-XIX-
Nach der Fahrt zu Professor Agasas Haus hatte Vergil nichts anderes zu tun, als sich anzuhören, was Dantes Grund gewesen war nach Tokio zu kommen und was sie schon wussten.
Er hob eine Augenbraue, als er erfuhr, dass der Mann, der den Höllendämon befehligte, es gewesen war, der Dante angeheuert hatte.
Er wandte sich mit den Augen an Jodie. „Wenn ich das richtig verstanden habe, dann arbeitet dieser Höllendämon für den Mann, der meinem Bruder den Auftrag gab ihn wieder zu versiegeln."
„Nicht nur das, aber wie vermuten, dass das auch der Hauptgrund ist, wie die Organisation so gefährlich werden konnte. Ich kenne keine andere Mafia, die so gewalttätig und gnadenlos ist, wie diese.", erklärte Jodie. Vergil verstummte und zog die Brauen zusammen.
„Was planst du?", fragte Dante mit einem schelmischen Unterton nach einer Weile, „Wenn du dieses Gesicht machst, dann planst du in der Regel etwas. Etwas Ähnliches wie mit dem Temen-Ni-Gru."
„Ich habe überlegt, warum dieser Mann die Macht über einen Höllendämon hat."
„Hast Recht. Diese Kerle lassen sich in der Regel nicht von Menschen beeinflussen."
Vergil lehnte sich zurück. „Was auch immer der Grund ist, es könnte uns von Vorteil sein."
„Wir könnten ihn in eine Falle locken, oder?", fragte Conan.
Vergil schien überrascht. Dieses Kind hatte einige gute Kenntnisse.
„Jetzt bin ich neugierig. Wie willst du das hinbekommen?"
Conan neigte den Kopf. „Wir haben die Telefonnummer von Gins Chef. Könnten wir es nicht so einrichten, dass er Gin in die Falle schickt?"
„Um den Mistkerl leichter zu bekommen?", erkannte Dante, „Verdammt. Das ist ein guter Plan."
Vergil legte den Kopf schief. „Das Depot wäre ein guter Platz, das zu machen. Viele Menschen starben dort und auch wenn ihre Seelen vom Kern des Helldemons abgesaugt wurden, bleiben Fetzten ihrer Energie zurück."
„Nichts ist besser als mehrere Dutzend wütende Präsenzen.", grinste Dante, „Und ein guter, altmodischer Zauber."
„Diesen Teil könnte ich übernehmen.", grinste Vergil.
„Du kannst zaubern?"
„Ich bin lange genug in der Hölle gewesen, um ein oder zwei Dinge zu lernen. Zeichne einen Kreis, lege einige Zaubersprüche hinein und schreibe den Namen des Helldemons in die Mitte. Das sollte lange genug halten, um ihm seine Kralle in die Brust zu rammen."
„Warum?", wollte Conan wissen.
„Weil der eigene Körper des Höllendämons die effektivste Waffe ist, um ihn zu versiegeln.", seufzte Dante, „Normaler weise würde ihre menschliche Gestalt getroffen werden und aufhören zu existieren, wenn man ihre Brust mit einer normalen Waffe durchbohrt, aber die eigenen Körperteile können den Höllendämon direkt angreifen."
Jodie seufzte. „Ich lass euch tun, was ihr wollt. Bitte ruft mich an, wenn die Falle fertig ist."
Dante und Vergil grinsten und verließen dann das Haus, um alles vorzubereiten.
-oOo-
Chianti und Kir saßen auf dem Sofa und sahen sich die Nachrichten an.
„Die vierte Leiche wurde gefunden. Es war der Körper des Waffenhändlers Teimon.", sagte die zierliche Nachrichtensprecherin.
Kir seufzte. „Gott, Sie haben die in die Spätnachrichten gelassen? Die hat so viel Intelligenz wir fünf Meter von Land Lane."
„Eifersüchtig?", grinste Chianti.
„Auf die? Niemals."
Vodka betrat das kleine Wohnzimmer.
„Was redet ihr da?", wollte er wissen.
„Nicht viel.", antwortete Chianti, „Kir hat nur gerade gesagt, dass sie eifersüchtig auf diese Nachrichtensprecherin ist."
„Verdammt! Nein, bin ich nicht!"
„Bist du!"
„Nein!"
„Doch!"
„NEIN!"
„Und ich dachte, ihr wärt alle erwachsen. Verhalten tut ihr euch aber wie Kindergartenkinder."
Die drei drehten sich um. Vermouth stand in der Tür und grinste.
„Oh, du bist wieder da.", meinte Vodka mit einem Lächeln, „Ist Aniki auch zurück?"
„Natürlich bin ich.", knurrte Gin. Wie ein Schatten erschien er direkt hinter Vermouth.
Allerdings schien er in einer sehr schlechten Stimmung zu sein. Etwas, was sie bei Gin selten sahen.
„Aniki? Bist du in Ordnung?"
„Nicht wirklich.", schnappte Gin, „Nach der nächsten Mission werde ich ein paar Tage frei nehmen."
Er ging.
Die anderen schwiegen. Ihr Boss hatte gerade zugegeben, dass er eine Pause benötigte! Nur wenige Augenblicke später sprang Chianti auf und schrie Vermouth an.
„Verdammte Frau! Was hast du mit ihm angestellt?"
„Das solltest du eher Teimon fragen.", seufzte Vermouth gelangweilt, „Wenn in dich eine Tonne Blei gepumpt werden würde, wärst du auch mies gelaunt." Sie sah sich um. „Wie auch immer. Gibt es hier etwas zu essen? Ich bin irgendwie gerade hungrig."
Kir zuckte mit den Schultern und zeigte auf den Kühlschrank.
„Wenn Vodka es nicht gegessen hat, dann müsste noch etwas Pizza von gestern da sein."
„Und vom Tag davor und von Tag vor jenem…", murmelte Chianti leise. „Normale Menschen sollten es nicht essen…Aber was rede ich da?", lachte sie ein wenig lauter, „Geh und nimm es, wenn du wirklich hungrig bist."
Kir starrte sie an. „Chianti, es ist ein merkwürdiges Grünzeug darauf. Ich bin mir nicht sicher, ob sie es essen sollte. Sie könnte krank werden."
„Das ist, was ich will!"
„Du kannst sie einfach nicht ausstehen, oder?"
„Sie hat Calvados getötet. Natürlich kann ich sie nicht ausstehen!", schnaubte Chianti. Vermouth ignorierte sie und schaute in den Kühlschrank.
Hm. Die Pizza sah sogar noch schlimmer aus, als sie sich vorgestellt hatte. Der grüne Schimmel auf der Oberfläche schien sich fast zu bewegen. Mit einem Seufzen warf sie die Pizza in den Mülleimer.
-o-
Gin erreicht ‚sein' Zimmer im Versteck. Nun, theoretisch gesehen, war es nur ein Schlafzimmer von dreien, die nützlich waren, wenn man von einem Auftrag kam und nicht nach Hause konnte ohne Verdacht zu erwecken, eine Mission früh im Morgengrauen begann und man vorher schlafen wollte oder wenn die Ausführenden zu müde waren, um abends nach Hause zu fahren. Jedenfalls machte Gin gerade eines der Schlafzimmer zu dem seinigen, was bedeutete, dass jeder, der diesen Raum unerlaubt betrat, von ihm zu Tode gestarrt werden würde.
Das großgewachsene Mafiamitglied ließ sich dort auf die Couch fallen. Er war so müde. Dieser verdammte, schwache Körper. Auf der anderen Seite wusste er, dass, wenn er diesen Körper verließ, es 13 Tage dauern würde sich eine neue Hülle zu erschaffen. Einen Zeitraum, den er im Moment nicht hatte.
„Dieser Rumpf hätte ein bisschen länger halten sollen.", murmelte er. Ich kann hier nicht in meiner richtigen Gestalt herum laufen, hier sind einfach zu viele Leute, dachte er. Nicht zu vergessen, dass er es liebte Mr. Badass zu sein. Er liebte es, wie die Menschen ihn erschrocken und verängstigt ansahen, wenn er erschien. Er war nicht sicher, wie sie reagieren würden, wenn sie erfuhren, dass er einer der dreizehn Höllendämonen war.
Würden sie weg rennen? Selbstmord begehen? Oder ihm immer noch folgen?
„Blöde Menschen.", murmelte er, „Das einzige, wofür sie taugen, ist meine Nahrung zu sein."
Er dachte einen Moment daran, als was Menschen noch dienen konnten, aber es gab nicht viel. Die Menschen waren zerbrechlich und wehrlos ohne ihre Waffen. Nicht zu vergessen, wie schwach ihr Blut war. Halbdämonen, wie dieser Hunter Dante entwickeln einiges an überraschenden Kräften, aber nur manchmal. Die meiste Zeit wurden sie von normalen Dämonen und Menschen ignoriert und versuchen verzweifelt einen Platz zum Leben zu finden.
Im Vergleich zu ihm waren Halbdämonen nichts.
Gin, oder noch besser, der Höllendämon Ennes'Sharra lebte bereits seit 4700 Jahren. Beim Erreichen von fünftausend wurden Höllendämonen unschlagbar. Aber auch mit diesem Alter war er zu mächtig für normale Dämonen.
Eine kleine Erkenntnis kam dazu. Er war nicht in Ordnung. Die Halbdämonen und irdische Dämonen hatten keine Chance in einem Kampf mit einem Höllendämon. Wenn der Kampf in der Hölle stattfand.
Gin starrte an die Decke. Wie hatte er das vergessen können? Halbdämonen sind mächtig, aber nur in der Hölle! Auf der Erde haben sie nur ein Millionstel ihrer ursprünglichen Kraft.
Nicht zu vergessen, dass er in der Vergangenheit versiegelt wurde. Und die Wiedergewinnung der alten Kraft dauerte immer mindestens ein Jahrhundert.
Das war's. Jetzt war er richtig sauer. Draußen explodierte ein Auto im Feuer seiner Wut.
Wie hatte er das vergessen können?
Verdammter Enkidu! Verdammter Sohn von Enkidu!
Die Narbe auf seiner Brust begann zu schmerzen, als er sich an die Tage erinnerte, als die beiden Dämonen ihn versiegelten. Er hatte es geschafft Enkidu zu töten, aber nur zu dem Preis, dass er selbst versiegelt wurde.
Er seufzte noch einmal, setzte sich auf und starrte auf die Tür. Wie auch immer, trotzallem war er immer noch so gut wie unschlagbar. Er, als der Halbdämon des Feuers und der Erde, hatte die totale Kontrolle über die Erde, auf der alle standen. Er war der verheerendste aller Halbdämonen.
24. August 79 . Dieses Datum hob normalerweise seine Stimmung.
Es war der Tag, an dem er zwei ganze Städte ausgelöscht und tausende von Menschen getötet hatte. Pompeji und Herculaneum. Diese Namen waren die schönsten Namen, die er je gehört hatte. Und all die menschlichen Seelen waren so lecker gewesen.
Ein kleines Grinsen bildete sich auf seinen Lippen. „Ich glaube ich werde den Vesuv wieder ausbrechen lassen."
