Kapitel 9
Es fiel Grissom wirklich schwer das richtige zu tun, wenn er Sara ansah. Und dann sagte sie auch noch so etwas. Am liebsten hätte er sie in den Arm genommen, geküsst und geliebt.
Aber er musste erst einmal mit Christine reden.
Auch wenn es ihm schwer fiel, er musste sie für den Moment gehen lassen.
„Ich liebe dich auch."
Mehr schien Sara nicht von ihm zu erwarten.
Sie folgte ihm zum Auto.
„Du kannst mich nicht fahren. Wir sind ja in getrennten Wagen gekommen."
„Schade, ich will dich eigentlich noch nicht gehen lassen."
„Wir sehen uns ja heute abends."
Grissom öffnete die Autotür und lies Sara einsteigen.
Dann sah er sich um, beugte sich herunter und gab ihr einen Kuss.
„Fahr vorsichtig."
Sara nickte nur, startete das Auto und fuhr davon. Grissom sah ihr hinterher bis das Auto verschwunden war.
x
Langsam ging er zurück ins Haus.
Während er die Tiere fütterte, überlegte er sich seine nächsten Schritte.
Er musste mit Christine reden und zwar so bald wie möglich.
Wie würde sie reagieren?
Wahrscheinlich aus allen Wolken fallen. Natürlich wusste sie, dass es nicht die große Liebe zwischen ihnen war, aber sie empfanden Freundschaft und Respekt füreinander.
Grissom hatte wenig Hoffnung, dass er das nicht verlieren würde. Dazu hatte er in seinem Berufsleben schon zu viele Paare gesehen.
Allein das Wort Scheidung jagte ihm Angst ein. Niemals hätte er gedacht, dass er bald selbst davon betroffen sein würde.
Für ihn war Scheidung ein Zeichen von persönlichem Versagen.
Bei der Hochzeit hatte man ein Versprechen gegeben und die Scheidung war ein Bruch des Verbrechens.
Nicht nur dem Partner gegenüber, sondern auch der beteiligten Familie und den Freunden die dabei waren.
„Oh Gott, meine Mutter", sagte Grissom plötzlich laut.
Sie war so froh gewesen als er endlich geheiratet hatte. Er würde nicht mehr allein sein, wenn sie nicht wäre.
Natürlich hatte Grissom vehement widersprochen, denn er konnte wirklich nicht auf sie verzichten.
Aber sie war so glücklich an diesem Tag gewesen. Konnte er ihr wirklich eine Scheidung zu zumuten?
Grissom fielen plötzlich so viele Dinge ein, die er in diesem Zusammenhang regeln musste.
X
Seit einer Stunde beobachete Pater Michael den Mann in der vorletzten Reihe seiner Kirche.
Er hatte gehofft, dass auf ihn zu kommen würde. Er sah doch genau, dass der Mann seinen Rat brauchen oder wenigstens jemanden zum Reden.
Langsam ging er auf die Bank zu und setzte sich hin.
„Kann ich Ihnen helfen? Wollen Sie mir erzählen was Sie beschäftigt?"
„Hallo, Pater ?"
„Pater Michael."
Grissom streckte ihm die Hand entgegen.
„Gil Grissom. Ich dachte, dass ich hier vielleicht Kraft finde. Und Antworten."
„Und?"
„Vielleicht muss ich noch ein paar Stunden sitzen."
„Vielleicht. Oder Sie erzählen mir kurz was Sie bedrückt."
„Ich habe mich verliebt. Und ich bin verheiratet."
„Und es sind zwei verschiedene Frauen?"
Grissom nickte. Er zögerte noch ein paar Sekunden bevor er dem Priester seine Situation schilderte.
Danach schwieg er und wartete auf die Antwort. Die Kirche konnte sein Verhalten unmöglich gutheißen. Oder ?
„Die Kirche predigt Liebe und es ist etwas schönes, wenn man sie empfindet und empfängt. Fühlen Sie sich nicht schuldig."
„Aber ich breche ein Eheversprechen. Das ist eine Sünde."
„Natürlich ist die Kirche für die Ehe. Aber Sie haben nicht kirchlich geheiratet. Vielleicht wussten Sie schon damals es keine richtige Ehe war. Denn die sollte doch immer auf Liebe und nicht auf Freundschaft beruhen. Und nun haben die wahre Liebe gefunden, oder?"
Grissom nickte.
„Dann wissen Sie was Sie tun müssen."
„Was sind Sie für ein Priester? Sie müssen mich doch vom Gegenteil überzeugen."
„Nein, ich muss Sie nicht überzeugen. Ich helfe Ihnen einen Weg zu finden. Ihrer Weg."
Pater Michael stand auf.
„Bleiben Sie solange Sie wollen. Die Kirche ist immer für Sie da."
Grissom dankte dem Mann. Er blieb noch eine Weile sitzen.
Als er die Kirche verlies, hatte er ein paar Antworten gefunden.
