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Vergil wischte etwas weißen Staub von seinen Händen, als er den Bannkreis betrachtete, den er gerade beendet hatte. Dante suchte derweil die Umgebung nach Spionen ab und entsorgte sie, wenn nötig.
„Und?", fragte der jüngere Zwilling, „Alles soweit in Ordnung?"
Vergil nickte. Der Kreis hatte etwa einen Durchmesser von 13 Fuß (ca. 3,96m) und bestand aus sieben konzentrischen Kreisen. Die Anzahl der Wände, die der Zauber aufbauen würde, wenn der Dämon in der Falle saß.
Mehrere Symbole bedeckten die Ringe, aber es war nur ein Symbol in der Mitte des Kreises.
Es sah so ziemlich aus wie ein ‚M', hatte aber ein paar wellenförmige Muster auf beiden Seiten.
Der Name Ennes'Sharra in dämonischen Symbolen.
Jodie und ihre Kollegen waren schon da. Dante rief sie und erzählte ihnen sich zu verstecken, bevor er sich daran machte, Anokata anzurufen.
Camel und James starrten auf den Kreis am Boden. Das Ding sollte den gefährlichsten Mörder aller Zeiten stoppen?
„Vertrauen sie mir, dass wird funktionieren.", grinste Vergil, „Aber es wird nicht nur seine Bewegungen verlangsamen, sondern ihn auch blenden und seine anderen Sinne schwächen."
„Wir bekommen den Scheißkerl.", grinste Dante, die Dämonenklaue begutachtend.
„Was auch immer.", murmelte James, „Bitte rufen sie Anokata an und lassen sie ihn Gin hierherschicken. Ich habe ein paar Fragen an ihn."
„Zuerst müssen wir ihn versiegeln, dann können sie die Fragen stellen.", sagte Dante.
„Wäre es nicht besser ihn zu fragen, bevor du ihn versiegelst?", wollte Jodie wissen.
„Und riskieren, dass er angreift?", knurrte Vergil, „Niemals. Wissen sie, Höllendämonen sterben nicht, unabhängig von den Verletzungen, die sie haben. Aber ihre Macht kann geteilt werden."
„Geteilt?"
„Höllendämonen bestehen aus drei Teilen: Körper, Geist und Seele, nur die Verbindung zwischen den drei, mach sie stark. Das Durchbohren ihres Herzes macht den Körper unbrauchbar, schickt die Seele zurück in die Hölle, während der Geist auf der Erde wandern muss, bis das Siegel gebrochen wird. Und wenn wir den Geist hier halten, dann können sie ihn alle Fragen, was sie wollen."
Dante schnappte sich ein Handy und wählte Anokatas Nummer.
„Wer da?"
„Devil May Cry, ihr Service."
„Ah, Mr. Dante. Gibt es etwas Neues?"
„Gibt es, in der Tat. Wenn sie ihren Dämon wirklich loswerden wollen, dann schicken sie ihn in das Depot.
„Bitte?"
„Sie haben mich gehört. Ich weiß, dass sie den Dämon befehligen. Sie wollen ihn loswerden, als informier ihn, dass er seinen Arsch hierher bewegen soll."
Anokata verstummte. Nach einer langen Pause stimmte er schließlich zu. „Ich werde sehen, was ich tun kann. Bitte bannen sie ihn so schnell wie möglich."
„Für das versprochene Geld würde ich auch mit ihm den Boden aufwischen."
Dante klappte das Handy zu.
Alles, was sie tun musste, war sich zu verstecken und zu warten.
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Vermouth war die einzige, die mutig genug war, sich in Gins Zimmer zu wagen. Sie fand ihn schlafend auf der Couch.
„Hm. So viele Möglichkeiten und so wenig Zeit.", grinste sie. Langsam schlich sie sich näher, aber bevor sie ihn erreichte, öffnete er die Augen und fixierte sie mit seinen Blicken.
„Was willst du, Vermouth?"
Vermouth seufzte. „Verdammt. Einfach nur einen kleinen Streich an dir spielen."
„Musst du immer die Wahrheit sagen?"
„Hey, du kannst meine Gedanken lesen, warum fragst du?"
„Ich bin nicht in der Stimmung. Sag mir: Warum störst du mich?"
Vermouth seufzte erneut, dieses Mal ein bisschen dramatischer und stemmte die Hände in die Hüften.
„Anokata hat angerufen. Er sagt, da ist ein Freak, der unsere Organisation kennt. Wir sollen ihn entsorgen."
Gin machte stöhnend seinem Unmut Luft. „Das ist alles? Nur die Entsorgung von irgendeinem Kerl?"
„Er klang, als ob es wichtig wäre."
Gin stand auf. „Also gut. Ich denke, es ist Zeit etwas Urlaub zu beantragen." Er ging zur Tür. „Bereite das Team vor. Besser wir bringen das schnell über die Bühne."
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Mit Gins Porsche, Chiantis Viper und Kirs Citroen kamen die Mitglieder zum Depot. Alle hatten ein komisches Gefühl. Warum sollte Anokata sie zurück zum Depot beordern?
„War es notwendig, dass alle von uns mitkommen?", wunderte sich Chianti „Ich habe nämlich ein mieses Gefühl in meiner Bauchgegend."
Gin kniff die Augen zusammen. Verrückt, dass er es noch nicht bemerkt hatte, aber irgendwie war dieses Gebiet merkwürdig. Fast, als betäube etwas seine Sinne.
Aber er bemerkte schnell die Männer, die sich im Schatten verstecken.
„Schnell! Verschwindet von hier!"
Die Information wirkte nicht so, wie sie sollte, aber Gin war niemand, der sein Team in die Gefahr führte. Er wirbelte herum und schrie: „Das ist eine Falle! Verschwindet!"
„Schweiße!", rief Chianti. Doch in diesem Moment blockierte das FBI mit großen Autos den Fluchtweg.
Zwei Dutzend SWAT-Mitglieder umringten die hochrangigen Mafiamitglieder.
„Hey, das funktioniert ja ziemlich gut."
Jodie erschien mit Agent Camel und Black direkt hinter ihr. Alle drei hatten ein siegessicheres Grinsen im Gesicht.
„Es scheint, dass ihr nicht so schlau seid, wie ihr immer sagt.", sagt Jodie, „Tut mir leid, aber ihr seid alle verhaftet."
Vermouth versuchte ihre alte Feindin mit ihren Blicken zu erdolchen.
Warum sollte Anokata sie auf eine Mission schicken, ohne, dass sie Zeit für die nötigen Vorbereitungen hatte?
Eine schlechte Vorahnung machte sich in ihr breit.
„Gin.", sie zupfte am Ärmel ihres Anführers. Allerdings war seine Reaktion ungewöhnlich langsam. War er so verblüfft, weil sie so leicht in eine Falle tappten?
„Gin?", versuchte sie es ein wenig lauter. Nun reagierte er. Langsam drehte er den Kopf in ihre Richtung. Vermouth sprang fast rückwärts. Viele kleine Tropen Blut liefen über Gins Wangen. Seine Augen bluteten.
„Alles in Ordnung?"
„Nichts ist in Ordnung.", knurrte Gin, „Ich kann nichts sehen und meine anderen Sinne sind auch geschwächt." Genauso wie Wasser. Zu dieser Erkenntnis kam er schnell.
Er, als Höllendämon von Feuer und Erde, war natürlich schwach gegenüber Wasser. Er trat einen Schritt rückwärts. Hier stimmte etwas nicht.
Sein Rücken traf auf eine Wand. Eine verletzende Wand.
Die anderen Mitglieder sprangen weg, als ihr Anführer gegen eine Mauer stieß, die aus der Luft zu kommen schien.
Nein, da war keine Wand. Es war stärker
Vermouth stand noch neben ihm, als ihr Blick zum Boden glitt. Dort war ein blaues Muster. Ein Kreis?
Etwas in ihrem Kopf machte 'Klick'. Gin war ein Dämon. Dämonen konnten mit Zaubern gefangen werden.
„Was zum Teufel ist das?", schnappte Chianti.
Vermouth sprang aus dem Kreis. Wie sie dachte. Der Zauber hatte keine Wirkung auf sie.
„Es ist ein Zauber.", sagte die Schauspielerin.
„Zauber?", fragte Vodka verwirrt, „Warum sollte Aniki von so etwas beeinflusst werden?
„Benutzt deinen Verstand du Blödmann." Die Mitglieder der Organisation schossen herum. Ein Mann stand dort. Ein Mann mit weißem Haar und einem tiefpurpur Mantel. Und einem riesigen Schwert.
„Wer bist du?"
„Dante. Besitzer des Devil May Cry.", grinste der Mann. „Ich bin hier, um einem Dämon in den Arsch zu treten." Er schwang das Schwert zum Boden. „Nun denn, hier komme ich!"
Dante griff an, aber Gin bemerkte ihn. Er berührte kurz die unsichtbare Mauer, so dass sie für einen Moment nicht transparent war.
Dante musste den Angriff abbrechen, weil die Chance zu groß war, dass er verfehlte. Gin sprang derweil auf die andere Seite des Kreises.
Dort aber, lauerte Vergil.
Der ältere Zwillingsbruder schoss nach vorne, in dem Moment, als Gin sein Ende des Kreises erreichte. Vergils gewählte Waffe war die Zehn Zoll (ca. 25cm) lange Kralle, die es Dante geschafft hatte, beim letzten Zusammentreffen, abzuschneiden.
Ein sauberer Stoß nach rechts in sein Herz und alles wäre vorbei.
Allerdings war die Blendung des Zaubers nicht stark genug. Im letzten Moment gelang es Gin auszuweichen, die Kralle traf nur seine Schulter, aber Vergils Position war ihm jetzt klar. Er packte den Sohn Spardas am Arm, war ihn einfach über sich rüber und drückte ihn auf den Boden.
Ein Grinsen schlich sich wieder auf sein Gesicht, als er die Kralle wieder aus seinem Rücken riss. Blut spritzte aus der Wunde, aber er ignorierte es.
„Nun, sieht so aus, als gäbe es zumindest etwas positives." Er hob den rechten Arm und änderte ihn in einen weißhäutigen Dämonenarm. Ein Arm mit zwei Zehn Zoll langen Krallen. Und eine Klaue fehlte.
Gin legte die Kralle aus dem Rücken auf den Stumpf der fehlenden und sofort wuchsen beide zusammen.
„Fühlt sich viel besser an.", grinste er. Seine Sicht war immer noch geblendet, aber er hatte eine gute Idee, wo er hin wollte. Nach rechts in die Richtung von Dante und Vergil.
Nach Recht in die Richtung der Wand.
Vodka schluckte. Was war da los? Plötzlich hatte Aniki den Arm eines Dämons, ließ sich einen abgehackten Finger wieder anwachsen und war in einem Bannkreis gefangen?
„Sieht so aus, als wüsstet ihr, wer ich wirklich bin.", sagte Gin sachlich. „Sonst hättet ihr nie einen Wasserzauber für diesen Kreis genutzt. Ganz zu schweigen davon, dass ihr meinen richtigen Namen eingesetzt habt." Er senkte den Kopf und seine Stimme wurde zu einem Knurren. „Aber ihr habt eine Sache vergessen. Meine besondere Fähigkeit."
Auch sein linker Arm wurde zu dem eines Dämons. Langsam hob er beide. „Dachtet ihr, ich habe diese Krallen nur, um Menschen aufzuspießen?"
Er rammte beide Hände in die Wand und bohrte seine Krallen ein wenig hinein. Die Mauer wurde sofort wieder undurchsichtig, nun waren mehrere Risse auf der Oberfläche zu sehen.
„Nein", knurrte er, „Meine Fähigkeit ist es Barrieren zu durchbrechen. Egal wie stark sie sind."
Sein Körper begann langsam zu zerreißen. Sein Fleisch zerriss und mehrere tiefe Wunden erschienen auf seinem Oberkörper, die stark bluteten.
Dennoch bröckelte die Wand weg.
„Shit!", seufzte Dante, „Zeit für Plan B?"
„Schlag ihn tot!", knurrte Vergil.
Beide griffen an, aber zu spät. Der Zauber löste sich, so dass Gin sich wieder normal bewegen konnte und sein Sinne zurück kehrten. Nun, abgesehen von seiner Sicht vielleicht.
Aber das war genug um auszuweichen und sich in eine sichere Entfernung zu bringen.
Sofort, als seine Füße den Boden berührten, zerbrach der Asphalt.
„Ich hoffe ihr wisst, dass ihr nun in ernsten Schwierigkeiten seid.", knurrte Gin. Die Luft um ihn herum begann zu flackern und der Boden unter ihm zu schmelzen. Das Blut, das nach unten tropfte, trocknete sofort, als das Wasser in ihm verdampfte.
„Ich mag es nicht in Fallen gelockt zu werden."
