Geburtstagsgeschenk
Am Ende dieses Abends war Harry unglaublich müde und sehnte sich danach Schlafen zu gehen.
Alles in allem fand er allerdings dass diesen Tag ganz gut gelungen war. Den Dementoren zu trotz war für ihn am aufregendsten gewesen zu sehen wie die Weasleys auf Severus und Draco reagierten. Er war auch besonders erstaunt über Draco gewesen, dass er es tatsächlich geschafft hatte sich seinen Gastgeben gegenüber angemessen zu verhalten. Bis auf Ron hatte er keinen in irgendeiner Weise beleidigt. Doch sowohl er als auch Severus hatten Draco in die Schranken gewiesen, wenn er es übertrieben hatte. Auch wenn er hinterher noch etwas in seinen imaginären Bart gebrummelt hatte. So konnten sogar Mr. und Mrs Weasley erkennen dass er doch ein Sohn aus „gutem Hause" war. Manchmal empörte sich Ron regelrecht weil Sie von Draco´s höflicher Art recht angetan waren. Doch auch diese Unruhe konnte schnell beigelegt werden.
Harry rollte sich also auf seinem Bett, in dem Zimmer das er wie immer mit Ron teilte, zusammen. Sein Schlaf kam schnell und war anfänglich Traumlos. Doch schon bald suchten ihn Alpträume heim. Träume von dichtem Nebel, Dementoren, einem grünen Lichtblitz, die Stimme seiner Mutter in ihrem letzten Momenten. Dann wieder Nebel, ein Friedhof, Cederic´s Tod und Voldemort. Viele solcher Erinnerungen durchzuckten seinen Geist und ließen ihn seinen Körper unruhig im Bett herumwerfen. In seinen Träumen hatte er immer wieder das Gefühl dass er von weißer, blendender Kälte umgeben sei. Beinahe frei schwebend, fern von festem Untergrund.
Weiterhin war sein Körper in Bewegung zusammen mit seinem Geist. Jedes Aufwühlen seiner schlechten Träume zeigte sich auf seinem Gesicht und in seiner Haltung. Manche seiner Liegepositionen sahen sehr ungesund aus. Wenn er nicht so dünn gewesen wäre hätten sich seine Muskeln und Knochen spätestens nach dem Aufwachen ernsthaft beschwert.
Dann, aber, als er sich wieder in diesem unangenehmen Weiß befand näherte sich ihm eine dunkle Gestalt. Instinktiv wusste er dass er sich vor dieser Dunkelheit nicht fürchten musste. Im Gegenteil, dieses Dunkel war warm und geerdet. Er konnte sogar einen schwachen Duft von Kräutern, Rauch und etwas eher undefinierbar Blumigem ausmachen. Nach kurzer Zeit könnte er sich gänzlich in das wohltuende Schwarz fallen lassen und seine Alpträume waren für den Rest der Nacht gebannt.
Keiner der zwei hatte etwas bemerkt, weder Harry, dessen Schlaf sich nun komplett von dem von vor einer halben Stunde unterschied, noch Ron, der sowieso schlief wie ein Stein, wenn man über das infernale Schnarchen hinweg sieht. Die Tür zu dem Raum schloss sich genauso geräuschlos wie sie geöffnet wurde. Nur wenn man genau darauf achtete wären die Schritte auf den Dielen zu hören gewesen.
Am nächsten Morgen erwachte Harry gut ausgeschlafen. Als er sich aufsetzte und seine Brille wieder auf die Nase gesetzt hatte bemerkt er dass Ron bereits aufgestanden war. Er sah auf die Uhr neben Ron´s Bett: 7:12. Irgendetwas sehr seltsames musste vor sich gehen, sonst würde Ron nicht einmal zu so einer so frühen Stunde aufwachen geschweige denn aufstehen, selbst wenn eine Herde Hippogreife durch sein Zimmer trampeln würde.
Harry stand auf. Gerade als er auf den Flur hinaus trat lief er in jemanden hinein.
"Pass doch auf wo Du hingehst! Ach, Du bist es. Was machst Du denn so früh schon? Wach geworden?"
„Oh, Draco, das gleiche wollte ich Dich eben auch fragen. Du weist doch ich bin Frühaufsteher."
„Ja, Stimmt ja, man du bist echt wie Severus. Ich verstehe nicht wie der nur immer so früh wach sein kann. Selbst wenn er frei hat. Und ich bin nur so früh auf um ungestört das Bad zu benutzen. Mache ich in Hogwarts auch so - ist auch nötig bei den ganzen Leuten."
„Gut", sagte Harry „Ich geh dann mal runter, vielleicht ist ja sonst noch jemand wach. Wir sehen uns dann."
Als er in der Küche ankam wurde er von einer Kakophonie aus Geburtstagsgrüßen -und- wünschen übermannt. Mr. und Mrs. Weasley, Fred, George, Bill, Ron und Hermine standen alle um den Esstisch herum und begrüßten Harry freudig. Der Frühstückstisch war bereits gedeckt und alle warteten nur noch darauf dass sie mit dem Geburtstagsfeierfrühstück beginnen konnten. Die Stimmung war ausgelassen und fröhlich. Fast alle wollten dass Harry erst einmal seine Geschenke öffnete, aber er war sehr hungrig und wollte sie sich lieber mit vollem Magen vornehmen. Auch wenn es ihm ein bisschen Leid tat dass er nicht auch noch auf Severus und -notwendiger Weise- auf Draco warten konnte bis das Frühstück begann. Aber ihm war klar das er eh von mindestens vier bis fünf Leuten überstimmt werden würde.
Doch lange musste er nicht warten. Severus kam mit noch feuchten und ein wenig verwuschelten Haaren die Treppe hinunter und setzte sich mit an den Tisch. Nur kurze Zeit später kam auch Draco.
Harry hätte sich den Morgen seines 16. Geburtstages kaum besser vorstellen können. Mit den Weasley war ihm wirklich ein Glück beschienen, welches er fast nicht zu hoffen gewagt hätte. Munteres Geplapper und Gerede, vor allem über belanglose Dinge, machten dieses Frühstück zusammen mit den Köstlichkeiten, die Mrs. Weasley wieder gezaubert hatte, zu Harrys erstem Geschenk. Mehr hätte er sich beinahe nicht wünschen wollen, außer das dieses Bild erhalten bleibt ohne den Hintergrund eines Krieges, der schon auf der Schwelle stand.
Obwohl Draco sich unerwartet ruhig verhielt konnte Harry doch erkennen dass etwas den blonden Jungen zu beschäftigen schien. Auch Severus war in Gedanken, doch schienen diese nicht ganz so düster zu sein wie die von Draco. Nur in manchem Moment etwas verloren. Selbst wenn diese Momente nur wenige Sekunden dauerten konnte Harry ein wenig erahnen was sich dahinter verbarg.
Der Vormittag verlief sehr ereignisreich. Voller Begeisterung packte Harry nach dem Frühstück seine Geschenke aus. Danach wurde er geradezu gedrängt sich endlich anzuziehen damit sie gemeinsam Quiddicht spielen konnten.
Bis zum Mittag hatte besonders Mrs. Weasley viel damit zu tun nicht nur alles weitere für Mittag-, Nachmittag- und Abendessen vorzubereiten, sondern auch eine Horde Teenager im Zaum zu halten. Zu ihrer Freude und Überraschung half ihr Severus dabei, speziell wenn es um Harry und Draco ging. Im Stillen dachte sie sogar dass dieser verjüngte Severus einen guten Einfluss auf Harry hatte. Es tat ihm gut dass sie endlich miteinander auskamen. Wahrscheinlich, dachte sie, ist es für beide gut.
Dem Vormittag schloss sich ein nicht wenig reger Mittag und früher Nachmittag an. Ein Bedürfnis nach einer kurzen Pause erfasste viele. Bevor die Feier am Abend ihren Höhepunkt erreichen sollte, wobei Fred und George etwas dafür geplant hatten, wurde so ziemlich einstimmig beschlossen Siesta zu halten.
Da sich Ron für ein Nickerchen zurückzog, nachdem er sich beim Mittagessen wieder übernommen hatte, beschloss Harry allein einen Spaziergang zu machen. Doch weit kam er nicht. Er setzte sich auf dem nahen Hügel unter einen Baum und lies seine Gedanken schweifen. Recht schnell kamen ihm die Dementoren wieder in den Sinn. Das er sie nicht zurück schlagen konnte, dass er seinen Freund und seinen Klassenkameraden nicht schützen konnte. Wenn er doch nur stärker wäre. Wie sollte er Voldemort besiegen, wenn er nicht einmal das konnte. Und auch wenn sie kaum darüber gesprochen hatten wüsste er gern wer sie zu diesem fremden Kamin umgeleitet hatte.
„Denk nicht weiter darüber nach. Im Moment bringt das nicht viel."
Die Stimme erklang ganz dicht hinter ihm.
„Severus? Woher willst du wissen woran ich denke?"
„Ich bin ein geborener Legimentiker, schon vergessen? Aber mal davon abgesehen brauche ich nicht deine Gedanken zu lesen um zu erkennen was in dir vorgeht:"
„Bin ich wirklich so leicht zu durchschauen?" fragte Harry.
„Nun eigentlich nicht. Für die anderen bist du fast nicht lesbar. Doch irgendwie fällt es mir leicht. Aber wie dem auch sei. Du musst dir nicht darüber den Kopf zerbrechen wie wir zu diesem Kamin gelangt sind. Das finden wir noch früh genug heraus."
„Aber es geht mir nicht allein um den Kamin. Ich komme mir so schwach vor. Ich konnte euch nicht beschützen. Ich bin zusammengebrochen, kurz bevor uns der Portschlüssel weggebracht hat. Wie soll ich mein Schicksal annehmen und allem was noch kommen mag entgegentreten, wenn mir nicht einmal das gelingt? Ich will nicht dass noch jemand wegen mir in Gefahr gerät oder sich sogar für mich opfert. Es muss doch einen anderen Weg geben!"
Für ein paar Sekunden schwiegen beide, aber Harrys Anspannung war unübersehbar.
Severus merkte dass Harry dabei war sich stärker darüber aufzuregen als jetzt gut für ihn war. Heute sollte er sich nicht um so etwas Gedanken machen. Aber er verstand seine Situation. Mit einem Mal kam ihm eine Idee. Er legte seinen Arm um Harrys Schulter. Durch diese Geste schaffte er es den Jungen wieder zu beruhigen.
Harry atmete einmal tief ein um wieder ruhiger zu werden. Da war wieder dieser Geruch, der ihm so bekannt vor kam; dieses leicht Blumige, die Kräuter und der Rauch.
"Harry ich habe zwar kein Geschenk für Dich gehabt, aber ich habe vielleicht etwas was dir helfen könnte. Hör es Dir erstmal an und entscheide dann. Solltest du es akzeptieren, dann sieh es als mein Geburtstagsgeschenk an Dich an."
Harry schob bei Severus´ Worten die letzten Gedanken bei Seite und war gespannt was da kommen würde.
„Also, es geht um einen Zauber der einem erlaubt seine magischen Kräfte mit denen einer anderen Person zu teilen oder die eigenen zu verstärken. Also würde alles auf Gegenseitigkeit beruhen. Natürlich ist dieser Zauber nicht einfach. Man braucht auch einen Zaubertrank dazu und man muss sein Blut mit dem der gewählten Person mischen. Diese Verbindung hält außerdem ein Leben lang. Man sollte demnach nicht nur gut wählen, sondern auch jedes Für und Wieder genau abwägen."
„Meinst Du Ron wäre dafür ein guter Partner? Schließlich ist er mein bester Freund…Die Frage ist ob Ron dass überhaupt mit machen würde…. Aber irgendwie denke ich nicht dass es mit ihm 100% passen wird. Oder liege ich da falsch?"
„Nun, es muss nicht unbedingt ich sein," sagte Severus und zog seinen Arm wieder zurück.
„Hauptsache, es ist eine Person der Du vertraust und mit der Du dich verbunden fühlst. Und denk daran dass es auf beiden Seiten so sein sollte."
„Du.. Du willst doch nicht etwa… ähm… anbieten Deine Magie mit meiner zu verbinden oder?"
„So wie du von Weasley gesprochen hast klang dass schon fast Slytherin von Dir."
Beide drehten sich verwundert um, hinter ihnen stand Draco.
" Dass was ihr zwei da zu planen versucht klingt gut, aber ihr könnt vergessen dass ihr diesen Stunt allein macht. Ich bin mit dabei. Schließlich bin ich, jetzt da ich drauf und dran bin nicht nur dem Dunklen Lord den Rücken zu kehren sondern auch meiner Familie, genauso mit einem Bein im Grab wie ihr. Wenn Wir, ja ich meine Wir, diese Sache lebend überstehen wollen, müssen wir das zu dritt machen!"
