Edward hatte Nate die ganze Zeit über nur mit wütend zusammen gekniffenen Lippen angestarrt. Jetzt fasste er Nate an der Schulter und zog ihn gewaltsam zurück. „Verschwinde hier", stieß er zwischen gefletschten Zähnen hervor. „Kein Stress, Eddie", antwortete Nate lächelnd und nahm Edwards Hand mit spitzen Fingern von seinem Anzug.

„Ich will sie dir ja nicht für immer nehmen, nur für den nächsten Tanz. Sei froh, dass du eine derart schöne und begehrenswerte Freundin hast." Schon wieder lief ich knallrot an. Edward öffnete den Mund und schloss ihn wieder, ohne etwas zu sagen. Nate lächelte ihn an, dann legte er ihm freundschaftlich die Hand auf die Schulter und murmelte: „Du solltest wirklich sehr stolz auf sie sein." Edward sah ihn eine Minute unschlüssig an. Seine plötzlich aufgeflammte Wut stand ihm immer noch ins Gesicht geschrieben, doch um seinen gefühlvollen Mund spielte ein zusätzlicher Zug: Stolz. Er warf mir einen Blick zu. „Willst du, Bella?" Ich wollte eigentlich die Achseln zucken, aber der Nates Blick, der auf mir ruhte, brachte mich dazu, zu nicken. Nate führte mich auf die Tanzfläche, und er führte auch den gesamten Walzer durch. Ich überlegte mir während das Tanzes mehrfach, ein Gespräch mit ihm zu beginnen; sein plötzliches Auftauchen und Edwards seltsames Verhalten ihm gegenüber brachten mich auf die verrücktesten Ideen. Doch jedesmal, wenn ich zu ihm aufsah, wirkte sein Gesicht so verschlossen, dass ich meine Fragen lieber hinunterschluckte. Die Musik verstummte. Nate lächelte mich gewinnend an. „Gönn mir noch einen Tanz, um den ersten Lügen zu strafen." Ich wollte gerade nicken, trotz der Stille hatte ich unseren Tanz sehr genossen, als Edward auf die Tanzfläche stürmte. Er packte Nate an den Schultern und schüttelte ihn. Er brachte sein Gesicht so nah vor das von Nate, dass sich ihre Nasenspitzn fast berührten. „Du solltest jetzt wirklich besser gehen." Nate ließ sich jedoch nicht aus der Ruhe bringen, obwohl Edward vor Wut kochte. „Lass uns das Ganze vergessen, das war, in Ordnung? Du willst doch nicht nachtragender sein als ein Oberkellner." Er lachte kurz auf. Edward schüttelte langsam den Kopf. „ich will dass du gehst. Sofort." „Dann lass uns das draußen regeln – wie die Männer die wir sind." Edward nickte, und die beiden wollten die Turnhalle verlassen. Ich packte Edward am Ärmel. Ich hatte ihn noch nie derart aufgebracht erlebt, und ehrlich gesagt hatte ich Angst – Angst um ihn, aber seltsamerweise auch um Nate. Ich kannte ihn zwar erst seit einer halben Stunde, fühlte mich ihn aber dennoch so verbunden, als würde ich ihn schon tausend Jahre kennen. Edward stieß mich hart zur Seite. „Misch dich nicht ein, dumme Gans!" Ich fuhr zusammen. Die Beleidigung traf mich nicht so hart wie seine rüde Behandlung. Gestresst und wütend, in Ordnung. Aber das gab ihm noch lange nicht das Recht, mich so zu behandeln. Und ich würde ihm das nicht durchgehen lassen, ganz sicher nicht.

Ich ballte die Faust. „Was habt ihr denn vor? Euch prügeln wie kleine Jungs?" In der Turnhalle war es totenstill geworden, alle starrten uns an. Taylor, die Head- Cheerleader, flüsterte ihrer besten Freundin Jordan etwas ins Ohr, und die beiden dummen Kühe begannen zu kichern. Estella stand uns am nächsten und fürchtete wohl um die geschmackvolle Dekoration des Ballsaals. Alle anderen gafften nur, skandalös, das Ganze. Edward schaute mich an. Nate wiederum hielt seinen Blick auf Edward gerichtet. „Genau, Eddy, was hast du vor?" Edward machte einen Satz auf ihn zu, und auch ich spannte alles Muskeln an, um im Notfall dazwischen zu gehen. Er schien es zu merken, denn er schaute verunsichert zwischen Nate und mir hin und her. Nate holte tief Luft, er schien größer zu werden und auch stärker; sein Gesichtsausdruck blieb jedoch vollkommen ruhig und entspannt. Die tiefe Gelassenheit, die er ausstrahlte, beruhigte mich auch ein wenig. Auf ein Mal packte Edward ihn am Kragen seines Anzugs. Ich warf mich von hinten gegen ihn. „Lass ich los!", schrie ich und hämmerte mit den Fäusten gegen seinen Rücken. „Er hat doch nichts getan!" So plötzlich, wie er ihn angesprungen hatte, ließ Edward Nate wieder los und drehte sich zu mir um. „Du hast wirklich von nichts eine Ahnung!" stieß er hervor, dann stürmte er aus der Halle. Ich stand einen Moment wie versteinert, dann begannen die Tränen zu fließen. Nate strich sich die blonden Locken aus der Stirn und legte mir seine Anzugjacke um die Schultern. „Ich bringe dich nach Hause, Bella." Ich nickte.