näherte sie sich seinem Gesicht. Ihr Herz schlug plötzlich unheimlich schnell in ihrer Brust. Sanft presste sie ihre Lippen auf seine. Jedoch nur kurz. Dann zog sie sich wieder zurück.

Etwas skeptisch hob Draco eine Augenbraue. „Nennst du das etwa einen Kuss?", fragte er herausfordernd. Eingeschüchtert antwortete die Hexe mit kleiner Stimme: „Ähm... ja?" Mit einem Lächeln, welches mehr sagte, als tausend Worte, schüttelte er leicht den Kopf. Zärtlich nahm er ihr Kinn zwischen Daumen und Zeigefinger und hob es etwas an. Langsam kam er immer näher. Seine Augen waren geschlossen. Sein Mund leicht geöffnet. Sie konnte seinen Atem auf ihren zittrigen Lippen spüren. Eine heiße Welle durchflutete ihren Körper. Ihre Knie wurden weich. Zärtlich berührten seine weichen Lippen die ihren. Erst nur ganz leicht. Dann ein wenig fester. Eine weitere heiße Welle durchflutete Sam und diesmal schien sie die Hexe zu übermannen. Gefühle wurden in ihr wach. Gefühle, die sie noch nie zuvor gespürt hatte. Vorsichtig strich seine Zunge über ihren Mund. Ihr Herz schlug wild in ihrer Brust. In ihrem Kopf surrte und summte es. Die ganze Welt schien stehengeblieben zu sein. Sie war nicht mehr müde. Aber sie war auch nicht wach. Sie existierte einfach nur. Nur für diesen Moment. Noch nie zuvor hatte sie das Leben und sich selbst so intensiv gespürt, wie in diesen Sekunden. Gerade, als sie sich wünschte, dass dieser Moment doch ewig wären sollte, zog sich Draco langsam zurück. Liebevoll sah er ihr in die Augen. Vorsichtig strich er über ihre Wange, als fürchtete er, sie könnte sich plötzlich in Luft auflösen. Noch immer schlug Samanthas Herz, wie nach einer Achterbahnfahrt. Nur dass dies eine Achterbahnfahrt der Gefühle gewesen ist. „Bis morgen, Samantha", murmelte Draco leise. Dann ging er.

Einen Moment lang sah sie ihm seufzend nach. Erst als sie seinen blonden Haarschopf nicht mehr erkennen konnte, verschwand sie in ihr Zimmer. Ohne sich genauer umzusehen, warf sie sich auf ihr Bett. Kurz presste sie ihr Gesicht in die Decke. Sie war kühl und wirkte wohltuend auf ihre geröteten, warmen Wangen. Dann drehte sie sich auf den Rücken, nahm ihr Kopfkissen und hielt es in ihren Armen. Verträumt blickte sie zur Decke. Die Kerzen in ihrem Zimmer, welche sich entzündet hatten, als sie eingetreten war, warfen lange, verzerrte Schatten. Ihre Haut kribbelte. Alles um sie herum schien so viel echter zu sein als jemals zuvor. Noch immer schlug ihr Herz schnell und schien sich gar nicht mehr beruhigen zu wollen. Er hatte eine Tür in ihr geöffnet, von der Samantha bisher nicht einmal gewusst hatte.

Eine ganze Weile lag sie noch so da und dachte über diese neuen Gefühle nach, aber auch über ihre Beziehung zu Draco. Sie kannte ihn eigentlich kaum. Er hatte ihr nichts von sich erzählt. Andererseits hatte sie bisher aber auch nicht gefragt. Sie beschloss für den nächsten Tag, ihn besser kennen zu lernen. Ihn nach seinen Hobbys zu fragen. Das wäre vermutlich ein guter Anfang. Doch noch bevor sie diesen Gedanken weiter ausführen konnte, fiel sie in einen wohltuenden Schlaf.

Langsam drehte sich Samantha auf die Seite und kuschelte ihr Gesicht tiefer in ihr Kissen. Ihre Nase kitzelte und sie hob ihre Hand, um sich daran zu kratzen. Doch das Kitzeln kam wieder. Egal wie hartnäckig sie sich kratzte, es kam immer wieder zurück. Widerwillig öffnete sie ihre Augen und blickte direkt in ein breit grinsendes Gesicht. Erschrocken zuckte sie zusammen und griff reflexartig nach ihrem Zauberstab. „Guten Morgen, Sammy", grüßte die Person fröhlich. „Nymphadora! Musst du mich so früh am Morgen so erschrecken? Wie bist du überhaupt hier rein gekommen?", rief Samantha etwas wütend aus. „Hast du vergessen, wer dir dein Passwort gesagt hat?", erklärte Tonks fröhlich grinsend und setzte sich auf die Bettkante. „Soll das heißen, du wirst das öfters machen?", fragte Sam etwas wehleidig und warf sich zurück in die Kissen. „Nein, nein!Ich weiß doch, was für ein Morgenmuffel du sein kannst!", entgegnete Tonks lächelnd. Das Gesicht in das weiche Kissen gepresst erwiderte Sam: „Und wieso weckst du mich heute?" „Ich wollte dir beim Auspacken helfen, damit du rechtzeitig für deine Verabredung fertig bist!", kam die Antwort fröhlich zurück. Misstrauisch sah Sam ihre Kusine an. „Beim Auspacken helfen? Du? Was steckt wirklich dahinter?", hakte sie nach. Tonks errötete und wich dem Blick ihrer kleinen Kusine aus. „Gar nichts! Ich wollte dir nur helfen und so wird es einem gedankt!", entgegnete sie gespielt beleidigt. „Wer's glaubt!", erwiderte Sam höhnisch. Sie stand auf und kam bedrohlich auf sie zu. „Okay okay! Remus wollte, dass ich herausfinde, was zwischen dir und Malfoy läuft", gab Tonks schließlich zu und senkte beschämt den Kopf. Seufzend setzte sich Samantha neben sie: „Wann hast du eigentlich aufgehört meine Kusine zu sein und bist Spionin geworden?" Entsetzt sah Tonks sie an. „Ich habe nie aufgehört deine Kusine zu sein! Und ich werde deinem Paten nichts sagen, was du nicht willst! Also, Sammy! Weißt du schon, was du zu deiner Verabredung gleich anziehen willst?", erwiderte sie und grinste breit. Mit einem Fingerzeig auf ihren Koffer antwortete sie: „Ich würde mich freuen, wenn du mir heute den Dresscoach machen würdest!"

Während Nymphadora sich daran machte, den Koffer auszupacken, blieb Samantha auf ihrem Bett sitzen und ließ ihren Blick durch ihr neues Zimmer schweifen. Erst jetzt fiel ihr auf, dass es um einiges größer war, als ihr altes Zimmer. Beinahe so groß wie ihre Bibliothek im Grimmauld Place. An der Wand links neben ihrem Bett standen eine große Kommode und ein Kleiderschrank, beide waren aus einem wunderschönen, dunklem Holz gefertigt. An der gegenüberliegenden Wand befand sich ein schöner Schreibtisch aus Eichenholz und die Zimmertür. Außerdem gab es noch ein Badezimmer, welches sich hinter einer großen, reich verzierten Eichentür befand.

Von Neugier gepackt, ging Samantha auf diese Tür zu. Vorsichtig öffnete sie sie. Sogleich entzündeten sich dutzende Kerzen und erhellten das wunderschön eingerichtete Badezimmer. Der Hexe fiel vor Staunen die Kinnlade hinunter. Die Wände und der Boden waren mit schwarzen Marmorkacheln gefliest, welche im Schein der Kerzen leicht glitzerten. An der linken Wand neben der Tür befand sich ein großes Waschbecken aus dem gleichen Material wie die Fliesen. Die Wasserhähne schienen golden und über dem Waschbecken hing ein in Gold eingerahmter Spiegel. Ehrfürchtig trat Samantha einen Schritt in das Badezimmer. Geradeaus durch stand eine weiße Toilette und an der rechten Wand eine große Badewanne und eine Duschkabine.

„Wahnsinn. So gut leben normalerweise nur Könige", murmelte Samantha leise vor sich hin. „Und Hogwartsbewohner!", bemerkte Tonks fröhlich und Sam sah sie grinsend an. Schmunzelnd beobachtete Nymphadora ihre kleine Kusine. Es war schön mit anzusehen, wie sehr sie über alles an diesem Ort staunte und sie erinnerte sich an ihren ersten Tag an dieser wundervollen Schule. Sie selbst war ganz genauso gewesen.

Sie war mit dem Auspacken schon beinahe fertig. Sorgsam hatte sie die Kleider und Jacken in den Kleiderschrank gehängt und im Regal darüber die Hüte platziert. „Mensch, Sammy, da hast du aber ein paar echt schöne Sachen!", meinte Nymphadora plötzlich und grinsend gesellte sich die Angesprochene zu ihr und half ihr beim Wegräumen ihrer Unterwäsche.

Eine Weile schwiegen sie und konzentrierten sich auf ihre Arbeit. Plötzlich konnte Tonks ihre Neugier jedoch nicht mehr verbergen, weshalb sie frei heraus fragte: „Was läuft denn nun zwischen dir und Malfoy?" Erschrocken zuckte Samantha zusammen und ließ einen Bündel Strümpfe fallen. Schnell fasste sie sich wieder, hob es auf und räumte es in die Kommode. „Wieso willst du das wissen?", entgegnete sie mit einem scharfen Unterton in der Stimme. „Ich will dich nicht ausspionieren, falls du darauf hinaus willst! Ich bin nur neugierig und ich werde deinem Onkel nichts erzählen, wenn du das nicht willst!", verteidigte sich Dora und legte eine Unschuldsmiene auf.

Sam seufzte schwer. „Ehrlich gesagt, weiß ich das selbst nicht so genau", antwortete sie schließlich halblaut. Gedankenverloren starrte sie auf ihre Mickey Mouse Strümpfe, welche sie gerade in der Hand hielt. Verwundert sah Tonks ihre Kusine an. Mit so einer Antwort hatte sie nicht gerechnet. „Weißt du, mir ist klar geworden, dass ich ihn gar nicht kenne. Ich weiß überhaupt nichts von ihm, nicht mal, ob er irgendwelche Hobbys hat. Das einzige, was ich weiß, ist dass er nicht nach Hause gehen kann, sonst hätte er nicht in meinem Haus gewohnt. Außerdem weiß ich, dass er von beinahe jedem gemieden wird. Selbst Onkel Remus scheint ihn nicht zu mögen und ich habe keine Ahnung, wieso. Es ist, als hätte er irgendein dunkles Geheimnis." Samantha hielt mit ihren Ausführungen inne, um schwer zu seufzen. „Wie kommst du darauf?", hakte Tonks vorsichtig nach. „Es ist mir zu Hause aufgefallen. Harry und die Mitglieder des Ordens waren alle unheimlich nett. Nur Draco haben sie gemieden. Sie haben ihn nicht beleidigt, oder so. Sie sind ihm einfach nur aus dem Weg gegangen. Und gestern Abend die Sache mit Onkel Remus war auch mehr als eigenartig", erklärte Sam und setzte sich seufzend aufs Bett. „Sam, hast du schon mal darüber nachgedacht, ihn einfach zu fragen? Er wird dir sicher alles erklären", erwiderte Tonks mit sanfter Stimme und legte ihrer Kusine behutsam einen Arm um die Schultern. „Wahrscheinlich hast du recht! So, bist du fertig mit Auspacken? Ich will endlich duschen gehen!", entgegnete Sam und sprang vom Bett. „Sei froh, dass ich dir überhaupt helfe, Kusinchen!", erwiderte Dora und war mit einem Paar Socken nach ihrer Kusine.

Während Nymphadora die letzten Sachen in den Schrank räumte, hatte sie noch eine dringende Neugier zu befriedigen, die einfach nicht warten konnte. „Eine Frage habe ich noch, Sammy!", begann sie ungestüm. Samantha, die gerade dabei war, ihre Unterwäsche für diesen Tag heraus zu suchen, nickte kurz und erwartungsvoll. „Wie weit seid ihr in eurer Beziehung?" Die Frage brach herein wie ein Gewittersturm. Erschrocken ließ Sam das rote Spitzenhöschen in ihren Händen fallen. „Was meinst du damit?", entgegnete sie und in ihren Augen funkelte es. „Na ja, ich meine, ihr beide seid schon recht erwachsen und da lässt man seinen Gefühlen schnell mal freien Lauf", antwortete Tonksie im Plauderton. Das Funkeln in Samanthas Augen wich einem verwirrten Blick. Langsam machte sie sich ernsthaft Sorgen um ihre Kusine. Noch nie zuvor hatte sie dermaßen in Rätseln gesprochen. Dora, welche den verwirrten Blick aufgeschnappt hatte, ergänzte daraufhin: „Ich frage mich einfach, ob ihr schon Sex hattet!" Entsetzt weiteten sich Samanthas Augen. Schnell wandte sie sich wieder intensiv ihrer Unterwäsche zu.

„Oh, Sam. Du wirst ja ganz rot." Nymphadora neckte ihre Kusine, aber zugleich sah sie sie verständnisvoll an. „Und? Habt ihr schon...?", hakte sie neugierig nach. Sie vergaß dabei vollkommen, die letzten Kleider weiter aufzuhängen. Entsetzt weitete Samantha die Augen noch ein Stück weiter. Beinahe fürchtete Tonks schon, dass ihr die Augäpfel herausfallen könnten. „Was? Nein!", rief sie aufgebracht, „wir haben uns ein paar Mal geküsst, mehr noch nicht!" Erstaunt stellte Tonks fest, dass ihre Kusine tatsächlich noch roter werden konnte. Sie glühte geradezu. Wie, um sich abzulenken, widmete sie sich wieder intensiv dem Einräumen ihrer Kleidung. „Aber du hast schon mal, oder?" Die Neugier dieser Aurorin war einfach unermesslich. Keine Frage war ihr zu intim oder zu peinlich. Samantha indessen wurde dieses Verhör immer unangenehmer. „Nein. Ich bin noch Jungfrau, Tonksie. Zufrieden?", antwortete sie träge und konzentrierte sich weiter auf das Untersuchen ihres Spitzenhöschens. „Quatsch, zufrieden! Du bist alt genug, Kusinchen! Ich möchte nur nicht, dass du an den Falschen gerätst", erwiderte Nymphadora nachdenklich.

Endlich waren sie mit dem Auspacken fertig und Tonks verabschiedete sich mit der Erklärung, dass sie sich noch einmal mit Professor McGonagall treffen wollte, bevor der Unterricht begann. Danach suchte Sam sich ihr Outfit für den Tag heraus und gönnte sich eine lange und ausgiebige Dusche in ihrem neuen Badezimmer. Der Wasserstrahl war weich und wie ein sanfter Sommerregen fielen die Tropfen auf sie hinab. Die richtige Temperatur hatte sie beinahe sofort gefunden. Nachdem Samantha sich gewaschen hatte, blieb sie noch einen Augenblick unter dem weichen Wasserstrahl stehen und genoss die massierende Wirkung auf ihren Rücken. Es war eine Wohltat, den Tag so zu beginnen.

Sie war gerade mit dem Duschen fertig, als es schon an der Tür klopfte. Erschrocken sah Samantha auf die Uhr. Beim Einräumen und dem Gespräch mit Tonks hatte sie vollkommen die Zeit vergessen. Barfuß und noch immer tropfend rannte sie zu ihrem Kleiderschrank und warf sich ihren Bademantel über das umgebundene Handtuch. Dann rief sie mit leicht nervöser Stimme: „Herein!" Die Tür öffnete sich und erneut bekam die Hexe Herzklopfen. „Guten Morgen, Samantha. Ich..- Oh! Du bist noch nicht fertig... Ich komme später wieder!" Draco war bei dem Anblick, der sich ihm bot, direkt wieder umgedreht, um hinaus zu gehen. 'Ein richtiger Gentleman', schoss es Sam durch den Kopf. „Nein! Warte hier! Ich brauche nicht lange! Setz dich einfach!" Mit diesen Worten verschwand Sam wieder im Badezimmer und schloss die Tür hinter sich, während Draco verwundert im Zimmer stehen blieb.

Aufgeregt blickte sich die Hexe im Bad um. Ihre getragenen Sachen lagen kreuz und quer auf dem Boden herum. Alles war nass. Das Handtuch hatte sie sich nach dem Duschen um den Körper gewickelt. Ihre frischen Sachen lagen... Verwirrt blickte sich die junge Aurorin um. Sie wusste genau, dass sie sich frische Sachen herausgesucht hatte. Plötzlich fiel es ihr wieder ein. Leise fluchte sie und trat gegen das Badezimmerschränkchen.

Nachdem der kurze Schmerz in ihrem Zeh vergangen war, sammelte sie ihren Mut zusammen. Bevor sie die Badezimmertür öffnete, überprüfte sie, ob ihr Handtuch richtig saß und ob ihr Bademantel alles verdeckte. Schließlich trat sie aus dem Bad heraus und schlich zu ihrem Bett. Draco indessen schien ganz fasziniert von dem Buch, das Samantha gerade las und auf dem Nachtschränkchen lag. Schnell griff die Hexe nach ihren Klamotten, welche auf dem Bett lagen, und schlich zurück ins Badezimmer. Schnell zog sie sich an, passte ihre Frisur an ihr Outfit an und trat wieder hinaus in ihr Zimmer.

Mit einem sanften Lächeln wurde sie von Draco begrüßt. „Guten Morgen, Draco", lächelte Sam zurück. Langsam kam der junge Blondschopf auf sie zu und gab einen leichten Kuss auf die Wange. Es war wie ein zärtlicher Windhauch, der ihre Wange streifte. Seicht und sanft und dennoch stark genug, um ihr wohlige Schauer über den Rücken zu jagen. „Gehen wir frühstücken", sagte er schließlich und gemeinsam gingen sie hinunter in die Große Halle.

In der Großen Halle war schon ein geschäftiges Treiben. Die vier Haustische ächzten und knarzten unter dem Gewicht der vielen Speisen, während hunderte Schüler fleißig aßen und den neuesten Klatsch und Tratsch austauschten. Gezielt gingen Draco und Samantha auf den Lehrertisch am Ende der Halle zu. Natürlich bemerkte die Hexe die vielen Blicke, die sie verfolgten. Dabei schwirrte ihr wieder das Gespräch mit ihrer Kusine Tonks an diesem Morgen durch den Kopf. „...von beinahe jedem gemieden... als hätte er irgendein dunkles Geheimnis...", hörte sie sich selbst in ihrer Erinnerung sagen.

Am Lehrertisch setzten sich Draco und Samantha nebeneinander. Der Tisch war wirklich reich gedeckt. Es gab frische Brötchen und Toast, Aufschnitt und Marmelade und sogar Eier in den verschiedensten Formen zubereitet. Gekochte Eier, Rührei, Spiegeleier. Mit einem zufriedenen Lächeln nahm sich Sam ein Brötchen. Während sie aßen, schwiegen sie und genossen das Beisammensein. Gelegentlich sahen sie einander an und lächelten verlegen. Plötzlich jedoch wurde die traute Zweisamkeit unterbrochen.

„Guten Morgen. Ich würde mich gerne für den Extra-Unterricht in Verteidigung anmelden", sprach eine männliche Stimme und verwundert hob Sam den Kopf. Vor ihr stand ein etwa siebzehnjähriger Junge mit dunkelblondem Haar und stahlblauen Augen. Da sie gerade von ihrem Brötchen abgebissen hatte, kaute sie schneller und schlang den Bissen hinunter. Dann antwortete sie fröhlich: „Guten Morgen! Sehr gerne. Ich brauche nur deinen Namen und dann kannst du heute Nachmittag um drei einfach vorbeikommen! Professor Dumbledore wird den genauen Raum nochmal bekannt geben!" „Wird der da", mit dem Kopf nickte er zu Draco, „auch da sein?" Einen Moment lang blickte Sam zwischen Draco und dem Schüler hin und her. Eisern starrten sie sich einander an und lieferten sich ein stummes Duell. Dann, endlich, fand die Hexe ihre Stimme wieder. „Wenn Professor Malfoy vorbeikommen möchte, dann kann er das sehr gerne tun! Und wenn das Ihnen nicht passt, dann ist es mir egal!", entgegnete sie mit fester Stimme. Der Junge schnaubte verächtlich, dann schrieb er seinen Namen auf einen Zettel und ging – ohne ein weiteres Wort zu sagen.