-XXIII-
Das geschmolzene Metall, aus dem die Golems bestanden, kühlte langsam ab, wodurch es für Vergil und Dante einfach war, sie zu zerschlagen. Nun konnten sie sich wieder auf den Höllendämon konzentrieren, Dante hoffte, dass es für die Kinder noch nicht zu spät war. Die Brüder eilten zurück.
„Sag mir, Dante…", meinte Vergil, als er plötzlich stehen blieb, „Kennst du diesen Mann?"
Dante runzelte die Stirn und folge Vergils Blick. Ein Mann mit dunkler Kleidung, einer Strickmütze und einem acht Fuß langem Speer stand vor den Kindern. Gin hatte sich zurück gezogen.
Dante pfiff. „Yep. Ich kenne den Kerl. War vom FBI, wurde aber von einem Wald Dämon in den Arsch getreten. Nun nicht wirklich. War ein Geist und nutzte die Knochen von einem armen Idioten, um dem FBI zu helfen."
„Das dort sieht für mich aber nicht nach einem Geist mit Knochen aus.", grunzte Vergil, „Sieht und riecht sehr nach Dämon."
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Conan und Ai waren sprachlos. Sie beide hatten gesehen, wie dieser Mann zusammenbrach, wie der Geist die Knochen verließ und verschwand, nachdem er geholfen hatte den Dämon Humbaba zu schlagen.
Aber jetzt war er wieder zurück und stand direkt vor ihnen. Shuichi Akai.
-oOo-
„Akai-san?", fragte der geschrumpfte Detektiv nach praktisch einer Ewigkeit, wie es schien.
„Lebend und gesund.", antwortete jener. Er schwang den Speer kurz und hängte ihn sich dann über die Schulter.
„Lange nicht gesehen.", knurrte Gin, während er den Kopf schief legte. „Du hast dich nicht großartig verändert, seit du von diesen Menschen exorziert wurdest. Doch ich bin immer noch überrascht, dass Special Agent Shuichi Akai, Ex-BO-Agent Rye, der Dämon ist, der mich versiegelt hatte."
„Die Welt ist ein Dorf.", grinste Dante, als er hinter den Kindern erschien. Vergil stand ein bisschen abseits und sah den weißen Dämon an.
Gin seufzte und spreizte seine Krallen. „Jedenfalls werde ich nicht den Fehler machen, dich wieder zu unterschätzten."
Vergil wartete nicht länger. Er sprang vorwärts und ließ seine Handschuhe gegen den Dämon prallen.
Gin machte sich nicht einmal die Mühe auszuweichen, so das Vergil ihn mit Beowulf traf. Die Waffe mit dem Element Licht riss ein riesiges Loch in das Gesicht des Höllendämons. Allerdings bemerkte es dieser noch nicht einmal. Schwarze Ranken schossen aus der Wunde und schwangen zu dem Halbdämon. Vergil verschwand mit einem Zischen und tauchte mehrere Meter entfernt auf. Die Ranken trafen nur einen nahen Lastkran.
Das Metall ächzte, dann verschwand ein großer Teil einfach. Der Kran schwankte und fiel dann nach rechts in die Richtung des Höllendämons. Bevor es ihn jedoch traf, verschwand das Metall. Schwarzen Ranken umwickelten es, lösten es auf.
Die Dämonenjäger runzelten die Stirn. Beowulf konnte ihn verletzten, aber warum?
„Höllendämon sind die Gegner der Existenz selbst.", erklärte Akai. Scheinbar war er fähig ihre Fragen zu erkennen, bevor sie jene aussprachen.
Der FBI-Agent verschränkte die Arme. „Ihr Element ist die Finsternis, deswegen ist Licht so stark gegen ihn."
Gin fixierte sie mit dem verbliebenen Auge. Die schwarzen Ranken kamen zurück und das Loch in seinem Gesicht verheilte.
„Und du denkst, du weißt nun, wie du gegen mich kämpfen musst?", sagte Gin gelangweilt, „Dein Vater war ein starker Lichtdämon, aber du bist nur ein Bastard."
„Was auch immer.", meinte Dante schulterzuckend. „Wir sind nicht hier um familiäre Angelegenheiten zu diskutieren. Wir sind hier, um dir bis zum nächsten Sonntag in den Arsch zu treten."
Gins einzige Reaktion war seine Krallen zu spreizen und sie sich in die eigenen Schultern zu rammen.
Er zuckte nicht einmal, als er sein eigenes Fleisch auseinander riss und große schwarze Ranken unter seiner Haut enthüllte.
„Was ist das?", schrie Conan. Dante verzog das Gesicht. Verdammt. Er hatte völlig vergessen, dass die Kinder noch da waren. Die Kinder und die übrigen FBI-Agenten.
Er wandte seinen Blick zu Vergil, der sofort verstand. Er zog sich leicht zurück und wandte sich und wandte sich an die überlebenden.
„Geht jetzt.", meinte er.
„Ihr sollt verschwinden!", schnappte Vergil. „In dem Zustand, in dem sich der Dämon jetzt befindet ist zu gefährlich für euch Menschen, als das ihr jetzt bleiben könntet!"
Ein Schatten löste sich und huschte in ihre Richtung, umhüllte James Mercedes und löste ihn auf.
„Seht ihr?", knurrte Spardas Sohn, „Alleine seine Anwesenheit ist zu gefährlich für euch."
Akai redete mit den Kindern ohne seinen Blick von dem Höllendämon zu lösen. „Rennt weg.", sagte er, „Rennt einfach weg und schaut nicht zurück."
Angetrieben von einer unbekannten Kraft kamen die zwei geschrumpften Erwachsenen wieder auf die Beine und liefen an dem weißen Dämon vorbei. Dante folgte ihnen, um sicherzugehen, dass sie überlebten.
Schatte überfluteten die Umgebung und schossen plötzlich aus dem Boden, um sie aufzuspießen. Rebellion schnitt durch sie und stoppte sie für einen Moment sehr effektiv.
Aber sie über schwemmten einfach weiter die Umgebung.
Nur zwei Fahrzeuge blieben intakt. Andre, James und die vier anderen überlebenden Agenten quetschten sich in das größere Auto und flohen so schnell wie möglich.
Jodie, Conan und Ai sprangen in das zweite Auto. Jodie trat das Pedal durch und der Motor erwachte heulend zum Leben. Die Räder quietschten auf dem Asphalt und rutschten seitwärts, ehe sie Halt fanden und vorwärts schossen.
Plötzlich erhob sich eine schwarze Wand aus dem Boden und nacheinander öffneten sich dutzende von smaragdgrünen Augen.
„Wo gedenkst du hinzugehen, Sherry?"
Klingen aus Schwärze kamen aus der Wand, spießten das Auto auf und schabten an den Seiten und dem Dach. Eine von ihnen schnitt durch den Motor und zerstörte ihn, indem sie ihn in zwei Teile schnitt.
Wunderlicherweise überlebten alle Insassen mit nur wenigen Verletzungen, obwohl das Auto ein Wrack war.
Dante war sofort bei ihnen und riss die geborstene Tür aus den Angeln.
Jodie und Conan schafften es sich zu befreien, aber Ai blieb im Inneren.
„Er will nur mich…", flüsterte sie, „Vielleicht ist es am besten…"
„Nichts ist am besten!", schnappte Dante, „Denkst du ich verfüttere ein Mädchen an das Ding?"
„Ding. Niemand hat es je zuvor gewagt mich ein Ding zu nennen."
Die schwarze Wand löste sich auf und enthüllte den Höllendämon, der dort stand. Dante fuhr herum. Der war doch- nein. Der, der vor Akai stand, wurde zu schwarzem Rauch.
„Du kannst mir nicht entkommen. Egal wohin du fliehst."
„Ach ja?", grinste Dante, als er dem Dämon den Kopf abschnitt. Allerdings schlug dieser mit den Klauen nach dem Halbdämon, während sein Kopf nachwuchs. Schwarze Energie und Schatten überfluteten wieder die Umgebung.
„Was ist er?", reif Conan, als Jodie ihn und Ai hinter sich schob.
„Ein Höllendämon.", knurrte Vergil, „Das Gegenteil der Existenz selbst. Deshalb können wir ihn nicht töten, egal wie stark wir ihn verletzten."
„Versuch die Zerstörung zu zerstören.", stöhnte Dante, „Ich hasse diese verdammten gehirnaufweichenden Wortspiele."
Gin neigte kurz den Kopf und verschwand. Plötzlich zerbrach der Asphalt und eine riesige Schlucht tat sich auf. Die zerklüfteten Wände reichten mehrere hundert Meter hinab und am Grund war Lava zu sehen.
„Oh…", meinte Dante, „Das könnte einige Probleme verursachen."
Ein weiterer Riss tat sich mehrerer Blöcke entfernt auf und verband sich mit dem ersten zu einem perfekten Kreis.
Nun ja, einen perfekten Halbkreis. Die Risse erreichten nicht das Hafenbecken. Anstatt riesiger Flammen war dort die Kaimauer.
Versperrte jeden Fluchtweg.
Akai trat zu ihnen, den Speer ruhig über der Schulter tragend.
„Scheint als hätten wir ein Problem.". sagte er.
„Welches?"
„Während wir hier mit einander sprechen ist Sharra in den Boden verschwunden. Er ist die Erde und das Feuer, das heißt er kann überall auftauchen, wo er will."
„Wir müssen ihn stoppen.", knurrte Vergil. Dante nickte, und sah sich um. James und die anderen FBI-Agenten waren weg, nur die drei anderen waren noch hier.
„Aber wie?", rief Ai, „Ihr habt gesagt, dass man ihn nicht töten kann."
„Weil er das reine Nichts ist.", erklärte Shuichi ihr, „Im Grunde genommen ist er das Gegenteil zur Materie. Die Haut, die er trägt trennt ihn nur von der Existenz."
Er grinste. „Die einzige Möglichkeit, ihn zu schlagen, ist seinen innersten Kern zu durchbohren. Ein schwarzes Juwel, das als Sender zwischen dieser Welt und seinem Geburtsort fungiert. Ist das zerbrochen, kann er nichts mehr tun."
„Nun, wartet ab."
Die Erde begann zu beben, als eine brennende Kugel durch den Boden brach und in den Himmel schoss.
„HA! Du hast verfehlt!", rief Dante, als er sah, dass sich das Loch schloss.
„Er hat nicht auf dich gezielt.", warnte Vergil seinen Bruder. Er beobachtete die brennende Kugel, die höher und höher stieg. Allerdings verlangsamte sie sich irgendwann und fiel erst langsam, dann immer schneller zurück auf die Erde.
Als die Kugel den Erdboden berührte, begann dieser zu beben. Das Lager begann weg zu bröckeln, als sich ein 250 Fuß großer Berg erhob. Während er wuchs zerstörte er alle Straßen und riss sämtliche Häuser ein, gleichzeitig bebte die Erde immer heftiger.
Das Wachstum brach jäh ab, dann spie der Berg Felsen und Feuer. Lava flutete von der Spitzte hinab, Rauch und Asche verdunkelten den Himmel.
„Holy crap!", rief Dante, „Er baut wirklich einen verfreakten Vulkan!"
„Sei vorsichtig!", knurrte Vergil, „Nicht einmal wir können Lava standhalten."
Ein Strom aus geschmolzenem Gestein kam auf sie zu und zwang sie auf die andere Seite des Halbkreises zu flüchten.
Das Magma änderte plötzlich ihre Richtung, als ein zwölf Fuß großer Dämon vorwärts sprang und mit glühenden, weißen Klauen nach ihnen schlug. Vergil packte Ai am Kragen und zerrte sie aus der Gefahrenzone, aber Gin verschmolz einfach wieder mit dem Boden.
Es war für einen Moment still, abgesehen von dem wütenden Vulkan.
Ein paar ruhige Augenblicke später erhoben sich zwei weitere Vulkane aus dem Boden.
