Kapitel 6

Als Grissom die Wohnungstür aufschloß, kam ihm der Duft von frischem Kaffee entgegen.

Christine hatte anscheinend mit dem Frühstück auf ihn gewartet. Er stellte die Sachen ab und ging in die Küche. Tatsächlich wartete ein gedeckter Tisch auf ihn. Sekunden später kam sie herein und gab ihm zur Begrüßung einen Kuß.

„Hallo, ich habe noch etwas Zeit, da dachte ich wir frühstücken gemeinsam. Und dann kannst du mir auch von Maimi erzählen."

Grissom war froh so ein unverfängliches Gesprächsthema zu haben. Etwas was nichts mit Sara zu tun hatte.

Christine folgte seinen Ausführungen aufmerksam, sah aber nach einer Stunde auf die Uhr.

„Gil, tut mir leid, dass ich dich unterbreche, aber ich muss gleich los. Bevor ich es vergesse, ich habe deine Tiere wie versprochen versorgt, aber vielleicht ist es ganz gut, wenn du dich selbst davon überzeugst."

„Eine gute Idee", erwiderte Grissom.

„Meine innere Uhr ist noch nicht auf Las Vegas eingestellt. Ich lege mich kurz hin und fahre dann mal zum Haus."

„Gut, ich hoffe, dass ich nichts falsch gemacht habe."

Ein paar Minuten später machte sich Christine auf den Weg zur Uni und Grissom versuchteein wenig zu schlafen.

Endlich, nachdem er nicht mehr an Sara dachte, schlief er ein.


Nach der Heirat hatten Grissom und Christine entschieden, dass sie in ihr Apartement zogen. Es lag näher an der Universität und da sie keine Tiere und Experimente mochte, schlug Christine vor, dass er sein Haus behalten sollte.

Alle möglichen Dingen blieben einfach dort und Grissom fuhr seitdem oft hierher.

Es wurde sein Refugium, wo er seine Ruhe hatte, wenn Christine Studenten oder Kollegen nach Hause einlud.

So war es auch heute. Er überprüfte die Terrarien, goß seine Pflanzen und ging die Post durch.

Zahlreiche Zeitschriften kam noch immer hierher. Er machte sie einen Kaffee und setzte sich mit der aktuellen Ausgabe des forensischen Journals in den Sessel. Aber irgendwie konnte er sich heute nicht konzentrieren.

Er schaute sich im Raum um. Niemand würde den Unterschied zu früher erkennen. Es war fast egal, ob er hier wohnte oder nicht.

Er fragte sich wie Saras Wohnung aussah. Sicher spiegelte sie ich Wesen wider.

Sara, er bekam sie nicht aus dem Kopf.

Und ehe er es sich versah, wählte er ihre Nummer.

„Sidle."

„Hallo, ich bins. Störe ich dich ?"

„Nicht wirklich. Ich habe mir gerade einen Kaffee gemacht und blättere ein paar Zeitschriften durch. Und nun telefoniere ich."

„Tatsächlich. Ich mache genau das selbe."

Er hörte Sara auflachen.

„Bis du mir sehr böse, weil ich nicht mit dir gesprochen habe ?"

„Nein, aber traurig."

„Oh, das wollte ich nicht. Tut mir leid. Ich wußte nicht was ich sagen sollte."

„Und nun weißt du es ?"

„Nein eigentlich nicht. Aber ich wollte deine Stimme höre."

Schweigen.

„Sara, bist du noch da ?"

„Ja. Grissom, was willst du ?"

Sara wollte diese Frage eigentlich nicht stellen. Es klangt so nach Klischees. Aber sie konnte einfach nicht anders.

Leider hatte sie das Gefühl, dass Grissom das nicht wußte.

Am anderen Ende war Stille.

„Das dachte ich mir. Ich denke, wir sollten erst wieder über uns reden, wenn du eine Antwort hast. Du weißt, dass ich immer für dich da bin. Aber du musst dir darüber klar sein, was du willst. Einverstanden ?"

Grissom seufzte.

„Du hast Recht. Ich werde darüber nachdenken."

Dann hörte er nur noch wie Sara auflegte.

So weh es auch tat, er musste sich eingestehen, dass sie Recht hatte.

Was wollte er eigentlich ?


Fast eine Woche lang schlichen Sara und Grissom nun um sich herum.

Sie gingen ganz normal mit einander um, aber Grissom verspürte immer mehr die Sehnsucht Sara in den Arm zu nehmen.

Natürlich war es nicht das was Sara gemeint hatte, aber was sollte er machen.

Als beide kurz vor Ende der Schicht zusammen im Layout-Raum standen, legte Grissom seine Hand auf Saras.

Sie sah ihn fragend an.

„Hast du Lust auf ein Frühstück ? Ich kenne einen Platz wo wir ungestört reden können."

Sara nickte.

„Danke."

Grissom war erleichert, dass sie ihm keine Abfuhr erteilte.

Nun musste er sich nur noch überlegen was er ihr sagen wollte.