Severus wusste nicht mehr was er dazu sagen sollte, doch gleich darauf wurde Harry von Hermine ins Haus zurück gerufen.

Dieser Abend verlief wesentlich entspannter als die vorangegangenen. Auch bei diesem Abendessen wurde wieder geschwatzt und gelacht. Am meisten wurde über den Laden von Fred und George spekuliert, diskutiert und geschwärmt.

Auch wenn es für ihn noch seltsam und ungewohnt war, aber selbst Draco beteiligte sich rege. Severus blieb, wie es seine Art war, bei all dem etwas stiller. Er sagte nicht viel, nahm aber die Atmosphäre des Raumes und dieses familiäre Dasein mit allen Sinnen in sich auf. Manchmal verfiel er in eine Art leichten Trancezustand, besonders wenn er Harry in diesem Bild beobachtete. Seine Stimmung war dann gleich etwas melancholischer und es keimte wieder ein Gedanke in ihm auf, bei dem ein Wunsch Pate stand. Doch immer wieder schüttelte er den Gedanken für einige Zeit ab, schob ihn als Fantasiegespinst beiseite, und er sagte sich soweit er sich erinnern konnte kann so etwas nie möglich sein. Ja, soweit er sich erinnerte…

Auch Harrys Gedanken schweiften an diesem Abend gelegentlich in eine völlig andere Richtung. Wenn er wieder zu Severus sah, und ihn dabei beobachtete wie er meist aus den Augenwinkeln zu ihm sah, stellte sich auch bei ihm ein Gedanke ein, den er nur erfühlen aber noch nicht formulieren konnte. Er hatte Severus in den vergangenen Wochen so gut kennen gelernt wie in den vergangenen fünf Jahren nicht.

Zuerst einen Severus der genauso Alt war wie er selbst. Da wurde eine Basis geschaffen und sie wurden Freunde - hätte er das jemals für möglich gehalten? Er stellte auch fest dass sie mehr gemeinsam hatten als er ahnen konnte.

Dann der etwas ältere Severus. Er verhielt sich immer noch wie ein Freund, aber trotzdem anders. Beschützender, aufmerksamer, er vermittelte Harry das Gefühl dass es nichts geben würde was das neu entstandene Band zwischen ihnen trennen könnte. Und auf gewisse Art und Weise wie jemand der es als natürliche Gegebenheit ansah dies zu tun.

Bei seinen Gedanken über diesen Severus fiel ihm auch wieder der seltsame Traum ein den er vor zwei Nächten hatte. Eine warme Dunkelheit, die ihn vor kaltem Weiß in Sicherheit brachte. Doch auch dieses Mal war es Harry nicht vergönnt seine Gedanken zu Ende zu denken. Mrs. Weasley löste die Runde der schwatzenden Teenager auf und scheuchte alle ins Bett.

Harry diskutierte mit Ron in seinem Zimmer über den Besuch in der Winkelgasse und über die Ereignisse zu Beginn des Sommers. Doch jedes Mal wenn Ron auf Severus zu sprechen kam wollte Harry nur so schnell wie möglich das Thema wechseln. Er wollte nicht mit Ron darüber reden. Gerade die Sache mit Severus war ihm derartig wichtig geworden dass er beschlossen hatte dies vorläufig nur mit sich selbst auszumachen.

Die Nacht verging anfänglich traumlos für ihn. Es gab, zu Harrys großer Erleichterung, nichts was ihn in seinem Schlaf aus dem Gleichgewicht brachte. Doch leider blieb es nicht dabei. Das kalte, bizarre Weiß, welches ihn schon zwei Nächte zuvor heimgesucht hatte, kehrte zurück. Das leicht schmerzende Prickeln und die unwirkliche Umgebung, in der sich Harry gefangen fühlte, kam und ging um mit jedem Mal länger zu bleiben.

Severus war nicht nach Diskussionen zumute. Er musste nachdenken: über den Freitagnachmittag und besonders über die Freitagnacht.

War es dieses Gefühl gewesen, das ihn geweckt hatte und von dem seine Mutter manchmal gesprochen hatte. Diese Momente an denen sie in genau dem richtigen Augenblick einfach - wie aus heiterem Himmel - erschien, ihm etwas gutes tat (sei es auch das sie einfach nur da war) und kurz darauf wieder gegangen war. Etwas was wohl nur Mütter können…

Er fühlte sich wegen dem Grübeln doch langsam schläfrig.

Draco, der noch keinerlei Müdigkeit zeigte, bat aber darum wenigstens noch eine Partie Schach zu spielen. Am Ende wurden es drei. Aber Draco konnte sich immerhin nach der dritten Runde als stahlender Sieger in seinem Bett zusammenrollen. Auch wenn er es gewiss nicht zugeben würde, er hatte die bisherige kurze Zeit bei den Weasleys doch genossen und war gespannt wie es weiter gehen würde.

Kurz bevor er ein schlief kam ihm in den noch mal in den Sinn dass, auch wenn er durch seinen nun gewählten Weg seine Familie verlieren würde, er dennoch nicht allein wäre.

Er hätte immer noch Severus und, ja, auch Harry wäre gewiss mehr als nur ein Kampfgefährte oder Freund. Auch ohne den Verbindungszauber wären sie eine Familie.

Doch auch diese schlaftrunkene Wahrheit wollte er lieber für sich behalten.

Eher vernichtet er Voldemort eigenhändig als dass ihm dies über die Lippen käme…Nur das Lächeln auf selbigen lies etwas davon erahnen als er in einen tiefen Schlaf weg driftete.

Severus schlief zuerst ganz friedlich, dann weckte ihn ein sonderbares Gefühl. Zwar schwer zu erfassen aber dennoch bekannt. Dieses Gefühl hatte er Freitagnacht schon einmal gehabt. Er wusste was zu tun war, noch bevor er den Schlaf vollständig abgeschüttelt hatte.

Harry wurde in seinem Alptraum hin- und- her gerissen wie in einem Schneesturm, wie bei einen Wind, der von allen Seiten kam und messerscharfe Eiskristallen zerfetzten ihm jedes Stück Stoff und rissen jedes Stückchen freie Haut auf.

Er wälzte sich in seinem Bett umher, schlug um sich und zerwühlte sein gesamtes Bettzeug. Bis sich schließlich wieder die warme, wohlwollende Dunkelheit über ihn legte. Der zwar neue aber trotzdem so vertraute Duft von Kräutern und Rauch wogte zu ihm und stille Zufriedenheit erfüllte ihn. Wieder konnte er den Rest der Nacht selig schlafen.

Als Harry am nächsten Morgen erwachte bemerkte er noch etwas verschlafen dass die Tür nur angelehnt war; hatte er sie nicht selbst geschlossen? Er konnte sich keinen Reim darauf machen und tat es als Nebensächlich ab.

Das allgemeine Aufstehen und das Frühstück waren eingefasst in gespannter Vorfreude und Fröhlichkeit. Als alle bereit waren ging es via Floh- Netzwerk zum ´Tropfenden Kessel´.

Die Besorgnis wegen Freitag war nur kurz und die Reise ging schnell und problemlos.

Alle Weasleys, Hermine, Draco sowie Harry und Severus kamen gut an.

Mr. Weasley bestand darauf dass aus Sicherheitsgründen der Einkauf der Schulsachen von allen gemeinsam unternommen werden sollte. Bei Flourish& Blotts war an diesem Montagmorgen noch nicht so viel los. Doch bei 5 Teenagern benötigte der Kauf sämtlicher Bücher doch etwas mehr als eine Stunde. Sogar Severus fand etwas was seine Aufmerksamkeit weckte.

Harry beobachtete ihn dabei wie er verschiedene Bücher aus den Regalen nahm. Einige legt er gleich wider zurück, in manchen Blätterte er kurz, bei vielen begnügte er sich damit nur den Auszug auf der Rückseite zu lesen. Harry wunderte es nicht das Severus auch mit zwei Büchern aus dem Geschäft ging.

´Ja´, dachte Harry bei sich, ´Severus ist ein wahrer Sammler, er sammelt Wissen´.

Der Besuch bei Maddam Malkin ging wesentlich schneller. Bei fast allen wurden nur die Maße genommen und notiert. Die fertigen Roben würden direkt nach Hogwarts gesendet werden.

Nachdem also das Wichtigste eingekauft war stand allen frei die nächste Zeit nach belieben zu nutzen. Aber Mr. Weasley bestand darauf das keiner allein in der Winkelgasse umher gehen sollte. Sie sollten immer mindestens zu zweit unterwegs sein und sich zur verabredeten Zeit wieder am ´Tropfenden Kessel´ einfinden.

Kaum hatte er dies gesagt stoben die Teenager auseinander und verloren sich in den Geschäften. Das erste Ziel von allen war natürlich der Laden der Weasley Zwillinge.

Auch wenn es Severus erst zuwider war das Geschäft zu betreten, konnte er sich doch nicht der Faszination einiger sehr ausgeklügelter Objekte entziehen. Auch wenn der Anblick seiner Person zuerst auf viele Befremdlich wirkte, so wandelte sich die Stimmung im Laden nicht als er ihn betrat. Seine jüngere Erscheinung und speziell seine Kleidung, sowie die zusammengebundenen Haare, ließen kaum erkennen dass er tatsächlich Hogwarts gefürchteter Tränkemeister sein sollte.

Harry und Draco zogen auch einige Blicke auf sich. Nicht nur dass jeder für sich schon Grund genug war, sondern auch weil sie, nicht wie noch vor den Sommerferien, anscheinend freundlich, ja sogar vertraut, miteinander umgingen.

So langsam füllte sich der Laden. Hauptsächlich Kinder unterschiedlichen Alters betraten ihn und begeisterten sich für die vielen Produkte, die Fred und George erfunden hatten. Sehr zum Leidwesen ihrer Eltern natürlich.

Sie waren noch gar nicht lange drinnen. Severus, Draco und Harry standen in einer Ecke vor einem der Schaufenster. Sie unterhielten sich über einige Objekte die sie gefunden hatten und kaufen wollten. Wie Harry so neben Severus stand wehte ihm ein unverwechselbarer Duft in die Nase. „Sag mal, richst Du so blumig?" fragte er an Severus gewand. „Blumig?...Ja, das ist das Shampoo mit dem ich mir zur Zeit die Haare wasche." Harry schoss bei dieser Antwort sofort ein Gedanke durch den Kopf. Der seltsame Traum den er schon zweimal hatte; die warme Dunkelheit in der er geborgen wurde; Kräuter, Rauch und eine Blumige Nuance; die offene Tür von Ron´s Zimmer….

Da hörten sie plötzlich einen gewaltigen Schlag, ein Donnern und Krachen. Sie blickten aus dem Fenster die Strasse hinunter und sahen dass dicke Rauch aus ´Qualität für Quidditch´ aufstieg. Flammen züngelten aus den geborstenen Fenstern.

Wieder krachte es; jetzt hörten sie auch Menschen schreien und sahen wie die ersten aus der Richtung des Lärmes davon liefen. Nun sahen sie einen der Gründe für den Aufruhr. Todesser hatten die Winkelgasse angegriffen.

Kaum hatten sie den ersten schwarz Maskierten gesehen stürmten Harry, Severus und Draco aus dem ´W.W.W.´ auf die Straße. Sie hielten sich so gut es ging versteckt, indem sie sich in eine kleine Seitengasse flüchteten.

Jetzt erschienen auch schon die ersten Auroren und versuchten im Kampf gegen die Todesser die Lage wieder unter Kontrolle zu bringen.

Abermals wurde ein Geschäft angegriffen. Dieses Mal traf ein Fluch eine Hauswand so stark das Teile der Steinmauer umher geschleudert wurden. Eines der Häuser stand in Flammen. Überall liefen Menschen umher und versuchten sich in Sicherheit zu bringen. Alle Leute egal welchen Alters liefen soweit wie möglich von dem Kampfgeschehen davon.

Der Weg zum Tropfenden Kessel war versperrt. Die Todesser hatten eine magische Barrikade errichtet so das niemand ohne Dunkles Mal hindurch konnte. Am anderen Ende hingegen kamen nun auch noch Todesser aus der Nocturngasse und begannen von hier aus die Geschäfte zu belagern und anzugreifen. Ein besonderes Ziel waren die oberen Räume der Gringotts- Bank.

In vielen der Häuser bildeten sich derweil Schlangen vor den Kaminen durch all die Menschen, die sich mit Hilfe des Floh- Netzwerks in Sicherheit bringen wollten. Ein unbeschreiblicher Lärm wallte auf. Schreiende Kinder, Eltern, die ihre Familien zusammen halten wollten, riefen durcheinander. Alle anderen, die sich bei jedem Krachen oder sonstigen lauten Geräuschen derart erschreckten hatten, stießen einen Schrei der Angst und des Entsetzens aus.