Disclaimer: Die Figuren (außer Samantha) gehören nicht mir, sondern Joanne K. Rowling. Ich leihe sie mir lediglich aus und möchte auch kein Geld mit ihnen verdienen.

Anm. d. A.: Endlich ist es da! Kapitel 17! Es tut mir wirklich leid, dass es sooooooo lange gedauert hat. Aber mein Privatleben und die Schule haben in den letzten Monaten immer wieder dazwischen gefunkt!

Ich hoffe, es gefällt euch!

Kapitel 17
Der erste Unterricht

Schweigend saßen Draco und Samantha am See. Nach dem gemeinsamen Frühstück hatte er ihr die Ländereien von Hogwarts gezeigt – und in der ganzen Zeit hatte er kein einziges Wort über den Vorfall beim Frühstück verloren. Nun saßen sie beisammen und genossen die Ruhe. Die meisten Schüler saßen in ihren Klassenräumen und hatten Unterricht. Nur ein paar wenige streiften auf den großen Wiesen herum. Draco war bei seinem Rundgang sehr gründlich gewesen. Jeden Winkel hatte er der Hexe gezeigt, sogar Hagrids Hütte und den verbotenen Wald. Es war kein Wunder, dass sie nun am See saßen und sich etwas ausruhten, denn das Gelände war groß und es gab unheimlich viel zu sehen.

Verträumt ließ Sam ihren Blick über den See schweifen. Hogwarts war ein wirklich wunderschöner Ort. Voller Geheimnisse, die nur darauf warteten, entdeckt zu werden. Aber wie Draco schon bei ihrer Besichtigungstour erklärt hatte, waren schon einige dieser Geheimnisse von Harry Potter gelüftet worden. Dieser Junge wurde ihr immer unsympathischer. „Im zweiten Schuljahr hat er das Geheimnis der Kammer des Schreckens gelüftet", hatte Draco erzählt. Dabei hatte er kein Detail ausgelassen und gespannt hatte Samantha an seinen Lippen gehangen. Auch wenn er gelegentlich einen etwas herablassenden Unterton hatte. Es war ihm anzumerken, dass er nicht gerade ein Fan von Harry war.

„Wieso konnte ich nicht hier zur Schule gehen?", fragte Sam plötzlich in die Stille hinein und wischte sich eine kleine Träne aus dem Auge. „Weil du Samantha Black bist", antwortete Draco unverblümt. Erstaunt sah sie ihn an. „Na ja, alle dachten, und denken es heute noch, dass dein Vater Schuld am Tot von Potters Eltern ist. Deine Mitschüler hätten dich wahrscheinlich gemieden und schlecht behandelt. Und wir beide wären auch nicht besonders gut miteinander ausgekommen", erklärte der Blondschopf, ohne dabei seinen Blick vom See abzuwenden. „Wir beide? Das kann ich mir nicht vorstellen!", erwiderte Sam ungläubig. Draco schmunzelte und sah sie an. „Ob du es glaubst oder nicht, ich war früher ein ziemliches Arschloch", entgegnete er und wandte daraufhin seinen Blick wieder ab. „Gehen dir deshalb alle aus dem Weg oder reagieren in deiner Nähe so angriffslustig?", hakte Samantha vorsichtig nach. „Wahrscheinlich", antwortete Draco ausdruckslos.

Beim Mittagessen stellte Samantha bedrückt fest, dass Harry Potter noch immer nicht in Hogwarts eingetroffen war. „Ich verstehe das nicht!", wandte sie sich aufgebracht an Draco, der ausnahmsweise mal nicht neben Professor Snape saß, „Es ist ja nicht so, dass ich das hier zum Spaß mache! Ich mache das alles für ihn und jetzt taucht er nicht einmal auf!" Wütend warf sie ihre Gabel in ihren Kartoffelbrei, wodurch einige Spritzer auf dem Tisch landeten. „Beruhige dich, Sam. Bis zu deinem Unterricht sind es noch zwei Stunden. Er wird wohl pünktlich hier sein", versuchte Remus sie zu ermutigen, jedoch mit nur kläglichem Erfolg. „Dein Onkel hat recht. So wie ich Potter kenne, wird er wieder einen dramatischen Auftritt hinlegen", murmelte Draco aufmunternd und nahm zärtlich ihre Hand. „Ach, eigentlich kann es mir auch egal sein, ob er kommt oder nicht. Ein paar Schüler habe ich ja schon und wenn ich denen etwas Sinnvolles beibringen kann, bin ich schon ganz froh", seufzte Sam schließlich und widmete sich wieder ihrem Mittagessen.

Nach dem Essen verabschiedete sich Draco mit einem langen, innigen Kuss bei Samantha. „Viel Glück bei deinem ersten Unterricht", flüsterte er ihr leise ins Ohr. Ein Kribbeln durchfuhr sie und eine Gänsehaut breitete sich angenehm auf ihrer Haut aus. Dann ging er direkt in die Kerker, wo der Unterricht für Zaubertränke stattfand. Sam hingegen hatte noch zwei Stunden zu vertrödeln und ging zurück an den See, wo sie am Vormittag noch mit Draco gesessen hatte.

Während sie ihren Gedanken nachhing und in der Sonne eindöste, verging die Zeit wie im Flug und schließlich wurde es auch Zeit für ihren Unterricht. Da sie nichts Besonderes dafür vorbereitet hatte, brauchte sie nicht vorher an ihrem Zimmer vorbei und konnte direkt zum Klassenraum gehen. Es war ein sehr großer Raum, so wie sie es gewünscht hatte. Schließlich wollte sie mit ihren Schülern keine Theorie durchgehen, sondern die Praxis üben. Dafür brauchten sie Platz. Deshalb ließ sie auch mit einem Schlenker ihres Zauberstabs die Tische und Stühle an die Wand stellen, wo sie niemandem im Weg waren. An einem Ständer hinter dem Lehrerpult hing ein Umhang für sie bereit, den sie sogleich überwarf. Dann setzte sie sich auf den Lehrerpult und wartete.

Es dauerte nicht lange bis die ersten Schüler eintraten. Leider dauerte es auch nur genauso kurz, bis alle drin waren. Zu Samanthas Erleichterung hatte es Harry doch noch rechtzeitig geschafft, und er hatte sogar Hermine und Ron mitgebracht. Neben den dreien waren noch vier andere Schüler erschienen. Offenbar war das Interesse einfach nicht groß genug. ‚Das wird sich ändern, wenn die Todesser vor den Toren von Hogwarts stehen', dachte Sam bei sich und hüpfte vom Pult.

„Herzlich willkommen! Ich bin Samantha Lillian Black und ich werde Ihnen etwas Nachhilfe in Verteidigung geben! Zunächst ein paar organisatorische Dinge: Da der Altersunterschied nicht so groß ist, möchte ich gerne beim ‚Du' verbleiben. Das ist weniger förmlich. Sind alle damit einverstanden?", begrüßte Sam ihre Klasse freundlich, aber bestimmt. Die Schüler antworteten mit einem verhaltenen Nicken. „Gut! Ihr werdet bei mir keine Schulbücher oder Federkiele und ebenso wenig Pergament benötigen. Ihr alle habt schon Kenntnisse in Verteidigung gegen die dunklen Künste und Tests könnt ihr bei Professor Lupin schreiben! Bei mir lernt ihr, wie euch das Verteidigen in Fleisch und Blut übergeht. Dazu muss ich aber erst einmal sehen, was ihr so könnt! Freiwillige vor!", erklärte Professor Black ruhig weiter.

Samantha zog ihren Umhang, den sie als Lehrer eigentlich tragen sollte, aus. Mit ein paar Bewegungen prüfte sie ihre eigene Bewegungsfreiheit. Ihr Oberteil engte sie ein und ließ ihr nicht viel Freiheit für schnelles Parieren. Da dies jedoch kein echtes Szenario war, würde es schon reichen. Außerdem wollte sie die Anfänger nicht unnötig entmutigen. Schließlich stellte sie sich vor dem ersten in der Reihe auf. Grinsend begrüßte sie ihn: „Hallo Harry! Schön, dass du es doch noch geschafft hast!" „Das wollte ich mir um nichts auf der Welt entgehen lassen", erwiderte der junge Potter lächelnd. Dann erklärte sie an die ganze Klasse gewandt: „Ich möchte, dass einer nach dem anderen versucht, mir den Zauberstab abzunehmen. Mehr nicht. Wenn es einer von euch schafft, mir länger als dreißig Sekunden den Zauberstab zu entreißen, bringe ich das nächste Mal ein paar Kekse mit! Ansonsten muss jeder, dem ich den Zauberstab abluchsen kann, welche mitbringen!"

„Ich weiß, dass du schon einige Erfahrungen im Kampf sammeln konntest. Ich habe schon einige spannende Geschichten gehört. Also enttäusch mich nicht, Harry", entgegnete Sam und zwinkerte ihrem Gegenüber zu. Lächelnd nickte er. Sam zückte ihren Zauberstab, dann rief sie: „Dann kann es ja losgehen!"

Einen Augenblick standen sie nur da und starrten sich an. Jeder wartete auf eine Bewegung, auf ein Zucken, des anderen. Gespannt beobachteten die anderen Schüler das Ganze. „Expelliarmus!" Der Zauber kam plötzlich, aber auch unüberlegt. Harry hatte kaum ausgesprochen, da war Samantha schon mit einem gekonnten Sprung zur Seite ausgewichen. Der Zauber ging vorbei. Er hatte die Hexe noch nicht einmal gestreift. „Expelliarmus ist ein wirksamer Zauber, aber für einen offenen Kampf gegen echte Gegner eher ungeeignet. Das kannst du doch besser, Harry, oder habe ich mich in dir geirrt?", rief Sam laut und deutlich, damit alle es hören konnten.

Wieder herrschte Stille. Offenbar schien Harry einen Augenblick lang über seine Taktik nachzudenken. Dann, endlich, griff er erneut an. „Impedimenta!", rief Harry laut und deutlich. Sam entging dem Lähmzauber, welcher dafür sorgte, dass man Bewegungen unheimlich langsam ausführte, indem sie mit Protego einen Schutzschild errichtete. Harrys Zauber prallte einfach daran ab. Doch der Junge ließ nicht locker und warf direkt einen weiteren Zauberspruch hinterher: „Stupor!" Diesmal konterte Sam nicht mit einem Zauber. Stattdessen sprang sie flink zur Seite und landete mit einer Rolle auf dem Boden. Kaum hatte sie wieder festen Boden unter den Füßen, warf sie Harry einen Expelliarmus zu und schon hatte sie seinen Zauberstab in der Hand. „Damit hätten wir unsere erste Keksration gesichert", lächelte sie und ging auf den Jungen, der überlebt hat, zu. „Das war gar nicht schlecht, Harry. Deine Zauber sind gut und sehr stark. Nur an deinem Reaktionsvermögen müssen wir ein wenig arbeiten", erklärte sie und gab ihm seinen Zauberstab zurück.

„Wer ist der Nächste?", fragte sie schließlich in die Klasse hinein. Lächelnd meldete sich Hermine Granger freiwillig. „Bevor wir anfangen, möchte ich gerne noch etwas sagen. Die Bedingung ist, dass ihr mir den Zauberstab abnehmt. Dabei spielt es keine Rolle, wie ihr es macht! Macht es einfach nur!", erklärte Samantha noch kurz, dann wandte sie ihre Aufmerksamkeit an Hermine. Mit den Worten ‚Leg los' gab sie ihr das Kommando zum Starten.

„Incarcerus." Ruhig und gelassen rief Hermine den Zauber auf und im nächsten Moment schoss ein Seil aus ihrem Stab und direkt auf Sam zu. Diese schwang lediglich wortlos den Zauberstab und ließ damit das Seil verschwinden. Während sie diese Bewegung ausführte, rief Hermine bereits den nächsten Zauber auf: „Locomotor mortis!" Mit einem Hechtsprung zur Seite und einer etwas weniger eleganten Landung konnte Samantha dem Beinklammerfluch ausweichen. Doch schon schoss der nächste Zauber auf sie zu – Impedimenta. Reflexartig rief die Aurorin den Protegozauber auf, woraufhin der Zauber von Hermine an einem unsichtbaren Schild abprallte. Inzwischen blieb Samantha genug Zeit, sich umzusehen. Während die junge Hexe mit dem Lockenkopf nach Atem rang und überlegte, was sie als nächstes tun sollte, ließ Sam ihren Schutzzauber fallen. Stattdessen schwang sie ihren Zauberstab und im nächsten Moment schob sich ein Tisch rasend schnell auf Hermine zu. Aus der Puste, von den vielen Attacken, konnte sie nicht ausweichen. Der Tisch erwischte sie an der Hüfte und riss das Mädchen zu Boden. Dabei ließ sie ihren Zauberstab fallen. „Accio, Zauberstab!", rief Samantha und schon hatte sie ihn in ihrer Hand.

Ohne zu zögern ging die Aurorin auf Hermine zu und half ihr auf die Beine. „Bist du verletzt?", fragte sie besorgt und ließ ihren Blick über das Mädchen schweifen. „Ob sie verletzt ist? Hast du nen Knall? Ich dachte, sie wäre deine Freundin!", rief Ron aufgebracht. Seine Ohren waren so rot wie seine Haare vor Wut. „Ron! Es ist in Ordnung! Ich habe nicht aufgepasst", versuchte Hermine ihren Freund zu beruhigen. „Ich denke, dass sollte auch für heute reichen. Zwei Keksrationen sollten für's Erste genügen!", lächelte Samantha und wandte sich dann an den Rest der Klasse. „Hermine hatte Glück. Sie hätte sich ernsthaft verletzen können, deshalb ist es wichtig, immer aufmerksam zu sein. Egal wie nachdenklich oder erschöpft man gerade ist! Das richtige Ausweichen spielt natürlich auch eine wichtige Rolle, aber dazu kommen wir nach und nach. Für heute soll das reichen!" Sofort schnappten sich alle ihre Taschen und stürmten zur Tür. „Moment noch! Wer Interesse daran hat, ein bisschen was für seine Fitness zu tun, der darf mich morgens gerne beim Joggen begleiten. Morgenfrüh um sechs auf dem Verwandlungshof geht es los. Ich würde mich über Gesellschaft freuen", mit diesen Worten verabschiedete sich Samantha von ihren Schülern. Etwas in ihr verriet ihr, dass sie keines dieser Gesichter morgens um sechs Uhr beim Joggen antreffen würde. Und das Gemurmel, das durch die Menge ging, ließ sie erahnen, dass sie mindestens die Hälfte der Schüler nicht mehr in ihrem Unterricht sehen würde. Aussagen wie: „Kekse mitbringen… das ist ja wie im Kindergarten!" oder „Um sechs Uhr Joggen… die hat sie doch nicht mehr alle…" waren dabei noch das Netteste, was sie beim Verlassen des Raums murmelten.

Harry, Ron und Hermine blieben noch in der Klasse. Der Weasleyspross war noch immer ganz rot vor Zorn und knirschte verdrossen mit den Zähnen. Hermine jedoch schien sehr zufrieden. „Das war eine echt gute Stunde, Sam!", lobte Harry fröhlich, „aber ich muss die Kekse doch hoffentlich nicht selbst backen, oder?" Kichernd antwortete die Aurorin: „Ich hatte eigentlich nicht vor, jemanden während meines Unterrichts umzubringen! Du kannst ruhig welche kaufen! ... Mensch, Ron, bist du mir immer noch böse?" „Ignorier ihn, er übertreibt. Es ist ja nichts passiert und ich hätte nicht anders gehandelt an deiner Stelle", wandte Hermine ein. „Danke! Ich bin froh, dass ihr hier seid! Falls ihr noch etwas Zeit habt, könnten wir zusammen ein wenig spazieren gehen und uns unterhalten", schlug Sam fröhlich vor. Schweigend tauschten die drei verstohlene Blicke miteinander aus. Blicke, die die Aurorin misstrauisch machten. „Ihr brütet etwas aus. Ich hoffe, es ist nichts Gefährliches!"

„Nein, nein! Wir müssen noch nach Dumbledore und außerdem haben wir keine Zimmer hier. Wir reisen heute Abend noch wieder ab", versuchte Harry zu erklären, doch es hatte keinen Sinn. Samantha hatte die Lunte gerochen, wie man so schön sagte. Um jedoch die drei nicht in weitere Lügen zu verstricken, beließ sie es dabei. Stattdessen verabschiedeten sie sich freundschaftlich voneinander.

Beim Abendessen erzählte Samantha ihrem Patenonkel von dem Unterricht. Neugierig erkundigte sich dieser und sie ließ kein Detail aus. „Findest du nicht, dass du etwas grob zu Hermine warst? Ich kann schon verstehen, warum Ron sauer ist", sagte Remus schließlich. Energisch schüttelte Sam den Kopf. „Nein! In einem echten Kampf wird ihr Gegner schließlich auch nicht sagen: ‚Oh, sie ist aus der Puste, da werde ich lieber eine Pause einlegen, damit sie wieder zu Atem kommen kann.' So läuft es nicht, Onkel Remus!", entgegnete die junge Aurorin. „Sam hat recht", mischte sich Tonks plötzlich ein, die bisher schweigend neben Remus gesessen hatte, „wenn die Schüler lernen wollen, wie man sich richtig verteidigt, müssen sie auch lernen, auf ihre Umgebung zu achten." „Ja, aber muss sie denn gleich am ersten Tag so grob werden? Hermine hätte sich ernsthaft verletzen können", erwiderte der Werwolf. „Onkel Remus, ich bin lieber von Anfang an ehrlich zu meinen Schülern und zeige ihnen direkt, wie hart ein echter Kampf sein kann, als dass ich ihnen etwas vorgaukel. Denn sollten die alle einmal einem echten Gegner gegenüber stehen, einem Todesser, dann können sie kein Mitleid erwarten. Also warum sollte ich ihnen jetzt eine Lüge vorspielen?" Als Kind hatte es Samantha gehasst, so mit ihrem Onkel zu sprechen. Stattdessen hatte sie ihm bei Streitigkeiten immer Recht gegeben, auch wenn sie anderer Meinung war. Doch nun war sie eine erwachsene Frau mit einer eigenen Meinung. Remus erwiderte nichts mehr und ließ das Thema auf sich beruhen, auch wenn es ihm sichtlich schwer fiel.