Unerwarteter Besuch

An diesem Samstagmorgen waren die zwei ungewöhnlich früh wach.

Sie saßen in der Küche, wobei Harry sein typisch englisches Frühstück as, den Tagespropheten dabei nicht aus den Augen lassend. Severus hielt sich trotz seines reichlich belegten Tellers nur an seiner Kaffeetasse fest und wartete darauf vom halbwachen Zombiemodus ins Wache zu wechseln.

Gerade als Harry begann einen Artikel über den neuen Zaubereiminister vor zu lesen hörten sie plötzlich ein raschelndes Geräusch, eine Stimme die kaum mehr war als ein krächzen und ein dumpfes Pochen.

Innerhalb von Sekunden waren beide aufgesprungen und ins Wohnzimmer geeilt, von wo die Geräusche kamen.

Eine zerschundene, bewusstlose Gestallt lag auf dem Boden direkt vor dem Kamin. Die letzte Spur von grünen Flammen verblasste schon. Ein langer Schwarzer Umhang bedeckte fast den ganzen Körper. Nur die hellblonden Haare des Ankömmlings waren gut zu sehen.

Harry trat sofort an den liegenden heran und rollte ihn so herum das er sehen konnte um wen es sich handelte. Ein leises, erstauntes „Malfoy.." entfuhr ihm. Er zog den Umhang beiseite und sah mit entsetzen dass sein Schulfeind nur mit einem löchrigen Shirt, langen schwarzen Hosen und schwarzen Schuhen bekleidet war. Die nackten Arme des jungen Mannes waren über und über mit langen dünnen Schnittwunden übersäht. Unter dem Shirt zeigten sich auch Abschürfungen am Oberkörper. Letztlich entdeckte Harry noch einen langen dünnen Gegenstand in Malfoy´s linkem Oberarm. "Severus sieht dir das an. Weist was das ist?"

„Nein! Ich glaube eine Nadellanzette. Harry wer ist der Junge? Du sagtest er heißt Malfoy…"

Harry konnte ein Fluchen nicht unterdrücken. „Verdammt! Schon Schlimm genug das Unschuldige unter Voldemort leiden müssen, jetzt richtet er anscheinend seine eigenen Anhänger so zu. Nicht mal Malfoy hat es verdient so gequält zu werden….Ja Severus ich kenne ihn aus der Schule. Er heißt Draco Malfoy. Aber am besten kümmern wir uns erstmal um ihn und finden später herausfinden warum er hier ist und vor allem was geschehen ist."

Severus stimmte zu.

Zusammen trugen sie ihren Patienten in das verbleibende freie Zimmer im obere Stockwerk.

„Das war früher mein Raum. Aber anscheinend ist er öfters von jemand anderem genutzt worden. Komm legen wir ihn auf das Bett und sehen zu das wir das Shirt ausziehen um zu sehen wie schlimm es wirklich ist."

Auch wenn es Harry unangenehm war seinen Lieblingsfeind untersuchen zu müssen zögerte er dennoch nicht lange.

Während Harry Malfoy´s Wunden untersuchte ging Severus in den Keller um eine Heilsalbe und Trank für sofortige Wundheilung zu holen. Er dachte auch daran Latexhandschuhe, welche er zum Brauen von komplizierten Tränken benötigte, und eine Schüssel mit heißem Wasser mit zu bringen.

Gemeinsam reinigten die zwei den Körper ihres Patienten und Harry begann die Heilsalbe aufzutragen. Severus widmete sich unterdessen der Nadellanzette und zog diese vorsichtig aus dem Arm. Sobald er dass getan hatte gab er drei Tropfen von seiner Wundheilessenz auf die durchstochene Stelle.

Sobald sie fertig waren wurde Malfoy mit einem Pyjama, der sich in dem Kleiderschrank des Zimmers befand, bekleidet und zugedeckt.

Harry hob gerade die alte Kleidung auf als ein abgerissener Zettel aus der Innentasche des Umhangs fiel.

Er las was darauf stand:* Severus bitte kümmere Dich um Draco. Bis zum nächsten offiziellen Treffen muß er bereit sein. Gruß L M*

Mit besorgtem Blick reichte er das Schreiben an Severus. Nachdem er es gelesen hatte verfinsterte sich seine Miene. „Ich nehme an LM steht für Lucius Malfoy. Dann ist das also sein Sohn. Lucius war es der mich dem Dunklen Lord vorstellte. Ich sollte das Mal erhalten wenn ich die Schule beendet hätte. Anscheinend hat der Dunkle Lord seine Bedenken wegen Minderjährigen über Bord geworfen."

Sie verließen das Zimmer und den Schlafenden. Schnell gingen beide los um Arbeitsmaterial und Kleidung wegzuräumen. Kurze Zeit später waren sie wieder in der Küche um die Lage zu besprechen. Das Frühstück war vergessen.

"Ich kann es zwar nur vermuten aber es sieht ganz danach aus dass der junge Malfoy wohl das Dunkle Mal erhalten soll. Das er jetzt hier ist und in dieser Verfassung wird er wohl der schlechten Laune seines künftigen Meisters zu verdanken haben." Severus seufzte schwer. „Dumbledor hat mir gesagt das ich auch Todesser wurde. Aber nach all dem was ich jetzt erfahren habe würde ich es gerne rückgängig machen. Ich hätte, wenn ich gewusst hätte was alles passieren würde, davon abgesehen dem Dunklen Lord zu folgen…"

Verstehend nickte Harry, auch wenn er es vor drei Wochen nicht geglaubt hätte. Nun war er aber überzeugt das Severus Snape nicht nur der fiese Zaubertranklehrer von Hogwarts war sondern ein vom Krieg Erschütterter, wie alle die er kannte zu diesen Zeiten.

„Weist du Harry, ich habe, weil ich dem Dunklen Lord folgen wollte, sogar meinen besten Freund verloren. Für mich ist jetzt das schlimmste daran dass ich sie wegen ihm nicht nur einmal sondern sogar zweimal verloren habe….."

`Sie ?´dachte Harry `Meint er etwa… ?`
„Wer war denn dein bester Freund? Was ist denn passiert das du ihn zweimal verloren hast?"

Severus dachte nach. `Kann ich ihm das wirklich anvertrauen?´ Er entschloss sich einen Teil Preis zugeben. Denn merklich ging es ihm besser wenn er mit Harry darüber redete. Es war fast wie mit ihr, bei Ihr ging es ihm hinterher auch immer besser.
„Nun, ja… ich habe einmal ein Fehler gemacht und meinen Freund mit etwas beschimpft was beinahe unverzeilich ist. Aber sie… er hat mir nicht verziehen. Und Dumbledor hat mir auch gesagt das er ihm ersten Krieg durch den Dunklen Lord ums leben kam…Es tut weh das zu Wissen - aber ich habe schon früh lernen müssen mit solchen Verlusten umzugehen." Mit einem Mal wurde er sehr leise. "Ich wünschte nur mir wäre mehr von meinem Freund geblieben."

Zu erst war Harry unsicher was er erwidern sollte. Dann aber begann er von dem Verlust seines Paten zu sprechen, um Severus durch den Vergleich zu zeigen dass er wüsste wie es ihm ginge. Schließlich sprach er auch über die DA und das Verhalten des Ministeriums in den letzten Monaten, vor allem ihm gegenüber. Genauso über die Feststellung das dass Leben, auch wenn dieser zweite Krieg auf dem Vormarsch ist, dennoch weiter geht. Mit allen höhen und Tiefen. Nur das die jenigen die da mitten drin stecken manchmal den Bezug zu dieser Art Normalität verlieren können und es schwer ist das zu verstehen.
Das Gespräch in der Küche dauerte noch eine Weile.

Für beide war es ein anstrengender Morgen gewesen.

Harry zog sich erst einmal ins Wohnzimmer zurück um nach zudenken. Dieser Freund von dem Severus ab und zu erzählte gab ihm zu denken. Was wenn dieser Freund nicht einfach nur ein Freund sondern eine Freundin war? Was wenn die Aussage von Severus heute Morgen und die Erinnerung, die er im letzten Schuljahr gesehen hatte, ein ganz neues Bild ergaben? Harry wollte es ganz genau wissen.Würde sich aber in Geduld üben müssen. Darum setzte er sich erst einmal an den Schreibtisch um an Ron und Hermine zu schreiben. In der letzten Woche hatte er ihnen nur einen Zettel zukommen lassen, in dem stand dass es ihm gut ging und sie sich nicht sorgen bräuchten.

Als er Hedwig mit den Briefen losgeschickt hatte kam Severus zu ihm und sagte er habe nach Malfoy gesehen. Der Zustand des Jungen war fast unverändert nur die Heilsalbe hatte schon gute Wirkung gezeigt.

An diesem Abend war es nun an Harry wieder nach dem Verletzten zu sehen. Das letzte Mal für heute, darüber freute er sich schon. Doch als dieser das Zimmer betrat merkte er schon dass etwas anders war. Malfoy war Schweißnass und sofern überhaupt möglich noch blasser als sonst. Schnell ging er wieder hinaus und suchte Severus, den er im Bad fand. „Hast du ein Thermometer? Ich glaube Malfoy hat Fieber."

„Müsste..." gab der andere zurück. Er suchte in dem Schrank unter dem Waschbecken. In einer kleinen Schachtel fand er das Gesuchte.

Gemeinsam gingen Harry und Severus zu Malfoy.

„39.8 Grad," war die knappe Antwort, die Harry auf seine Frage hin von Severus bekam. „Ich gebe ihm einen Anti- Fieber-Trank. Einer von uns muß ihn in 4-5 Stunden noch einmal welchen verabreichen.

„Ich mache dass," sagte Harry.

Die Nacht verging ohne dass sich das Fieber gesenkt hatte. Am nächsten Morgen nach der Messung sagte Severus: „Immer noch 39.5 Grad. Der Trank schlägt nicht an. Ich bin da auch mit meinem Latein am Ende."

Harry stand mit verschränkten Armen neben Severus und sah Malfoy nachdenklich an. „Ich glaube ich hätte da eine Idee. Hast du zufällig Cayenne Chillies im Haus?"