Unangenehmes Erwachen

Nach dieser Aussage erntete Harry den typischen Snape - Blick mit hochgezogener Augenbraue.

„Komm einfach mit. Ich erkläre dir in der Küche was ich vorhabe."

Eben dort angekommen sagte er: „ Also, ich habe dir doch von meinen Verwandten erzählt bei denen ich aufgewachsen bin. Vor ein paar Jahren sind die mal über ein Wochenende weggefahren und haben mich mit einem Stapel an Arbeiten zurück gelassen. Da bin ich Krank geworden und hatte auch hohes Fieber. In der Küche habe ich dann nach etwas gesucht was ich Essen konnte, damit ich nicht zu schwach würde. Da habe ich die getrockneten Chillies im Gewürzschrank entdeckt. Da ist mir die Idee gekommen Feuer mit Feuer zu bekämpfen."

Severus sah immer noch ein wenig ungläubig drein, schien aber gewillt dem Plan eine Chance zu geben. Nachdem Harry erklärt hatte was er alles brauchte und das er sich nach seiner Genesung über die Chillies als Fiebermittel erkundigt hatte machten sich die zwei an die Vorbereitungen. Severus besorgte Harry nur die Zutaten. Cayenne Chillies, Baldrianwurzel, Löwenzahnblätter und Orangensaft. Beim kleinschneiden und mahlen teilten sie sich die Arbeit. Das Kochen übernahm Harry allein. Staunend schaute Severus zu.

„Der Tee muß jetzt nur noch eine Stunde ziehen und kann dann abgefiltert werden," sagte Harry, als er den Topf vom Herd nahm.

„Also wenn das wirklich funktioniert dann bekommst du sobald ich wieder dein Lehrer bin 30 Punkte für einen Kreativität beim Brauen und umsichtiges Arbeiten!" versprach Severus. Er war wirklich gespannt zu erfahren ob dieses alternative Gebräu wirklich was taugt.

"Ich werde dich daran erinnern!" witzelte Harry

Eine Stunde später verabreichten Sie Malfoy die Mixtur.

Als Severus dann zwei Stunden später die Temperatur überprüfte war das Fieber um fast 1 ½ Grad gefallen. Mit einem leichten Lächeln schüttelte er den Kopf und ging.

Harry konnte bei seinem Visite sogar von einem weiteren Erfolg sprechen. Er hatte es geschafft dem Kranken ein bisschen Wasser mit einem Aufpäppeltrank zu geben.

Nur Leider schien jetzt, da sich Malfoys Körper erholte, sein Geist umso mehr zu Arbeiten.

Sowohl Severus als auch Harry mussten sehen wie sich ihr Gast in seinem Bett umher warf. Manchmal wimmerte er leise, als wollte er Tränen unterdrücken. Dann wieder murmelte er unverständliche Sätze und nur einzelne Wortfetzen ließen sich erkennen.

Auch in diesem Fall hatte besonders Harry das Gefühl als würde er in einen Spiegel zu seiner Vergangenheit sehen. Die Alpträume, Angstgefühle und die ständige Anspannung unter Voldemorts Einfluss in seinem Geist waren ihm noch sehr gut im Gedächtnis.

So ging auch dieser Tag, beherrscht von der Versorgung des Kranken, zur Neige. Sowohl Harry als auch Severus vermuteten das Malfoy wohl schon am nächsten Tag wieder aufwachen würde. Sie vereinbarten sich am Vormittag darauf vorzubereiten. Schon allein wegen der Mahlzeiten, die jetzt für drei Personen gemacht werden mussten.

Als Harry sich an diesem Montagmittag auf den Weg zum Krankenzimmer machte rief Severus noch die Treppe hoch dass er gleich nachkommen würde. Harry betrat das Zimmer und stellte die Schale mit Suppe, die er für den Fall des Falles mitgebracht hatte, auf den Schreibtisch, der vor dem Fenster stand. Er drehte sich zu Malfoy um. Eben in diesem Moment öffnete selbiger die Augen und erschrak. Mit einem mal saß er Kerzengerade im Bett und starrte Harry für eine Sekunde wütend an.

D.:" Potter!"

H.:" Malfoy."

S.:"Potter?"

H.:" Severus?"

D.:" Severus?"

S.:" Malfoy."

"Halt! Moment mal. Was war DASS denn? Du kennst ihn, er kennt Dich. Mal davon abgesehen dass er endlich wach ist. Und alle sind damit einverstanden... Aber warte mal Du bist ein Potter?" entfuhr es Severus, der in der Tür stand. Mit einer kurzen heftigen Bewegung schlug er einmal kräftig mit der Faust gegen den Türrahmen. Das Gesicht teilweise voller Schmerz, teilweise voller Wut entfuhr es ihm:" Würgender Wasserspeier! Warum immer Potter?" Kaum waren die Worte gesagt drehte er sich weg und eilte in sein Zimmer. Ein lautes Türknallen hallte noch nach.

Draco konnte nichts anderes mehr tun als nur verwundert in Richtung Tür zu blicken. Sogleich sammelte er sich und fragte: „ Potter, was ist hier eigentlich los? Was hast du mit meinem Paten gemacht - soll dieser… dieser Spagettisultan der Severus Snape sein den ich kenne? Hörst du mir zu? Ich…"

Doch weiter kam er nicht.

Nachdem Harry ein Mal tief ein- und ausgeatmet hatte unterbrach er Draco in seinem Redeschwall. „Hör zu Malfoy ich bin sogar bereit dir alles zu erklären aber halt erst einmal für einen Augenblick die Klappe. Ich muß jetzt vorher noch etwas regeln. Hier drüben steht was zu Essen für dich. Warte einfach ab."

Damit verließ auch er das Zimmer und zurück blieb ein hochgradig verwirrter Draco Malfoy.

Harry klopfte an, wartete aber nicht lange bis er ohne die Erlaubnis einzutreten in das Zimmer kam. An dem Fenster am anderen Ende des Zimmers stand Severus. Er drehte sich nicht um. „Severus es tut mir Leid dass ich so einfach in dein Zimmer komme. Ich bin sicher du willst nicht darüber reden. Ich verlange ja auch nicht dass Du mit Mir redest, aber ich bitte dich mir zuzuhören. Es ist wichtig das Wir dass klären. Am besten jetzt statt später."

Noch war er unsicher wie er weitermachen sollte bis ihm etwas einfiel.

„ Du hast eben gesagt ´Warum immer Potter´. Ja, es stimmt, ich bin ein Potter. Aber wie ich Dir von Anfang an gesagt habe bin ich nicht James Potter. Außerdem dachte ich Du hättest das in den letzten zwei Wochen bemerkt."

Ein leichtes, kaum wahrnehmbares Nicken. Wenn er Severus nicht in den letzten 14 Tagen so oft zugesehen hätte wäre ihm das bestimmt entgangen. „ James Potter ist mein Vater und ich war bisher auch sehr stolz darauf sein Sohn zu sein. Doch das hat sich im letzten Jahr und besonders seit ich dich so gut kennen gelernt habe geändert. Letztlich habe ich ihn ja auch nie richtig gekannt .Dafür hatte ich die Chance bei Dir und wenn Du es erlaubst will ich sie auch weiter nutzen. Noch mal, ich bin nicht James Potter, ich bin Harry und dein Freund! Mir tut es ehrlich Leid was er Dir angetan hat und deshalb...ähm …will ich mich für ihn bei Dir entschuldigen."

Für einen Augenblick war es wieder still im Zimmer.

Dann neigte Severus den Kopf leicht zur Seite. „Wer war deine Mutter? Bitte sag mir das noch."

„Lily Evans."

Severus atmete schwer und hatte sichtlich Mühe Tränen zu unterdrücken. „Ich weis ja dass Du nicht James bist. Ich weis auch dass ich Sie aus eigener Dummheit verloren habe. Aber trotzdem fühle ich mich als würde er mir noch nach seinem Tod das Leben schwer machen."

Wieder standen beide da und sagten keinen Ton.

Bis sich Harry ein Herz faste und sagte:" Du hast Sie geliebt oder? Du hast meine Mum geliebt." Aus einem Impuls heraus durchquerte er das Zimmer. Ehe Severus wusste wie ihm geschah wurde er von Harry in eine Umarmung gezogen. Das erste Mal seit Jahren ließ er es nun zu seinen Tränen doch freien Lauf zu lassen.

Wie es kam das Harry in nur so kurzer Zeit solche Zuneigung für seinen Lehrer verspürte, jetzt da sie im selben Alter waren, konnte er sich nicht erklären. Aber da er sein Weltbild was seinen Vater anging schon überdacht hatte, war ihm das Wissen das Severus Snape seine Mutter geliebt hat sehr willkommen. Für eine Sekunde durchzuckte ihn ein Gedanke. Ein Bild von einer anderen Familie. Eine die wenn nicht unbedingt zwei Eltern hatte aber dafür einen.
Doch so schnell wie der Gedanke kam ging er auch wieder. Ein gellender Schrei durchdrang den Moment von Freundschaft und Vertrauen.

Pochender, spitzer Schmerz durchfuhr Severus. Er begann im Kopf und breitete sich über seinen ganzen Körper aus. Beinahe haltlos krümmte er sich zusammen und versuchte wieder Herr seiner Sinne zu werden. Sein Geist wurde von Gedanken, Erinnerungen und Gefühlen aller Art überflutet. Sein Körper spannte sich unter dem Schmerz an. Dann setzte die Veränderung ein. In schellen pulsierenden Schüben wuchs sein Körper, sein Haar, die Schultern wurden breiter und Arme und Beine sehniger.

Harry hielt ihn weiter fest, solange bis die Verwandlung beendet war.

Ein paar Minuten blieben Sie in sich zusammen gesunken auf dem Fußboden sitzen. Wobei Harry Severus immer noch im Arm hielt. Der andere hingegen versuchte Gedanken und Erinnerungen in eine richtige Reihenfolge zu bringen. Als er erkannte Wie, Wo und mit Wem er sich befand wollte er schon aufspringen und Harry beiseite stoßen. Jedoch eine viel wichtigere Erkenntnis dämmerte ihm. Wenn er das täte würde er denselben Fehler ein zweites Mal begehen. Das durfte auf keinen Fall sein. Er würde nicht noch mal einen Freund aus niederen Gründen verlieren.